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LSV Speisekartoffel 2021 - Darauf kommt es an!

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Der Lebensmitteleinzelhandel und auch der Verbraucher stellen immer höhere Ansprüche an das Aussehen der Knollen. Das äußere Erscheinungsbild ist sehr wichtig. Lagerdruckstellen, Schorf und Rhizoctonia sollten möglichst gar nicht oder nur in geringem Maße auf der Knolle zu finden sein. Für den Verbraucher sollte auch der Geschmack stimmen und jeder Kochtyp, (festkochend, vorwiegend festkochend und mehligkochend) verfügbar sein. Denn die Vorlieben sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Für den Landwirt stehen Ertrag, Gesundheit, Nematoden-, Trockenresistenz, Lagerfähigkeit und Absatzmöglichkeiten um nur einige Eigenschaften zu nennen, im Vordergrund. Anhand unserer Versuche geben wir mit diesem Artikel neutrale Hilfestellungen bei der Sortenwahl und beim Anbau der ausgesuchten Sorten.

Seit über 20 Jahren werden an der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Landessortenversuche durchgeführt. Wir legen zwei Versuche für die frühen Sorten (Reifegruppe II, ergänzt durch einige Sorten aus der Reifegruppe I) und zwei Versuche für die mittelfrühen Sorten an. Diese Versuche liegen in den Landkreisen Celle und Uelzen. Das hat den Vorteil, dass die Erkenntnisse und Aussagen nicht nur auf einem Standort beruhen. Das Sortiment ist mit mehreren anderen Bundesländern abgestimmt. In diesem Artikel gehen wir nur auf die Versuche in Celle und Uelzen ein. Die Prüfungen fanden auf typischen Heidestandorten, mit ca. 30 Bodenpunkten, statt. Beide Standorte wurden beregnet.

Kartoffelpflanzen in den Landessortenversuchen
Kartoffelpflanzen in den LandessortenversuchenGerald Burgdorf

Grundsätzlich ist die Sortenwahl in den Versuchen so aufgebaut, dass sich die neuen Sorten mit drei guten etablierten Sorten messen müssen. Das sind zum Beispiel im frühen Sortiment Belana (festkochend), Gunda (mehlig kochend) und Wega (vorwiegend festkochend). Die neuen Sorten werden mit dem Züchter abgesprochen. Denn es macht keinen Sinn, Sorten zu prüfen, die nicht in Deutschland vertrieben werden oder Sorten, von denen es kein Pflanzgut gibt. Wir prüfen jede Sorte drei Jahre. Deshalb gibt es in den Tabellen nicht von jeder Sorte zweijährige Ergebnisse, weil entweder die Prüfung 2020 abgeschlossen oder eine Sorte erst 2021 neu aufgenommen wurde. 2021 standen zwölf Sorten im frühen und fünfzehn Sorten im mittelfrühen Sortiment. Für jedes Sortiment wurde ein separater Versuch angelegt. Neu aufgenommen wurden bei den frühen Sorten Axenia, Petra und Vindika. In der Reifegruppe 3 gingen erstmals die Sorten Camelia, Merle und Polly an den Start. Von den 27 Sorten waren 13 festkochend, 12 vorwiegend festkochend und zwei mehlig kochend. Die Stickstoffdüngung wurde mit 150 kg/ha - Nmin durchgeführt. Bei Kali, Phosphor und Magnesium wurde nach der Bodenuntersuchung und den Empfehlungen der Landwirtschaftskammer gedüngt.

Die Kartoffeln wurden Mitte April gepflanzt. Die Herbizid Behandlung erfolgte mit einer Tankmischung aus Boxer + Bandur, damit metribuzinunverträgliche Sorten nicht unter der Herbizidmaßnahme leiden. Im Nachauflauf wurde je nach Bedarf eine Maßnahme gegen Gräser durchgeführt. Die Fungizidmaßnahmen gegen Krautfäule und Alternaria sowie Insektizidmaßnahmen gegen Kartoffelkäfer und Läuse wurden so durchgeführt, dass die Bestände gesund blieben, damit die eigentlichen Versuchsfragen nicht durch einen pilzlichen oder tierischen Schaderreger überlagert werden. Eine reifegruppenspezifische, praxisnahe Krautregulierung der Kartoffeln Mitte bis Ende August war zu guter Letzt die Grundlage für die Ernte schalenfester Ware.

In den Versuchen fanden eine Vielzahl von Bonituren statt. Im Bestand wurden der Aufgang, die Fehlstellen, sowie die Krankheiten Rhizoctonia, Schwarzbeinigkeit und Krautfäule festgehalten. Sofort nach der Ernte ermittelten wir den Ertrag, die Sortierung, den Stärkegehalt und hohle Knollen an Übergrößen. Später bonitierten wir am Erntegut Fäulen, Schorf, Rhizoctonia, Eisenfleckigkeit, Wachstumsrisse und ergrünte Knollen. Ein Kochtest Anfang November gab Aufschluss über Kochtyp, Fleischfarbe, Kochdunkelung und insbesondere Geschmack der einzelnen Sorten. In diesem Artikel stehen die wichtigsten praxisrelevanten Parameter im Vordergrund.    

