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Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Körnermais 2021

Im Ökolandbau hat sich der Körnermaisanbau etabliert. In Öko-Tierfutterrationen ist er eine gefragte Komponente. Zudem ist das Ertragspotential interessant. In der Praxis sind Kornerträge möglich, die den doppelten Getreideertrag des Standortes erreichen können. Nicht selten liegen sie auch darüber. Erträge über 80 dt/ha sind unter Praxisbedingungen keine Seltenheit. Somit lassen sich mit dieser Frucht lohnende Deckungsbeiträge erzielen, zumal sich die Erzeugerpreise durch die belebte Nachfrage gegenwärtig auf einem erfreulichen Niveau bewegen. Der Anbau von Ökomais ist allerdings auch von Unsicherheiten begleitet. Vogel- und Drahtwurmfraß können zu hohen Pflanzenausfällen führen. Der Anbauerfolg ist zudem erheblich vom Beikrautregulierungserfolg abhängig.

Spätere Maisaussaaten sind im Vorteil
Unter ökologischen Anbaubedingungen ist es wichtig, dass der Mais einen zügigen Aufgang und eine schnelle Jugendentwicklung durchläuft. So ist er widerstandsfähiger gegenüber der Beikrautkonkurrenz, Krankheitserregern im Boden, wie beispielsweise Fusarien, Phytium sp. und Rhizoctonia, sowie tierischen Schaderregern (z.B. Drahtwurm, Fritfliege, Saaten- oder Wurzelfliege). 
Besonders durch kühle Frühjahre und Kälteeinbrüche nach der Saat kommt es zur Verlangsamung des Keimprozesses und im weiteren Verlauf zu einem deutlich verzögerten Aufgang und Ausfällen durch die genannten Schaderreger. Ungleichmäßige Bestände oder sogar Umbrüche können die Folge sein. In diesem Zusammenhang ist es eine wichtige Grundvoraussetzung Saatgut mit hoher Keimfähigkeit und Triebkraft zu verwenden.
Für einen schnellen Aufgang ist es zudem entscheidend, dass der Boden zur Saat eine Temperatur von mindestens 8 bis 10 °C erreicht hat und die Aussaat in eine möglichst anhaltende warme Witterungsphase erfolgt. Für die Aussaatplanung sind deshalb die Wetterprognosen kontinuierlich im Blick zu behalten. Frühe Saaten im April sind im Ökolandbau selten erfolgsversprechend. Aussaaten Anfang Mai können passen, aber auch hier ist der weitere Witterungsverlauf entscheidend. Häufig ist es besser Ruhe zu bewahren und im Zweifelsfall die Aussaat erst um Mitte Mai nach den „Eisheiligen" vorzunehmen. Sofern noch eine Kleegrasnutzung vorgesehen ist, verschiebt sich die Maisaussaat häufig in die letzte Maidekade. 
Das Frühjahr 2021 zeigte in der Praxis sehr deutlich welchen positiven Einfluss ein später Aussaattermin auf den Anbauerfolg hat. In diesem Jahr prägte eine lang anhaltende kühle Witterung das Frühjahr und machte auch dem wärmebedürftigen Mais zu schaffen. Eine spürbare und anhaltende Erwärmung war erst Ende Mai zu verzeichnen. Selbst Aussaaten um Mitte Mai brauchten im kalten Boden teils noch über 10 Tage bis sie aufliefen. Dagegen zeigten Aussaaten in der letzten Maidekade, wo endlich eine deutliche Erwärmung eintrat, ein zügiges Auflaufen und eine schnelle Jugendentwicklung. 

Sicher abreifende Sorten anbauen
Bei späteren Saaten im Mai muss bei der Sortenwahl die sichere Abreife vor den Ertrag gestellt werden. Dann sind Sorten besonders der frühen und ggf. noch der mittelfrühen Reifegruppe zu bevorzugen. Neben dem Ertrag wird die Rentabilität des Körnermaisanbaus maßgeblich durch die Trocknungskosten beeinflusst. Diese können sich in feuchten Jahren schnell in Bereichen von 400,- bis über 600,- Euro je Hektar bewegen. 

Saatgutbehandlung ist unsicher
Im Saatmaisgeschäft werden vermehrt Nährstoffbeizen und Biostimulanzien zur Saatgutbehandlung angeboten. Dabei handelt es sich unter anderem um Extrakte aus Pilzen, Algen oder Pflanzen, oder Amino-/ Huminsäuren. Diese Präparate sollen das Pflanzen- und Wurzelwachstum fördern und die Widerstandskraft der jungen Pflanze erhöhen. Das Angebot ist mittlerweile ausgesprochen unübersichtlich und längst nicht alle Präparate sind im Ökolandbau zulässig. Beobachtungen und Versuchsergebnisse zeigen allerdings bislang keine verlässliche Wirksamkeit dieser Produkte auf. Beispielsweise brachten eigene Versuche mit elektronenbehandeltem Saatgut keine Vorteile.

