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Landessortenversuche 2020: Spelzweizen (Dinkel)

Dinkelanbau in Niedersachsen – auch konventionell wirtschaftende Betriebe setzen zunehmend auf diese alte Kultur. Das Interesse der Verbraucher ist in den letzten Jahren gestiegen und es bieten sich Chancen, regionale Absatzmärkte zu erschliessen.

Dinkel (Spelzweizen)
 Dinkel (Spelzweizen) Carsten Rieckmann
Dinkel wird konventionell vornehmlich auf den Lehm- und Lößstandorten südlich und südöstlich von Hannover bis in die Höhenlagen hinein angebaut. In den Landkreisen Lüchow-Dannenberg, Lüneburg und Uelzen hingegen spielt der Anbau vor allem bei ökologisch wirtschaftenden Betrieben bereits seit längerem eine Rolle, wird aber auch landesweit zunehmend ausgedehnt. Laut der Invekos-Daten liegt die Anbaufläche von Dinkel (= Spelzweizen) in Niedersachsen 2020 bei knapp 5.900 ha. Nach dem deutlichen Rückgang von 3.500 ha im Jahr 2016 auf 1.900 ha im Jahr 2017 hat sich die Fläche speziell von 2019 auf 2020 stark erhöht.

Allgemeines zum Dinkel

Der Dinkel ist eine alte, bespelzte Kulturform des Weizens. Optisch unterscheidet er sich vom üblich angebauten Weichweizen durch seine relativ lange und lockere Ähre, das bespelzte Korn und das lange Stroh, wobei von Seiten der Züchtung in den letzten Jahren bereits deutlich kürzere Sorten entwickelt wurden. Dinkel zeichnet sich durch seine gute Winterhärte und die gegenüber Weizen geringeren Bodenansprüche aus, wobei er auf sehr guten Böden, wie beispielsweise die eigenen Ergebnisse in den Börderegionen zeigen, natürlich auch sehr gut gedeiht. Während Weizen in der Abreifephase sich goldgelb präsentiert, beginnen die Ähren und Halme bei Dinkel sich mit zunehmender Reife rötlich zu verfärben, weshalb er auch als „Rotkorn“ bezeichnet wird. Geerntet und vermarktet werden die sogenannten Vesen. Es handelt sich dabei um die Ährchen, die meistens zwei Körner enthalten. Durch den hohen Anteil der Spelzen - je nach Sorte ca. 20 bis 25 % - liegt der Kornertrag letztlich um diesen Prozentsatz niedriger. Beim Transport und Verkauf ist das gegenüber Weizen deutlich geringere Hektolitergewicht zu beachten.

Dinkel findet in der menschlichen Ernährung vielseitig Verwendung, nicht nur in den klassischen Broten. Er gewinnt sowohl für Spezialgebäcke als auch für die Nudelherstellung oder als Frühstückscerealie zunehmend an Bedeutung.

Gegenüber dem gängigen Weichweizen weist Dinkel höhere Eiweiß- und Klebergehalte auf, hat eine andere Protein- und Kleberstruktur und ist überdies sehr mineralstoffreich, besonders in puncto Kieselsäure.

Anbauhinweise

Bei der Aussaat besteht die Möglichkeit die Vesen auszusäen oder aber auf entspelztes Saatgut zurückzugreifen. Probleme bei der Aussaat von Vesen können vor allem bei pneumatischen Drillmaschinen durch Verstopfungen auftreten. Von daher wird zunehmend auf entspelztes, aber deutlich teureres Saatgut zurückgegriffen, wobei hier die Triebkraft des Saatgutes durch den Entspelzungsvorgang möglichst nicht beeinträchtigt werden sollte. Der Aussaatzeitpunkt ist vergleichbar mit dem von normalem Winterweizen. Die Saatstärke sollte in Abhängigkeit vom Saattermin und den Bodenbedingungen gewählt werden; sie beträgt ca. 120 bis 180 kg Vesen/ha, was ca. 250 bis 340 Kö./m² entspricht.

Ergebnisse der Landessortenversuche

In Niedersachsen werden Sortenversuche seit einigen Jahren an den Standorten Poppenburg (LK HI), Königslutter (LK HE) und in den Höhenlagen am Standort Mollenfelde (LK GÖ) geprüft, wobei auch Wertprüfungsstämme in die Versuche integriert sind. Dadurch kann in der mehrjährigen Betrachtung bei neuen Sorten bereits auf deren Vorprüfungsdaten zurückgegriffen werden.

