Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!
Webcode:01039259

Biodiversitätscheckliste – Den Betrieb mit anderen Augen sehen

Biodiversität, Artenvielfalt, Insektenschutz und vieles mehr prasselt von allen Seiten auf die Landwirtschaft ein. Oft mit dem Vorwurf, die Landwirtschaft trage die alleinige Schuld am Rückgang der Arten. Eine Anschuldigung, die so nur einen Teil der Wahrheit wiederspiegelt.

Drei kurze Fakten zu Artenvielfalt und Landwirtschaft:
-    Ohne die Urbarmachung der Landschaft sähe die Gegend, in der wir leben, völlig anders aus.
-    Nur durch die Bewirtschaftung sind Landschaften entstanden, die eine größere Vielfalt an Arten bewirkt haben.
-    Viele der Arten, die wir heute schützen müssen, leben nur hier, weil es die Kulturlandschaft gibt. 


Einzelne Arten sind dabei auf die Strukturen der landwirtschaftlichen Nutzung angewiesen, wie z. B. Kornblumen, Klatsch-Mohn und Feldlerche. Früher war die Artenvielfalt ein Nebenprodukt der landwirtschaftlichen Nutzung, doch der stetige Wandel in der Landwirtschaft hin zur Intensivierung und Modernisierung veränderte das Bild der Landschaft nachhaltig. Bedingt durch technischen Fortschritt, veränderte Bewirtschaftungsbedingungen, Veränderungen in der Feldstruktur durch Flurbereinigungen und die Ansprüche von außen an die Landwirtschaft, verringern sich diese Lebensräume.
Die Nutzungsaufgabe unrentabler Standorte lässt wichtige Strukturen wie Heiden, Streuobstwiesen, Magerrasen und damit die an diese Standorte angepassten Arten verschwinden. 


Die Landwirtschaft hat jedoch kein Interesse daran, die oft nützlichen Helfer aus dem Umfeld ihrer Produktionsflächen zu vertreiben. Im Gegenteil, die Landwirtschaft braucht viele dieser Helfer, um weiter produzieren zu können. Aus diesem Grunde fördern Landwirte zum Teil unbewusst Elemente der Biodiversität, ohne dies so zu benennen. Die Kooperation mit Imkern, das Anlegen von Brachen, Bejagungsschneisen oder Blühflächen auf unrentablen Teilflächen sind nur einige dieser Maßnahmen. 


In den letzten Jahren wurden die Rufe aus vielen Schichten der Bevölkerung laut, die Produktion solle nachhaltiger, umweltverträglicher werden. Große Konzerne haben dies als Marketingmöglichkeit erkannt und fragen nun von oben herab über die Zulieferer bis auf die Ebene der Urproduktion, die Landwirtschaft, wie nachhaltig die Produkte erzeugt sind. Es werden Fragenkataloge und Anforderungen erarbeitet und Standards definiert, die weltweit gleichermaßen gelten sollen. Dabei werden sowohl Fragen zu in Deutschland rechtlich geregelten als auch zu nicht relevanten Themenfelder (z. B. Regenwaldrodungen, Kinderarbeit) gestellt. Zudem wird gefragt, welche Biodiversitätsaktionspläne die einzelnen Landwirte haben.
Solche Biodiversitätsaktionspläne sind dabei nicht näher inhaltlich definiert.


Aus diesem Grunde wurde im Hause der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eine Checkliste erarbeitet, die den Betriebsleitern, allein oder zusammen mit einem Berater, Anregungen für die Erstellung solcher Pläne geben sollen. Zudem gibt die Checkliste die Möglichkeit, den eigenen Betrieb einmal mit anderen Augen zu sehen. Plötzlich ist der Haufen mit den Steinen vom letzten Bauprojekt zu einem Lebensraum für Echsen und Insekten geworden. Die Schlammkuhle hinterm Stall wird zur Quelle für den Nestbau von Schwalben, die im Stall oder an der Außenmauer ihre Nester haben. Die alte Feldscheune dient als Quartier für Fledermäuse und Eulen. 


