Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!
Webcode: 01038647

Schwefelversorgung im Ökolandbau beachten - Leguminosen brauchen Schwefel

Sinkende Schwefeldioxidemissionen aus der Luft haben zu einer niedrigeren Schwefel-Verfügbarkeit und folglich zu geringeren S-Gehalten in den Pflanzen geführt. Schwefel gehört zur Gruppe der Hauptnährstoffe. Mehrjährige bundesweite Versuchsvorhaben belegen: Auch im Ökolandbau muss der Schwefelbedarf bei zahlreichen Kulturen beachtet werden!

Schwefel ist ein für das Wachstum der Pflanzen essentieller Pflanzenhauptnährstoff. Neben Kreuzblütler wie Raps haben auch Leguminosen einen hohen Schwefelbedarf. Schwefel ist für die Synthese schwefelhaltiger Aminosäuren und für den Aufbau der Spross- und Wurzelmasse der Pflanze erforderlich. Vor allem aber ist die symbiotische Stickstofffixierung essentiell an ein ausreichendes Angebot von pflanzenverfügbarem Schwefel gebunden. Fehlt dieser, ist die Fixierleistung der Knöllchenbakterien unzureichend und die Eiweißsynthese ist vermindert. Dies kann weitreichende Folgen für die gesamte Fruchtfolge haben.

 

Schwefeldüngung Kleegras. Links Naturgips. Rechts Kieserit.
 Schwefeldüngung Kleegras. Links Naturgips. Rechts Kieserit. Florian Rohlfing

Aus mehrjährigen bundesweiten Versuchen können folgende Empfehlungen zur Schwefelversogung im Ökolandbau abgeleitet werden:

Feinleguminosen/Kleegras
Feinleguminosen z. B. Klee- und Luzernegras haben einen hohen Schwefelbedarf. Eine S-Düngung kann den Aufwuchsertrag und die N2-Fixierleistung erheblich verbessern. Auch die Folgefrucht profitiert in der Regel von der höheren N2-Fixierleistung der Knöllchenbakterien.

Kleegras-Neuansaaten im Frühjahr
Zur Stärkung einer Neuansaat sollten nur schnell wirkende Sulfatdünger (Kieserit, Kaliumsulfat, Calciumsulfat) eingesetzt werden.  Gedüngt werden muss frühzeitig bereits zur Ansaat, um den Etablierungsprozess der Leguminosen wirkungsvoll zu unterstützen. 
Düngermenge: 30-40 kg Schwefel je Hektar und Jahr. Düngefenster verbessern dabei die Erfolgskontrolle. 
Erstes und zweites Nutzungsjahr von Kleegras
Verschiedene Untersuchungen belegen eine schnelle Ertragssteigerung im Kleegras nach Sulfatdüngung. 
Bevorzugt sind sulfathaltige Schwefeldünger zu verwenden, da diese im Vergleich zum elementaren Schwefel schneller wirken und den Leguminosenanteil im Kleegras erhöhen. 
Elementarer Schwefel (Schwefellinsen) wirkt unabhängig vom Düngungszeitpunkt erst ab Sommer oder Herbst im ersten Hauptnutzungsjahr.
Die Schwefeldüngung sollte bei Frühjahrsansaat direkt zur Saat und im ersten und zweiten Hauptnutzungsjahr zu Vegetationsbeginn erfolgen.
Eine Düngung mit Schwefeldüngern in einer Höhe zwischen 30 - 50 kg/ha im Hauptnutzungsjahr und bei Frühjahrsansaat ist ausreichend und wirtschaftlich sinnvoll.
Sofern zusätzlich auch ein Magnesium- und/oder Kaliumbedarf besteht, sind Magnesiumsulfat- oder Kaliumsulfatdünger zu verwenden.

Alternativ kann Calciumsulfat (Naturgips) verwendet werden. Calciumsulfat ist für die Versorgung von Kleegras mit Schwefel interessant, da es schnell wirkt und bezogen auf den Schwefelgehalt der kostengünstigste Dünger ist.
Die Nachfrucht z. B. Winterweizen kann über höhere Erträge von einer Schwefeldüngung im Kleegras profitieren. 

