Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!
Webcode:01040507

Düngung zu Mais

Vor dem Hintergrund der derzeit hohen Mineraldüngerpreise sowie den aktuellen Einschränkungen der Stickstoff- und Phosphordüngung durch die Düngeverordnung sowie durch die zukünftige Stoffstrombilanz, sollte auch der i.d.R. geringe Mineraldüngereinsatz im Maisanbau überdacht werden.

Bereits seit Mitte der neunziger Jahre betreibt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen Versuche, die Maisdüngung ausschließlich mit organischen Düngern zu gestalten.

Der Silomaisanbau stellt in Niedersachsen mit deutlich über 500.000 ha die flächenstärkste landwirtschaftliche Kultur des Acker- und Futterbaus dar. Zusammen mit Körnermais werden jährlich rund 600.000 ha Mais angebaut. Diese Kultur ist somit auf jedem dritten Hektar Ackerland zu Hause.

Mehr als die Hälfte dieses Maises wird von rinderhaltenden Betrieben, überwiegend Milchviehhaltern, als hochwertiges Grundfutter angebaut. Weitere gut 200.000 ha werden für die Biogasproduktion benötigt. In beiden Nutzungsformen stellt der Silomais eine qualitativ hochwertige Futterbasis dar. Körnermais wird in Niedersachsen überwiegend von Veredelungsbetrieben in den westlichen Landesteilen angebaut, da dieser die anfallenden Wirtschaftsdünger sehr effizient verwerten kann.

Aus diesen Anbauzahlen wird schnell deutlich, dass in den maisanbauenden Betrieben i.d.R. Gülle oder Mist zur Verfügung stehen und die Grunddüngung des Maises dementsprechend mit organischen Düngern erfolgt. Je nach Art, Inhaltstoffen und verfügbaren Mengen der Wirtschaftsdünger sowie der Bodenversorgung mit den Hauptnährstoffen kann eine mineralische Ergänzungsdüngung notwendig sein.

Insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit stark gestiegenen Düngerpreise, ist genau zu überlegen, ob und bei welchen Nährstoffen eine Ergänzung sinnvoll bzw. notwendig ist, oder nicht.

N-Düngung

Der N-Düngebedarf des Maises ist im Verhältnis zu seinem Ertrag relativ niedrig. Durch die hohen Erträge von etwa 150 – 200 dt/ha Trockenmasse kommt Silomais auf N-Entzüge von ca. 180 – 250 kg/ha.

Jedoch muss nur ein Teil des Stickstoffentzugs gedüngt werden, da sich die Kultur hervorragend aus den in den Sommermonaten durch Mineralisation freiwerdenden Stickstoffreserven des Bodens bedienen kann.

Bei an Bedarf und Standort angepasster Düngung hat Mais daher fast immer eine deutlich negative Stickstoffbilanz, was zeigt, dass Mais sehr grundwasserschonend angebaut werden kann.

Vor diesem Hintergrund hat sich über Jahre gezeigt, dass ein Düngeniveau von rund 120 – 140 kg/ha anrechenbaren Stickstoffs i.d.R. ausreicht, um annähernd Maximalerträge zu erzielen. Gleichzeitig erreichen bei diesem moderaten Düngeniveau die Reststickstoffgehalte nach der Ernte nur ein niedriges Niveau.

Gülleeinarbeitung mit Scheibenegge und Holmer
Gülleeinarbeitung mit Scheibenegge und HolmerKarl-Gerd Harms
hohe Anrechenbarkeit org. Dünger

Anders als viele andere Kulturen reagiert Mais in der Regel nicht sofort mit Qualitätseinbußen oder nennenswerten Mindererträgen, wenn insbesondere die Stickstoffversorgung knapp gehalten wird. Dieser Vorteil hängt mit der langen Vegetationszeit zusammen. Mais nimmt erst ab Juni nennenswerte N-Mengen und ab August noch bis zu 30 % seines N-Bedarfs auf. Somit kommt dem Mais zugute, dass er insbesondere organisch gebundenen Stickstoff, welcher erst im Laufe des Sommers mineralisiert wird, hervorragend nutzen kann.

Daraus ergibt sich, dass für Mais und andere Kulturen mit langanhaltender Nährstoffaufnahme eine rel. hohe Anrechenbarkeit der Wirtschaftsdünger kalkuliert werden kann.