Im Download zu diesem Artikel stellen wir die Checkliste zur Verfügung. Sie erhebt dabei keinen Anspruch schon alles zu berücksichtigen, denn auch wenn viele kluge Köpfe sie erarbeitet haben, gibt es sicher noch viele weitere Ideen. Haben Sie Anregungen, Kritik, Hinweise oder wollen einfach ein paar Fragen stellen, wenden Sie sich vertrauensvoll an uns.
 

Blühstreifen an Ackerfläche
Blühstreifen an AckerflächeJan Wulkotte
   
Randstreifen
RandstreifenMarkus Paßlick
   
Insektenhotel
InsektenhotelUlrike Mai / pixabay.com

Kontakte

Anke Paulsen
Dipl.-Ing. agr.
Anke Paulsen

Klimaschutz- und Biodiversitätsberatungen, Planungen ländliche Räume, Dorferneuerungsplanungen, Straßenplanungen

05931 403-116

0162 1969 380

anke.paulsen~lwk-niedersachsen.de

Nora Kretzschmar
Dipl.-Ing. agr.
Nora Kretzschmar

Fachreferentin Naturschutz

0441 801-408

nora.kretzschmar~lwk-niedersachsen.de

Mehr zum Thema

Pflanzenbau und Biodiversität gemeinsam denken: Staatssekretär Ludwig Theuvsen (2.v.l.) überreicht mit Jürgen Wilhelm (ML, r.) eine Finanzierungsurkunde für die Biodiversitätsberatung an Stefan Ortmann (LWK, 2.v.r.) und Jan Bartling (LWK, l.).

Biodiversitätsberater vernetzen sich für die Umsetzung des Niedersächsischen Weges

Land Niedersachsen fördert den Aufbau einer landesweiten Beratungsstruktur

Mehr lesen...

Gemeinsam Insekten in Agrarlandschaften fördern

Interessante Vorträge und Maßnahmen beim Feldtag im Elm Rund 50 Interessierte – Landwirte und Vertreter unterschiedlicher Organisationen – informierten sich am 20. Oktober auf einem Feldtag im Elm über Mö…

Mehr lesen...
Stellten das neue Kinderbuch über Landwirtschaft und Artenvielfalt vor (v.l.): Kammerpräsident Gerhard Schwetje, LWK-Naturschutzexpertin Nora Kretzschmar, Verleger Florian Isensse, Autor Uwe Klindworth.

„Landwirtschaft? Artenvielfalt? Was ist denn das?“

Mit fachlichem Know-how der Landwirtschaftskammer: Neues Kinderbuch erklärt, wie landwirtschaftliche Produktion und Förderung der Biodiversität besser vereinbar sind

Mehr lesen...
Gemeinsam für mehr Artenschutz (v.l.): Albert Schulte to Brinke (Landvolk), Susanne Gerstner (BUND), Hans-Heinrich Ehlen (Stiftung Kulturlandpflege) und Kammerpräsident Gerhard Schwetje.

Gemeinsam mehr erreichen für die Artenvielfalt

BUND Niedersachsen, Landwirtschaftskammer, Landvolk und Stiftung Kulturlandpflege unterzeichnen in Visselhövede Kooperationsvereinbarung zum Projekt „Eigene Vielfalt“

Mehr lesen...
Mitglieder des Lenkungskreises zur Umsetzung des Naturschutzbündnisses „Der Niedersächsische Weg“ besuchen das neue Wildnisgebiet im Solling.

Im Wildnisgebiet Solling entsteht ein Urwald von morgen

Forstministerin Barbara Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies: „Wichtiger Beitrag zum Schutz der Biodiversität"

Mehr lesen...
Essbare Sorbus

Eigene Vielfalt - Gemeinsam zum Biotopverbund mit Naturschutz & Landwirtschaft

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist Kooperationspartnerin im BUND-Projekt "Eigene Vielfalt" zur Förderung eines gehölzbetonten Biotopverbundes.  

Mehr lesen...