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Welches Siliermittel für Silomais?

Die Maissilierung gilt allgemein als unproblematisch. Problematisch stellt sich jedoch das Risiko der Nacherwärmung dar, hervorgerufen durch Hefen und Schimmelpilze. Neben den Trockenmasse- und Energieverlusten kommt es zu Qualitätsminderungen der Silage führen. Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 können das Ausmaß dieser unerwünschten Prozesse mindern oder gar unterbinden, je nach Mittelwahl.

Die diesjährige Maissilierung steht bald bevor. Es scheint eine ertragreiche Ernte zu werden. Nun kommt es bei der Silierung darauf an, die Verluste gering zu halten.

Mais ist im Allgemeinen eine leicht vergärbare Futterpflanze. Die Gärqualität ist aber nur eine Seite des Gebrauchswertes von Silagen. Wichtig ist auch, die Verderbprozesse während des Verfütterungszeitraumes im Zaum zu halten.

Als leicht vergärbare Futterpflanze stellt sich für die Silierung grundsätzlich die Frage, ob der Siliermittelzusatz überhaupt notwendig ist.  Um darauf eine Antwort finden zu können, müssen die Verderbprozesse, die in der Maissilage eine Rolle spielen, näher betrachtet werden.

Bei der Maissilierung besteht kaum ein Risiko für Fehlgärungen durch Buttersäurebildung, wenn der Erntezeitpunkt richtig gewählt ist und den allgemeinen Silierregeln entsprochen wird. Silomais bietet aufgrund seines hohen Zuckergehaltes und der geringen Pufferkapazität in Verbindung mit dem normalerweise günstigen Trockensubstanz-(TS)-Gehalt zum Zeitpunkt der Ernte sehr gute Bedingungen für eine schnelle Säuerung durch die gewünschte Milchsäuregärung. Die säureempfindlichen Gärfutterschädlinge, zu denen Clostridien (Buttersäurebildner) und Enterobakterien (Essigsäurebildner zu Gärbeginn) gehören, können deshalb durch den natürlichen Gärprozess im Allgemeinen schnell und nachhaltig unterdrückt werden. In aller Regel ist der pH-Wert bereits nach einer Woche bei gutem Luftabschluss so weit abgesenkt, dass beide Erreger zuverlässig ausgeschaltet sind.

Für die Unterbindung dieser beiden Gärschädlinge ist also in der Regel kein Siliermittelzusatz der Wirkungsrichtung 1 (Verbesserung des Gärungsverlaufes, Kasten) erforderlich.

Clostridien sind kaum eine Gefahr

Durch den Zusatz von homofermentativen Milchsäurebakterien (MSB) kann die Säuerungsgeschwindigkeit zu Gärbeginn zwar noch erhöht werden, aber das bringt keine besonderen Vorteile für die Maissilierung. Die schnelle und intensive Säuerung zu Gärbeginn ist vor allem zur Unterbindung von Clostridienaktivität notwendig. Clostridien spielen jedoch nur dann eine Rolle, wenn das Siliergut deutliche Erdverschmutzung aufweist. Normalerweise ist das bei Mais, dank der hohen Stoppel, aber nicht der Fall.

Die zweite Gruppe der säureempfindlichen Gärfutterschädlinge, die Enterobakterien, können bereits bei relativ geringer Säuerung ausgeschaltet werden. Das gelingt schon durch die Säurebildung der natürlich vorhandenen Milchsäurebakterien.  

Hohe Alkoholgehalte festgestellt

Die Anwendung homofermentativer Milchsäurebakterien kann sogar ein Risiko darstellen, da säureverträgliche Hefen dadurch indirekt gefördert werden.  Dieses Phänomen ist folgendermaßen zu erklären: Erstens wird durch den MSB-Zusatz der im Siliergut vorhandene Zucker sehr effektiv in Milchsäure umgesetzt. Zweitens kommt es infolge der geringen Pufferkapazität zu einer raschen Absenkung des pH-Wertes bei gleichzeitig geringem Zuckerverbrauch. Nach Abschluss der Milchsäuregärung ist deshalb bei Zusatz homofermentativer Milchsäurebakterien ein relativ großer Rest-Zuckergehalt vorhanden. Dieser kann durch Hefen in Alkohol umgesetzt werden. Es gilt als relativ sicher, dass Alkoholgehalte oberhalb von 1,0 bis 1,2% in der TS auf Hefeaktivität zurückzuführen ist. Da alkoholische Gärung nur unter Ausschluss von Luft stattfindet, sind deshalb vor allem Silos betroffen, denen eine gute Siliertechnik im Hinblick kurze Silofülldauer, gute Verfestigung, gute Abdeckung usw. bescheinigt werden kann.

