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Mais ausschließlich organisch Düngen?

Vor dem Hintergrund der derzeit hohen Mineraldüngerpreise sowie den aktuellen Einschränkungen der Stickstoff- und Phosphordüngung durch die Düngeverordnung sowie durch die zukünftige Stoffstrombilanz, sollte auch der i.d.R. geringe Mineraldüngereinsatz im Maisanbau überdacht werden. 
Bereits seit Mitte der neunziger Jahre betreibt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen Versuche, die Maisdüngung ausschließlich mit organischen Düngern zu gestalten. 
 

Die Stickstoffversorgung des Maises stell hierbei das geringere Problem dar, da in den Sommermonaten, während der höchsten Nährstoffaufnahme des Maises, zeitgleich die Stickstoffmineralisation im Boden auf einem hohen Niveau abläuft. Dies betrifft sowohl die Nährstoffumsetzung aus dem Bodenvorrat, als auch aus der eingearbeiteten organischen Düngung. Diese kann vom Mais folglich in einem sehr hohen Maße, und deutlich über den sofort pflanzenverfügbaren Ammoniumanteil hinaus, genutzt werden. Gleichzeitig reagiert Mais auf eine reduzierte Düngung mit einem relativ geringen Ertragsrückgang. Dies belegen die Ertragskurven aus einer Vielzahl von Stickstoffdüngungsversuchen (siehe Grafik Ertragskurven). Berechnungen der Landwirtschaftskammer zeigen, dass beispielsweise die Düngung in roten Gebieten (minus 20% unter Düngebedarf) bei Mais lediglich 3 % Ertrag kostet. Da der Eiweißgehalt von Mais kein Produktionsziel und somit auch kein Abrechnungskriterium darstellt, kann die Stickstoffdüngung ohne größere Auswirkungen relativ knapp kalkuliert werden.
Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen für viele Standorte ein Einsparpotential bei der Stickstoffdüngung zu Mais. Auf den nachlieferungsstarken Lehm- und Lösstandorten fällt dieses sogar noch geringfügig höher aus, als auf den für den Maisanbau typischen Sandböden. Auf besseren Standorten und bei Betrieben, denen nur eine moderate organische Grunddüngung zur Verfügung steht, ermöglicht es die hohe Nährstoffeffizienz des Maises in der aktuellen Preissituation trotzdem, mineralischen Stickstoff einzusparen. Bei steigenden Mineraldüngerpreisen, können durch eine mineralische Ergänzungsdüngung auch hier kaum wirtschaftlich sinnvoll Ertragszuwächse erzielt werden (siehe auch Artikel zum Einsparpotential bei Körnermais in dieser Ausgabe).

Bei der Phosphordüngung gestalten sich die Einsparungsmöglichkeiten schwieriger, da mineralischer P-Dünger in der Regel als Unterfußdünger gegeben wird, um Erträge und Qualitäten abzusichern. Diese Absicherung greift insbesondere bei kühler oder sehr trockener Witterung während der Jugendentwicklung des Maises. Die Wirkung resultiert hierbei nicht aus der absoluten Phosphormenge, die dem Mais theoretisch pro Hektar aus Düngung und Bodenvorrat zur Verfügung steht, sondern aus der Phosphorkonzentration in unmittelbarer Nähe des Keimlings. Hierbei kommt es darauf an, das wasserlösliches Phosphat in hoher Konzentration im dann noch  Wurzelbereich vorhanden ist. Dies beeinflusst das Wachstum allgemein sowie die Ausbildung der Kolbenanlage positiv; Grundlage für hohe Trockenmasse- und Stärkeerträge. Als Unterfußdünger hat sich über Jahrzehnte DAP 18/46 mit einer Kombination aus Ammonium und Phosphor bewährt. 
In Betrieben mit hohem Wirtschaftsdüngeranfall sind jedoch die mit DAP verbundenen hohen Phosphorfrachten für die Nährstoffbilanzen nicht mehr vertretbar. Daher werden in diesen Betrieben i.d.R. in moderater Menge Mischdünger eingesetzt, die deutlich geringere P-Gehalte aufweisen. 
In Versuchen zum Einsatz von Unterfußdüngern hat sich hierbei eine Gabe von ca. 20 kg/ha P als noch ausreichend wirksam erwiesen. Als besonders geeignete Mischungspartner haben sich geschützte Ammoniumdünger (mit Nitrifikationshemmer) erwiesen, wichtig ist ein sehr hoher Anteil wasserlöslichen Phosphats.
Da Mais überwiegend von Betrieben mit guter Wirtschaftsdüngerverfügbarkeit angebaut wird, stellt häufig nur die Unterfußdüngung ein direktes Einsparpotential für mineralischen Dünger dar. Indirekt kann ggf. durch eine Reduktion der organischen Düngung zu Mais auch Mineraldünger in anderen Kulturen eingespart werden, die dann entsprechend mehr organisch gedüngt werden können. 

Insbesondere die Maisanbauer, die mit Wirtschaftsdüngern die 170 kg N-Grenze in ihren Betrieben voll ausnutzen, haben i.d.R. jedoch kaum noch Spielraum für mineralischen Phosphor, da hierdurch die P-Bilanzen häufig bereits ausgeglichen sind und der P-Düngebedarf nicht überschritten werden darf. 
Als Alternativen zur mineralischen Unterfußdüngung bieten sich entweder Mikrogranulatdünger, die mit einer geringeren P-Menge pro Hektar eingesetzt werden, oder der vollständige Ersatz der Startdüngung durch organische Flüssigdünger an; die sogenannte Gülleunterfußdüngung.

