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Silomais – Das 1X1 der Maissilierung

Die Mehrzahl der Maisflächen präsentiert sich kurz vor der Ernte in einem guten Zustand. Hohe Erträge sind in 2021 zu erwarten. Nun kommt es darauf an, nicht nur verlustarm zu bergen und zu silieren, sondern auch über eine mögliche weitere Veredlung der Futterpflanze in Form von CCM, LKS oder Feuchtmais nachzudenken. 

Mit einer Anbaufläche von 628.000 ha in Niedersachsen gehört der Mais zu den wichtigsten Fruchtarten im Bundesland. Der Verkaufswert ab Silo liegt aktuell zwischen 28 und 35 € je Tonne (Quelle: „Märkte in Ausgabe 33-2021 der „Land und Forst“). Mit der bevorstehenden Silomaisernte werden damit Werte geschaffen, die in der Summe des Bundeslandes annähernd 1 Mrd. Euro betragen, wenn man einen Durchschnittsertrag von 150 dt TM/ha und einen TM-Gehalt von 35 % zugrunde legt. Nicht nur aus Sicht dieser Größenordnungen, sondern für jede Einzelfläche ist es lohnenswert, vermeidbare Verluste im Rahmen der Silierung und Fütterung so gut wie möglich zu begrenzen.  

Futterqualität beeinflussen
Die Mehrzahl der Maisflächen präsentiert sich kurz vor der Ernte in einem guten Zustand. Hohe Erträge sind ganz sicher in 2021 zu erwarten. Dem niederschlagsreichen Jahr kann demzufolge auch etwas Gutes angerechnet werden: es hat die Silos der Futterbaubetriebe bereits mit viel Gras vom Grünland gefüllt. Doch die Qualität der Grassilagen wird in 2021 weniger gut ausfallen, denn vielerorts konnte aufgrund der Nässe nicht zum optimalen Schnittzeitpunkt geerntet werden. Da auch die Kraftfutterpreise kräftig angestiegen sind, gilt es, den Mais so gut wie möglich zu veredeln. 
Vor allem im Bereich des Körnermaises besteht die Möglichkeit, mit der Herstellung von Lieschkolbenschrotsilagen, von CCM oder von Feuchtkornsilagen den Fokus auf viel Stärke und Energie zu legen. Für einige Grünlandbetriebe könnten diese Maisprodukte für einen Zukauf von Interesse sein, nicht nur aufgrund der Inhaltsstoffe, sondern auch hinsichtlich der Transportwürdigkeit.
Auch für den Silomais gibt es bei der Ernte durch die Schnitthöhe die Option entweder bevorzugt auf Quantität oder Qualität zu setzen. Mit Hilfe des Hochschnitts gelingt es, höhere Energiewerte in den Maissilagen zu erzielen, da auf einen wesentlichen Anteil des rohfaserreichen Stängels verzichtet wird. Im Allgemeinen gilt, dass mit einer Erhöhung der Stoppel um 20 cm die Energiekonzentration um 0,1 MJ NEL/kg TM zunimmt, während der Ertrag um etwa 5% und der Strukturwert um 0,1 abnehmen. Gleichzeitig steigt der Trockenmassegehalt um circa 1 bis 2 % je 20 cm höherer Stoppel an. Das gilt es für die Entscheidungsfindung zu beachten, insbesondere, wenn der Mais zum Erntezeitpunkt bereits überständig ist. Mit einem kürzeren Häckseln und einem Intensivieren der Walzarbeit muss dann unbedingt die Verdichtung auf dem Silo gesichert werden.
 

Silomaisernte
Die Einhaltung der Silierregeln sind Voraussetzung für den SiliermitteleinsatzDr. Christine Kalzendorf
Das 1X1 der Maissilierung
Auch für leicht silierbare Futterpflanzen, zu denen der Mais gehört, sind die Silierregeln zu beachten, um das Futter auch während des Verfütterungszeitraumes vor Verderb zu schützen. Wesentlich für eine gutes Gelingen der Maissilagebereitung sind die Bemessung des Silofutterstockes, die Verdichtungsarbeit, das Abdecken des Silos und die Verschlusszeit des Silos.

Silogeometrie
Für das Nacherwärmen von Maissilagen gibt es stets mehrere Ursachen. Mit einem angepassten Futtervorschub könnte in vielen Betrieben das Problem vermieden werden. Der Silogeometrie ist deshalb bereits vor der Silierung hohe Beachtung zu schenken. So ist im Winter ein wöchentlicher Futtervorschub von mindestens 1,50 m und im Sommer von mindestens 2,50 m anzustreben. Je größer der Futtervorschub, desto besser kann dem Problem des Futterverderbes am Anschnitt entgegengewirkt werden. 
Häufig sind die Silomieten aber viel zu hoch und zu kurz angelegt, da es im Allgemeinen an Siloplatz mangelt. Bei unzureichendem Futtervorschub wird die Nacherwärmungsflora unter Luftzutritt gefördert. Kommen dann noch warme Umgebungstemperaturen hinzu, beschleunigt dies zusätzlich die Vermehrungsrate unerwünschter Keime, wie beispielsweise den Hefen. Auch die Art und Weise der Futterentnahme und der Verdichtungsgrad des Silofutterstockes beeinflussen die Nacherwärmung. 

