Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!
Webcode:01040554

Grünlandreifeprüfung 2. Mitteilung: Das Ackergras ist schnittreif - Dauergrünland entwickelt sich

Auf den gut versorgten Standorten konnte das Ackergras bis 25.April deutlich an Ertrag und Rohfasergehalt zunehmen und mit rund 54,6 dt TM/ha in Aurich und 63,7 dt TM/ha in Wehnen bei >24 % Rohfaser in der Trockenmasse geerntet werden.

Auf dem Dauergrünland wurde die allgemeine Weidereife mit Rohfasergehalten bei 17% bis 18% und aufgrund der Wuchshöhen voll erreicht. Für den aktuellen Bericht wurden 18 Grünlandstandorte in sechs Klimaregionen erfasstbund deren weitere Entwicklung bis zu acht Tage im Voraus (5. Mai) wurde mit einem Prognosetool des Deutschen Wetterdienstes (DWD) modelliert.

Die Grünlandreifeprüfung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen setzt die Berichterstattung zum Stand der Ertrags- und Qualitätsentwicklung in sechs Klimaregionen sowie von sechs Ackergras- und einem Futterroggenbestand in dieser Woche fort. Für die Prognose der Entwicklung nutzen wir ein Prognosemodell der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Die Ergebnisse unserer Reifeprüfung Grünland und die Wetterprognosen, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereitstellt, werden in diesem Prognosetool verarbeitet um zeitnah eine Prognose für die kommende Woche vom DWD in Brauschweig zur Verfügung zu stellen.

Feldgrasvergleich
FeldgrasvergleichGerd Lange
Stand der Feldgrasbestände

In den Klimaregionen wurden bei Aufwuchshöhen von 33 bis 58 cm Erträge in Höhe von 35,4 dt TM/ha (Weser-Lene Bergland) bis 54,6 dt TM/ha (Küste) ermittelt. Auf den gut versorgten Standorten konnte das Ackergras bis 25.April deutlich an Ertrag und Rohfasergehalt zunehmen und mit rund 54,6 dt TM/ha in Aurich und 63,7 dt TM/ha in Wehnen bei >24 % Rohfaser in der Trockenmasse geerntet werden.

Eher kalte und zu Trockenheit neigende Standorte wie bei Celle im Landkreis Hannover und Bad Laer im Weser-Leine Bergland hatten dagegen eine noch zögerliche Entwicklung und erreichten nur 35,4 dt TM (Bad Laer) bis 38,4 dt TM/ha bei 19,4 bzw. 20,9% Rohfaser (XF ) in der Trockenmasse.

Gering versorgte Standorte im westlichen Niedersachsen ohne mineralische Stickstoffergänzung oder aufgrund von Trockenheit lagen noch deutlicher zurück. Hier wurden Aufwüchse von nur 34 cm bis 41 cm mit Rohfasergehalten von nur 16,1% (Bassum) bis 18,5% (Bawinkel) XF beprobt.

Die Trockenmasseerträge lagen mit 24,8 bis 36,6dt TM/ha ebenfalls noch nicht im zufrieden stellenden Bereich. Dabei weist der Standort Bawinkel mit einem Rohproteingehalt von 19,7 % XP durchaus noch Ertragsvermögen auf. Von 81 kg N/ha aus Kalkammonsalpeter und 90 kg N/ha aus Rindergülle wurden mit 36,6 dt TM/ha bisher 115 kg N/ha vom Pflanzenbestand aufgenommen.

Die in Bassum mit 8,8 % XP in 24,8 dt Trockenmasse gebundene Stickstoffmenge entspricht dagegen nur 35 kg/ha und stellt eine starke Mangelsituation dar. Der rein organisch gedüngte Stickstoff aus dem Wirtschaftsdünger Rindergülle in Höhe von 100 kg N/ha wurde aufgrund der noch nicht genügend erwärmten Böden kaum mineralisiert.