Erträge der Sorten

Die Erträge (dt/ha) lagen 2021 deutlich niedriger als 2020. An den relativen Erträgen ist aber gut zu erkennen, dass die Sorten eine genetische Veranlagung zu hohen oder niedrigen Erträgen haben. Überdurchschnittliche Erträge (Tabelle 1) erzielten in beiden Jahren in der frühen Reifegruppe die Sorten Corinna, Marion und Wega. In der Reifegruppe 3 hatten Jule, Madeira, Otolia und Regina die Nase vorn. Von den erstmals geprüften Sorten zeigten Petra, Vindika und vor allem Merle überdurchschnittliche Erträge. Nach der Ertragsfeststellung wurden die Kartoffeln sortiert. Ein erhöhter Anteil (5% oder mehr) an Drillingen (kleine Knollen) gab es im Jahr 2021 bei den Sorten Marion und Regina. Diese Eigenschaft muss aber nicht unbedingt von Nachteil sein, für bestimmte Verwertungsrichtungen ist sie sogar ein erklärtes Zuchtziel. Genauso wie ein hoher Anteil an Übergrößen, je nach Vermarkter, als Vor- oder Nachteil angesehen werden kann. Axenia, Petra, Bernina und Simonetta hatten den höchsten Anteil an Übergrößen. Wenn Übergrößen nicht explizit erwünscht sind, wäre die Konsequenz für die Praxis eine geringere Stickstoffdüngung, ein engerer Pflanzabstand und/oder ein früherer Krautregulierungstermin. Hervorzuheben sind Sorten wie Jule, Marion und Merle die trotz ihrer hohen Erträge relativ wenig Untergrößen und Übergrößen haben und somit viel vermarktungsfähige Speiseware.

LSV Speisekartoffel 2021 Tabellenwerk
LSV Speisekartoffel 2021 TabellenwerkJürgen Pickny
LSV Speisekartoffel 2021 Tabellenwerk
LSV Speisekartoffel 2021 TabellenwerkJürgen Pickny

 

 

 

 

 

 

 

 

Stärkegehalt

Tabelle 2 zeigt die Stärkegehalte der Sorten. Insgesamt hatten die Sorten im Jahr 2021 deutlich mehr Stärke als 2020. Im Sortiment von 2020 fielen Bernina, Corinna, Gourmetessa, Liora, Lisana und Wega, mit sehr niedrigen Stärkegehalten (unter 10%) für Speisekartoffeln auf, 2021 hatten diese Sorten zwar immer noch die niedrigsten Stärkegehalte, aber sie lagen alle über 12%, was recht normalen Stärkegehalten entspricht. Ein sehr hoher Stärkegehalt wurde bei den mehligen Sorten Gunda und Polly gemessen, was bei einer mehligen Sorte auch durchaus erwünscht ist. Auch die vorwiegend festkochende Sorte Otolia hatte einen hohen Stärkegehalt.

LSV Speisekartoffel 2021 Tabellenwerk
LSV Speisekartoffel 2021 TabellenwerkJürgen Pickny

Anbaueigenschaften der Sorten

Einige Anbaueigenschaften der geprüften Sorten sind in Tabelle 3 dargestellt. Für die Vermarktung können die äußeren und inneren Mängel entscheidend sein. Zu den wichtigsten äußeren Mängeln zählen der gewöhnliche Schorf und Rhizoctonia Pocken auf der Schale. Bei den inneren Mängeln können Eisenflecken ein entscheidender Aspekt für eine erfolgreiche Vermarktung sein. Da in den Jahren 2020/21 kaum Eisenflecken in den Kartoffeln unserer Versuchsstandorte zu finden waren, muss auf die Darstellung dieser Eigenschaft in Tabelle 3 verzichtet werden. Für die Einstufung der Sorten in Tabelle 5, wurden ältere Ergebnisse herangezogen.

Beim gewöhnlichen Schorf waren in den letzten Versuchsjahren starke Sortenunterschiede zu bonitieren. Diese Ergebnisse sind in Tabelle 3 eingegangen. Insbesondere auf den Sorten Axenia, Gourmetessa, Marion, Lipstick, Polly und Regina wurde viel Schorf gefunden. Deshalb sollten diese Sorten nur auf Standorten angebaut werden, die intensiv beregnet werden können und einen nicht zu hohen pH-Wert aufweisen. Sehr geringen Schorfbesatz zeigten die Sorten Belana, Emanuelle, Gunda, Jule, Lea, Lilly, Liora, Lisana, Olivia, Pocahontas, Simonetta und Vindika. Auch bei Sorten, die stabil gegen Schorf in den Versuchen waren, sollte nicht zu spät (Stolonenverdickung) beregnet werden. Frühes Beregnen unter trockenen Bodenverhältnissen kann für eine Minimierung von Schorf mit entscheidend sein. 

LSV Speisekartoffel 2021 Tabellenwerk
LSV Speisekartoffel 2021 TabellenwerkJürgen Pickny

Rhizoctonia trat in den letzten Versuchsjahren immer wieder auf, trotz einer Flüssigbeizung mit Emesto Silver oder Moncut. Die Ergebnisse finden sich in Tabelle 3 wieder.

