Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!
Webcode:01040431

Kosten reduzieren durch Kleegras

Leguminosengras hat zahlreiche, positive Effekte. Es punktet als umweltfreundliches und resilientes Anbausystem.
Prinzipiell ist jetzt der richtige Zeitraum für die Saat der einjährigen Kleegrasmischungen. Doch warum nicht jetzt auch schon die mehrjährigen Kleegrasmischungen etablieren? Praktische Erfahrungen verdeutlichen, dass dies unter Deckfrüchten wie beispielsweise Sommerhafer gut gelingen kann. Wertvolles Futter liefert der Hafer bereits nach kurzer Zeit und den mehrjährigen Mischungen bringt es eine gute Etablierungsphase bei geringer Verunkrautung.
In Praxisbetrieben wurde das auch unter den trockenen Frühjahresbedingungen beobachtet und im Folgenden die Ergebnisse beschrieben.  
 

Die aktuellen Preiserhöhungen für Dünge- und Futtermittel aber auch für Kraftstoffe stellen für alle landwirtschaftlichen Betriebe weitere große Herausforderungen neben den rechtlichen Umsetzungen der Düngeverordnung, des Pflanzenschutzmittelgesetzes und der künftigen Agrarreform inklusive des niedersächsischen Weges dar. Ein Prozess des Umdenkens der landwirtschaftlichen Praxis zu mehr Artenvielfalt, Bodenschutz und einem so genannten, resilientem Wirtschaften ist bereits seit einiger Zeit in Bewegung gekommen und hat Aufschwung durch die extremen Witterungsgeschehnisse der zurückliegenden vier Jahre bekommen.

Kleegras
Der Schnittzeitpunkt orientiert sich an den Hauptbestandesbildnern. Hohe Rohproteingehalte haben die Leguminosen in der Knospe/ vor der Blüte.Dr. Christine Kalzendorf
Vor all diesen Szenarien erhält der Anbau von Kleegras einen neuen Stellenwert.
Die tiefer wurzelnden Feinleguminosen wie Rot- und Weißklee aber auch die Luzerne lieferten in den Dürrejahren im Gegensatz zu dem reinen Ackergras zumindest noch einen nennenswerten Ertrag. In zu nassen Jahren können hingegen die Futterleguminosen leiden, allen voran die Luzerne. Mischungen von mehreren Arten sind deshalb unter Praxisbedingungen robuster bzw. resilienter gegenüber den Reinsaaten.  Aufgrund ihrer größeren Ertragssicherheiten sind Artenmischungen im Futterbau deshalb den Reinsaaten vorzuziehen. 
Dem Einfluss von Artenmischungen auf die Bodenfruchtbarkeit wurde bislang im konventionellen Anbau zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Auch hier ist ein Umdenken erforderlich. Die verschiedenen Pflanzenarten durchdringen den Boden in unterschiedlicher Tiefe und verbessern damit das Bodengefüge sowie die Nährstoffmobilisierung. Wurzelausscheidungen und abgestorbene Wurzelanteile sind Nahrungsquellen für die Bodenlebewesen, die neben der gesamten Wurzelmasse zur Humusbildung beitragen. 
Das Vermögen der Leguminosen, Luftstickstoff zu erschließen und davon einen Teil den Gemengepartnern zur Verfügung zu stellen, ist als weiterer Vorteil für den Kleegrasanbau hervorzuheben. Zugleich wirkt sich diese Eigenschaft auf die Wirtschaftlichkeit aus, denn die Stickstofffixierung reduziert den N-Düngebedarf der Bestände. Mit Leguminosenanteilen von etwa 40 bis fast 60 % kann der N-Düngebedarf allein auf Güllebasis gedeckt und auf eine zusätzliche Mineraldüngung gänzlich verzichtet werden, was aus Tabelle 1 hervorgeht. In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit ist ebenfalls hervorzuheben, dass durch Leguminosengras mehr Proteinertrag im Vergleich zum reinen Ackergrass produziert wird. Demzufolge mindert sich der Bedarf an Eiweißfuttermittel. Zudem zeichnen sich Leguminosen durch hohe Mineralstoffgehalte aus, hier vor allem Kalzium und Kalium. In dem Zusammenhang lässt sich durch Kleegras auch Mineralfutter einsparen. Es setzt jedoch die Untersuchung des Futters auf Mineralstoffe und eine entsprechende Berechnung der Futterration voraus. 
Um von all diesen Vorzügen des Leguminosengrases in der Praxis profitieren zu können, stellen sich an dieser Stelle Fragen nach passenden Leguminosenarten, nach geeigneten Mischungen und nach Anbauhinweisen.  