Der untersuchte Futterroggen erreichte am selben Standort und zum selben Termin bei einer Aufwuchshöhe von 98 cm mit 49,8 dt TM/ha und bei 29,2 % XF ein deutlich anderes Niveau und konnte in 13,4% XP rechnerisch 106 kg N/ aufnehmen, obwohl nur 80 kg N/ha aus organischer Düngung zur Verfügung standen. Der Roggen zeigte bereits erste Ährenspitzen und wurde direkt nach der Beprobung geerntet.

Weitere Entwicklung des Ackergrases

Tabelle 2 enthält die vom Deutschen Wetterdienst bereitgestellten Prognosedaten für die Klimaregionen. Zu beachten ist, dass die Klimaregion westliches Niedersachsen mit drei Standorten, die sich in ihrer Entwicklung stark unterscheiden (vgl. zum Stand der Feldgrasbestände) vertreten ist.

Als optimalen Erntezeitraum für die Siloreife empfehlen wir Rohfasergehalte in dem Bereich ab 21 bis 23 % XF i.TM. In aller Regel liegen dann die Rohproteingehalte deutlich unter 18 % XP i.TM, je nach Aufwuchsleistung.

Nachdem einige Ackergrasbestände bereits mit teilweise mehr als 24% XF i. TM geerntet werden konnten, weisen auch die verbliebenen Bestände des Welschen Weidelgrases in der ersten Maiwoche günstige Voraussetzungen für die Einsilierung als Milchviehfutter auf.

Für alle Regionen werden ausreichende Trockenmasseerträge von 46,5 dt/ha im Weser-Leine Bergland bis 64,7 dt/ha an der Küste erreicht sein.

Die Rohfasergehalte (% XF) werden dann auch in den kalten und trockenen Lagen bei mindestens 21,1% XF (Weser-Leine Bergland) bis 22,8% (Hannover-Braunschweig) betragen, so dass der Erntetermin bis zum Wochenende der ersten Maiwoche umgesetzt werden sollte.

Es können dann noch sehr gut zur Milchviehfütterung geeignete, energiereiche Silagen mit 6,3 bis 6,7 MJ NEL/kg TM einsiliert werden. Die Proteingehalte werden aber voraussichtlich nur noch 9,3% bis 12,9% XP in der Trockenmasse betragen.

Mit der Reifeentwicklung nehmen leider auch die Eiweißgehalte in der Pflanze deutlich ab. Rohprotein aus Grassilage wird mit der Rohstoffknappheit auf den Weltmärkten im Bereich der Eiweißfuttermittel besonders wertvoll für Milchviehbetriebe, was für eine tendenziell frühe Nutzung spricht, allerdings sollten die oben genannten Rahmenbedingungen   für einen optimalen Erntetermin (21 bis 23 % XF i.TM; Rohproteingehalte unter 18 % XP i.TM) eingehalten werden, ansonsten wäre das gewonnene Rohprotein weniger gut nutzbar.

GRP-Standorte 2022
GRP-Standorte 2022Gerd Lange

 

 

 

 

 

 

 

Dauergrünland entwickelt sich weiter

Es werden in jeder der sechs Klimaregionen mindestens zwei Standorte beprobt, insgesamt sind es 18 Standorte (vgl. Abb. 1). Zum aktuellen Bericht konnten alle Grünlandstandorte erfasst und eine Prognose erstellt werden.

Weidereife erreicht
Weidereife erreichtGerd Lange
Stand der Entwicklung im Dauergrünland

Auf dem Dauergrünland wurde die allgemeine Weidereife mit Rohfasergehalten bei 17% bis 18% und aufgrund der Wuchshöhen voll erreicht.

