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Sortenempfehlungen für Silomais, früh/mittelfrüh

LSV-Ergebnisse und Anbauempfehlungen der frühen und mittelfrühen Silomaissorten

Die Sortenprüfungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigen, welche bewährten und neuen Sorten es gibt. Die daraus erarbeiteten Anbauempfehlungen geben für die jeweiligen Nutzungsschwerpunkte eine Hilfestellung bei der Sortenwahl.

Die diesjährige Vegetationszeit des Maises begann unter zum Teil sehr schwierigen Bedingungen, verlief aber nach den Startschwierigkeiten des ungewöhnlich kalten Frühjahrs umso erfolgreicher. Zu Beginn trauten sich viele Landwirte kaum, den Mais zu säen; Mitte April reichten die Bodentemperaturen kaum aus und wärmeres Wetter war nicht in Sicht. Vielfach war Warten die richtige Entscheidung, denn nicht selten zeigten sich bei Auflaufzeiten von mehr als drei Wochen deutliche Auflaufprobleme. Diese reichten von ungekeimten Körnern über Irrläufer, die auch mal nach unten abbogen, bis hin zu eingegangenen Keimlingen, die infolge des zeitlich begrenzten Beizschutzes von pathogenen Bodenerregern befallen wurden. Außerdem zeigten sich bei Aussaatterminen bis Anfang Mai z.T. deutliche Unterschiede in der Saatgutqualität, die weder über die ausgewiesene Keimfähigkeit noch über das übliche Verfahren zur Überprüfung der Triebkraft (Kalttest) abzusehen waren. Auch in den LSV sind diese Probleme deutlich geworden, so dass in der Folge der LSV früh am Standort Soltau abgebrochen werden musste. 

Erst ab Aussaatterminen in der zweiten Maidekade traten diese Probleme nicht mehr auf, da diese Bestände in eine Phase wärmerer Temperaturen hineinwuchsen. Besonders die frühen Aussaattermine hatten aufgrund der sehr langsamen Jugendentwicklung auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen, denn längst nicht alle Landwirte haben Saatgutbeizen mit Repellentwirkung bestellt, so dass Schäden durch Vogelfraß besonders im westlichen Niedersachsen zu beklagen waren. Aber auch Wildschweine, Fritfliegen und Drahtwürmer haben ihr Unwesen getrieben, allerdings wurden hier im Vergleich nur wenige Schäden gemeldet. Den Bezirksstellen der LWK wurden insgesamt Schadensfächen von rund 3 % der niedersächsischen Maisfläche gemeldet, wobei mindestens 5% Pflanzenverluste erreicht werden mussten. 

Bundesweit geht das Deutsche Maiskomitee von ca. 16% durch tierische Schaderreger geschädigter Maisfläche aus. 

Das stellt die Maisanbauer weiterhin vor Herausforderungen. Eine züchterische Lösung gegen Schäden durch Vogelfraß und Insektenbefall ist mittelfristig nicht absehbar. 
In Vorbereitung auf die Maisaussaat sind daher unbedingt alle pflanzenbaulichen Maßnahmen zu treffen, um dem Mais zu einem schnellen Feldaufgang und einer zügigen Jugendentwicklung zu verhelfen umso die kritische Phase bis zum 4 Blatt-Stadium in kurzer Zeitspanne zu durchwachsen. Die Verwendung von Saatgut mit hoher Keimfähigkeit und Triebkraft ist dabei eine wesentliche Grundvoraussetzung. 
Ein weiterer zentraler Punkt, dem bisher oft noch zu wenig Beachtung geschenkt wird, ist das Abwarten auf das Erreichen einer ausreichenden Bodenerwärmung. Dabei bieten frühreifere Sorten die Möglichkeit, auf günstigere Aussaatbedingungen zu warten. Auch sollte die Saattiefe in Abhängigkeit von Bodenfeuchte und angekündigter Witterung nicht unnötig tief gewählt werden, was besonders bei grenzwertigen Temperaturen wichtig ist. Gleichwohl kann bei entsprechend günstigen Aussaatbedingungen insbesondere den Krähen durch eine tiefere Saat das Herausziehen der Pflanzen erschwert werden. Auch das Walzen nach der Saat kann hier ggf. helfen. Nach Praxisbeobachtungen scheint auch der unebene Acker nach einer Dammsaat nicht besonders attraktiv für Vögel zu sein.