Aus der Praxis werden immer wieder Klagen laut über nicht ausreichende Futteraufnahme der Maissilage, über erhöhte Zellzahlen in der Milch, zunehmende Probleme bezüglich Erwärmung der Silage im Verlauf der Verfütterung eines Silos, erhöhte Alkoholgehalte in der Silage und dergleichen.  Bei der Ursachenforschung zu diesen Problemen wird zu Recht zunächst nach Mängeln in der Siliertechnik gesucht. Mehrtägige Silobefüllung, unzureichende Verfestigung, mangelhafte und/oder verzögerte Silozudeckung stellen zwar einen großen Teil der Ursachen für die genannten Probleme dar, doch nicht in jedem Fall. Oft sind auch Silagen betroffen, bei denen bezüglich der Güte des Luftabschlusses keinerlei Beanstandungen vorliegen. Häufig waren aber homofermentative Milchsäurebakterien als Siliermittel eingesetzt worden.

Hefen sind anpassungsfähig

Während Schimmelpilze durch sehr guten Luftabschluss des Futterstapels ausgeschaltet werden können, ist die Strategie zur Ausschaltung von Hefen etwas komplizierter, da Hefen unter sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen aktiv sein können.

Bei Ausschluss von Sauerstoff wandeln Hefen vorhandenes Nährsubstrat (Zucker) in Alkohol um.

In Gegenwart von Sauerstoff stellen Hefen ihren Stoffwechsel und sie „veratmen“ dann z.B. Zucker und Milchsäure. Dabei entstehen als Endprodukte Kohlendioxid und Wasser sowie Wärme als Nebeneffekt. Bei Luftzutritt zum Futterstapel während der Entnahme kommt es deshalb zur Erwärmung der Silage. Dabei ist das Risiko umso größer, je besser sich die Hefen während der Silagelagerung – auch infolge Luftinfiltration – vermehren konnten und je mehr Luft während des Verfütterungszeitraumes an das Futter gelangt. Das geschieht z.B. infolge einer zu geringen Lagerungsdichte im Silostapel (hohes Gasvolumen) und/oder infolge eines zu geringen Vorschubs während der Entnahme.

Silagen mit guter Gärqualität (buttersäurefrei, hohe Milchsäuregehalte, Essigsäuregehalte unter 3% der TS) sind dabei besonders gefährdet. Die wichtigste Gegenmaßnahme ist zunächst, die Lufteinwirkung auf das Futter von der Einlagerung bis zur Entnahme auf ein unvermeidbares Minimum zu begrenzen, um die Anzahl an Hefekeimen möglichst gering zu halten. Unterstützt werden kann dieser Prozess durch den Zusatz eines Siliermittels, das direkt gegen Hefen wirkt. Bei den DLG-geprüften Siliermitteln sind das die Präparate der Wirkungsrichtung 2.

Siliermittel
Erfolgreicher Siliermitteleinsatz will vorbereitet sein. Achten Sie auf die richtige Siliermittelauswahl und die Ausbringung mit geeigneter Dosiertechnik.Dr. Christine Kalzendorf
Siliermittel brauchen gute Technik

Als Hemmstoffe gegen Hefen kommt vor allem die Essigsäure in Betracht, wenn sie mengenmäßig ausreichend zur Verfügung steht. Mehr Sicherheit zur zusätzlichen Einschränkung haben die Propion-, Benzoe- und Sorbinsäure sowie deren Salze Propionat, Benzoat und Sorbat. Tabelle 1 gibt eine Übersicht über Produktgruppen und ihre Wirkprinzipien.

Chemische Siliermittel sind allerdings deutlich kostenintensiver als biologische Präparate. Ihr Einsatz lohnt jedoch für schwierige Situationen. Dazu zählt z.B. die Silageentnahme in der warmen Jahreszeit sowie allgemein die letzte Futterschicht auf dem Silo.

Bei den biologischen Präparaten handelt es sich vorwiegend um heterofermentative MSB, deren Wirkung auf Bildung von Essigsäure aus der zuvor entstandenen Milchsäure beruht. Als Nebenprodukt kann auch Propandiol auftreten.

Damit der Prozess der Essigsäurebildung bei Einsatz heterofermentativer MSB in vollem Umfang ablaufen kann, sind Verschlusszeiten des Silos von mindestens sechs Wochen wünschenswert. Je schneller das Silo wieder geöffnet wird, desto geringer kann die Wirksamkeit des biologischen Produktes ausfallen.