Um diese zu Erreichen kommt es besonders beim Einsatz von Gülle darauf an, dass diese möglichst emissionsarm ausgebracht und schnellstmöglich eingearbeitet wird. Die zeitnahe Einarbeitung wird umso wichtiger, je höher der pH-Wert der Gülle ist. Insbesondere Gärreste sollten daher direkt bei oder nach der Ausbringung eingearbeitet werden, da ansonsten die Ammoniakverluste in die Höhe schnellen. Bereits in der ersten Stunde ohne Einarbeitung hat sich ein Drittel der Ammoniumfraktion verflüchtigt. In Zahlen bedeutet dies, wenn die Einarbeitungsfrist nach DüV (4 Stunden) ausgereizt wird, sind bei einer ausgebrachten Ammoniummenge von rund 100 kg/ha über Gärrest N-Verluste von ca. 45 kg/ha zu verbuchen. (siehe Grafik).  Um eine hohe Stickstoffausnutzung zu erreichen ist es somit zwingend notwendig, die Ausbringverluste möglichst klein zu halten. Die N-Anrechenbarkeit lässt sich durch eine unmittelbare Einarbeitung bei Mais und Hackfrüchten problemlos auf ca. 80 % steigern; bei 170 kg/ha Gesamtstickstoff aus flüssigen Wirtschaftsdüngern entspricht dies einer effektiven N-Gabe von knapp 140 kg/ha. Rechnet man die vorzunehmenden Abzüge für die organische Düngung im Vorjahr sowie den Frühjahrs-Nmin-Wert hinzu, so ist vielerorts bereits der N-Bedarfswert von 200 kg/ha (bei 45 t /Ertragsniveau) erreicht. Eine mineralische Ergänzungsdüngung kommt somit kaum in Betracht. Auf Flächen mit einer Zwischenfrucht oder Untersaat kann ggf. die Gülledüngung zugunsten anderer Kulturen reduziert werden, so dass sich nicht nur im Mais Mineraldünger einsparen lässt. Ähnliches gilt für die mineralische Unterfußdüngung, auch diese kann dazu führen, dass die organische Düngung zu Mais reduziert werden kann du somit mehr Wirtschaftsdünger z.B. für das Grünland zur Verfügung steht.

Keine mineralische N-Ergänzung?

Durch die unverzügliche Einarbeitung der organischen Düngung wird somit i.d.R. eine mineralische Stickstoffergänzung überflüssig. Lediglich bei sehr hohem Ertragsniveau und moderater organischer N-Gabe oder sehr geringen Abzügen für Nmin, Zwischenfruchtanbau oder org. Düngung im Vorjahr kann eine gezielte mineralische N-Ergänzungsdüngung über eine Unterfußdüngung hinaus rechnerisch darstellbar sein. Ob diese bei den aktuellen Düngerpreisen sinnvoll ist, ist jedoch fraglich. Hierzu wurde bereits in der Ausgabe 9 der LuF ein Artikel zur Stickstoffdüngung in Mais veröffentlicht. Dieser beschreibt im Wesentlichen, dass die Ertragskurve bei Mais sehr flach verläuft. Daraus folgt, dass eine verringerte N-Düngung nur zu relativ geringen Ertragsverlusten führt. So bewirkt beispielweise die um 20% verringerte N-Düngung in den roten (nitratsensiblen) Gebieten kurzfristig lediglich einen Ertragsrückgang von ca. 3%.

Düngung von P, K, Mg und S

Die Düngergaben der weiteren Hauptnährstoffe lassen sich nach Bodenuntersuchung und Entzug berechnen, wobei die Gehalte der organischen Dünger an Phosphat, Kalium und Magnesium voll angesetzt werden. Die Tabelle „Maisdüngung nach Bodenuntersuchung“ gibt hierbei die Spannweiten der Düngergaben für die jeweilige Bodenversorgungsstufe vor. Aus der Tabelle „Nährstoffentzüge“ geht die Abfuhr der Grundnährstoffe je nach Ertragsniveau und Nutzungsrichtung hervor. Grundsätzlich gilt für diese Nährstoffe, dass bei Bodenversorgungsstufe „C“ nach Entzug, also nach Abfuhr gedüngt werden sollte. Die Nährstoffmengen können dabei ggf. auch über die gesamte Fruchtfolge berücksichtigt werden.

Die Nährstoffgehalte sowohl des Bodens als auch der organischen Wirtschaftsdünger sollten regelmäßig durch Untersuchungen überprüft und beachtet werden. Nicht selten reichen die Kaliumgehalte nicht aus, um den Bedarf des Maises zu decken. Auf Standorten mit niedriger Versorgungsstufe und einer an den Stickstoffbedarf angepassten Güllegabe können allein durch Kalimangel Ertragsverluste in einer Größenordnung um 20 % entstehen.

Für die P-Düngung muss, wie auch für Stickstoff, eine betriebliche Düngebedarfsermittlung durchgeführt werden, deren Ergebnis nicht überschritten werden darf. Hinzu kommen Regelungen in den phosphatsensiblen Gebieten auf hoch versorgten Standorten: Hier dürfen in diesem Jahr nur noch 75 % des P-Bedarfs (Versorgungsstufe D) bzw. 50% des P-Düngebedarfs (Stufe E) gedüngt werden.

