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Düngung zu Mais

Vor dem Hintergrund der derzeit hohen Mineraldüngerpreise sowie den aktuellen Einschränkungen der Stickstoff- und Phosphordüngung durch die Düngeverordnung sowie durch die zukünftige Stoffstrombilanz, sollte auch der i.d.R. geringe Mineraldüngereinsatz im Maisanbau überdacht werden.

Bereits seit Mitte der neunziger Jahre betreibt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen Versuche, die Maisdüngung ausschließlich mit organischen Düngern zu gestalten.

Der Silomaisanbau stellt in Niedersachsen mit deutlich über 500.000 ha die flächenstärkste landwirtschaftliche Kultur des Acker- und Futterbaus dar. Zusammen mit Körnermais werden jährlich rund 600.000 ha Mais angebaut. Diese Kultur ist somit auf jedem dritten Hektar Ackerland zu Hause.

Mehr als die Hälfte dieses Maises wird von rinderhaltenden Betrieben, überwiegend Milchviehhaltern, als hochwertiges Grundfutter angebaut. Weitere gut 200.000 ha werden für die Biogasproduktion benötigt. In beiden Nutzungsformen stellt der Silomais eine qualitativ hochwertige Futterbasis dar. Körnermais wird in Niedersachsen überwiegend von Veredelungsbetrieben in den westlichen Landesteilen angebaut, da dieser die anfallenden Wirtschaftsdünger sehr effizient verwerten kann.

Aus diesen Anbauzahlen wird schnell deutlich, dass in den maisanbauenden Betrieben i.d.R. Gülle oder Mist zur Verfügung stehen und die Grunddüngung des Maises dementsprechend mit organischen Düngern erfolgt. Je nach Art, Inhaltstoffen und verfügbaren Mengen der Wirtschaftsdünger sowie der Bodenversorgung mit den Hauptnährstoffen kann eine mineralische Ergänzungsdüngung notwendig sein.

Insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit stark gestiegenen Düngerpreise, ist genau zu überlegen, ob und bei welchen Nährstoffen eine Ergänzung sinnvoll bzw. notwendig ist, oder nicht.

N-Düngung

Der N-Düngebedarf des Maises ist im Verhältnis zu seinem Ertrag relativ niedrig. Durch die hohen Erträge von etwa 150 – 200 dt/ha Trockenmasse kommt Silomais auf N-Entzüge von ca. 180 – 250 kg/ha.

Jedoch muss nur ein Teil des Stickstoffentzugs gedüngt werden, da sich die Kultur hervorragend aus den in den Sommermonaten durch Mineralisation freiwerdenden Stickstoffreserven des Bodens bedienen kann.

Bei an Bedarf und Standort angepasster Düngung hat Mais daher fast immer eine deutlich negative Stickstoffbilanz, was zeigt, dass Mais sehr grundwasserschonend angebaut werden kann.

Vor diesem Hintergrund hat sich über Jahre gezeigt, dass ein Düngeniveau von rund 120 – 140 kg/ha anrechenbaren Stickstoffs i.d.R. ausreicht, um annähernd Maximalerträge zu erzielen. Gleichzeitig erreichen bei diesem moderaten Düngeniveau die Reststickstoffgehalte nach der Ernte nur ein niedriges Niveau.

Gülleeinarbeitung mit Scheibenegge und Holmer
Gülleeinarbeitung mit Scheibenegge und HolmerKarl-Gerd Harms
hohe Anrechenbarkeit org. Dünger

Anders als viele andere Kulturen reagiert Mais in der Regel nicht sofort mit Qualitätseinbußen oder nennenswerten Mindererträgen, wenn insbesondere die Stickstoffversorgung knapp gehalten wird. Dieser Vorteil hängt mit der langen Vegetationszeit zusammen. Mais nimmt erst ab Juni nennenswerte N-Mengen und ab August noch bis zu 30 % seines N-Bedarfs auf. Somit kommt dem Mais zugute, dass er insbesondere organisch gebundenen Stickstoff, welcher erst im Laufe des Sommers mineralisiert wird, hervorragend nutzen kann.

Daraus ergibt sich, dass für Mais und andere Kulturen mit langanhaltender Nährstoffaufnahme eine rel. hohe Anrechenbarkeit der Wirtschaftsdünger kalkuliert werden kann.