Derzeit besteht bei den meisten Saatgutanbietern die Möglichkeit, Saatgut mit dem Wirkstoff Ziram (Korit-Beize) zu bestellen. Dieser hat zwar keine insektizide Wirkung, gilt aber als Vogelrepellent, wenn auch mit geringerer Wirkung als man es vom Mesurol gewohnt war. Da die EU- Zulassung nicht über das Jahr 2022 hinaus gesichert ist, sollte Saatgut mit dieser Beizausstattung auf jeden Fall aufgebraucht werden. Des Weiteren müssen die Züchtungsunternehmen die Bestellung möglichst frühzeitig erhalten, da Ziram nicht in Deutschland angebeizt werden darf und das Saatgut erst nach der Behandlung hier eingeführt wird. Vor dem Hintergrund schwindender Wirkstoffe und vermehrter Restiktionen durch die Düngeverordnung bieten die meisten Züchter Zusatzbeizen mit Nährstoffen, speziellen Pflanzenextrakten, Bakterien oder Huminsäuren (sogenannte Biostimulanzien) oder Mykorrhiza an, mit dem Argument die Stressstabilität und die Jugendentwicklung des Maises damit deutlich zu verbessern. Teilweise werden Nährstoffbeizen als gleichwertiger Ersatz zur Unterfußdüngung angepriesen. 
Unsere Beobachtungen und Versuchsergebnisse zeigen allerdings bisher nur eine sehr begrenzte Wirksamkeit dieser Produkte auf. Es ist durchaus möglich, dass in für den Mais sehr stressempfindlichen Phasen wie der Jugendentwicklung, besonders unter suboptimalen Bedingungen, positive Effekte auftreten, aber man sollte hier keine Wunder erwarten.
Die Vielfalt der Sorten und Beizvarianten macht die Saatgutbestellung nicht gerade einfacher. Es ist daher ratsam sich bereits zeitig im Winter damit zu befassen. 

Silomaisernte
 Silomaisernte Karl-Gerd Harms
Eines der Instrumente für die richtige Sortenwahl sind Ergebnisse der Landessortenversuche (LSV) und die daraus abgeleiteten amtlichen Sortenempfehlungen. Über das Vorprüfungssystem, im Wesentlichen bestehend aus Wert- und EU-Prüfungen, entgeht kaum eine leistungsfähige und damit für den Landwirt interessante Maissorte den LSV. Hier werden die derzeit besten Sorten unabhängig geprüft und ggf. für den Anbau empfohlen. 
In dieser Ausgabe der Land und Forst werden die wichtigsten beiden Sortimente, früh (bis S 220) und mittelfrüh (S 230 – S 250) vorgestellt. Die dritte in Niedersachsen geprüfte Reifegruppe, mittelspät, liegt noch nicht abschließend ausgewertet vor, und wird in einer der kommenden Ausgaben veröffentlicht.
Die Sorten der frühen und mittelfrühen Reifegruppen werden an insgesamt 10 Standorten in Niedersachsen, verteilt über alle Bodenklimaräume, geprüft (siehe Karte). Um witterungsbedingte Jahreseffekte in der Beurteilung möglichst außen vor zu lassen, werden die Ergebnisse je nach Alter der Sorte und damit der Verfügbarkeit von Daten mehrjährig über bis zu 6 Jahre verrechnet. In diese Auswertungen fließen sowohl die Ergebnisse aus den Zulassungs- oder EU-Prüfungen als auch die Ergebnisse aus angrenzenden Bundesländern mit den gleichen Bodenklimaräumen mit ein. Auf diese Weise entstehen eindeutige Ergebnisse, die auf einer möglichst breiten und gleichzeitig regionalen Datenbasis fußen. 
Die Anbauempfehlungen werden aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen an die Grundfutterkomponente Silomais in drei Kategorien unterteilt. Diese sind Sorten für grasbetonte Futterrationen, Sorten für maisbetonte Futterrationen und Sorten für die Biogasproduktion. 

zur Ergänzung grasbetonter Rationen

Für eine Anbauempfehlung zur Ergänzung grasbetonter Milchviehrationen werden die Sorten mit der höchsten Energiedichte bei gleichzeitig nicht unterdurchschnittlichem Stärke- oder Energieertrag empfohlen, zusätzlich erhalten auch Sorten mit hohem Stärkeertrag bei mindestens durchschnittlicher Energiedichte eine solche Anbauempfehlung.