Die Schwefelversorgung des Maises stellt für gewöhnlich keine Schwierigkeit dar.

Bei langjähriger organischer Düngung ist eine annähernd ausreichende Schwefelmineralisation gegeben, da der fast vollständig organisch gebundene Schwefel der Wirtschaftsdünger langfristig wirkt. Der Bedarf des Maises liegt bei ca. 20 kg/ha. Eine Teilemenge des Schwefels über die Unterfußdüngung zu geben, sichert die Verfügbarkeit in der Jugendentwicklung jedoch ab.

Spurennährstoffe

Bei den Spurenelementen ist besonders Bor zu nennen, welcher nicht ausreichend über die übliche organische Düngung zugeführt wird. Die Versorgung wird häufig über den Zusatz von 1 – 2 % Bor in gezielten Unterfußdüngern für Mais gewährleistet. Auch eine Spritzung ist möglich, allerdings wird bei früher Anwendung rel. wenig Blattmasse tatsächlich getroffen.

Die Zinkverfügbarkeit wird durch hohe P-Bodengehalte eingeschränkt. Auch hier kann eine Ergänzung über die Unterfußdüngung vorgenommen werden.

Bei optimalem pH-Wert und guter, verdichtungsfreier Bodenstruktur ist außerhalb von Witterungsextremen kaum mit Spurenelementmangel zu rechnen. Die Sicherstellung der Versorgung in der Jugendentwicklung über Nährstoffbeizen oder Startdünger hilft dem Mais insbesondere bei ungünstigen Standort- und Witterungsverhältnissen.

Unterfußdüngung

Die besondere Bedeutung der Unterfußdüngung (UFD), i.d.R. mit mineralischem NP Dünger, wurde bereits in der Ausgabe 9 der LuF auf Seite 22/23 beschrieben.

Ein Verzicht kann insbesondere bei für Mais noch relativ kühlen Temperaturen zur Aussaat nicht empfohlen werden. Eine Mindestgabe von ca. 20 kg/ha Phosphat mit sehr hoher Wasserlöslichkeit hat sich langjährig bewährt. Auch leicht darunterliegende Gaben haben bei entsprechenden Umwelt- und Standortbedingungen noch eine eindeutige Wirkung.

Als Alternative zu rel. hohen P-Gaben über die Unterfußdüngung werden seit mehreren Jahren vermehrt Mikrogranulatdünger für die Saatbanddüngung (SBD) mittels Granulatstreuer angeboten. Auch diese haben eine positive Wirkung auf die Jugendentwicklung des Maises. Phosphatmengen von ca. 10 kg/ha bei ebenfalls sehr hoher Wasserlöslichkeit sollten bei diesem Verfahren angestrebt werden, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

Beide Verfahren, sowohl UFD als auch SBD, gründen ihre positive Wirkung auf die Jugendentwicklung und den Ertrag des Maises auf zugekauften mineralischen Phosphordünger. Ist der betriebliche P-Düngebedarf bereits über die einzusetzenden Wirtschaftsdünger abgedeckt, kann kein mineralischer P-Dünger mehr eingesetzt werden. Zur Förderung der Jugendentwicklung des Maises müsste folglich eine entsprechende Menge Wirtschaftsdünger abgegeben werden, oder dieser wird selbst als Unterfußdünger appliziert (Gülle-UFD).

Das Verfahren der Gülle-UFD, häufig in Kombination mit der Streifenbearbeitung (Striptill) angewendet, wurde ebenfalls in der LuF-Ausgabe 9 bereits ausführlich beschrieben.

Kalkung bedenken

Einen maßgeblichen Ansatzpunkt zur Verbesserung der Ertragsfähigkeit des jeweiligen Standortes bildet der pH-Wert des Bodens. Wurde die Kalkung in den letzten Jahren vernachlässigt, ist die Nährstoffverfügbarkeit im Boden eingeschränkt, wodurch der Ertrag und die Nährstoffeffizienz begrenzt werden. Ein Blick in die aktuellen Bodenuntersuchungsergebnisse zeigt hier, ob Handlungsbedarf besteht.

Das Frühjahr bietet einen günstigen Zeitpunkt für eine Kalkung, Branntkalk und gelöschte Kalke sollte jedoch nicht gemeinsam mit der organischen Düngung ausgebracht und eingearbeitet werden, da dies zu hohen Ammoniakverlusten führen kann.