Nematodenresistenz gegenüber G. Pallida

Von allen geprüften Speisesorten gelten nur die vorwiegend festkochenden Sorten Juventa (Pa 2, 3), Olivia (Pa 2, 3) und die festkochende Sorte Vindika (Pa 2, 3) als resistent und sind somit zur Nutzung im Rahmen von Bekämpfungsprogrammen in Deutschland geeignet.

Speiseeigenschaften der Sorten

Für den Verbraucher sind neben dem äußeren Erscheinungsbild, der Kochtyp und vor allem der Geschmack sowie die Fleischfarbe kaufentscheidend.

Beim Testessen bestätigte sich meistens die bekannte Sorteneinstufung der Kochtypen festkochend, vorwiegend festkochend und mehlig kochend. Die Fleischfarbe “tiefgelb” (Tabelle 4) war bei den Sorten Belana, Glorietta, Gourmetessa, La Vie, Vindika, Bernina, Camelia, Emanuelle, Mary Ann, Megusta, Merle, Muse, Regina und Simonetta am intensivsten.

LSV Speisekartoffel 2021 Tabellenwerk
LSV Speisekartoffel 2021 TabellenwerkJürgen Pickny

Bei der Prüfung auf den Geschmack wird nicht in “gut” und “schlecht” schmeckende Sorten unterschieden. Vielmehr werden bestimmte definierte “Mängel im Geschmack” (z.B. bitter, fade) festgestellt. Besonders geringe Mängel und somit auch sehr gut schmeckend waren die Sorten Belana, Glorietta, La Vie, Lea, Vindika, Wega, Bernina, Jule, Megusta, Merle, Olivia, Pocahontas, Regina und Simonetta.

Empfehlenswerte Sorten und deren Eigenschaften aus dem geprüften Sortiment

Aus diesen vielen Daten die passenden Sorten für den Betrieb zu finden, ist nicht einfach. Tabelle 5 zeigt eine kurze Übersicht der empfehlenswerten Sorten aus dem in 2020 und 2021 geprüften Sortiment und deren wichtigsten Sorteneigenschaften. Das Parameter Speisequalität wurde ermittelt aus der Fleischfarbe und dem Geschmack gekochter Knollen. Anzumerken bleibt, dass die Sorten Glorietta und La Vie insbesondere für die frühe Vermarktung empfohlen werden.

Um in die Empfehlung zu kommen, sollten zwei Versuchsjahre vorliegen. Deshalb sind die neu geprüften Sorten auch noch nicht in dieser Tabelle aufgeführt, aber die neuen Sorten Merle und Vindika zeigten gute Ergebnisse und werden, wenn sich die guten Eigenschaften bestätigen, im nächsten Jahr sicherlich in die Empfehlung aufgenommen.

In der gesamten Sortenempfehlung für 2022 befinden sich noch wesentlich mehr Sorten. Darauf gehen wir an dieser Stelle nicht weiter ein, weil die Sorten 2020 und 2021 nicht mehr im Sortiment standen.

LSV Speisekartoffel 2021 Tabellenwerk
LSV Speisekartoffel 2021 TabellenwerkJürgen Pickny

Reduzierende Zucker

Kartoffeln neigen im Laufe der Lagerung zum “Verzuckern“. Diese Eigenschaft wird durch eine kühle Lagerung gefördert, es ist aber auch eine Sorteneigenschaft. Aus diesem Grund werden Proben aus den Landessortenversuchen nach einer ca. achtmonatigen Lagerung auf reduzierende Zucker (Glucose + Fructose % in der Trockenmasse) untersucht. Dadurch wird festgestellt, in wieweit die einzelnen Sorten zur Langzeitlagerung geeignet sind. Werden nur die Zuckerwerte betrachtet, so sind die Sorten Belana, Gunda, Juventa, Lipstick, Mary Ann und Otolia gut für eine längere Lagerung geeignet.

 

Fazit:

- Es gibt eine große Auswahl an empfehlenswerten Sorten.

- Nicht jede Sorte passt auf jeden Standort. Eigenschaften wie z. B. Anfälligkeiten für Rhizoctonia, Schorf und die Eignung zur Langzeitlagerung können die Auswahl einschränken.

- Auch die Vermarktungsfähigkeit kann die Auswahl einschränken. Noch unbekannte Sorten sind oft nicht so einfach zu vermarkten, wie bekannte Sorten. Der Anbau sollte mit dem Vermarkter abgesprochen werden.

- Es gibt neben den 3 Speisesorten aus den Versuchen noch ein Paar andere Sorten mit einer Resistenz gegen der Weißen Kartoffelnematoden, Globodera Pallida. Dort wo es Probleme mit diesen Nematoden gibt, sollten diese Sorten vorrangig angebaut werden.      

Kontakte

Dipl.-Ing.
Jürgen Pickny

Berater Kartoffelspezialberatung

0581 8073-165

juergen.pickny~lwk-niedersachsen.de

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