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Grassilagen 2022 - Fokus auf hohe Futterwerte

Beste Grundfutterqualitäten zu erzielen, ist eine bekannte Forderung, um wirtschaftlichen Futterbau betreiben zu können. Mit den steigenden Kraftfutterpreisen bekommt diese Forderung eine neue Dimension. Nutzen Sie alle pflanzenbaulichen und siliertechnischen Stellschrauben, um Futter mit hoher Güte zu ernten und dieses so verlustarm wie möglich im Silo zu bergen.

Ob und in welchem Umfang mit einer Verknappung von Zukauffuttermitteln durch den Krieg in der Ukraine zu rechnen ist, bleibt aktuell spekulativ. Fakt ist jedoch, die Marktlage bietet derzeit keine Chancen für Preisermäßigungen.

Wichtiger denn je wird es vor dem Hintergrund, auf gute Qualitäten des Grundfutters zu setzen und während der Ernte- und Silierarbeit die Verluste so gering wie möglich zu halten. Hohe Grundfutteraufnahmen bedingen zum einen Futter mit besten Nährstoff- und Energiewerten und zum anderen die Bereitschaft des Tieres, dieses Futter gern und in hohen Mengen aufzunehmen.

Dieser Beitrag widmet sich überwiegend der Einflussnahme des Futterwertes von Grassilagen. Über die Gärqualität, als einen Baustein Verzehrs bestimmender Eigenschaften, wird im Beitrag zur Siliermittelanwendung Bezug genommen.

Qualität beginnt auf der Fläche

Die Silagequalität kann nicht besser sein als ihr Ausgangsmaterial. Folglich ist ein hochwertiger und zum optimalen Zeitpunkt geernteter Grasbestand die grundlegende Basis für beste Silagequalitäten. Mit der Pflege des Grünlandes beginnt damit die Erzeugung von nährstoff- und energiereichen Grassilagen.

In den zurückliegenden drei Jahren musste sehr viel Grünland durch die Schäden nach Hitzestress, Trockenheit, Mäuse und Tipula mit viel Aufwand hergerichtet werden. Die hierfür getätigten Investitionen waren in vielen Fällen sehr hoch. Diese Aktivitäten zahlen sich aber jetzt aus, denn die Mehrzahl der Grasbestände ist in einem guten Zustand. Das gilt sowohl hinsichtlich der Bestandeszusammensetzung als auch hinsichtlich der Narbenbeschaffenheit. Somit sind die Voraussetzungen für gute Futterqualitäten auf vielen Flächen gegeben. Es kommt nun vor allen Dingen darauf an, dass die Ernte zum optimalen Schnittzeitpunkt erfolgen kann.

Grassilageernte
In der Futterpflanzenzusammensetzung hochwertige sowie gut gepflegte Grünlandbestände sind für gute Silagequalitäten genauso wichtig wie die Mahd zum optimalen SchnittzeitpunktDr. Christine Kalzendorf
Ernte zum optimalen Schnittzeitpunkt

Der Schnittzeitpunkt ist das A und O für beste Futterqualitäten. Das belegen Auswertungen der Praxisbefunde von Grassilagen aus Niedersachsen. Betrachtet man beispielsweise die Ergebnisse des Silagewettbewerbes im Rückblick von 10 Jahren (Abbildung 1) so ist kein Aufwärtstrend hinsichtlich der Energiekonzentrationen für die Grassilagen des ersten Schnitts erkennbar. Der Verlauf macht vielmehr ein unterschiedliches Auf und Ab deutlich. Provokativ könnte man die Fragen stellen, ob es wirklich keine stete Weiterentwicklung in Bezug auf den Energiegehalt gibt und ob die züchterische Arbeit im Gräserbereich nicht vorangekommen ist? Die Antwort lautet eher, dass die Effekte auf den Futterwert vom Schnittzeitpunkt überlagert werden. So zwangen die zahlreichen Niederschläge im letzten Jahr zu sehr späten Mahdterminen. In der Folge war das Futter überständig, was anhand des Rohfasergehaltes deutlich wird. Im Jahr 2019 wurde hingegen der höchste Energiegehalt als Mittelwert aller Daten mit 6,7 MJ NEL/kg TM im zwölfjährigen Zeitraum erzielt. Nach dem Dürrejahr war in 2019 das Futter knapp und es wurde von der Mehrzahl der Betriebe ein sehr früher Mahdtermin angestrebt. Hervorragende Futterqualitäten waren die Folge.

