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Engpässe in der Verfügbarkeit von Flüssigbeizmitteln

Die Flüssigbeizung und die Furchenbehandlung sind die Standardmethoden zur Bekämpfung pilzlicher Schaderreger bei der Beizung. Das ULV (Ultra Low Volume) oder Mantis Verfahren kommt sehr selten zum Einsatz. In diesem Jahr gibt es bei den Mitteln für die Flüssigbeizung stärkere Engpässe in der Verfügbarkeit. Worauf muss geachtet werden und wie kann darauf reagiert werden?

 

Pflanzmaschine
 Pflanzmaschine Jürgen Pickny
Die wichtigsten Krankheiten

Rhizoctonia solani ist die bekannteste Knollenkrankheit und führt mit den schwarzen Sklerotien zu einem rein optischen Vermarktungsproblem. Die sogenannten Grützeknollen und Dry-core Symptome hingegen führen zu erheblichen Qualitätsproblemen. Insbesondere im Bioanbau zählt diese Krankheit zu einem der größten Probleme.

Silberschorf befällt nur die Knollen. Das Schadbild ist in der Ernte meistens nur sehr gering ausgeprägt und wird deshalb leicht übersehen. In der Regel entwickeln sich diese Symptome, die der Krankheit den Namen geben, erst während der Lagerung.

Die silbergraue Färbung an der Knolle entsteht, wenn sich die befallenen Korkzellen vom übrigen Zellverband lösen und Luft in diesen Hohlraum eindringt. Das Licht wird reflektiert und ruft die silberartige Verfärbung hervor.

Eine sichere Diagnose dieser Krankheit ist nur mit einer ausreichenden Vergrößerung möglich. Dann lassen sich dunkle Sporenträger, die von der Form her an Tannenbäume erinnern, auf den befallenen Stellen erkennen.

Die Colletotrichum-Welkekrankheit verursacht auf der Knollenschale Symptome. Die hell- bis dunkelgrauen, unregelmäßig geformten Flecke sind extrem leicht mit Silberschorf zu verwechseln. Eine sichere Diagnose ist hier ebenfalls nur mit guter Optik (25-facher Vergrößerung) möglich. Es lassen sich dann dunkle, etwa 0,2 – 0,5 mm große Punkte (= Myzelzusammenballungen) erkennen. Diese sklerotienartigen Gebilde sind mit dunklen Borsten besetzt und haben somit ein völlig anderes Aussehen als die Sporenträger des Silberschorfs. Im Gegensatz zum Silberschorf befällt Colletotrichum neben der Knolle auch andere Pflanzenteile. So kann der Pilz das Wurzelsystem zerstören und dadurch eine Welke einzelner Triebe oder der gesamten Pflanze verursachen.

Furchenbehandlung

Mit Ortiva wurde das erste Produkt mit dem Wirkstoff Azoxystrobin (250 g/l) zugelassen. Mittlerweile gibt es recht viele Produkte (siehe Grafik 4, Fußzeile), die den gleichen Wirkstoff und Wirkstoffgehalt haben und auch eine Zulassung zur Furchenbehandlung in der Kartoffel besitzen. Unterschiede gibt es in erster Linie nur beim Preis und bei der Zulassungsdauer (31.12.2022 bis 31.12.2025). Die azoxystrobinhaltigen Mittel können und dürfen nur als Furchenbehandlung ausgebracht werden, weil der Einsatz mit den zugelassenen Aufwandmengen bei direktem Knollenkontakt zu Auflaufproblemen führen würde.

Bei der Furchenbehandlung wird ohne direkten Knollenkontakt gearbeitet. Die vordere Düse appliziert ca. ein Drittel der Spritzbrühe innerhalb des Furchenschares direkt auf den Boden. Im vorderen Düsenstock können die Standarddüsen gegen DT-Zungendüsen der Größe 0,5 bzw. 0,75 (je nach Fahrgeschwindigkeit) ausgetauscht werden. Mit der hinteren Düse (eventuell auch zwei Düsen) werden ca. zwei Drittel der Spritzbrühe direkt in den Erdstrom gesprüht, der den Kartoffeldamm bildet. Im hinteren Düsenstock kann auch mit den DT-Zungendüsen der Größe 1,0 bzw. 1,5 (je nach Fahrgeschwindigkeit) gearbeitet werden. Sollten im hinteren Düsenstock zwei Düsen zum Einsatz kommen, gibt es die Möglichkeit, zwei DT-Zungendüsen der Größen 0,5 bzw. 0,75 (je nach Fahrgeschwindigkeit) oder alternativ zwei Flachstrahldüsen (z.B. IDK 90-01 bzw. IDK 90-015) einzusetzen.

