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Hähnchenmarkt: Alternative Verfahren mit Perspektive

Geflügelfleisch erfreut sich weiter steigender Beliebtheit, insbesondere wächst die Nachfrage nach regionaler, höherwertiger Ware. Wir zeigen hier, wie es um die alternativen Mastverfahren im Hähnchensektor bestellt ist.

Durch die Corona-Krise hat sich das Bewusstsein vieler Verbraucher verändert, was essen und trinken angeht, Es werden mehr regionale, höherwertigere Produkte verzehrt. Das gilt auch für Geflügelfleisch. Ein Ausbau der konventioneller Hähnchenmast, sprich ein Neubau oder eine Erweiterung von Ställen ist vielerorts kaum realisierbar. Vorhandene Ställe können jedoch durchaus anders betrieben werden.

Küken im Stall
Küken im StallJohanna Müsse
Die Experten der EU-Kommission prognostizieren in ihrem aktuellen Ausblick bis ins Jahr 2030 ein Wachstum der EU-Geflügelproduktion um 4,6 % bzw. um 620.000 t. Während der Corona-Krise war der Geflügelfleischmarkt der einzige, der im Jahr 2020 noch gewachsen ist. Bei den Verbrauchern steht Geflügelfleisch ungebrochen in der Gunst durch seinen geringen Fettanteil und hohen Proteingehalt. In der Folge wird ein Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs in der EU um 1,2 kg auf 24,6 kg bis zum Jahr 2030 erwartet. In Deutschland stieg der Verbrauch pro Kopf im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich um 0,3 kg auf 22,3 kg. Der Selbstversorgungsgrad betrug dabei bei rückläufiger Tendenz 97,2 %.

Der Bio-Markt wächst

Die Nachfrage nach ökologisch erzeugtem Hähnchenfleisch steigt und hat durch Corona einen wahren Schub erlebt. Begründet wird diese Entwicklung mit den verstärkten privaten Kochaktivitäten und die damit verbundene Auseinandersetzung mit Lebensmitteln. Um diese Nachfrage zu bedienen, werden derzeit neue Erzeugerbetriebe gesucht.

Die Veröffentlichung der entsprechenden Zahlen zum Bio-Hähnchenmarkt aus der Landwirtschaftszählung 2020 werden im Juli erwartet. Vorläufige Zahlen belegen bereits jetzt einen Anstieg der gesamten ökologischen Geflügelhaltung in Deutschland um über 31 % im Vergleich zu 2016. Der Anteil steigt damit auf rund 5 % der deutschen Geflügelhaltung. Spitzenreiter in der EU ist Frankreich. Hier stieg die Bio-Hähnchenmast im Jahr von 2018 zu 2019 um 17 % auf 14,165 Mio. Tiere.

In der Bio-Mast beträgt die Mastdauer beim Einsatz einer langsam wachsenden Rasse wie etwa Hubbard JA 957 65-80 Tage. Je Stall dürfen maximal 4.800 Tiere gehalten werden. Eine Stalleinheit darf in Summe maximal 1.600 m² groß sein und es sind maximal 21 kg Lebendgewicht/m² Stallfläche erlaubt. Die Öko-Verordnung schreibt außerdem einen Grünauslauf mit 4 m²/Tier vor.

Vor dem Hintergrund der schwierigen Genehmigungspraxis für Neubauten, kann die Umnutzung zum Beispiel eines vorhandenen Kuhstalls für Betriebe interessant sein. Auch wenn derzeit Betriebe gesucht werden und der Biomarkt Entwicklungspotential verspricht, bleibt die Sicherstellung einer möglichst langfristigen Abnahmegarantie der erste Schritt.

Ausweitung der Haltungsformen 3 und 4

Im Frühjahr haben maßgebliche Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen (LEH) und der Deutsche Tierschutzbund den Ausbau der tierwohlorientierten Geflügelfleischerzeugung vereinbart. Demnach soll der Anteil der Hähnchenfleischprodukte der Haltungsformen 3 und 4 bis Ende 2026 auf mindestens 20 % des Angebotes ausgeweitet werden. Ganz ohne Risiko ist eine Umstellung jedoch nicht. Denn die Frage, was nach 2026 kommt, bleibt ungewiss. Hier muss ein klares Bekenntnis für eine dauerhafte Umsetzung gegeben werden, denn in einem so kurzen Zeitraum sind Abschreibungen kaum darstellbar.

In der Haltungsform 3 dürfen derzeit beispielsweise maximal 25 kg Lebendgewicht/m² gehalten werden. Bei einem Stall mit Kaltscharraum erhöht sich die Vorgabe auf 29 kg/m². Häufig sind auch hier langsam wachsenden Zuchtlinien vorgeschrieben. Außerdem muss ein Außenklimabereich, Sitzstangen und Beschäftigungsmaterial vorhanden sein. Gefüttert werden dürfen nur GVO-freie Futtermittel.

Durch die Ausbaupläne bietet also auch dieses Marktsegment Potential und Chancen für Hähnchenmäster. In der Praxis ist findet dies durchaus Anklang und viele Landwirte zeigen sich bereit zu einer Umstellung. Doch häufig kommt bei einer gewünschten Umstellung zu Konflikten mit den Baugenehmigungsbehörden. Selbst, wenn für einen bestehenden konventionellen Stall die Besatzdichte deutlich reduziert wird, wird durch die Errichtung eines Wintergartens für den geforderten Außenklimabereich eine neue Baugenehmigung fällig. Das wiederum verursacht auch vor dem Hintergrund der TA Luft hohe Kosten und letztendlich sind diese Projekte wirtschaftlich dann nicht darstellbar. Hier muss auch in Hinblick auf die Umsetzung des Bochert-Plans seitens der Politik dringend nachgebessert werden. Festzuhalten bleibt:

  • Die Nachfrage nach Hähnchenfleisch aus alternativen Mastverfahren wächst stetig.
  • Der LEH baut den Anteil an Hähnchenfleisch aus Tierwohlprogrammen aus.
  • Notwendige Umbaumaßnahmen scheitern häufig an der Genehmigungspraxis. Hier ist die Politik gefordert.
  • Der erste Schritt ist die Sicherstellung einer möglichst langfristigen Vermarktung.

Kontakte

M.Sc.
Mathias Klahsen

Fachreferent Marktberichterstattung

 0441 801-350

  mathias.klahsen~lwk-niedersachsen.de


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