Diese relativ frühe Ausrichtung des Mahdzeitpunktes im Rahmen des optimalen Erntezeitfensters wird auch für 2022 empfohlen. Damit lassen sich sowohl hohe Nährstoffdichten als auch eine hinreichender Strukturwirksamkeit absichern.

Achten Sie daher in diesem Jahr besonders auf die Hinweise der Grünlandreifeprüfung.

Keine Futterwertminderung durch Schmutzeintrag

Richten Sie zudem alle Maßnahmen bei der Ernte und Futterwerbung so aus, dass so wenig wie möglich Erd- und Schmutzanteile in das Silo gelangen. Schmutzeintrag wirkt sich auf die Silierbarkeit und auf die Energiekonzentration negativ aus. Auf vielen Flächen konnte die Gülleausbringung in Niedersachsen aufgrund der Nässe im Frühjahr erst sehr spät erfolgen. Wer sein Grünland jetzt genauer in Augenschein nimmt, wird oft noch die Güllebänder wahrnehmen. Diese sind in aller Regel eingetrocknet sind, weil es nachfolgend zu trocken war. Insbesondere für diese Grünlandflächen ist es wichtig, exakt auf die Schnitthöhen von mindestens 7 cm oder höher zu achten. Nur für dichte und ebene Grasnarben sind Schnitthöhen von etwa 5 cm akzeptabel.  

Einfluss auf Protein und  Zucker

Das aktuelle Preisgeschehen von Eiweißfuttermitteln lässt den Wunsch nach hohen Rohproteingehalten im Grundfutter aufkommen. Allerdings lassen sich sowohl die Protein- als auch Zuckergehalte von grasbetonten Grünlandbeständen nur bedingt beeinflussen.

In Tabelle 1 sind die Rohproteingehalte der Grassilagen (Durchschnittswerte und Schwankungsbreiten) von der LUFA-Nord-West dargestellt. In aller Regel ist der erste Aufwuchs durch durchschnittliche Rohproteingehalte gekennzeichnet. Lediglich im ertragsschwachen Jahr, dem Hitzejahr 2018, wurden sehr hohe Rohproteingehalte in den Grassilagen des ersten Aufwuchses analysiert. Anders verhielt es sich in Jahren mit ertragsstarken Aufwüchsen. Wächst viel Masse auf, kommt es hinsichtlich des Rohproteingehaltes zu einem Verdünnungseffekt, auch bei hinreichender N-Düngung. Ist das Futter zudem noch überständig, sinken die Rohproteingehalte zusätzlich. Daher auch der geringe Rohproteingehalt für den ersten Aufwuchs in 2021.

Im Allgemeinen sind die Sommer- und Herbstaufwüchse rohproteinreicher als die Frühjahresaufwüchse.

Als Fazit lässt sich festhalten: Wo ein Plus an Rohprotein in Grasaufwüchsen das künftige Ziel ist, kann das nur über Leguminosen gezielter beeinflusst werden (siehe auch Kasten 1). 

Hierbei ist zu beachten, dass die Silierung von Leguminosen basierten Grünlandbeständen nicht einfacher wird. Ein gewisser Anteil des Deutschen Weidelgrases sollte in diesen Beständen stets noch vorhanden sein, um einen gewissen Zuckeranteil für die Silierung abzusichern.