 

Verdichtung bei der Maisernte
Achten Sie während der Ernte bereits auf eine gute Häckselqualität und den ggf. unterschiedlichen Abreifegrad auf Ihren FlächenDr. Christine Kalzendorf
Verdichtung, Walzarbeit
Das Ziel muss es sein, eine hohe Verdichtung von mindestens 230 bis etwa 270 kg TM/m³ bei Trockenmassegehalten in den Bereichen von 28 oder 33 % zu erreichen. Nicht die Bergeleistung der leistungsstarken Exakthäcksler bestimmt daher die Geschwindigkeit der Ernte, sondern vielmehr die Kapazität der Walzschlepper.  Bei hohem Auflagedruck der Walzfahrzeuge und einer langsamen Überfahrt (4 – 6 km/h) ist ein Verdichtungsaufwand von 2 bis 3 Minuten je Tonne Erntegut zu gewährleisten. Für die letzten Futterschichten darf die Walzarbeit durchaus noch einmal intensiviert werden. 

Abdeckung
Eine unverzügliche und sorgfältige Abdeckung des Silos mit mindestens zwei Folienschichten (Unterzieh- und Silofolie) sowie das hinreichende Befestigen des Silofußes gehören gleichfalls zum Standard der Silierregeln, um das Eindringen von Luft zu verhindern. Je besser und schneller damit anaerobe Bedingungen geschaffen werden, desto rascher beginnt die Gärung. Das mindert unerwünschte Gärkeime und Nährstoffverluste.

Verschlusszeit
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das zu frühzeitige Öffnen des Maissilos. Im schlimmsten Fall bleibt sogar eine Seite für die sofortige Verfütterung offen. In beiden Fällen wird damit der Silierprozess gestört, für welchen die Abwesenheit von Luft unabdingbar ist. Zudem ist die Hemmung unerwünschter Gärkeime sowie der Nachgärflora unzureichend. Sogar der gefährliche Blauschimmelpilz kann durch eine lange Verschlussphase des Silos reduziert werden, da er auf das im Silo gebildete Kohlendioxid empfindlich reagiert. Für ein hinreichendes Durchsilieren des gesamten Futterstapels sollte das Silo mindestens 4, besser sogar noch 6 Wochen geschlossen bleiben.  Je trockener der Mais geborgen wird, desto wichtiger ist die anaerobe Lagerdauer unter der komplett verschlossenen Folienhaube. Wird im Erntezeitraum bereits Silomais für die Verfütterung benötigt, ist entweder für diesen Zweck ein separates Silo anzulegen oder eine tägliche Frischverfütterung in Betracht zu ziehen.      

Wir fassen zusammen:
Der Mais ist in 2021 gut gewachsen. Es bestehen beste Voraussetzungen für gute Erträge. 
Mit der Wahl der Schnitthöhe beim Silomais oder der Ernte spezieller Maisprodukte beim Körnermais kann zusätzlich sehr gezielt Einfluss auf die Futterqualität genommen werden. 
Nach der Befüllung und Abdeckung des Silos ist es wichtig, dass der Futterstapel zum intensiven Vergären für mindestens sechs Wochen geschlossen bleibt. 
Die Gärgashaube ist ein Hinweis für den Silierprozess. Sie sollte nicht durch Ablassen der Gase gestört werden. 
Die Absenkung des pH-Wertes, die Gasbildung sowie die Dauer der anaeroben Lagerung haben keimhemmende Funktionen.

 



Siliertechnische Verfahrensregeln zur Erzeugung hochwertiger Maissilagen
•    Silomais bei optimaler Abreife mit einem TM-Gehalt der Gesamtpflanze von 30 bis 35 % ernten
•    bei fortgeschrittener Abreife muss umso konsequenter zerkleinert und auf dem Silo verdichtet werden
•    Lagerungsdichten von 230 bis 270 kg TM/m³ bei TM-Gehalten im Bereich von 30 - 33 % anstreben 
•    Hochschnitt verbessert die Futterqualität: Energiekonzentration und Verdaulichkeit werden erhöht, der Besatz unerwünschter Mikroorganismen wird gemindert
•    Silo unverzüglich und mit zwei Folien (Unterziehfolie, Silofolie) inklusiv Folienschutznetz abdecken
•    Siloverschluss für mindestens 6 Wochen bei TM-Gehalten ab 35 % einplanen (gegebenenfalls zwei separate Silo anlegen: zur Verfütterung sofort und zur Verfütterung bis Frühjahr/ Sommer)
•    durch richtige Anlage der Silogeometrie ausreichenden Futtervorschub sichern: Vorschub im Winter mindestens 1,5 m je Woche; Vorschub im Frühjahr/ Sommer mindestens 2,5 m je Woche
•    Anschnittfläche sollte sich nicht auf der Hauptwindseite befinden

 

Kontakte

Dr. Christine Kalzendorf

Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung

 0441 801-428

  christine.kalzendorf~lwk-niedersachsen.de


Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau

 0511 3665-4453

  meike.backes~lwk-niedersachsen.de


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