Region Nord

Die Region Nord ist die Grünlandregion Niedersachsens. Dementsprechend dominieren hier Milchviehbetriebe die landwirtschaftliche Nutzung. Das Grundfutter besteht in der Regel zu über 50% aus Gras und Grassilage und wird mit möglichst energiehaltiger Maissilage ergänzt und energetisch aufgewertet. Empfohlen werden hierfür die frühen Sorten Rancador (S 210), Agromilas (S 210), KWS Johaninio (S 210), Agro Ileo (S 200), LG 31205 (S 210) und Amanova (S 210). 
Für die günstigeren und wärmeren Standorte in dieser Region werden aus dem mittelfrühen Sortiment die Sorten Benedictio KWS (S 230), KWS Otto (S 240), Micheleen (S 230), KWS Jaro (S 230), Feuerstein (S 250), ES Amulet (S 250), Struana (S 250) und DKC 3204 (S 230) für den Einsatz in grasbetonten Rationen empfohlen. Von den Neuzulassungen 2021 haben die Sorten RGT Greatful (S 240) und DS 1890 B (S 240) die hohen Qualitätsanforderungen für eine Empfehlung zum Probeanbau erreicht.

Region Ost

Im östlichen Niedersachsen werden die qualitätsbetonten Sorten Rancador (S 210), KWS Johaninio (S 210), Agro Ileo (S 200), LG 31205 (S 210) und Amanova (S 210) zur energetischen Ergänzung grasbetonter Futterrationen empfohlen. Aus dem mittelfrühen Sortenportfolio haben ES Joker (S 250), Benedictio (S 230), LG 31256 (S 250), KWS Otto (S 240), Micheleen (S 230), KWS Jaro (S 230), Feuerstein (S 250), Struana (S 250) und DKC 3204 (S 230) eine Anbauempfehlung erhalten. Für den Probeanbau werden die Sorten RGT Greatful (S 240) und DS 1890 B (S 240) empfohlen. Die Sorten mit hoher Energiedichte und insbesondere mit hohem Stärkegehalt sind nicht nur für Milchkühe interessant, auch in der Bullenmast werden bevorzugt diese Sortentypen eingesetzt. 

Region Süd

Südniedersachsen ist eigentlich bekannt als Ackerbauregion, jedoch gibt es auch hier Milchviehbetriebe, die aufgrund der örtlichen Gegebenheiten wie zum Beispiel Hanglagen oder feuchten Standortbedingungen grasbetonte Rationen füttern. 
Für diese Betriebe werden aus dem frühen Silomaissortiment die Sorten Rancador (S 210), Agromilas (S 210), KWS Johaninio (S 210), Agro Ileo (S 200), LG 31205 (S 210) und Amanova (S 210) für den Anbau empfohlen. Für die günstigeren Standorte eignen sich auch mittelfrühe Sorten. Aus diesem Sortiment werden ES Joker (S 250), Benedictio KWS (S 230), KWS Otto (S 240), KWS Jaro (S 230), Feuerstein (S 250) und Struana (S 250) für den Anbau empfohlen. Von den 14 erstmalig im LSV geprüften Sorten werden P 8255 (S 240), DKC 3410 (S 240) und DS 1890 B (S 240) in Südniedersachsen für den Probeanbau empfohlen.