Vogelfraß bereitet Probleme
Flankierend kann zudem Vogelfraß zu erheblichen Pflanzenausfällen bis hin zu Totalschäden führen. Die Vermutung liegt nahe, dass Krähen oder Dohlen auch durch die tierischen Schaderreger im Boden angezogen werden und auf der Suche nach „tierischem Eiweiß“ dabei im hohen Umfang die jungen Maispflanzen dezimieren. Bislang gibt es keine verlässlichen Gegenmaßnahmen um den Vogelfraß sicher zu reduzieren. Drachen und andere abschreckende Systeme, oder Saatgutbehandlungen mit vergällender Wirkung zeigen bislang keine sichere Wirkung. Eine tiefere Saatgutablage kann das herausziehen der Maispflanzen für die Vögel erschweren, aber auch den Maiskeimling schwächen. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich der Aufgang deutlich verzögert und zu den bereits beschriebenen Pflanzenausfällen durch bodenbürtige Schaderreger führen kann.

Sekundärschädlinge können Probleme bereiten
In diesem Jahr prägte eine lang anhaltende kühle Witterung das Frühjahr und machte unter anderem auch den wärmebedürftigen Mais zu schaffen. Eine spürbare und anhaltende Erwärmung war erst Ende Mai zu verzeichnen. Selbst Aussaaten um Mitte Mai brauchten teils über 10 bis 14 Tage bis sie aufliefen.
Besonders durch Kälteeinbrüche nach der Saat kommt es zur Verlangsamung des Keimprozesses und im weiteren Verlauf zu einem deutlich verzögerten Aufgang. Erhebliche Pflanzenausfällen oder sogar Umbrüche können die Folge sein. Bei genauerer Ursachenforschung auf dem Feld bestätigt sich häufig der Befall mit Sekundärschädlingen. Meistens handelt es sich um die Larven der Saaten- oder Wurzelfliege. Sie ernähren sich von Pflanzenrückständen, bevorzugen aber auch keimende Samen und bohren sich in die Körner. Anhaltende kühle Witterung, also ungünstige Keimbedingungen, fördern den Befall an Maiskörnern. Frisch gepflügte Flächen und ein hoher Anteil organischer Rückstände wie beispielsweise Stallmistdüngung im Frühjahr, oder Flächen nach Kleegras- oder Zwischenfruchtumbruch werden von der Fliege für die Eiablage bevorzugt ausgewählt. Neben der Saatenfliege kann auch Drahtwurm und Fritfliegenbefall zu erheblichen Pflanzenausfällen führen. 

Frohwüchsigkeit und Blattstellung beachten
Neben Ertragsstabilität, sichere Abreife und Standfestigkeit sind auch die Frohwüchsigkeit und die Blattstellung der Maissorten nicht zu unterschätzende Auswahlkriterien. Frohwüchsige Sorten mit breiten und herabhängenden Blättern (planophil) lassen, aufgrund intensiverer Beschattung und früheren Reihenschluss, ein besseres Beikrautunterdrückungsvermögen erwarten, als Sorten mit schmalen und steil stehenden Blättern (erectophil). In den Öko-Landessortenversuchen werden diese Parameter erfasst. 


Öko-Saatgut ist vorgeschrieben

Beim Saatgutbezug sind Körner- und Silomais der Kategorie I zugeordnet. Die Eingruppierung in Kategorie I besagt, dass ausreichend Öko-Saatgut dieser Kultur zur Verfügung steht und deshalb keine Ausnahmegenehmigungen zur Verwendung von konventionell erzeugtem Saatgut gemäß Art. 45 (5) der VO (EG) 889/2008 oder eine allgemeine Genehmigung gemäß Art. 45 (8) der VO (EG) 889/2008 erteilt werden können.  Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, von ökologisch vermehrten Sorten das Leistungspotential in Öko-Sortenversuchen zu überprüfen. Eine Übersicht zu den verfügbaren ökologisch vermehrten Sorten finden Sie unter: www.organicxseeds.de

Die aktuellen Ergebnisse unserer Öko-Landessortenversuche Körnermais zusammengefasst von 2018 bis 2021 stehen am Ende des Beitrages zur Verfügung.

Außerdem stehen Informationen zur Nährstoffversorgung im ökologischen Maisanbau und dreijährige Versuchsergebnisse zur Elektronenbehandlung von Öko-Maissaatgut zum Download zur Verfügung.

Informationen zur mechanischen Unkrautregulierung im Mais finden Sie unter

Mechanische Unkrautregulierung im Öko-Mais

Mais als Dammkultur

Ergebnisse zu weiteren Versuchen im Ökologischen Landbau, bzw. Sortenversuche der zurückliegenden Jahre finden Sie unter: ISIP 

Einsatz des Zinkenstriegels im Mais
Einsatz des Zinkenstriegels im Mais - © Markus MückeMarkus Mücke

Kontakte

Markus Mücke
Dipl.-Ing. agr.
Markus Mücke

Berater Ökologischer Ackerbau, Mechanische Beikrautregulierung, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau

 0511 3665-4378

  markus.muecke~lwk-niedersachsen.de


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