Rotklee hat den Vorrang 
Im nordwestdeutschen Raum passt Rotklee als mehrjährige Ackerfutterpflanze grundsätzlich besser als Luzerne. Rotklee kommt mit unseren klimatischen Verhältnissen sehr gut zurecht. Er gedeiht nahezu auf allen Böden, außer auf Moor und leichten Sandstandorten.
Die Luzerne stellt hingegen hohe Ansprüche in Bezug auf den Boden, das Klima und die Nutzung. Luzerne benötigt tiefgründige, leicht erwärmbare und gut wasserdurchlässige Böden. Ein hoher Stellenwert kommt dem Boden-pH-Wert zu, welcher nahezu im neutralen Bereich am günstigsten ist. Sind diese Bedingungen nicht gegeben, lassen sich kaum hohe Luzerneanteile in den Beständen erreichen. 
Der Weißklee hat im Rahmen der Ackerfutterbaus zwar eher einen ergänzenden Charakter, dennoch ist er für die Futterbestände bedeutsam. Weißklee hat durch seine Kriechtriebe das Vermögen, die Lücken zu füllen. Ähnlich wie im Grünland wird die Narbe dichter und das Risiko der Futterverschmutzung geringer. Zudem ist Weißklee sehr nutzungselastisch. Die allgemein hohen Nährstoff- und Energiekonzentrationen sind ihm aufgrund der langsamen Rohfasereinlagerung eigen.
Diese drei Leguminosenarten sind besonders für den mehrjährigen Leguminosengrasanbau von Interesse. 
Im Rahmen des einjährigen Kleegrasanbaus punkten entweder der Alexandriner- oder auch der Perserklee. Perserklee zeichnet sich durch seine Schnellwüchsigkeit, ein gutes Nachwuchsvermögen und vor allem durch eine hohe Nutzungselastizität aus. Eine schnelle Anfangsentwicklung gehört auch zu einer Eigenschaft des Alexandrinerklees. Er ist jedoch gegenüber dem Perserklee nicht ganz so nachwuchsfreudig.  

Kleegras
KleegrasDr. Christine Kalzendorf
Empfohlene Leguminosengrasmischungen
Wie anhand der Beschreibungen zu geeigneten Leguminosen hervorgeht, ist bei der Wahl der Mischungen zwischen dem ein- oder mehrjährigen Anbau zu unterscheiden. Die Auswahl der einjährigen Mischungen ist recht übersichtlich, was Tabelle 2 zeigt. Die nicht winterfeste A6-Mischung eignet sich sehr gut für Frühjahressaaten. Hier kann im Allgemeinen bei nicht sommertrockenen Bedingungen eine 3-Schnittnutzung geplant werden. Wegen des hohen Kleeanteiles in der Mischung ist eine N-Düngung nicht unbedingt erforderlich.
Die Mischungen A10 und A10 spät sind für den Sommerzwischenfruchtanbau konzipiert. Als Graspartner hat sich hier das Einjährige Weidelgras aufgrund seiner raschen Massebildung bewährt.
Wesentlicher umfassender ist hingegen die Palette der mehrjährigen Leguminosengrasmischungen. Wie aus Tabelle 3 hervorgeht, kann die Wahl zwischen drei Rotkleegrasmischungen und einer Luzernegrasmischung getroffen werden.  
Die vertiefenden Beschreibungen zu diesen Mischungen sind dem Faltblatt „Qualitätsstandardmischungen für den Ackerfutterbau 2021/22“ zu entnehmen, welches jährlich neu aufgelegt wird.  Auf unserer Homepage können Sie es unter dem Webcode 01039795 herunterladen.

Agronomische Hinweise zur Saat
Ein gut abgesetztes und unkrautfreies Saatbett ist für die Etablierung der sich langsam entwickelnden Feinsämereien genauso wichtig, wie die Absicherung einer hinreichenden Grundnährstoffversorgung. Neben dem optimalen Boden-pH-Wert durch rechtzeitiges Kalken sollte auch Kalidünger mindestens drei Wochen vor der Saat ausgebracht und möglichst eingearbeitet werden, da Leguminosen empfindlich auf Kalisalze reagieren. Speziell die Leguminosen danken eine ausreichende Magnesium, Schwefel- aber auch Molybdänversorgung. Bei der Luzerne ist zudem auf Bor zu achten.
Die Aussaat kann sowohl als Blanksaat erfolgen aber auch unter Deckfrucht. In Versuchen hat sich eine Dünnsaat von Sommergetreide wie beispielsweise Hafer mit Saatstärken in dem Bereich von 40 bis 75 kg/ha bewährt. Das schnell keimende Grüngetreide schützt die langsam wachsenden Kulturen vor einem zu raschen Unkrautaufkommen. Bei wüchsigen Bedingungen kann der Hafer bereits nach etwa 7 Wochen schnittwürdig sein und damit bereits das erste Futter liefern. Ein gewisser Durchwuchs mag zum zweiten Aufwuchs noch einmal auftreten, danach hat sich in aller Regel der Leguminosengrasbestand gut etabliert.  