Im Weser-Leine Bergland (Landkreis OS) erreichte ein Bestand mit wesentlichen Obergrasanteilen (Wiesenfuchsschwanz) bereits knapp die Siloreife bei 20,9 % XP in 37,4 dt Trockenmasse. Das junge Untergras kann solche Bestände noch auffüllen und die Energiedichte für einige Tage auf hohem Niveau erhalten. In der ersten Maidekade könnte dieser Bestand bei guter Wetterlage aber voraussichtlich einsiliert werden (beobachten).

In den Klimaregionen wurden als Mittelwerte 16,1 dt TM (Nördliches Niedersachsen) bis 26,3 dt TM (Weser-Leine Bergland) mit Rohfaserwerten von 18,0% bis 19,3% XP i.TM ermittelt. Die Eiweiß- und Energiegehalte in den Grünlandbeständen lagen am 25. April noch auf hohem Niveau. Die Eiweißgehalte betrugen etwa 20% XP oder mehr in Trockenmasse und die Energiegehalte lagen bei >7,0 MJ NEL/kg TM. Mit 23,4 % XP i. TM und 7,0 MJ NEL hatten die Grünlandstandorte im nordöstlichen Niedersachsen immerhin bereits 83,5 kg N/ha mit dem Aufwuchs von 22,3 dt Trockenmasse aufgenommen.

Weitere Entwicklung im Dauergrünland

Für die erste Maiwoche sind dringend notwenige Niederschläge nur in geringem Umfang zu erwarten und auch die mittleren Tagestemperaturen verharren weiter auf niedrigem Niveau bei 10 °C.

Dennoch werden im Weser-Leine Bergland bereits 35,8 dt TM/ha (vgl. Tabelle) erreicht. Auch im westlichen Niedersachsen mit 34,1 dt TM/ha und im nordöstlichen Niedersachsen mit 32,8 dt TM/ha werden in den Regionen Erträge über 30 dt TM/ha aufgewachsen sein. In allen Klimaregionen werden dann rund 20% XP (19,6 bis 20,3 % XP) in der Trockenmasse erwartet, so dass bei rasch fortschreitender Entwicklung der Grünlandbestände mit dem Erreichen der Siloreife in der zweiten Maiwoche zu rechnen ist. Auch im Dauergrünland gilt es, die Silage mit einem angemessen hohen Rohproteingehalt, jedoch mit unter 19% XP i. TM einzusilieren. Die Eiweißgehalte reduzieren sich schon bis zum 5. Mai in den meisten Regionen auf diesen günstigen Wertebereich (15,9 bis 17,6% i. TM). Lediglich im nordöstlichen Niedersachsen sind dann noch Rohproteingehalte über 20 % (21,8 % XP i. TM) zu erwarten!

Kontakte

Gerd Lange
Dipl.-Ing. agr.
Gerd Lange

Berater Grünland und Naturschutzprogramme

 04271 945-224

  gerd.lange~lwk-niedersachsen.de


Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau

 0511 3665-4453

  meike.backes~lwk-niedersachsen.de


Mehr zum Thema

GRP-Standorte 2022

Grünlandreifeprüfung - 4. Mitteilung - Grünlandernte ohne Stress

Den Ernteprozess im richtigen Moment zu starten, um hohe Erträge und hohe Futterqualitäten gleichzeitig zu erreichen ist schwierig. Viele Milchviehhalter haben sich bei sehr gutem Erntewetter bereits für eine frühe Mahd zum Beginn…

Mehr lesen...
GRP-Standorte 2022

Grünlandreifeprüfung 3. Mitteilung - Ackergras jetzt einsilieren und Ernte von Dauergrünland beginnt

Viele Feldgrasbestände wurden im Zuge der Vorbereitungen für die Maisbestellung und aufgrund ausreichender Ertrags- und Rohfaserzunahmen bereits frühzeitig geerntet. In diesen Tagen werden letzte Feldgrasbestände und erste Grü…