Kontakte


Karl-Gerd Harms

Berater Silo- und Körnermais

0441 801-418

0174 2158 211

karl-gerd.harms~lwk-niedersachsen.de

Mehr zum Thema

4. Maisreifeprüfung 2022

4. Maisreifeprüfung: Silomaisernte wird durch Regen ein wenig entspannt

Selten hat Norddeutschland eine so zügige Maisabreife wie in diesem Jahr erlebt. Die Geschwindigkeit, mit der die TS-Gehalte im Erntegut zunehmen, ist vergleichbar mit der Entwicklung in 2018. Der Regen zum Ende der letzten Woche verschafft den …

Mehr lesen...
Maisbestand 2022

Silierung Mais – Herausforderungen 2022

Die Maisbestände haben 2022 einen sehr unterschiedlichen Stand, je nach Region, Standort und Ausprägung der Trockenschäden. Es kommt jetzt darauf an, für die Silierung die richtigen Stellschrauben zu setzen, um so verlustarm wie m…

Mehr lesen...
Die Maisernte ist vielerorts unter extrem trockenen Bedingungen gestartet.

3. Maisreifeprüfung: Viele Maisbestände müssen dringend geerntet werden

Von der Wasserversorgung quasi abgeschnittene Bestände können vielerorts nicht termingerecht geerntet werden, weil nicht genügend Erntekapazität für eine so schnel vollzogene Abreife zur Verfügung steht. Auch die …

Mehr lesen...
Viele Maisbestände zeigen deutliche Trockenschäden und müssen zeitnah geerntet werden.

Silomais reift sehr schnell ab – das Erntefenster wird eng

Bedingt durch die sommerlichen Temperaturen und das Ausbleiben von Niederschlägen bei gleichzeitig sehr trockenen Böden kommt die Abreife des Maises vielerorts fast einem Verdorren gleich. Das Erntezeitfenster wird dadurch extrem kurz, denn…

Mehr lesen...
Beregnungsgasse im Mais

Maisreifeprüfung: Trockenheit setzt Maisbeständen zu - muss schon gehäckselt werden?

Die Maisreifeprüfung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat in diesem Jahr früher begonnen als üblich, trotzdem überraschen einzelne Standorte mit einer sehr weiten Entwicklung. Da die Testflächen der Reifeprüfung …

Mehr lesen...
Maisbestand

Maisabreife: Bestände genau beobachten und nicht vorschnell handeln

Die z.T. sehr trockenen Witterungsbedingungen der letzten Wochen und Monate haben besonders auf leichten Böden deutliche Schäden an den Maisbeständen verursacht. Die Bandbreite der Auswirkungen ist dabei groß; von harmlosem …

Mehr lesen...

Veranstaltungen

Körnermaisfeldtag

14.10.2022

U.a. mit Vorstellung wichtiger Sorten sowie Versuche zur teilflächenspezifischen Aussaat (in Kooperation mit dern Firmen Bayer und Newtec Peine

Mehr lesen...
Körnermais

Pflanzenbautagung 2023 in Bremervörde

17.01.2023

Unsere traditionelle Pflanzenbau - Fachtagung findet im Januar 2023 statt. Die GAP 2023 stellt alle Betriebe vor große Herausforderungen. Auf der Tagung werden neben dem rechtlichen Rahmen auch mögliche pflanzenbauliche …

Mehr lesen...

Pflanzenschutztagung 2023 - Helvesiek

18.01.2023

Unsere traditionelle Fachtagung findet im Januar 2023 statt. Bitte melden Sie sich zu dieser Tagung online an. So möchten wir sicherstellen, dass jeder einen Platz bekommt. Nach Ihrer Online-Anmeldung erhalten Sie eine E-Mail mit einem …

Mehr lesen...

Pflanzenschutztagung 2023 - Beverstedt / Wollingst

19.01.2023

Unsere traditionelle Fachtagung findet im Januar 2023 statt. Bitte melden Sie sich zu dieser Tagung online an. So möchten wir sicherstellen, dass jeder einen Platz bekommt. Nach Ihrer Online-Anmeldung erhalten Sie eine E-Mail mit einem …

Mehr lesen...
Kartoffelblüte

Kartoffelbautagung 2023

24.01.2023

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen veranstaltet gemeinsam mit der RAISA eG die traditionelle Kartoffelbautagung 2023. Auf der Tagung werden wir die Erkenntnisse der letzten Vegetationsperiode aufarbeiten und Ihnen unsere Empfehlungen f&…

Mehr lesen...

Pflanzenschutztagung 2023 - Cadenberge

25.01.2023

Unsere traditionelle Fachtagung findet im Januar 2023 statt. Bitte melden Sie sich zu dieser Tagung online an. So möchten wir sicherstellen, dass jeder einen Platz bekommt. Nach Ihrer Online-Anmeldung erhalten Sie eine E-Mail mit einem …

Mehr lesen...