Um diese zu Erreichen kommt es besonders beim Einsatz von Gülle darauf an, dass diese möglichst emissionsarm ausgebracht und schnellstmöglich eingearbeitet wird. Die zeitnahe Einarbeitung wird umso wichtiger, je höher der pH-Wert der Gülle ist. Insbesondere Gärreste sollten daher direkt bei oder nach der Ausbringung eingearbeitet werden, da ansonsten die Ammoniakverluste in die Höhe schnellen. Bereits in der ersten Stunde ohne Einarbeitung hat sich ein Drittel der Ammoniumfraktion verflüchtigt. In Zahlen bedeutet dies, wenn die Einarbeitungsfrist nach DüV (4 Stunden) ausgereizt wird, sind bei einer ausgebrachten Ammoniummenge von rund 100 kg/ha über Gärrest N-Verluste von ca. 45 kg/ha zu verbuchen. (siehe Grafik).  Um eine hohe Stickstoffausnutzung zu erreichen ist es somit zwingend notwendig, die Ausbringverluste möglichst klein zu halten. Die N-Anrechenbarkeit lässt sich durch eine unmittelbare Einarbeitung bei Mais und Hackfrüchten problemlos auf ca. 80 % steigern; bei 170 kg/ha Gesamtstickstoff aus flüssigen Wirtschaftsdüngern entspricht dies einer effektiven N-Gabe von knapp 140 kg/ha. Rechnet man die vorzunehmenden Abzüge für die organische Düngung im Vorjahr sowie den Frühjahrs-Nmin-Wert hinzu, so ist vielerorts bereits der N-Bedarfswert von 200 kg/ha (bei 45 t /Ertragsniveau) erreicht. Eine mineralische Ergänzungsdüngung kommt somit kaum in Betracht. Auf Flächen mit einer Zwischenfrucht oder Untersaat kann ggf. die Gülledüngung zugunsten anderer Kulturen reduziert werden, so dass sich nicht nur im Mais Mineraldünger einsparen lässt. Ähnliches gilt für die mineralische Unterfußdüngung, auch diese kann dazu führen, dass die organische Düngung zu Mais reduziert werden kann du somit mehr Wirtschaftsdünger z.B. für das Grünland zur Verfügung steht.

Keine mineralische N-Ergänzung?

Durch die unverzügliche Einarbeitung der organischen Düngung wird somit i.d.R. eine mineralische Stickstoffergänzung überflüssig. Lediglich bei sehr hohem Ertragsniveau und moderater organischer N-Gabe oder sehr geringen Abzügen für Nmin, Zwischenfruchtanbau oder org. Düngung im Vorjahr kann eine gezielte mineralische N-Ergänzungsdüngung über eine Unterfußdüngung hinaus rechnerisch darstellbar sein. Ob diese bei den aktuellen Düngerpreisen sinnvoll ist, ist jedoch fraglich. Hierzu wurde bereits in der Ausgabe 9 der LuF ein Artikel zur Stickstoffdüngung in Mais veröffentlicht. Dieser beschreibt im Wesentlichen, dass die Ertragskurve bei Mais sehr flach verläuft. Daraus folgt, dass eine verringerte N-Düngung nur zu relativ geringen Ertragsverlusten führt. So bewirkt beispielweise die um 20% verringerte N-Düngung in den roten (nitratsensiblen) Gebieten kurzfristig lediglich einen Ertragsrückgang von ca. 3%.

Düngung von P, K, Mg und S

Die Düngergaben der weiteren Hauptnährstoffe lassen sich nach Bodenuntersuchung und Entzug berechnen, wobei die Gehalte der organischen Dünger an Phosphat, Kalium und Magnesium voll angesetzt werden. Die Tabelle „Maisdüngung nach Bodenuntersuchung“ gibt hierbei die Spannweiten der Düngergaben für die jeweilige Bodenversorgungsstufe vor. Aus der Tabelle „Nährstoffentzüge“ geht die Abfuhr der Grundnährstoffe je nach Ertragsniveau und Nutzungsrichtung hervor. Grundsätzlich gilt für diese Nährstoffe, dass bei Bodenversorgungsstufe „C“ nach Entzug, also nach Abfuhr gedüngt werden sollte. Die Nährstoffmengen können dabei ggf. auch über die gesamte Fruchtfolge berücksichtigt werden.

Die Nährstoffgehalte sowohl des Bodens als auch der organischen Wirtschaftsdünger sollten regelmäßig durch Untersuchungen überprüft und beachtet werden. Nicht selten reichen die Kaliumgehalte nicht aus, um den Bedarf des Maises zu decken. Auf Standorten mit niedriger Versorgungsstufe und einer an den Stickstoffbedarf angepassten Güllegabe können allein durch Kalimangel Ertragsverluste in einer Größenordnung um 20 % entstehen.

Für die P-Düngung muss, wie auch für Stickstoff, eine betriebliche Düngebedarfsermittlung durchgeführt werden, deren Ergebnis nicht überschritten werden darf. Hinzu kommen Regelungen in den phosphatsensiblen Gebieten auf hoch versorgten Standorten: Hier dürfen in diesem Jahr nur noch 75 % des P-Bedarfs (Versorgungsstufe D) bzw. 50% des P-Düngebedarfs (Stufe E) gedüngt werden.