Mehr lesen...
Grassilageernte

Grassilagen 2022 - Fokus auf hohe Futterwerte

Beste Grundfutterqualitäten zu erzielen, ist eine bekannte Forderung, um wirtschaftlichen Futterbau betreiben zu können. Mit den steigenden Kraftfutterpreisen bekommt diese Forderung eine neue Dimension. Nutzen Sie alle pflanzenbaulichen …

Mehr lesen...
Siliermitteleinsatz

Siliermittel für Gras und Leguminosen dominierte Bestände – gleich mehr Sicherheit im Silo

Mit besseren Gärqualitäten zu höheren Grundfutterleistungen. Silierzusätze, richtig ausgewählt und angewandt, tragen zur verlustärmeren Silierung bei. Je besser es gelingt, Fehlgärungsprozesse zu unterbinden, desto …

Mehr lesen...
GRP-Standorte 2022

Grünlandreifeprüfung 1. Mitteilung - Grasaufwüchse zur Milchviehfütterung

Ackergras- und Dauergrünlandbestände sind gut durch den milden Winter gekommen. Die Voraussetzungen für eine gute Grasernte sind durch ausreichende Niederschläge und ein bisher sehr sonniges Frühjahr gegeben. Die Entwicklung …

Mehr lesen...
Grünroggen

Silierstart mit Winterzwischenfrüchten

Mit Grünroggen, Welschem Weidelgras und dem Landsberger Gemenge beginnt die Siliersaison 2022.  Die aktuelle Preisexplosion zwingt mehr denn je, Futter mit höchster Akzeptanz und Qualität zu bergen. Was es bei der Silierung dieser…

Mehr lesen...

Veranstaltungen

Futter ranschieben

Prüfungsvorbereitungskurs Landwirt (Rind)

Gelassenheit kommt durch Wiederholung und Routine! Leider bleibt in der betrieblichen Ausbildung häufig nicht viel Zeit, um vor der Prüfung noch einmal alle wichtigen Ausbildungsinhalte zu wiederholen und zu verinnerlichen. Vor diesem …

Mehr lesen...
Kochen mit Kindern

Projekt Kochen mit Kindern - Fachfrauen gesucht

Ernährungsbildung an Grundschulen - gefragtes Projekt - Schulung im Mai, Juni  2022 Kinder lieben es, die bunte Welt der Lebensmittel mit allen Sinnen zu entdecken. Sie lieben es, selber zu kochen, gemeinsam zu essen und mehr über …

Mehr lesen...
Klauenpflege

Dreiländertreffen

Der Verein für Klauenpflege und Klauenhygiene e.V. (VKKD) und das Team des Kompetenzzentrums Klaue des Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) Echem, laden am 27. und 28. Mai 2022 alle an der Rinderklaue interessierten Personen aus …

Mehr lesen...
Hamburg Speicherstadt

Zweitägiges Exkursionsprogramm begleitend zum Dreiländertreffen

Am 27. und 28. Mai 2022 findet das Dreiländertreffen der Klaue statt. Für die Begleitpersonen der Tagungsteilnehmer, die gerne die beiden Städte Hamburg und Lüneburg mit ihren historischen Sehenswürdigkeiten erkunden …

Mehr lesen...
Milchübernahme

Weiterbildung Milchsammelwagenfahrer

Dieses Webseminar richtet sich an alle Milchsammelwagenfahrer, die bereits an einer Grundschulung erfolgreich teilgenommen haben.   Inhaltlich werden wir neue Aspekte des Milchrechtes,  aktuelle Punkte bei der …

Mehr lesen...

Schafschurlehrgang für Einsteiger und Fortgeschrittene, vereinfachte Technik für das Scheren mit der Handmaschine

Vereinfachte Technik für das Scheren mit der Handmaschine Zweitägiger Lehrgang im LBZ Echem Ziel ist der sichere Umgang mit der Schermaschine und den Tieren, um die eigenen Schafe sachgerecht schweren zu können. Vermittelt werden…

Mehr lesen...