Wir fassen zusammen
o    Mit Leguminosengras lässt sich hochwertiges Futter in Ertrag und Qualität kostengünstig produzieren.
o    Gut etablierte Beständen mit Leguminosenanteilen von mindestens 40 Prozent liefern viel Protein, besonders, wenn sie jung und noch im Stadium vor der Blüte genutzt werden. 
o    Kleegras gilt als ein resilientes Anbausystem, was vor dem Hintergrund des Klimawandels an Bedeutung zunimmt.
o    Aufgrund des Vermögens der Leguminosen, Luftstickstoff zu binden, kann der N-Düngebedarf im Gemengeanbau reduziert und dieser ausschließlich aus organischer Quelle gedeckt werden.
o    Kleegras trägt zur Wirtschaftlichkeit bei, da Einsparungen von Mineraldünger aber auch von Eiweiß- und Mineralfuttermitteln möglich sind.
o    Mit Kleegras lässt sich die Bodenfruchtbarkeit verbessern, sowohl durch Humusaufbau als auch durch das Erschließen tieferer Bodenschichten. 
 


Ergebnisse aus der Praxis 2021 
Im Rahmen eines bundesweiten Demonstrationsnetzwerkes mit dem Namen „Klee Luz Plus“ beteiligen sich in Niedersachsen gleichfalls zwei konventionell wirtschaftende Betriebe. 
Sie haben in 2020 verschiedene Leguminosengrasmischungen im Frühjahr unter der Deckfrucht Hafer angelegt. Mittels Ertragsrahmen werden von unserem Fachbereich die Erträge gemessen und Futterproben genommen.
Über Ergebnisse aus 2020 wurde in der Land- und Forst-Ausgabe (14/2021) erstmals berichtet. An dieser Stelle werden auszugsweise Ergebnisse aus 2021 vorgestellt.
Der Abbildung 1 sind die Trockenmasse- sowie die Proteinerträge der Rotkleegras- (A7) und der Luzernegrasmischungen (A9) zu entnehmen. Sowohl auf dem Seemarschstandort (LK Wittmund) als auch dem humosen Sandstandort (LK Ammerland) wurden in 2021 sehr hohe Trockenmasseerträge erzielt, die zwischen 115 bis 124 dt TM/ha lagen. Während die TM-Erträge zwischen den beiden Mischungen relativ auf gleicher Höhe waren, kam es allerdings im Proteinertrag zu deutlichen Unterschieden. Auf beiden Standorten waren die Rotkleegrasbestände den Luzernegrasbeständen überlegen. Das galt nicht allein für den Proteinertrag, sondern auch für die Leguminosenanteile, die der konkurrenzstarke Rotklee in den Beständen erreichte. Prinzipiell zeigten sich die Rotkleegrasbestände in einem vitaleren und üppigeren Zustand als die Luzerne. Die Beobachtungen bestätigen, dass in unserer nordwestdeutschen Region Rotklee als Gemengepartner anbausicherer ist. 
In der Sommerausgabe werden wir umfassender zu den Erfahrungen und Ergebnissen von diesen beiden Betrieben nach zweijährigem Anbau berichten.
Weitere Hinweise und Praxiserfahrungen der bundesweit beteiligten Betriebe finden Sie unter der Homepage: www.demonet-kleeluzplus.de.
 


 

Kontakte

Dr. Christine Kalzendorf

Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung

 0441 801-428

  christine.kalzendorf~lwk-niedersachsen.de


Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau

 0511 3665-4453

  meike.backes~lwk-niedersachsen.de


Mehr zum Thema

GRP-Standorte 2022

Grünlandreifeprüfung - 4. Mitteilung - Grünlandernte ohne Stress

Den Ernteprozess im richtigen Moment zu starten, um hohe Erträge und hohe Futterqualitäten gleichzeitig zu erreichen ist schwierig. Viele Milchviehhalter haben sich bei sehr gutem Erntewetter bereits für eine frühe Mahd zum Beginn…