Bei dieser Technik sollte mit Flüssigkeitsmengen von 150 bis 200 Liter pro Hektar gearbeitet werden. Der Einsatz dieser hohen Flüssigkeitsmengen ist notwendig, um möglichst viel Boden zu benetzen und somit hohe Wirkungsgrade zu erzielen. Diese Produkte können in der vollen Aufwandmenge aber zu Auflaufverzögerungen führen. Deshalb werden für leichte Standorte nur 2,0 l/ha empfohlen, diese haben sich in der Praxis auch bewährt. Unsere Versuche zeigen, dass die Auflaufprobleme auf sandigen Standorten stärker waren als auf lehmigen Standorten. Es waren auch unterschiedliche Reaktionen bei den Sorten zu beobachten. Keimträge Sorten reagierten in der Regel stärker. Ein weiterer wichtiger Punkt war, ob es beim Pflanzen zu Keimbruch kam oder nicht. Denn Keimbruch verschärft die Situation noch mehr.

Flüssigbeizung oder Furchenbehandlung

Für den Landwirt stellt sich die Frage, ob er eine Knollenbeizung beim Pflanzen oder eine Furchenbehandlung durchführen soll bzw. ob sich der Umbau an der Pflanzmaschine für die Furchenbehandlung auch lohnt. In zwei Versuchen der Jahre 2018 und 2019 wurde diese Versuchsfrage wieder geprüft. Neben der Flüssigbeizung mit Emesto Silver (0,5 l/ha), stellvertretend für andere Flüssigbeizmittel wie Moncut (0,5 l/ha) und Tolclofos Methyl (1,5 l/ha), wurde Ortiva mit 2,0 l/ha in der Furche eingesetzt. Ertraglich waren die behandelten Varianten gleich, wie die Grafik 1 zeigt. Mitte Oktober wurden die Varianten auf die Krankheiten Rhizoctonia, Silberschorf und Colletotrichum bonitiert. Während bei Emesto Silver nur eine Wirkung auf Rhizoctonia zu erkennen ist (Grafik 2), zeichnet sich Ortiva auch durch eine Silberschorf- und insbesondere Colletotrichum Wirkung aus. Die Grafik 3 zeigt die Wirkung der Beizmittel nach einer 5-monatigen Lagerung. Dieses Bonitur zeigt einerseits, dass der Befall mit Silberschorf im Lager generell steigt. Außerdem das von Ortiva noch eine befallsmindernde Wirkung ausgeht.

Einstufung und Empfehlung

Anhand langjähriger Versuchsergebnisse wurden die Mittel in ihrer Wirkung und Verträglichkeit eingestuft (Grafik 4). Eine Beizung mit der Mantis Technik ist zwar in der Tabelle aufgeführt, wird von uns aber wegen der nicht immer gegebenen Verträglichkeit und der schlechteren Wirkung nicht empfohlen. Denn mit dieser Applikationstechnik werden die vom Boden ausgehenden Infektionen nicht erfasst.

Einstufung Beizmittel in Kartoffeln 2021
 Einstufung Beizmittel in Kartoffeln 2021 Jürgen Pickny
 

Die zwei Flüssigbeizmittel Emesto Silver und Tolclofos Methyl, ausgebracht an der Pflanzmaschine, haben beide eine durchschnittliche bis gute Wirkung auf Rhizoctonia. Gegen Silberschorf und Colletotrichum ist bestenfalls eine geringe Nebenwirkung vorhanden. Dafür sind beide Produkte als sehr verträglich einzuordnen.