Region West

Für das westliche Niedersachsen stehen ebenfalls einige Sorten mit guten Qualitätseigenschaften zur Verfügung. Eine Anbauempfehlung haben die frühreifen Sorten Rancador (S 210), Agromilas (S 210), KWS Johaninio (S 210), Agro Ileo (S 200), LG 31205 (S 210), Amanova (S 210) und KWS Keops (S 210) erhalten. Diese sollten vorwiegend auf relativ kalten Standorten oder auch bei späterer Saat nach Grünroggen oder bei Grasvornutzung zum Einsatz kommen. Bei betrieblicher grasbetonter Futtergrundlage werden zur energetischen Aufwertung für alle anderen Standorte die mittelfrühen Sorten ES Joker (S 250), Benedictio (S 230), LG 31256 (S 250), KWS Otto (S 240), KWS Jaro (S 230), LG 30258 (S 240), Feuerstein (S 250), Struana (S 250) und DKC 3204 (S 230) empfohlen. Für den Probeanbau stehen die Sorten DKC 3410 (S 240) und DS 1890 B (S 240) mit einer Empfehlung zur Verfügung.

Maisbetonte Futterrationen: 

Auf Standorten mit einem höheren Anteil ackerfähiger und i.d.R. leichteren Böden nimmt die Bedeutung des Silomaises als Grundfutter zu, nicht zuletzt, weil dieser dort ertragreicher ist als Grünland. Auch die Grundfutterfläche ist häufig eher knapp, da die Ackerflächen auch für Marktfrüchte oder Sonderkulturen interessant sind. Unter diesen Bedingungen ist es bei der Mais-Sortenwahl wichtig, möglichst hohe Energieerträge pro Hektar zu erzielen. Gleichzeitig muss die Energiedichte ein hohes Niveau halten, da das Pansenvolumen und die Passagerate die notwendige Energiekonzentration bestimmen. Unter diesen Rahmenbedingungen wird die Sortenempfehlung für eine maisbetonte Ration erstellt und orientiert sich an Energie- und Stärkeerträgen bei durchschnittlicher bis guter Qualität. 

Region Nord

Im nördlichen Niedersachsen sollten aufgrund der vorherrschenden klimatischen Bedingungen vorwiegend frühe Silomaissorten angebaut werden. Folgende mehrjährig geprüften frühe Sorten werden hier für den Einsatz in maisbetonten Rationen empfohlen: LG 31223 (S 220), RGT Exxon (S 220), KWS Stefano (S 210), Rancador (S 210), KWS Johaninio (S 210), Amavit (S 210), Friendli CS (S 210) und B 2111 A (S 220). Die Rangierung hier und im Sortenratgeber erfolgt dabei nach Energieertrag. 
Für die günstigen Lagen des nördlichen Kammergebiets stehen viele interessante Sorten aus dem mittelfrühen Sortiment zur Verfügung. Für die maisbetont fütternden Betriebe werden die mehrjährig geprüften Sorten ES Joker (S 250), KWS Bernardino (S 240), LG 31238 (S 230), LG 31245 (S 240), ES Bond (S 240), Benedictio KWS (S 230), Amaveritas (S 240), KWS Fabiano (S 230), ES Palladium (S 250), LG 31253 (S 230), KWS Jaro (S 230), Amaroc (S 230) und Feuerstein (S 250) für den Anbau empfohlen. Für den Probeanbau werden mehrere Neuzulassungen mit sehr überzeugenden Ergebnissen empfohlen. Diese sind ES Traveler (S 250), LG 31272 (S 250), RGT Greatful (S 240), DKC 3410 (S 240), DKC 3418 (S 250) und DKC 3414 (S 250).
Das empfohlene Sortenspektrum umfasst dabei sowohl Stay-green-Typen mit größerem Erntefenster als auch relativ früh und sicher abreifende Sorten. Insbesondere die Sorten mit einem „Minus“ in der Abreife benötigen für eine sichere Ausreife und abgeschlossene Kolbenbildung entsprechend klimatisch günstige Standorte in dieser Region. 