Mais mit verschiedenen UFD
Links im Bild breitflächige mineralische Düngung mit min. UFD, recht Gülle-UFD im trockenen Sommer 2018. Deutlich zu erkennen ist der wüchsigere Bestand ohne braune Blätter bei der Gülle-UFD infolge besserer Nährstoffverfügbarkeit.Karl-Gerd Harms
Ohne mineralische UFD?
Die Applikation von Gülle im Bereich der Maisreihe hat dabei mehrere Vorteile gegenüber der flächigen oder ungezielten Einarbeitung. Durch die Platzierung in 5 – 7 cm Entfernung zum Saatkorn, vergleichbar einer mineralischen Unterfußdüngung, werden ähnliche Effekte auf die Jugendentwicklung erzielt. Wird das Düngerband allerdings zu tief abgelegt, leiden die Maispflanzen in dieser sensiblen Phase unter Nährstoffmangel. 
Durch die Unterfußapplikation wird eine sehr gute Durchwurzelung des Düngerbandes erreicht, die eine besonders hohe Nährstoffeffizienz dieses Düngungssystems nach sich zieht. Die Unterfußdüngungseffekte können dabei auch durch Teilmengen der gesamten organischen Nährstoffgaben erreicht werden. Auf diese Weise kann beispielsweise eine Mistdüngung mit einer Gülleunterfußdüngung kombiniert werden. 
Die Versuche zur Gülleunterfußdüngung zeigen seit mehr als zehn Jahren, dass dieses Düngungssystem bei korrekter Umsetzung den Ersatz der mineralischen Unterfußdüngung leisten kann und zu sicheren Erträgen auf höchstem Niveau führt.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat die Einflussfaktoren für das Gelingen der Gülleunterfußdüngung mit verschiedenen Versuchsanstellungen untersucht. 

So gelingt Gülleunterfußdüngung
Als kurze Zusammenfassung kann festgehalten werden, dass mindestens die Hälfte des P-Bedarfs über die Gülleapplikation im Unterfußdepot gegeben werden sollte, besser mehr, damit ausreichend wasserlösliches Phosphat zur Verfügung steht. Diese Gülle sollte durch Zugabe eines Nitrifikationshemmers zu einem Ammoniumdepot stabilisiert werde, da somit einerseits über den „CULTAN-Effekt“ die Vorteile der ammoniumbetonten Ernährung erreicht werden und dadurch andererseits auch die P-Aufnahme der Wurzeln ladungsbedingt verbessert wird. 
Die Witterungsextreme der vergangenen Jahre haben dabei gezeigt, dass die Gülleunterfußdüngung unter allen Bedingungen einer ganzflächigen Einarbeitung der Gülle klar überlegen ist. Hierbei war es egal, ob in 2013 Starkregen auf sandigen Böden zu Nähstoffauswaschungen führte, oder extreme Trockenheit wie 2018 oder 2019 Wachstum und Nährstoffverfügbarkeit deutlich negativ beeinflusste. Auch die für Mais zu kalten Startbedingungen in ´13, 15´und ´21 führten bei diesem Düngungssystem nicht zu Ertragseinbußen, auch wenn die verhaltene Jugendentwicklung dies zeitweise erwarten ließ. Die Bodenarten spielen für das pflanzenbauliche Gelingen der organischen Unterfußdüngung eine untergeordnete Rolle, jedoch sollte die eingesetzte Technik sowohl bei der Düngung als auch bei der Aussaat ein Überfahren der späteren Maisreihen möglichst vermeiden; dies gilt insbesondere für schwerere Böden. Auf den Vorgewenden kann es daher ggf. sinnvoll sein, auf dieses Verfahren zu verzichten und diese nach der Gülle-Ausbringung auf dem Hauptschlag gezielt intensiv zu bearbeiten.
Die bereits erwähnte hohe Nährstoffeffizienz ist in der aktuellen Situation hoher Nährstoffkosten von besonderer Bedeutung. In einem norddeutschen Forschungsprojekt wurde diese in über 20 Einzelversuchen eindrucksvoll bewiesen, denn in zwei der Versuchsvarianten wurde die Güllemenge (berechnet nach damaligem Sollwertsystem: 180 kg/ha N abzgl. Nmin) um ein Drittel reduziert, wodurch sich je nach Standort eine um 20 – 25 % geringere N-Düngung ergab. 
Das Säulendiagramm zeigt hierbei, dass es zu keinen Ertragsverlusten gegenüber der flächig eingearbeiteten Düngung mit mineralischer UFD gekommen ist. 
Hieraus wird deutlich, dass bei der Düngung von Mais durch optimales Nährstoffmanagement bei der organischen Düngung der betriebliche Mineraldüngereinsatz, nicht nur zu Mais, weiter optimiert werden kann.

Kontakte


Karl-Gerd Harms

Berater Silo- und Körnermais

0441 801-418

0174 2158 211

karl-gerd.harms~lwk-niedersachsen.de

Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau

0511 3665-4453

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meike.backes~lwk-niedersachsen.de

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