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Getreide- und Ölsaatenmarkt: Turbulenzen an der Börse

Bereits zu den Thanksgiving-Feiertagen in den USA kündigte es sich schon an. Auf sich allein gestellt fingen die Börsenkurse an der MATiF an zu schwächeln. Doch nach dem Wochenende kam es zum Preisrutsch. Was waren die Ursachen?

MATiF auf sich allein gestellt

Weizenpreis: Erzeugerpreis in Niedersachsen und Matif im Vergleich im Dezember 2021
Weizenpreis: Erzeugerpreis in Niedersachsen und Matif im Vergleich im Dezember 2021Sabine Heinemann

Die Börsen in den USA blieben zu den Thanksgiving-Feiertagen geschlossen bzw. am Freitag fand nur ein verkürzter Handel statt. Häufig ist die MATiF (Marche-Terme international de France) an solchen Tagen orientierungslos. Der Taktgeber für den globalen Handel mit Getreide- und Ölsaaten-Futures ist und bleibt nun mal die CBoT (Chicago Board of Trade). Als Folge rutschte der meistgehandelte März-Weizen auf 302,75 EUR/t zurück, immerhin konnte er dabei die 300-Euro-Marke noch halten. Zum Wochenstart wurden die Verluste jedoch ausgebaut und am Dienstag landete der Schlusskurs bei 285,50 EUR/t.

Auch der Rapskontrakt verlor an den vergangenen Tagen deutlich. Nachdem zur Mitte des Monats noch die 700-Euro-Marke erreicht werden konnte, ging es zuletzt deutlich bergab. Am Dienstag ging der Frontmonat schließlich mit 644,75 EUR/t aus dem Handel. Das entspricht einem Minus von über 37 EUR/t innerhalb von 5 Handelstagen.

Ursachen der Kursverluste

Als eine der Hauptursachen ist sicherlich die Corona-Lage zu nennen. Die steigenden Inzidenz-Zahlen und die Entdeckung einer neuen Virus-Variante hatten zu einer großen Verunsicherung geführt. Die Sorge um das Wirtschaftswachstum ist groß und hat sowohl die Energie- als auch die Finanz-Märkte unter Druck gesetzt. Das ließ die Rohstoffmärkte nicht unberührt.

Darüber hinaus gab es neue Nachrichten aus Australien. Wie die Landwirtschaftsbehörde ABARES meldete, wird nun doch mit einer Weizenernte in Rekord-Höhe von 34,4 Mio. t gerechnet. In den Tagen zuvor schürten Wettermeldungen die Sorge, dass Menge und Qualitäten in einigen Regionen Australiens stark beeinträchtig werden könnten. Angesichts der sinkenden globalen Lagerbestände war das für viele Marktteilnehmer Grund genug auf steigende Preise zu spekulieren. Mit der aktuellen Prognose von ABARES fiel dieses Kartenhaus nun zusammen. Auch für Gerste und Raps liegen die Erwartungen mit 13,3 Mio. t bzw. 5,7 Mio. t höher als zunächst gedacht.

Ein weiterer kritischer Punkt ist zudem das hohe Kursniveau. Seit einigen Monaten hat sich die Situation an der Börse aufgeheizt. Enttäuschende Ernten, eine hohe Importnachfrage und sinkende Lagerbestände hatten für weiter steigende Kurse gesorgt. Jede Meldung in diese Richtung wurde von den Marktteilnehmern dankbar aufgegriffen. Manche Analysten streiten darüber, ob diese Markteinschätzung nicht doch zu übertrieben war. Fakt ist jedoch, dass sich Hedgefonds und Spekulanten aus den Märkten zurückziehen, wenn die Gewinnchancen schwinden. Bei einem hohen Kursniveau von z. B. 700 EUR/t beim Raps bzw. 300 EUR/t beim Weizen sahen viele nicht mehr viel Luft nach oben und es setzten entsprechend Gewinnmitnahmen ein. Und dies zog weitere Positionsglattstellungen nach sich.

Einschätzung der Situation

Es lässt sich keine verbindliche Aussage treffen, ob der Aufschwung der Getreidepreise nun vorbei ist. Beurteilen kann man nur die Fakten, die zu dieser Kursschwäche geführt haben. Die Corona-Lage ist sicherlich eine sehr belastende Situation. Die Sorge, dass die existierenden Impfstoffe nicht gegen die neue Virus-Variante helfen, ist groß und damit verbunden sind erneute Lockdowns, Kontakt- und Reisebeschränkungen. Doch häufig wurde gerade der Weizen als Grundnahrungsmittel in Krisenzeiten stärker nachgefragt, insbesondere wenn das Preisniveau – wie aktuell – deutlich gesunken ist. Das könnte wieder zu einer Stabilisierung der Preisentwicklung führen. 