Region Ost

Das östliche Niedersachsen ist geprägt von Sandböden, auf denen es nicht selten zu Wassermangel kommt. Bedingungen, für die die C4-Pflanze Mais mit ihrer hohen Wassernutzungseffizienz optimal geeignet ist. 
Aus dem frühen Sortiment zeichnen sich hier für die maisbetonte Fütterung besonders die mehrjährig geprüften Sorten LG 31223 (S 220), RGT Exxon (S 220), KWS Stefano (S 210), Rancador (S 210) und B 2111 A (S 220) aus und werden daher für den Anbau empfohlen. 
Aus dem mittelfrühen Sortiment werden die ertragsbetonten Sorten ES Joker (S 250), KWS Bernardino (S 240), LG 31238 (S 230), LG 31245 (S 240), ES Bond (S 240), Benedictio KWS (S 230), KWS Otto (S 240), KWS Fabiano (S 230), ES Palladium (S 250), Micheleen (S 230), KWS Jaro (S 230) und Amaroc (S 230) für eine maisreiche Fütterung empfohlen. 
Die Sorten ES Traveler (S 250), LG 31272 (S 250), RGT Greatful (S 240) und DKC 3410 (S 240) werden für den Probeanbau empfohlen.

Region Süd

In Südniedersachsen ist Mais auf den Ackerflächen eher wenig vertreten, doch die Klimabedingungen sind günstig und die Erträge waren auch in den vergangenen von Trockenheit geprägten Jahren in dieser Region meist gut bis sehr gut. Für Milchviehhalter sind dies grundsätzlich gute Voraussetzungen. Je nach Lage des Standorts bietet sich der Anbau von frühen oder mittelfrühen Sorten an. 
Für die maisbetonte Fütterung werden hier die frühen Sorten LG 31223 (S 220), RGT Exxon (S 220), KWS Stefano (S 210), Rancador (S 210), KWS Johaninio (S 210), Amavit (S 210), DKC 3096 (S 220), SY Talisman (S 220) und B 2111 A (S 220).
Aus dem mittelfrühen Sortiment haben die Sorten ES Joker (S 250), KWS Bernardino (S 240), LG 31238 (S 230), LG 31245 (S 240), ES Bond (S 240), KWS Otto (S 240), ES Palladium (S 250), KWS Vitalico (S (S 240), LG 31253 (S 230), Micheleen (S 230), KWS Jaro (S 230) und Amaroc (S 230) eine Anbauempfehlung erhalten. 
Mit den Sorten ES Traveler (S 250), LG 31272 (S 250), P 8255 (S 240) und DS 1890 B (S 240) stehen hier 4 Neuzulassungen mit einer Empfehlung für den Probeanbau zur Verfügung. 

Region West

In der Region West herrschen für den Maisanbau verhältnismäßig günstige Standorteigenschaften. Überwiegend leicht erwärmbare Böden mit guter bis ausreichender Wasserführung ermöglichen dem Mais hier gute Erträge und sorgen für eine hohe Vorzüglichkeit gegenüber anderen Feldfrüchten. Für eine frühe Ernte (Fruchtfolgegestaltung/Greening) in relativ ungünstigen Lagen oder bei der Option der Ernte als Körnermais/CCM sind auch hier frühe Sorten durchaus interessant.
Für maisbetonte Milchviehrationen werden die frühen Sorten LG 31223 (S 220), RGT Exxon (S 220), KWS Stefano (S 210), Rancador (S 210), Amavit (S 210) und B 2111 A (S 220) empfohlen. 
Das mittelfrühe Silomais-Sortiment hat in der Region West die größte Bedeutung. Für die maisbetonte Rationsgestaltung werden hier die Sorten ES Joker (S 250), KWS Bernardino (S 240), LG 31238 (S 230), LG 31245 (S 240), ES Bond (S 240), Benedictio KWS (S 230), LG 31256 (S 250), KWS Otto (S 240), Amaveritas (S 240), KWS Fabiano (S 230), ES Palladium (S 250), KWS Jaro (S 230) und Amaroc (S 230) nach mehrjährigen LSV-Prüfungen empfohlen. Die Neuzulassungen ES Traveler (S 250) und RGT Greatful (S 240) haben eine Empfehlung für den Probeanbau erhalten.