Sinstar/Ortiva als Furchenbehandlung wurde von uns nicht nur mit der vollen Aufwandmenge von 3,0 l/ha beurteilt, sondern auch mit den geprüften 2,0 und 1,0 l/ha. Die Wirkung gegen alle drei Erreger ist besser als der bisherige Standard, selbst bei einer Aufwandmenge von nur 1,0 l/ha. Die Verträglichkeit wird mit einer abnehmenden Aufwandmenge verbessert. Wir empfehlen daher, auf leichten Standorten Sinstar/Ortiva mit 2,0 l/ha einzusetzen. Dies stellt einen Kompromiss zwischen guter Wirkung und einer relativ guten Verträglichkeit dar. Bei Sorten, die im Auflaufverhalten empfindlich sind, wie z.B. Allians, Belana, Laura oder Regina, sollte die Aufwandmenge auf 1,0 l/ha reduziert werden. Unabhängig von der Aufwandmenge muss immer in die Furche appliziert werden.

Die Auflagen für azoxystrobinhaltige Produkte zur Furchenbehandlung in Kartoffeln sind in der Grafik 5 dargestellt.

Die ersten beiden Auflagen sollten noch relativ leicht zu erfüllen sein, zumal die Wirkung von Ortiva gegen Alternaria vielerorts nur noch gering gegeben ist. Allerdings sorgt die letzte Auflage leider dafür, dass Sinstar/Ortiva auf vielen Flächen nicht eingesetzt werden darf. Sollte ein Betrieb sowohl drainierte Flächen als auch nicht drainierte Kartoffelflächen haben, empfehlen wir einen Düsenwechsel zwischen den Schlägen. Wechsel und Ausrichtung der Düsen dauern maximal eine Stunde.

Engpässe in der Verfügbarkeit bei den Flüssigbeizen

Bei Tolclofos-Methy 25 SC ist die Zulassung und Abverkaufsfrist abgelaufen, Restbestände die noch auf den Betrieben sind, dürfen bis Oktober 2021 aufgebraucht werden.

Moncut mit der neuen Zulassung darf nur vor dem Legen der Kartoffel (Mantis bzw. ULV Technik) anwendet werden. Restmengen mit der alten Zulassungsnummer dürfen nicht mehr gehandelt werden. Wenn noch Restmengen auf den Betrieben sind, dürfen diese bis zum 30.06.2021 aufgebraucht werden.

Emesto Silver ist nur in begrenzten Mengen im Markt vorhanden.

Landwirten, die bisher mit der Flüssigbeizung gearbeitet haben und in diesem Jahr keine Mittel mehr bekommen oder nicht in ausreichender Menge, empfehlen wir die Umrüstung der Pflanzmaschine auf die Furchenbehandlung. Die Behandlung vor dem Legen ist für uns keine Alternative. 

Wir fassen zusammen:

  1. Die Furchenbehandlung mit azoxystrobinhaltigen Produkten ist in punkto Optik nicht zu schlagen. Der Befall mit Silberschorf, Colletotrichum und Rhizoctonia an der Knolle wird deutlich vermindert und damit die vermarktungsfähige Ware erheblich verbessert.
  2. Die Standardaufwandmenge der azoxystrobinhaltigen Mittel für Speisekartoffeln liegt bei 2,0 l/ha. Bei Frühkartoffeln max. 1,0 l/ha.
  3. Bei Industriekartoffeln zwischen 1,0 und 2,0 l/ha, abhängig von der Sortenanfälligkeit für Rhizoctonia und der Lagerdauer.
  4. Für Stärkekartoffeln wird 1,0 l/ha empfohlen.
  5. Auf drainierten Flächen muss nach wie vor mit der Flüssigbeizung gearbeitet werden.  

Grafik 1: Beizversuch 2018 u. 2019, Ertrag relativ

Grafik 2: Beizversuch 2018 u. 2019, Bonituren im Herbst

Grafik 3: Beizversuch 2018 u. 2019, Bonituren im Frühjahr

Grafik 4: Einstufung der Beizmittel in Kartoffeln 2021

Grafik 5: Wichtige Auflagen für alle in der Furche zugelassenen azoxystrobinhaltigen Produkte

Grafik 6: Bilder der drei bonitierten Krankheitserreger

Kontakte

Dipl.-Ing.
Jürgen Pickny

Berater Kartoffelspezialberatung

 0581 8073-165

  juergen.pickny~lwk-niedersachsen.de


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