Die Schwefelversorgung des Maises stellt für gewöhnlich keine Schwierigkeit dar.

Bei langjähriger organischer Düngung ist eine annähernd ausreichende Schwefelmineralisation gegeben, da der fast vollständig organisch gebundene Schwefel der Wirtschaftsdünger langfristig wirkt. Der Bedarf des Maises liegt bei ca. 20 kg/ha. Eine Teilemenge des Schwefels über die Unterfußdüngung zu geben, sichert die Verfügbarkeit in der Jugendentwicklung jedoch ab.

Spurennährstoffe

Bei den Spurenelementen ist besonders Bor zu nennen, welcher nicht ausreichend über die übliche organische Düngung zugeführt wird. Die Versorgung wird häufig über den Zusatz von 1 – 2 % Bor in gezielten Unterfußdüngern für Mais gewährleistet. Auch eine Spritzung ist möglich, allerdings wird bei früher Anwendung rel. wenig Blattmasse tatsächlich getroffen.

Die Zinkverfügbarkeit wird durch hohe P-Bodengehalte eingeschränkt. Auch hier kann eine Ergänzung über die Unterfußdüngung vorgenommen werden.

Bei optimalem pH-Wert und guter, verdichtungsfreier Bodenstruktur ist außerhalb von Witterungsextremen kaum mit Spurenelementmangel zu rechnen. Die Sicherstellung der Versorgung in der Jugendentwicklung über Nährstoffbeizen oder Startdünger hilft dem Mais insbesondere bei ungünstigen Standort- und Witterungsverhältnissen.

Unterfußdüngung

Die besondere Bedeutung der Unterfußdüngung (UFD), i.d.R. mit mineralischem NP Dünger, wurde bereits in der Ausgabe 9 der LuF auf Seite 22/23 beschrieben.

Ein Verzicht kann insbesondere bei für Mais noch relativ kühlen Temperaturen zur Aussaat nicht empfohlen werden. Eine Mindestgabe von ca. 20 kg/ha Phosphat mit sehr hoher Wasserlöslichkeit hat sich langjährig bewährt. Auch leicht darunterliegende Gaben haben bei entsprechenden Umwelt- und Standortbedingungen noch eine eindeutige Wirkung.

Als Alternative zu rel. hohen P-Gaben über die Unterfußdüngung werden seit mehreren Jahren vermehrt Mikrogranulatdünger für die Saatbanddüngung (SBD) mittels Granulatstreuer angeboten. Auch diese haben eine positive Wirkung auf die Jugendentwicklung des Maises. Phosphatmengen von ca. 10 kg/ha bei ebenfalls sehr hoher Wasserlöslichkeit sollten bei diesem Verfahren angestrebt werden, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

Beide Verfahren, sowohl UFD als auch SBD, gründen ihre positive Wirkung auf die Jugendentwicklung und den Ertrag des Maises auf zugekauften mineralischen Phosphordünger. Ist der betriebliche P-Düngebedarf bereits über die einzusetzenden Wirtschaftsdünger abgedeckt, kann kein mineralischer P-Dünger mehr eingesetzt werden. Zur Förderung der Jugendentwicklung des Maises müsste folglich eine entsprechende Menge Wirtschaftsdünger abgegeben werden, oder dieser wird selbst als Unterfußdünger appliziert (Gülle-UFD).

Das Verfahren der Gülle-UFD, häufig in Kombination mit der Streifenbearbeitung (Striptill) angewendet, wurde ebenfalls in der LuF-Ausgabe 9 bereits ausführlich beschrieben.

Kalkung bedenken

Einen maßgeblichen Ansatzpunkt zur Verbesserung der Ertragsfähigkeit des jeweiligen Standortes bildet der pH-Wert des Bodens. Wurde die Kalkung in den letzten Jahren vernachlässigt, ist die Nährstoffverfügbarkeit im Boden eingeschränkt, wodurch der Ertrag und die Nährstoffeffizienz begrenzt werden. Ein Blick in die aktuellen Bodenuntersuchungsergebnisse zeigt hier, ob Handlungsbedarf besteht.

Das Frühjahr bietet einen günstigen Zeitpunkt für eine Kalkung, Branntkalk und gelöschte Kalke sollte jedoch nicht gemeinsam mit der organischen Düngung ausgebracht und eingearbeitet werden, da dies zu hohen Ammoniakverlusten führen kann.

Kontakte

Karl-Gerd Harms

Berater Silo- und Körnermais

0441 801-418

0174 2158 211

  karl-gerd.harms~lwk-niedersachsen.de


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