Sortenempfehlung für die Biogasnutzung

Was ist bei der Wahl einer Biogas-Sorte entscheidend?
Mit ca. 2/3 der Substratanbaufläche für Biogasanlagen ist der Silomais nach wie vor das wichtigste Biogassubstrat, mit der höchsten Methanausbeute. Daran wird sich vermutlich auch so schnell nichts ändern, wenngleich die ersten Anlagenbetreiber in den kommenden Jahren bereits mit dem „Maisdeckel“ gezwungen sind, vermehrt alternative Substrate einzubeziehen.
Eine gute Biogassorte sollte insgesamt einen möglichst hohen Biogasertrag erreichen. Dieser ist das Produkt aus sortenspezifischer Biogasausbeute und dem TM-Ertrag. Seit 2017 bilden diese beiden Ertragsmerkmale auch die Basis für die Biogassortenempfehlungen der LWK. Eine Anbauempfehlung für die Nutzungsrichtung Biogas bekommt eine Sorte, wenn zusätzlich zu einem hohen TM-Ertrag ein festgelegter Mindest - Biogasertrag erreicht wird, oder umgekehrt. 
Damit ist der TM-Ertrag als der in beiden Parametern enthaltener Faktor die maßgebliche Einflussgröße für die Sortenempfehlung.
Der TM-Ertrag einer Sorte ist hierbei eine variablere Größe als die Biogasausbeute, die durch die genetischen Eigenschaften weitestgehend festgelegt ist. Sehr gut geeignete Biogas-Sortentypen, die per se eine hohe Biogasausbeute aufweisen, können züchterisch auf verschiedenen Wegen erreicht werden. Entscheidend für eine gute Biogasausbeute sind die Parameter Rohfett, Hemicellulose (hochverdauliche Faser), Lignin (unverdauliche Faser) und der Stärkegehalt.
So lassen zum Beispiel Maissorten mit einem hohen Kornansatz, der jeweils einen erhöhten Rohfettgehalt sowie einen hohen Anteil an fermentierbarer Zellwand bedingt, eine entsprechend überdurchschnittliche, sortenindividuelle Biogasausbeute erwarten. Dieses spiegelt sich auch in den Ergebnissen unserer Landessortenversuche wider. 
Besonders im mittelfrühen Reifebereich finden sich Sorten mit einer hohen Biogasausbeute.
Aber auch die Wahl einer Biogassorte beginnt immer mit der richtigen Reifegruppe bzw. Reifezahl. Oberste Priorität gilt dem Erreichen ausreichender Trockensubstanzgehalte am jeweiligen Standort!
Zusätzlich beeinflussen weitere Sorteneigenschaften wie z.B. Standfestigkeit die Ertragssicherheit einer Sorte. Hierzu finden sich sowohl im Sortenratgeber als auch in den „Ergänzenden Sorteninformationen“ (www.lwk-niedersachsen.de) die entsprechenden Einstufungen der LWK Niedersachsen bzw. aus der aktuellen „Beschreibenden Sortenliste“ des Bundessortenamtes 2021.
In 2021 erhalten die folgenden frühen und mittelfrühen Sorten eine Anbauemfehlung für die Nutzungsrichtung Biogas.

Region Nord

Für die Biogasnutzung in der Anbauregion Nord werden die frühen Sorten LG 31223 (S 220),  Rancador (S 210), KWS Johaninio (S 210), KWS Stefano (S 210),  RGT Exxon (S 220), SY Leopoldo (S 220),  Agromilas (S 210) und die Sorte Milkstar (ca. S 220) aufgrund mehrjährig sehr guter Biogas- und TM-Ertragsleistungen empfohlen. Für den Probeanbau nach einjährig sehr guten Leistungen ist die Sorte Jakleen (S 220) zu empfehlen.

Aus dem mittelfrühen Sortiment werden die mehrjährig geprüften Sorten KWS Bernardino (S 240), RGT Haruka (S 250),  LG 31238 (S 230), ES Bond (S 240), ES Joker (S 250) sowie KWS Fabiano (S 230) aufgrund sehr guter Leistungen in Biogas- und Trockenmasseertrag empfohlen. 
Erfreulicherweise schnitten auch einige einjährig im LSV geprüften Sorten mit hervorragender Leistung in Trockenmasse- bzw. Biogasertrag ab und werden dementsprechend für den Probenanbau 2022 empfohlen: 
ES Traveler (S 250), DKC 3418 (S 250), LG 31272 (S 250), DKC 3419 (S 240), DKC 3414 (S 250).

