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Kartoffeln mit Gras silieren?

Webcode: 01040557 Stand: 02.05.2022

Wer selbst über Futterkartoffeln verfügt oder vielleicht nicht mehr vermarktungsfähige Kartoffeln beziehen kann, könnte sie zusammen mit Gras silieren. Landwirte überlegen, dadurch Futterkosten zu sparen. Ob sich das rechnet, hängt u.a. von der Preiswürdigkeit der Kartoffeln ab.

Was dürfen Kartoffeln kosten?
Ob sich der Einsatz roher Kartoffeln lohnt, hängt von ihrem Zukaufspreis im Vergleich zum Preis des zu ersetzenden Futtermittels ab. Für die Berechnung der Preiswürdigkeit in der Rinderfütterung werden im folgenden Beispiel Rapsschrot und Weizen gewählt. Für Milchkühe wurde auf der Basis NEL und nXP und für Mastbullen auf der Basis ME und Rohprotein gerechnet. Um den tatsächlichen Zukaufspreis zu ermitteln, müssen für Lagerung, mögliche Nährstoffschwankungen, zusätzliche Arbeit etc. noch Abschläge vorgenommen werden. Diese hat jeder Landwirt selbst zu kalkulieren. Als Orientierungswert kann mit Risikoabschlägen zwischen 20 und 30 % gerechnet werden.

Tabelle 1: Preiswürdigkeit von Kartoffeln in der Rinderfütterung (gerundet)

bei einem Preis je dt Weizen von 37 € 43€
und einem Preis von je dt Rapsschrot von 45 € 50 € 45 € 50 €

dürfen Kartoffeln für Kühe ...€/dt kosten

dürfen Kartoffeln für Bullen ...€/dt kosten

9,10 €

8,80 €

9,10 €

8,70 €

10,60 €

10,40 €

10,60 €

10,30 €

Wenn Weizen z.B. 43,00 €/dt und Rapsschrot 50 €/dt kosten, sind Kartoffeln inkl. Risikoabschlag von 25 % maximal 7,95 €/dt für Milchkühe wert. Hierbei sind mögliche Transportkosten noch nicht berücksichtigt. 
Kartoffeln haben einen hohen Futterwert, da sie viel Energie in Form von Stärke enthalten. Allerdings sind sie auch sehr wasserreich, der Trockenmassegehalt (TM) liegt im Mittel nur bei 22 %. Mit 8,5 MJ NEL/kg TM sind Kartoffeln so energiereich wie Weizen. Der nXP-Gehalt liegt bei 162 g und der Rohproteinwert bei 96 g/kg TM. Die negative RNB zeigt, dass eine entsprechende Eiweißergänzung notwendig ist. Kartoffeln sind kein Grob-, sondern Saftfutter. Wegen ihres sehr geringen Rohfasergehaltes muss eine ausreichende Strukturversorgung in der Ration gewährleistet sein. Vorteilhaft ist, dass die Kartoffelstärke langsamer als die Getreidestärke im Pansen abgebaut wird. So kann im Durchschnitt mit einer Stärkebeständigkeit von 30 % kalkuliert werden.
Die langsam abbaubare Stärke ist insbesondere für Milchkühe mit hohen Leistungen als günstig anzusehen, da die in den Dünndarm gelangende Stärke über die Umwandlung zu Glukose energetisch besser als im Pansen verwertet wird.

Mischsilierung
Derzeit bietet sich die Silierung zusammen mit angewelktem Gras an. Die Kartoffeln sollten sauber und nicht angefault sein, denn der Schmutzanteil kann die Gärqualität beeinträchtigen und die Bildung von Buttersäure fördern. Die Kartoffeln werden unzerkleinert gleichmäßig in Schichten verteilt. Es kann aber passieren, dass die Tiere die unzerkleinerten Kartoffeln in der TMR selektieren. Um Sickersaft zu vermeiden, sollte der Anteil bei max. 20 bis 25 % Kartoffeln liegen, d.h. ein Verhältnis von 3 bis 4 Teilen Gras zu 1 Teil Kartoffeln. Je trockener die Grassilage ist, desto enger kann das Verhältnis sein.
Beispiel mit 20 % Kartoffeln zu einer Mischsilage mit Gras: 4 Teile Grassilage mit 36 % TM + 1 Teil Kartoffeln mit 22 % TM ergibt eine Mischsilage mit 33 % TM. 
Berechnung der erforderlichen Komponentenanteile für eine Mischsilage mit 34 % TM (Mischungskreuz):

Berechnung der erforderlichen Komponentenanteile für eine Mischsilage mit 34 % TM (Mischungskreuz)
Berechnung der erforderlichen Komponentenanteile für eine Mischsilage mit 34 % TM (Mischungskreuz)Andrea Meyer

 

 

 

 

 

 

Hieraus ergibt sich eine Mischung von Grassilage zu Kartoffeln im Verhältnis 4:1.
Versuche mit Mischungen aus Gras und Kartoffeln im Verhältnis 2:1 zeigen, dass dieses Futter als mittel bis leicht vergärbar einzustufen ist. Die Kartoffeln verschlechtern durch den höheren Wasser- und geringeren Zuckergehalt die Vergärbarkeit der Mischsilage, die aerobe Stabilität der Laborsilagen war in den Versuchen aber nicht verringert.

Abschließend ist zu sagen, dass ein Verfüttern von Kartoffeln nur sinnvoll ist, wenn sie über längere Zeit eingesetzt werden können.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Andrea Meyer

Rinderfütterung, Schweinefütterung, Futterberatungsdienst e.V.

0511 3665-4479

andrea.meyer~lwk-niedersachsen.de

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