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Faserfutter für Schweine

Während die Rohfaser früher eher als Nährstoffverdünner im Futter galt, wird inzwischen eine ausreichende Versorgung der Schweine mit Faser als absolut notwendig für Tiergesundheit und Tierwohl angesehen. Dabei ist zwischen der ernährungsphysiologischen Wirkung der Faser und der Verwendung von Faserkomponenten als Beschäftigungsmaterial zu unterscheiden. Die geänderte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung schreibt jetzt vor, dass Beschäftigungsmaterial zusätzlich organisch und faserreich sein muss. Was das Futtermittelrecht anbetrifft, sind bislang nur für tragende Sauen ein Mindestgehalt im Alleinfutter von 8 % Rohfaser (Basis Trockenmasse) bzw. mindestens 200 g Rohfaseraufnahme/Tag vorgeschrieben.

Die Initiative Tierwohl (ITW) fordert Zugang zu Raufutter, wobei hierunter rohfaserreiche, strukturreiche Futtermittel zu verstehen sind. Raufutter muss zusätzlich und separat zum Beschäftigungsmaterial angeboten werden (ausgenommen sind eingestreute Ställe).  ITW schreibt keine Mengen vor. Es muss aber eine Menge aufgenommen werden können, die im Magen-Darm-Trakt diätetisch wirken kann. Sowohl für Ferkel als auch für Sauen und Mastschweine wird ein Orientierungswert von etwa 50 g/Tag angegeben. Das Raufutter muss mehr als 12 Stunden pro Tag verfügbar sein. Für Beschäftigungs(rau)futter gilt ein Rohfasergehalt von mindestens 20 %. Der Tierschutzdienst Niedersachsen gibt auf der Homepage des Laves eine tierschutzrechtliche und -fachliche Einschätzung verschiedener Beschäftigungsmaterialien wieder. Dort werden für Pellets oder Cobs aus Stroh, Heu oder Luzerne mindestens 20 % Rohfaser (Basis 100 % TS) gefordert.

Schweine können Faser energetisch nutzen, aber nur, nachdem sie mikrobiell fermentiert wird und die entstehenden freien Fettsäuren anschließend im Dickdarm absorbiert werden. Mit welchem Parameter sich die Faserversorgung der Schweine am besten beschreiben lässt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. So geht es nicht nur um die chemische Zusammensetzung der Faser, sondern auch um ihre physikalische Struktur (z.B. Partikelgröße). Weiterhin sind ihre unterschiedlichen Wirkungen von Bedeutung: Zur physikalischen Wirkung zählen z.B. die Quellung, zur physiologischen Wirkung der Einfluss auf den Futterverzehr. Chemische Effekte treten z.B. im Mineralstoffwechsel auf.

Die in Tabelle 1 aufgeführten Faserkomponenten können Beschäftigungsfutter oder Bestandteile von Beschäftigungsfutter sein. Sie unterscheiden sich nicht nur durch die Höhe des Rohfasergehalts, sondern auch durch die unterschiedlichen Faserfraktionen und wirken folglich unterschiedlich im Tier (Förderung der Darmgesundheit, Erhöhung des Quellvermögens und des Sättigungsgefühls, Beeinflussung der Kotkonsistenz, Reduzierung des Auftretens von Schwanzbeißen etc.).

Tabelle 1: Fütterungsrelevante Faserfraktionen in unterschiedlichen faserreichen Futtermitteln (nach Dusel, 2018, gekürzt)

 

Rohfaser

g/kg

NDF

g/kg

ADF

g/kg

Hemicellulose

g/kg

Cellulose

g/kg

DF1)

g/kg

WHC2)

l/kg

Melasseschnitzel

144

405

206

199

187

466

3,4

Apfel-/Obsttrester

205

580

470

110

453

140

3,2

Luzernegrünmehl

235

430

306

124

228

160

2,7

Sojabohnenschalen

351

564

404

160

383

254

2,8

Stroh (Weizen)

382

721

458

263

380

260

k. A.

Lignocellulose

600

820

700

120

500

120

7,4

1)DF= verdauliche Faser (dietary fibre)           2) WHC=Wasserhaltevermögen

Es besteht kein enger Zusammenhang zwischen dem Rohfasergehalt und den physikalisch-chemischen Parametern wie z.B. dem Wasserhaltevermögen.  So sind Sojabohnenschalen sehr rohfaserreich, ihr Wasserhaltevermögen liegt aber deutlich unter dem von Melasseschnitzeln, die wesentlich weniger Rohfaser enthalten.

Untersuchungen zu Beschäftigungs-/Raufutter

Wie viel Raufutter/Beschäftigungsfutter nehmen Schweine tatsächlich auf? Welche Faserkomponenten werden bevorzugt? Gibt es Unterschiede in den Leistungen? Einige Versuchsergebnisse dazu sind nachfolgend aufgeführt.

1. Im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch (2020) wurden die Effekte einer Beschäftigungsfütterung in 12 Durchgängen Ferkelaufzucht und 4 Durchgängen Schweinemast geprüft. Als Beschäftigungsfutter wurden Strohpellets (37,9 % Rohfaser), Luzernepellets (21,7 % Rohfaser) und Grascobs (18,5 % Rohfaser) separat über Trockenfutterautomaten ad libitum angeboten. Wühlerde (18,6 % Rohfaser) wurde nur in der Ferkelaufzucht eingesetzt.

Den vollständigen Bericht entnehmen Sie bitte der angehängten pdf-Datei.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Andrea Meyer

Rinderfütterung, Schweinefütterung, Futterberatungsdienst e.V.

 0511 3665-4479

  andrea.meyer~lwk-niedersachsen.de


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