Sommerkörnerleguminosen
Eigene Schwefeldüngungsversuche bei Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen zeigten nur vereinzelt absicherbare Ertragssteigerungen. Besonders leichtere Standorte mit geringer org. Düngung lassen auch bei den Sommerkörnerleguminosen einen Schwefelbedarf erwarten. Eine Schwefelgabe in Höhe von 25 - 30 kg S/ha nach der Saat ist ausreichend.
Winterkörnerleguminosen
Eigene Schwefeldüngungsversuche zu Wintererbsen und aktuell auch bei Winterackerbohnen deuten auf einen höheren Schwefelbedarf als bei den Sommerformen hin. Aus diesem Grund empfehlen wir zu Winterkörnerleguminosen ab Vegetationsbeginn eine Schwefelgabe von 30 - 40 kg S/ha. Ergebnisse dazu liegen aus gemeinsamen Versuchen mit der Getreidezüchtungsfoschung Darzau vor.
Winterraps
Winterraps ist als Kruzifere eine schwefelbedürftige Kultur. Zu Vegetationsbeginn sollte eine Schwefelmenge von etwa 30 - 40 kg Schwefel/ha eingeplant werden. 
Getreide
Beim Wintergetreide haben Wintergerste, Winterweizen und Dinkel den höchsten Bedarf, der bei etwa 25 – 30 kg S/ha liegt. Eigene und externe Versuche haben unter ökologischen Anbaubedingungen allerdings nur selten statistisch abgesicherte Düngungseffekte auf Ertrag und Backqualitäten ergeben. Eine Schwefel-Düngung sollte zum Kleegras erfolgen, da hier aufgrund der deutlichen Mehrerträge im Kleegras und im nachfolgenden Weizen eine hohe Wirtschaftlichkeit erzielt werden kann. 

Schwefeldünger

  • Die Zufuhr von Schwefel über Wirtschaftsdünger ist geringer als erwartet. Im Anwendungsjahr stehen der angebauten Kultur normalerweise weniger als 10 % der mit dem organischen Dünger applizierten S-Menge zur Verfügung. 
  • Im Ökolandbau zugelassene Sulfat-Schwefeldünger sind z. B. Kieserit, Kalimagnesia, Kalisulfat und Mg-Kainit. Sofern über die Bodenuntersuchung auch ein Kali- und / oder Magnesiumbedarf vorliegt, ist die Verwendung dieser Dünger zu bevorzugen. 
  • Als weiterer Sulfatdünger steht auch Naturgips (Calciumsulfat) zur Verfügung, der ebenfalls schnell wirkt und mittlerweile auch in granulierter, gut streufähiger Form angeboten wird. 
  • Elementarer Schwefel steht in fester und flüssiger Form zur Verfügung.
  • Zur Düngung sind Sulfat-Schwefeldünger zu bevorzugen, da Sulfat zügig von den Pflanzen aufgenommen wird. Elementarer Schwefel (z. B. Schwefellinsen) ist dagegen weniger empfehlenswert, da von einer langsamen und unsicheren Wirkung auszugehen ist. Elementarer Schwefel muss nach der Düngung erst durch Mikroorganismen (Thiobakterien) oxidiert werden. Dieser Vorgang findet erst verstärkt bei höheren Bodentemperaturen und ausreichend Feuchtigkeit statt. Dies bedeutet aber auch, dass elementarer Schwefel im Frühjahr zu Kleegras den Schwefel möglicherweise nicht bedarfsgerecht zur Verfügung stellt. Im Herbst kann es zudem noch zu einer nicht unerheblichen Umsetzung des elementaren Schwefels zu Sulfat-Schwefel kommen, der dann nach Vegetationsende auswaschen kann.

Weitere Informationen zu schwefelhaltigen Düngern die im Ökolandbau zulässig sind, finden Sie in der Betriebsmittelliste des FIBL.

Neben Boden- Futter- und Pflanzenanalysen ist die Anlage von eigenen Schwefel-Düngefenstern im Betrieb ausgesprochen hilfreich um einen Einblick in die Situation der betrieblichen Schwefelversorgung zu bekommen.

Ausführlichere Informationen finden Sie in der Schwefelbroschüre für den Ökolandbau

In den letzten Jahren wurden bundesweit von verschiedenen Institutionen zahlreiche Versuchsanstellungen zur Schwefelversorgung in Futter sowie Körnerleguminosen und Winterweizen im Ökolandbau durchgeführt. Ein Großteil der Ergebnisse ist in eine Schwefelbroschüre eingeflossen. Der Arbeitskreis Ökologischer Landbau, der über den Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) organisiert ist, hat diese Broschüre zur Schwefeldüngung im Ökolandbau herausgegeben. Die Broschüre wurde unter Federführung der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern und der fachlichen Unterstützung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erstellt.

Hier gelangen Sie zur Schwefel-Broschüre. 