Im Hinblick auf die Zuckergehalte verhält es sich in aller Regel genau umgekehrt zu den oben getroffenen Aussagen des Rohproteins. In den Frühjahresaufwüchsen wird zum Zeitpunkt der Grünlandreife recht viel akkumuliert. Die Zuckerbildung wird durch warme Frühjahrestemperaturen und relativ kühle Bedingungen in den Nachtstunden gefördert. Ist dieser Zeitraum zudem noch durch Trockenheit geprägt, steht den Gräsern der organische und mineralische Stickstoff nicht zur Nährstoffaufnahme zur Verfügung. Dies ist eine Erklärung für die relativ hohen Restzuckergehalte der Grassilagen des letzten Jahres.

Hingegen weisen die Sommer- und Herbstaufwüchse recht moderate Zuckergehalte auf, wenn sie zum optimalen Schnittzeitpunkt gemäht werden.

Siliertechnische Grundlagen beachten

Die allgemeinen Silierregeln einzuhalten, ist in vielen Betrieben eine Selbstverständlichkeit. Achten Sie auf kurze Feldliegezeiten und eine schonende Futterwerbung. So lassen sich Bröckel- und Atmungsverluste mindern.

Hohe Verdichtungen (siehe Kasten 2) und eine unverzügliche, zweischichtige

Siloabdeckung sind weitere Stichwörter, die zur Siliersorgfalt gehören.

Fazit

Ein hochwertiger Grasbestand ist die Basis für eine gute Grassilagequalität.

Der Schnittzeitpunkt hat entscheidenden Einfluss auf den Futterwert.

Eine frühe Mahd im Rahmen des optimalen Erntezeitraumes ist Garant für hohe Nährstoff- und Energiekonzentrationen.

Ein Plus an Rohprotein lässt sich in erster Linie mit Leguminosen basierten Grünlandbeständen erreichen.

 


Treffpunkt Grünland Feldtag am 08. Juni 2022 in Ovelgönne– Informationen zu Leguminosen basierte Grünlandsystemen

Mehr Artenvielfalt, resilientes Grünland, die Etablierung von Leguminosen in Grasbeständen, Spezialtechnik für artenreiches Grünland u.v.m. - sind nur ein Teil von Themen, die beim Grünland-Feldtag am 08. Juni 2022 in Ovelgönne von 10.00 bis 15.00 Uhr vorgestellt werden. Mit dem Treffen in Präsenz wieder fachlich informieren und diskutieren.



Empfehlungen zu siliertechnischen Maßnahmen, die zur Verbesserung der Verdichtungsarbeit beitragen

  • Futter im Silo in dünnen Schichten ablegen, deshalb auf ausreichende Silolänge achten und Walzschleppern mit Horizontalverteilern sowie Erntewagen mit Dosierwalzen ausrüsten.
  • Die Schichtdicke des Futters sollte bei Gras 20 cm nicht überschreiten.
  • Durch langsames Fahren (max. 3 bis 4 km/h), den Einsatz schwerer Walztechnik (Radachslast von mindestens 2 t plus weitere Beschwerung des Schleppers), das Weglassen der Zwillingsbereifung, einen Reifeninnendruck von 2 bar für einen hohen Auflagedruck des Walzschleppers je Zeiteinheit sorgen.
  • Einzelne Futterschichten drei- bis viermal überfahren, ansonsten zwei Silos parallel befüllen oder zusätzlichen Walzschlepper einsetzen oder Bergeleistung reduzieren

Silieren von Gras
Die Walzarbeit ist das Nadelöhr bei der Silierung. Auf die Intensität dieser Arbeit ist höchster Wert zu legen.Dr. Christine Kalzendorf


 

Kontakte

Dr. Christine Kalzendorf

Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung

 0441 801-428

  christine.kalzendorf~lwk-niedersachsen.de


Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau

 0511 3665-4453

  meike.backes~lwk-niedersachsen.de


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