Über die Erntemenge in Australien gibt es zwar Prognosen, aber die Erntearbeiten sind dort erst gestartet. Hier bleibt noch abzuwarten, ob sich die optimistischen Erwartungen auch erfüllen. An der Börse werden derzeit lediglich diese Erwartungen gehandelt. Sollten die Fakten in ein paar Wochen ein anderes Bild zeigen, wird die Börse ebenfalls darauf reagieren. Zudem bleibt es abzuwarten, ob die starken Niederschläge nicht doch noch die Qualitäten beeinträchtigt haben.

Gibt es noch stützende Argumente?

Rege Nachfrage stützt die Preise: Enttäuschende Ernten und mangelnde Qualitäten haben in den vergangenen Wochen für Preisauftrieb gesorgt. Zudem kommen noch die Corona-Pandemie und eine rege Nachfrage der Importländer. Gerade in der vergangenen Woche wurden große Mengen von wichtigen Hauptimporteuren wie Ägypten, die Türkei und Algerien geordert.

Algerien hat in dieser Saison einen großen Bedarf. Nach einer Weizenernte in Höhe von 3,8 Mio. t rutschten die Prognosen zuletzt auf 3 Mio. t zurück. Als Folge senkten die Einkäufer bereits ihre Qualitätsanforderungen, insbesondere im Hinblick auf Insektenbefall. Das bietet auch Russland und der Schwarzmeerregion gute Chancen bei Exportgeschäften zum Zuge zu kommen. So hat Russland kürzlich eine Menge von 250.000 t an Algerien verkauft. Doch eine mögliche Exportmengenbegrenzung Russlands steht zum Jahreswechsel im Raum. Das könnte für den traditionellen Abnehmer französischer Ware bedeuten, den Blick wieder Richtung Europa zu wenden.

Wetterkapriolen sorgen für Unsicherheit: Neben der Nachfrage gibt es aber auch preistreibende Argumente auf der Angebotsseite. Wie sich die Lage in Australien entwickelt muss noch abgewartet werden. Doch nicht nur in Australien, sondern auch in Kanada, einem weiteren wichtigen Exportland, bereitet die Witterung Probleme. Starke Regenfälle sorgen für Überflutungen und machen Exportrouten unpassierbar. In anderen Teilen der Welt ist es dagegen zu trocken. Auf der Nordhalbkugel wie in den USA, Russland und der Ukraine hat die Aussaat unter zum Teil zu trockenen Bedingungen stattgefunden. Das bereitet keinen guten Start in die neue Saison.

Was machen die Erzeugerpreise?

Zum Wochenstart kam es regelrecht zu einer Ausnahme-Situation. Der Preisrutsch an den Börsen hat die Erfasser dazu veranlasst, ihre Preislisten neu zu bewerten. Insbesondere der Rapspreis musste dabei Federn lassen und wurde um bis zu 40 EUR/t gesenkt. Ebenso gaben die Vorkontraktpreise nach. Die Handelsaktivtäten kamen zwischenzeitlich zum Erliegen. Einer steigenden Abgabebereitschaft der Landwirte bis hin zu Panikverkäufen standen kaum Käufer gegenüber. Diese hoffen auf noch günstigere Gelegenheiten.

Matif Weizen No. 2 im Dezember 2021
Matif Weizen No. 2 im Dezember 2021Sabine Heinemann

Doch bereits am Folgetag (01.12.) hat sich das Blatt wieder gewendet. Die Vorzeichen an den Warenterminbörsen stehen auf „grün“. Schnäppchenkäufe nach den starken Verlusten sorgen für eine Stabilisierung. Das wird sich auch in der Entwicklung der Erzeugerpreise widerspiegeln.

Wer noch Ware zu verkaufen hat sollte sich bewusstmachen, dass sich die Erzeugerpreise nach der aktuellen Senkung immer noch auf einem guten Niveau befinden. Und es ist dringend davor zu warnen, auf den Höchstpreis zu spekulieren. Das gelingt nur selten und hat schon zu hohen Verlusten geführt.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Stephanie Stöver-Cordes

Fachreferentin

 0441 801-351

  stephanie.stoever-cordes~lwk-niedersachsen.de


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