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Landwirtschaft: 33 Prozent Rückgang beim Unternehmensergebnis

Solide wirtschaftliche Basis vieler Betriebe ist in Gefahr: Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellt aktuelle Bilanzzahlen aus dem Wirtschaftsjahr 2020/21 vor

Gerhard Schwetje bei der Kammerversammlung 2021
 Gerhard Schwetje bei der Kammerversammlung 2021 Wolfgang Ehrecke
Oldenburg - Die Folgen der Corona-Pandemie und des Exportstopps aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sowie steigende Kosten haben in Niedersachsen tiefe Spuren in den Bilanzen landwirtschaftlicher Unternehmen hinterlassen: Das Unternehmensergebnis ging im Durchschnitt um rund 33 Prozent zurück. Dies berichtete die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) am Donnerstag (25. November) in Oldenburg bei der Vorlage der Zahlen für das Wirtschaftsjahr 2020/21. Eine Besserung der Lage ist vorerst nicht in Sicht.

„Erwirtschafteten die untersuchten Unternehmen im Vorjahr noch 71.400 Euro, so sind es in der diesjährigen Abrechnung nur noch 48.300 Euro – in allen Betriebsformen sind Eigenkapitalverluste zu verzeichnen“, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje. „Die solide wirtschaftliche Basis ist in vielen Betrieben in größter Gefahr.“ Das gelte besonders für die Schweinehalterinnen und Schweinehalter: „Die Veredelungsbetriebe stecken mittlerweile in einer ruinösen Preis-Kosten-Falle“, betonte Schwetje.

Während die Ergebnisse der Ackerbaubetriebe mit 62.400 Euro (2019/20: 73.600 Euro) wegen des coronabedingten Konjunktur- und Konsumeinbruchs auf einen mäßigen Durchschnittswert schrumpften, mussten die Futterbaubetriebe (Milchviehbetriebe) bei einem Milchpreisniveau von gut 33 Cent mit durchschnittlich 53.000 Euro (2019/20: 56.500 Euro) im dritten Jahr in Folge einen Rückgang des Ergebnisses verzeichnen.

Besonders hart traf es die Veredelungsbetriebe: Deren durchschnittliches Jahresergebnis stürzte nach einem sehr guten Vorjahr (129.600 Euro) mit 27.900 Euro um gut 100.000 Euro ab. Infolge der Corona-Pandemie waren Gaststätten und Kantinen lange geschlossen, Großveranstaltungen wurden abgesagt, Schlachtbetriebe wegen infizierten Personals gesperrt: Dies führte zu einem Überangebot an Fleisch.

Hinzu kam das Export-Verbot, das China und weitere asiatische Staaten nach Ausbruch der ASP in Deutschland verhängten. „Wir sind auf einem Niedrigpreisniveau für Schlachtschweine angelangt, das es seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gab“, berichtete der Kammerpräsident.

Als Konsequenz dieser Entwicklung haben zahlreiche bäuerliche Unternehmen Eigenkapital eingebüßt, die Belastung mit Fremdkapital ist gestiegen – auf durchschnittlich 366.000 Euro. „Der finanzielle Druck ist in vielen Betrieben entsprechend hoch“, sagte der Kammerpräsident. „Zugleich werden aus Politik und Gesellschaft heraus stetig wachsende Anforderungen in Bezug auf Klima-, Umwelt-, Arten-, Gewässer- und Tierschutz formuliert.“ Die zusätzlichen Kosten für diese neuen Aufgaben zu erwirtschaften, sei momentan kaum möglich.

Gut 100 Vertreter*innen des Berufsstands – zwei Drittel Unternehmer*innen und ein Drittel Arbeitnehmer*innen aus Landwirtschaft, Fischerei, Forst und Gartenbau – sowie Ehrengäste tagten in Oldenburg nach Maßgabe der 2G-Plus-Regeln.
 Gerhard Schwetje bei der Kammerversammlung 2021 Wolfgang Ehrecke
Die derzeitige Lage hat laut Schwetje zur Folge, dass Familien teilweise oder ganz aus der Landwirtschaft aussteigen – „ja, aussteigen müssen, um alternative Einkommensquellen zu erschließen und weitere Vermögensverluste zu verhindern“.

Anders als bei einem Angestellten-Gehalt ist es auch in der Landwirtschaft so, dass der Unternehmensgewinn nicht der Betrag ist, der einer Bauernfamilie zur freien Verfügung steht. Denn vom Gewinn müssen noch Steuern, Versicherungen, Leistungen für die Altenteiler und Investitionen bezahlt werden.

Das aktuelle Wirtschaftsjahr 2021/22 lässt noch keine grundsätzliche Trendwende erkennen: Wegen steigender Preise für Energie, Düngemittel und Saatgut müssen Betriebsleiter*innen tiefer in die Tasche greifen. Corona und ASP haben den Schweinemarkt fest im Griff. Schwetje: „Die Veredler machen nach wie vor mit jedem verkauften Mastschwein oder Ferkel Verluste – die Kosten für die Produktion übersteigen die Erlöse deutlich.“

Der Ackerbau profitiert derzeit von wachsender Nachfrage und steigenden Preisen bei Getreide und Raps. Der Kartoffelmarkt ist noch aus dem Gleichgewicht. Angesichts steigender Weltmarktpreise etwa bei Milchpulver und Butter hoffen Milchbäuerinnen und Milchbauern auf ein besseres Jahr 2022, in dem es nach langer Durststrecke wieder möglich sein dürfte rentabel zu wirtschaften.

Datengrundlage der genannten Zahlen ist eine repräsentative Stichprobe von 850 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen (Testbetriebsnetz). Deren Jahresabschlüsse wertet die Landwirtschaftskammer jährlich im Auftrag der Bundesregierung aus. Das berechnete Wirtschaftsjahr bezieht sich auf den Zeitraum 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021, bei Milchviehbetrieben vom 1. Mai 2020 bis 30. April 2021.

 


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Wolfgang Ehrecke
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