Mit Franckenkorn und Zollernspelz werden langjährig etablierte Sorten weiterhin geprüft, die von Seiten der aufnehmenden Hand auf Grund ihrer Qualitäten nach wie vor gerne vermarktet werden. Das belegen die nach wie vor hohen bundesdeutschen Vermehrungszahlen. Badenkrone gehört ebenfalls zu den etablierten Sorten, deren Vermehrungsfläche aufgrund der schwächeren Qualitäten allerdings eher gering ausfällt.

Badensonne, Hohenloher sowie Zollernperle und Albertino sind recht neue Sorten, wobei die beiden letztgenannten Sorten bereits hohe Flächenanteile in der Vermehrung ausmachen.

Der Vesenertrag lag 2020 im Mittel der drei Standorte bei 88 dt/ha und damit etwas niedriger als in den beiden Vorjahren.

In den diesjährigen Landessortenversuchen erreichte Badenkrone mit Abstand die höchsten Erträge, gefolgt von Hohenloher und Albertino. Alle drei genannten Sorten zeigten auf den drei Prüfstandorten überdurchschnittliche Leistungen. In dieser Reihenfolge stellen sich auch die mehrjährigen Ergebnisse dar. Badensonne hingegen konnte in diesem Jahr nicht ganz überzeugen, gehört mehrjährig betrachtet aber auch zu den ertragsstarken Sorten. Die erstmalig im LSV geprüfte Sorte Zollernfit konnte ihre guten Ergebnisse in den Wertprüfungen leider nicht bestätigen. Die vom Bundessortenamt (BSA) als sehr ertragsstark eingestufte Sorte Zollernperle lag in den niedersächsischen Prüfungen auf einem durchschnittlichen Niveau. Zollernspelz, Badensonne, Hohenloher und Zollernfit erwiesen sich als standfest, während die langstrohige ältere Sorte Franckenkorn hier Probleme zeigte. Schwächen in der Blattgesundheit sind bei Badensonne und Albertino zu beachten, vor allem in Bezug auf Mehltau und Braunrost. Bodenkrone reagierte empfindlich auf Blattseptoria.

Wichtige Vermarktungskriterien beim Dinkel sind die Restfeuchtegehalte, der Rohproteingehalt sowie die Fallzahl. Insbesondere das Erreichen der geforderten Fallzahl könnte in Jahren mit ungünstigen Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt der Ernte zu Problemen führen. In den vom Landhandel oder Genossenschaften angebotenen Verträgen werden Standardqualitäten in ca. folgender Größenordnung gefordert: 12 – 13 % RP, 240 – 270 s Fallzahl, max. Feuchte 14,5 – 15 %.

Mit hohen RP-Gehalten und Fallzahlen kann vor allem Zollernspelz überzeugen. Aber auch Franckenkorn, Hohenloher und Zollernfit erreichen insgesamt gute Einstufungen. Das Merkmal Kernausbeute beschreibt das Verhältnis von Kern- zu Vesenertrag und stellt somit eine entscheidende Größe für die Wirtschaftlichkeit bei der Weiterverarbeitung des Erntegutes dar. 

Für die Sortenentscheidung sind neben den ertraglichen und agronomischen Kriterien vor allem die Sortenvorgaben der aufnehmenden Hand entscheidend, da der Anbau zum überwiegenden Teil über Verträge vor der Aussaat vereinbart wird.

Zusammenfassung

Der Dinkelanbau in Niedersachsen kommt zusehends aus der Nischenproduktion heraus und entwickelt sich kontinuierlich als ökonomisch sinnvolle Ergänzung zu den anderen Getreidearten. Eine Auflockerung weizendominierter Fruchtfolgen lässt sich dadurch jedoch nicht bewerkstelligen. Für einen erfolgreichen Anbau ist derzeit in jedem Fall ein Vertragsanbau anzuraten. Hierzu sollte zeitnah mit dem örtlichen Landhandel oder der Genossenschaft Kontakt aufgenommen werden. Ein Vergleich der Vertragskonditionen macht sicherlich Sinn. Vor allem die Sortenwahl und die zu erfüllenden Qualitätskriterien der anzuliefernden Ware sollten bereits vor Aussaat abgestimmt sein. Der Dinkelanbau kann dazu beitragen, dass noch stärker regional erzeugtes Getreide in der Region verarbeitet und beim Bäcker vor Ort eingesetzt wird. Backwaren aus/mit Dinkel haben aufgrund der Qualitätseigenschaften derzeit ein sehr gutes Ansehen beim Verbraucher. Die momentan anhaltende Nachfrage sollte von daher entsprechend durch den heimischen Anbau genutzt werden.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Carsten Rieckmann

Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte

 0511 3665-4357

  carsten.rieckmann~lwk-niedersachsen.de


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