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2020: Für die Kleine Hochsee- und Küstenfischerei in Niedersachsen ein Jahr im Zeichen von Corona und Brexit

Die 123 Fischereifahrzeuge in den 21 Hafenstandorten von Ditzum bis Cuxhaven konnten 2020 nicht ungehindert ihrer Fischerei auf Fisch, Muscheln und Nordseekrabben nachgehen.

In der Kleinen Hochseefischerei waren die wichtigsten Zielarten, wie schon in den Vorjahren, Scholle, Kaisergranat, Seezunge und Steinbutt. Beim Kaisergranat führten die von UK und Irland – aufgrund der Unsicherheiten durch den drohenden No-Deal-Brexit- ungebremst auf den europäischen Markt gebrachten Übermengen zu einem Preisverfall. Generell erwarten die deutschen Betriebe durch den Brexit-Vertrag dauerhafte Einbußen von 10%, die teils nur durch einen Abbau der Flotte aufgefangen werden können. Bei der Kürzung der Fangquoten blieb der Wert einzelner Quoten als Tauschobjekt zudem unberücksichtigt. Die EU-Mittel zur Milderung der Brexit-Folgen müssen nun zügig in den Betrieben ankommen, denn sie werden akut benötigt. 

Ditzumer Krabbenkutter beim Einholen der Netze @ Gerold Conradi
Ditzumer Krabbenkutter beim Einholen der Netze @ Gerold ConradiHilke Looden


In der Krabbenfischerei verbesserten sich die Umsätze, im Vergleich zum historisch schlechten Vorjahr, bei fast gleichen Anlandemengen und gestiegenen Erzeugerpreisen auf niedrigem Niveau um ca. 30%. Coronabedingt wurden in Marokko in den Schälzentren nur eingeschränkt, teils gar keine Nordseekrabben gepult. Der Handel war nicht bereit, große Lagerbestände aufzubauen und kaufte entsprechend nur so viele Krabben wie entschält werden konnten. Das führte, je nach Händler in unterschiedlicher Ausprägung, zu wochenlangen Annahmebeschränkungen, bis hin zu Annahmestopps für die Krabbenfischer. Die coronabedingten Einbußen der Fischereibetriebe wurden 2020 durch eine schnelle Erweiterung des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) um die Möglichkeit der „Überbrückungsbeihilfe für coronabedingtes Stillliegen“ abgemildert. Besondere Hoffnungen werden vor diesem Hintergrund in die Entwicklung einer Pulmaschine zum „Kontaktlosen Entschälen mittels Ultraschall“ gesetzt. 2021 soll der Bau eines Prototyps erfolgen, mit dem mittelfristigen Ziel die Krabbenentschälung zurück in die Region zu holen. Die LWK begleitet das Projekt aktiv.
In der Muschelfischerei bleiben die Sorgen groß. Der Negativtrend der letzten Jahre setzte sich bei den niedersächsischen Betrieben auch 2020 fort. Die fehlende Stabilität der Kulturflächen und die mangelhafte Versorgung mit Jungmuscheln bleiben die Hauptursachen für schlechte Ergebnisse und wachsende Zukunftssorgen. Der Absatzeinbruch durch die Schließung der Gastronomie kehrte sich im Laufe des Jahres um, weil mehr zu Hause gekocht wurde und man es sich mit hochwertigen Lebensmitteln gut gehen lassen wollte.
Erfreulich war, dass im Herbst 2020 die vom Landesfischereiverband Weser-Ems beauftragte und zu 100% aus dem EMFF geförderte „Studie zur Sicherung und Entwicklung der Küstenfischerei in Niedersachsen“ ((https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/7/nav/1095/article/36712.html) fertig gestellt wurde. Neben einer aktuellen Bestandsaufnahme enthält die Studie auch Handlungsempfehlungen für Fischerei, Politik und Verwaltung. Auch in den nächsten Jahren wird die Abstimmung mit anderen Interessen, die Sicherung der Fanggebiete, Innovation und technischer Fortschritt, die Erhöhung der Wertschöpfung und Verbesserung der Vermarktung einen Großteil der Arbeit der Fischer und ihrer Vertreter bestimmen. 

Kontakte

Hilke Looden

 0441 801-623

  hilke.looden~lwk-niedersachsen.de


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