Mehr lesen...
GRP-Standorte 2022

Grünlandreifeprüfung 3. Mitteilung - Ackergras jetzt einsilieren und Ernte von Dauergrünland beginnt

Viele Feldgrasbestände wurden im Zuge der Vorbereitungen für die Maisbestellung und aufgrund ausreichender Ertrags- und Rohfaserzunahmen bereits frühzeitig geerntet. In diesen Tagen werden letzte Feldgrasbestände und erste Grü…

Mehr lesen...
Feldgrasvergleich

Grünlandreifeprüfung 2. Mitteilung: Das Ackergras ist schnittreif - Dauergrünland entwickelt sich

Auf den gut versorgten Standorten konnte das Ackergras bis 25.April deutlich an Ertrag und Rohfasergehalt zunehmen und mit rund 54,6 dt TM/ha in Aurich und 63,7 dt TM/ha in Wehnen bei >24 % Rohfaser in der Trockenmasse geerntet werden. Auf dem …

Mehr lesen...
Grassilageernte

Grassilagen 2022 - Fokus auf hohe Futterwerte

Beste Grundfutterqualitäten zu erzielen, ist eine bekannte Forderung, um wirtschaftlichen Futterbau betreiben zu können. Mit den steigenden Kraftfutterpreisen bekommt diese Forderung eine neue Dimension. Nutzen Sie alle pflanzenbaulichen …

Mehr lesen...
Siliermitteleinsatz

Siliermittel für Gras und Leguminosen dominierte Bestände – gleich mehr Sicherheit im Silo

Mit besseren Gärqualitäten zu höheren Grundfutterleistungen. Silierzusätze, richtig ausgewählt und angewandt, tragen zur verlustärmeren Silierung bei. Je besser es gelingt, Fehlgärungsprozesse zu unterbinden, desto …

Mehr lesen...
GRP-Standorte 2022

Grünlandreifeprüfung 1. Mitteilung - Grasaufwüchse zur Milchviehfütterung

Ackergras- und Dauergrünlandbestände sind gut durch den milden Winter gekommen. Die Voraussetzungen für eine gute Grasernte sind durch ausreichende Niederschläge und ein bisher sehr sonniges Frühjahr gegeben. Die Entwicklung …

Mehr lesen...

Veranstaltungen

Futter ranschieben

Prüfungsvorbereitungskurs Landwirt (Rind)

Gelassenheit kommt durch Wiederholung und Routine! Leider bleibt in der betrieblichen Ausbildung häufig nicht viel Zeit, um vor der Prüfung noch einmal alle wichtigen Ausbildungsinhalte zu wiederholen und zu verinnerlichen. Vor diesem …

Mehr lesen...
Kochen mit Kindern

Projekt Kochen mit Kindern - Fachfrauen gesucht

Ernährungsbildung an Grundschulen - gefragtes Projekt - Schulung im Mai, Juni  2022 Kinder lieben es, die bunte Welt der Lebensmittel mit allen Sinnen zu entdecken. Sie lieben es, selber zu kochen, gemeinsam zu essen und mehr über …

Mehr lesen...
Klauenpflege

Dreiländertreffen

Der Verein für Klauenpflege und Klauenhygiene e.V. (VKKD) und das Team des Kompetenzzentrums Klaue des Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) Echem, laden am 27. und 28. Mai 2022 alle an der Rinderklaue interessierten Personen aus …

Mehr lesen...
Hamburg Speicherstadt

Zweitägiges Exkursionsprogramm begleitend zum Dreiländertreffen

Am 27. und 28. Mai 2022 findet das Dreiländertreffen der Klaue statt. Für die Begleitpersonen der Tagungsteilnehmer, die gerne die beiden Städte Hamburg und Lüneburg mit ihren historischen Sehenswürdigkeiten erkunden …

Mehr lesen...
Milchübernahme

Weiterbildung Milchsammelwagenfahrer

Dieses Webseminar richtet sich an alle Milchsammelwagenfahrer, die bereits an einer Grundschulung erfolgreich teilgenommen haben.   Inhaltlich werden wir neue Aspekte des Milchrechtes,  aktuelle Punkte bei der …

Mehr lesen...

Schafschurlehrgang für Einsteiger und Fortgeschrittene, vereinfachte Technik für das Scheren mit der Handmaschine

Vereinfachte Technik für das Scheren mit der Handmaschine Zweitägiger Lehrgang im LBZ Echem Ziel ist der sichere Umgang mit der Schermaschine und den Tieren, um die eigenen Schafe sachgerecht schweren zu können. Vermittelt werden…

Mehr lesen...