Sowohl bei den biologischen als auch bei den chemischen Siliermitteln (oder deren Kombinationen) sollten nur solche Präparate zum Einsatz kommen, die das DLG-Gütezeichen tragen. Für sie wurde bei entsprechenden Prüfungen die Wirksamkeit zur Verbesserung der aeroben Stabilität nachgewiesen. Dennoch: diese Siliermittel sind keine Konservierungsmittel., d.h. Siliermittel verzögern Verderbprozesse während Konservierungsmittel, wie bei der Getreidekonservierung, ein umfassendes Abtöten von Verderbkeimen bewirken. Daher gehört zu einem zuverlässigeren Vermeiden von Nacherwärmungen nicht nur der Siliermittelzusatz, sondern auch die Beachtung aller Silierregeln von der Befüllung bis zur Entnahme in Verbindung mit einer möglichst langen Siloverschlusszeit. Für die Auswahl des passenden Siliermittels sind vor dem Hintergrund die Rahmenbedingungen der Silierung und Entnahme zu berücksichtigen (Abbildung 1). Die Kriterien zur Einschätzung der Silier- und Entnahmebedingungen kann Tabelle 2 entnommen werden.

Schimmelpilze ausschalten

Eine Vielzahl von Schimmelpilzen lässt sich durch einen wirksamen Luftabschluss ausschalten. Doch von den Schimmelpilzen gibt es auch hartnäckige Typen, die trotz perfekter Silierung überdauern. Dazu gehört beispielsweise ein spezieller Blauschimmelpilz mit dem Namen Penicillium roqueforti.

Bezüglich der in Frage kommenden Siliermittel kann nur bedingt davon ausgegangen werden, dass die zur Unterbindung von Hefen genannten biologischen Präparate auch gegen Schimmelpilze wirksam werden. Die durch heterofermentative MSB gebildete Essigsäure wirkt zwar hemmend gegen Hefen, ist aber gegen Schimmelpilze weitgehend unwirksam. Chemische Siliermittel auf der Basis von Propionat, Sorbat und Benzoat, ggf. in Kombination mit MSB, sind demgegenüber zur Unterbindung von Schimmelpilzen gut geeignet (Tabelle 1).

Auch an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass die chemischen Siliermittel nur in Verbindung mit guter Siliertechnik, d.h. bei bestmöglichem Luftabschluss, gegen Schimmelpilze wirksam werden können.

So lässt sich der oben benannte Blauschimmelpilz, Penicillium roqueforti, trotz Siliermittelzusatz nur schwierig ausmerzen. Bei zu hohem Trockenmassegehalt des Siliergutes, nicht ausreichender Lagerungsdichte im Silo sowie bei zu geringem Vorschub ist die mögliche Luftinfiltration in den Futterstapel von der Anschnittfläche aus zu groß, um mit Siliermitteln die Schimmelbildung zuverlässig ausschalten zu können. Ist der Luftabschluss oder auch die Siloverschlusszeit nicht ausreichend, kann durch den Siliermitteleinsatz bestenfalls das Risiko für ein größeres Ausmaß der Schimmelbildung vermindert werden. Ein erfolgreicher Siliermitteleinsatz ist immer nur bei bester Siliertechnik, bei homogener Verteilung der Substanzen im Futterstrom und einem hinreichenden Futtervorschub gegeben.

 

Fazit: Für die Silierung von Silomais sind Siliermittel zur Unterstützung der Milchsäuregärung (WR 1a, 1b, 1c, siehe Kasten links) unter normalen Umständen nicht erforderlich. Zu empfehlen sind hingegen chemische oder biologische Präparate der Wirkungsrichtung 2. Ihr Wirkspektrum ist auf die Hemmung von Hefen und ggf. von Schimmelpilzen ausgerichtet. Für eine erfolgreiche Anwendung der DLG-geprüften Produkte ist stets bester Luftabschluss von der Silobefüllung bis zur Silageentnahme wesentliche Voraussetzung.


Siliermittel mit DLG-Gütezeichen

Einen Überblick über alle Siliermittel mit DLG-Gütezeichen gruppiert nach Wirkungsrichtungen sowie Produktgruppen (Inhaltsstoffen) entnehmen Sie der Datei „DLG_Siliermittel gruppiert_Stand 03_2021“


 

Kontakte

Dr. Christine Kalzendorf

Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung

 0441 801-428

  christine.kalzendorf~lwk-niedersachsen.de


Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau

 0511 3665-4453

  meike.backes~lwk-niedersachsen.de


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