Kleegras ohne Sulfat-Schwefeldüngung
 Kleegras ohne Sulfat-Schwefeldüngung  Florian Rohlfing
.
Kleegras mit Sulfat-Schwefeldüngung
 Kleegras mit Sulfat-Schwefeldüngung Florian Rohlfing

Kontakte

Markus Mücke
Markus Mücke

Berater Ökologischer Landbau, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau

 0511 3665-4378

  markus.muecke~lwk-niedersachsen.de


Dipl.-Ing. agr.
Martin Schochow

Berater Ökologischer Landbau

 0511 4005-2296

  martin.schochow~lwk-niedersachsen.de


Mehr zum Thema

Anhäufeln von Ökomais

Mechanische Unkrautregulierung im Maisanbau

Viele Ökobetriebe hatten aufgrund der anhaltenden Kälte erst in den letzten Tagen mit der Maisaussaat begonnen, oder haben sie für die kommenden Tage vorgesehen. Flankierend sollte auch schon der Einsatz mechanischer …

Mehr lesen...
Striegeln von Öko-Zuckerrüben

Zuckerrüben vertragen den Striegel

Ein vierjähriger Versuch der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt Aufschluss über Einsatzparameter und Pflanzenverluste.

Mehr lesen...
Einsatz des Zinkenstriegels in Zuckerrüben

Einsatz des Zinkenstriegels im ökologischen Zuckerrübenanbau –Ergebnisse aus vierjährigen Versuchen

Im ökologischen Zuckerrübenanbau trägt eine wirksame Beikrautregulierung im hohen Maß zum Anbauerfolg bei. Derzeit ist die mechanische Beikrautregulierung nur mit ergänzender Handhacke oder Handjäte zufriedenstellend zu…

Mehr lesen...
Sortenmischung WW WBH

Mischanbau von Öko-Winterweizen als Strategie gegen Gelbrost

Aufgrund des zunehmenden Befalls von Getreidebeständen durch Blattkrankheiten kam es in den letzten Jahren vor allem bei ökologisch wirtschaftenden Betrieben zu Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten. Besonders das Jahr…

Mehr lesen...
Dinkel mit Spelzen

Aussaat im Ökolandbau

Im Ökolandbau sind die Saatstärken und die Aussaattermine neben der Fruchtfolgegestaltung und mechanischen Maßnahmen ein ebenso wichtiger Baustein im Beikrautregulierungsmanagement. So ist beispielsweise eine spätere Aussaat von …

Mehr lesen...
Blühende Zwischenfruchtbestände

Vergleich verschiedener Zwischenfrüchte in Reinsaaten und Mischungen unter pflanzenbaulichen Parametern und Naturschutzaspekten

Beim Stoppelzwischenfruchtanbau greifen Landwirte häufig auf Reinsaaten zurück. Dabei verfolgt der Landwirt mit dem Zwischenfruchtanbau sowohl pflanzenbaulich als auch aus Sicht des Naturschutzes unterschiedliche Ziele. Diese können …

Mehr lesen...

Veranstaltungen

AgrarBüromanagerin II

AgrarBüromanagerin II

Anknüpfend an die Inhalte des Grundkurses erwartet die Teilnehmerinnen ein Mix an Themen. Sie lernen Wichtiges über den Ablauf von Vor-Ort-Kontrollen sowie den Umgang mit Hi-Tier, ZI-Daten und TAM kennen. In weiteren Modulen geht es um die …

Mehr lesen...
Ferkel im Stroh

Umstellertag Ökologische Schweinehaltung - EB Fortbildung

Wir laden Sie herzlich zum Umstellertag bei uns im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem ein! Ein Termin und die Kosten stehen derzeit noch nicht fest. Bitte melden Sie sich bei Interesse per E-Mail bei Frau Köpke (Kontakt s.u.), sodass wir…

Mehr lesen...

Außerfamiliäre Hofübergabe - Eine Einführung

Dieses Webseminar gibt eine kurze Einführung in Rechtliches und Menschliches, was die außerfamiliäre Hofübergabe betrifft. Hierzu können sich Übergeber, suchende Übernehmer und Interessierte anmelden. Zudem…

Mehr lesen...

bIuIs - Unternehmer(innen)training bIuIs 2 - 5

b|u|s – Unternehmertrainings für mehr Erfolg und Lebensqualität Entwickeln Sie sich und Ihren Betrieb mit den bewährten b|u|s – Unternehmertrainings auf ganzer Linie weiter! Testen Sie neue Wege und entdecken Sie …

Mehr lesen...

Mentor*in Bauernhofpädagogik

Diese neue Qualifizierungsmaßnahme mit Aufbaucharakter richtet sich an alle erfahrenen Absolventen*innen des 11-tägigen Basis-Lehrgangs Bauernhofpädagogik sowie an andere Interessierte mit langjähriger Erfahrung im Bereich …

Mehr lesen...

Pflanzenschutz Sachkunde-Fortbildung Gärtner (Produktion und Handel)

Pflanzenschutzmittel dürfen nur von Personen, die über einen Sachkundenachweis verfügen, an den Anwender – professionell wie Landwirte oder Gärtner sowie nicht-berufliche Anwender wie Hobby­gärtner – abgegeben…

Mehr lesen...