Region Ost

Für das östliche Niedersachsen erhalten die frühen Sorten LG 31223 (S 220), KWS Stefano (S 210), Rancador (S 210), KWS Johaninio (S 210), Agromilas (S 210) und RGT Exxon (S 220) mit mehrjährigen Spitzenleistungen in Biogas- und Trockenmasseertrag eine Anbauempfehlung. Nach einjähriger Prüfung in den LSV wird die Sorte Jakleen (S 220) für den Probeanbau empfohlen.
Aus dem mittelfrühen Sortiment empfehlen wir die Sorten RGT Haruka (S 250), LG 31238 (S 230), KWS Bernardino (S 240), LG 31245 (S 240), KWS Otto (S 240) sowie LG 31253 (S 230) für den Anbau 2022 und Frühbezug 2023 zur Biogasnutzung. Für den Probenanbau aufgrund einjährig sehr guter Leistungen in den Landessortenversuchen in den Merkmalen Biogas- und Trockenmasseertrag erhalten die Sorten ES Traveler (S 250), DKC 3418 (S 250), DKC 3419 (S 240), DKC 3414 (S 250) sowie LG 31272 (S 250) eine Anbauempfehlung. 

Region Süd

Für die Region Süd werden die frühen Sorten KWS Johaninio (S 210), LG 31223 (S 220), SY Amboss (S 220), Rancador (S 210), KWS Stefano (S 210) sowie RGT Exxon (S 220) empfohlen. Für den Probenanbau 2022 empfehlen wir die Sorte Jakleen (S 220).

Mehrjährig sehr gute Leistungen in Biogas- und Trockenmasseertag führen zu einer Anbauempfehlung für die folgenden mittelfrühen Sorten : KWS Bernardino (S 240), ES Bond (S 240), KWS Otto (S 240), ES Joker (S 250), RGT Haruka (S 250), LG 31238 (S 230),  LG 31245 (S 240), LG 31253 (S 230) sowie KWS Vitalico (S 240).
Für den Probeanbau aufgrund einjährig überragend guter Leistungen im LSV empfehlen wir die Sorten ES Traveler (S 250), DKC 3418 (S 250), DKC 3414 (S 250), Agro Haiko (S 250) und LG 31272 (S 250).

Region West

Mehrjährig sehr gute Leistungen begründen die Anbauempfehlung für die Biogasnutzung im westlichen Niedersachsen für die folgenden frühen Sorten: LG 31223 (S 220), KWS Johaninio (S 210), KWS Stefano (S 210), Agro Ileo (S 200), Agromilas (S 210) sowie Rancador (S 210), LG 31227 (S 210) und RGT Exxon (S 220).
Für den Probeanbau in 2022 wird die Sorte Jakleen (S 220) für die Nutzungsrichtung Biogas in der Region West empfohlen.

Im westlichen Niedersachsen werden für die kommende Saison die Sorten KWS Bernardino (S 240), RGT Haruka (S 250), LG 31238 (S 230), KWS Otto (S 240), ES Bond (S 240), LG 31245 (S 240), KWS Fabiano (S 230), LG 31253 (S 230) sowie Amaveritas (S 240) aufgrund herausragender und mehrjährig stabiler Leistungen im Biogas- und Trockenmasseertrag empfohlen.
Gleiches gilt für die einjährig im LSV geprüften mittelfrühen Sorten: ES Traveler (S 250), DKC 3418 (S 250), DKC 3419 (S 240) sowie DKC 3414 (S 250) und LG 31272 (S 250), die für den Probeanbau empfohlen werden.
In der übernächsten Ausgabe der L&F wird dieser Beitrag fortgeführt und es folgen die Sortenempfehlungen für die Höhenlagen und das mittelspäte Silomaissortiment.
 

Kontakte

Karl-Gerd Harms

Berater Silo- und Körnermais

 0441 801-418

  karl-gerd.harms~lwk-niedersachsen.de


M.Sc. agr.
Thekla-Karina Niehoff

Beraterin Energiepflanzen

 0511 3665-4207

  thekla-karina.niehoff~lwk-niedersachsen.de


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