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Ölsaatenmarkt: Raps erreicht Allzeit-Hoch

Der Höhenflug der Rapskurse setzt sich auch im neuen Jahr weiter fort. Trockene Witterungsbedingungen in Südamerika feuern die Stimmung an der Warenterminbörse weiter an.

Matif Raps Januar 2022
Matif Raps Januar 2022Stephanie Stöver-Cordes
Am dritten Handelstag des neuen Jahres hat der Februar-Kontrakt an der Matif die 800-Euro-Marke geknackt. Der Hochpunkt wurde bei 808,50 EUR/t markiert. Damit hat er an den letzten drei Handelstagen um über 50 EUR/t hinzugewonnen und im Jahresverlauf ein Plus von 377,75 EUR/t verbucht. Das ist ein rasanter Anstieg in wenigen Tagen und es bleibt fraglich, ob es sich hierbei nicht um eine heftige Übertreibung handelt. An der Börse sind derart starke Ausschläge in einem so kurzen Zeitraum häufig nicht von langer Dauer. Dennoch gibt es Gründe, die für eine feste Preistendenz sprechen.

Südamerika liegt im Fokus

Wie bereits im Vorjahr blicken die Marktteilnehmer um diese Jahreszeit auf die Südhalbkugel. In Brasilien und Argentinien steht die Mais- und Soja-Ernte vor der Tür. Hohe Erntemengen könnten dabei die Versorgungslage sowohl am Getreide- als auch beim Ölsaatenmarkt deutlich verbessern. Bisher waren die Analysten auch recht optimistisch. Wie das US-Agrarministerium in seinem aktuellen Monatsbericht mitteilte, gingen die Experten noch im Dezember von folgenden Ernteerwartungen aus:

Brasilien: Mais 118 Mio. t (Vorjahr 87 Mio. t), Soja 144 Mio. t (Vorjahr 138 Mio. t)

Argentinien: Mais 54,5 Mio. t (Vorjahr 50,5 Mio. t), Soja 49,5 Mio. t (Vorjahr 46,2 Mio. t)

Doch in den vergangenen Tagen haben sich die Meldungen über schwierige Witterungsbedingungen gehäuft. Trockenheit und Regenmangel in einigen Regionen Argentiniens und Südbrasilien sorgten bereits dafür, dass die Prognosen von einigen Analysten deutlich nach unten korrigiert wurden. Im Norden Brasiliens ist dagegen zu viel Regen gefallen, der die frühe Ernte beeinträchtigt und was zu Qualitätsproblemen führen kann.

Neben den zu erwartenden Erntemengen gibt es auch weitere Märkte, die sich auf die Stimmung am Ölsaatenmarkt auswirken. Dazu gehören die Pflanzen- und Rohölmärkte. Und auch hier wurden zuletzt Gewinne verbucht. Die Palmölpreise sind zuletzt gestiegen, da Überschwemmungen in Malaysia die Palmölproduktion gefährden. Tagelange Regenfälle haben zu schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten geführt.

Und auch am Rohölmarkt kletterten die Notierungen wieder nach oben, nachdem die Opec beim letzten Treffen zwar eine Erhöhung der Fördermengen um 400.000 barrel/Tag beschlossen hatte, aber diese Menge zumindest nicht höher ausfiel als im Vorfeld bereits erwartet worden war. Darüber hinaus sind nicht alle Mitglieder momentan im Stande, ihre Quoten zu erfüllen. Von diesen Meldungen profitierten die Notierungen.

Geringe Erntemenge in Kanada

Diese Fakten treffen auf einen Markt, der seit der letzten Ernte von Knappheit betroffen ist. Insbesondere die geringe Erntemenge Kanadas hat den Rapsmarkt stark verunsichert. Kanada gilt als einer der Hauptexporteure für Raps am Weltmarkt. Doch in dieser Saison ist die Ernte aufgrund von starker Trockenheit um über 30% geringer ausgefallen als im Vorjahr. Damit verringert sich das zur Verfügung stehende Exportpotential deutlich und macht den Markt empfindlich gegenüber weiteren Ertragseinbußen.

Entwicklung des Rapsaufkommens in Kanada
Entwicklung des Rapsaufkommens in KanadaStephanie Stöver-Cordes
Wie lange dieser Höhenflug noch anhält ist schwer zu sagen. Allerdings kommen in den nächsten Wochen große Mengen an Sojabohnen aus Südamerika auf den Weltmarkt. Auch wenn diese nicht so groß ausfallen wie erwartet, könnte sich damit zunächst eine gewisse Entspannung einstellen, die den Börsenkursen den Weg nach oben erschwert. Für die kommende Saison zeichnet sich zudem im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung der Versorgungslage ab, zumindest wenn das Wetter mitspielt. Das lässt sich auch an den Börsenkursen für den August-Kontrakt an der Matif ablesen. Dieser lag zuletzt bei „nur“ 585,75 EUR/t und damit um über 220 EUR/t niedriger als der Frontmonat. Das muss man bedenken, wenn man sich über die Vorkontrakt-Preise informiert und diese bewertet. Denn die Gebote der Erfasser orientieren sich am August-Termin. Wichtig ist dabei auch zu beachten, dass die Vorkontraktmenge nicht höher sein sollte als unter realistischen Bedingungen geerntet werden kann, vielleicht sogar mit einem Risiko-Puffer. So können Deckungskäufe vermieden werden.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Stephanie Stöver-Cordes

Fachreferentin

 0441 801-351

  stephanie.stoever-cordes~lwk-niedersachsen.de


M.Sc.
Mathias Klahsen

Fachreferent Marktberichterstattung

 0441 801-350

  mathias.klahsen~lwk-niedersachsen.de


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