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Stand:11.05.2022

Unkrautregulierung mit Striegel und Hacke im Mais

Auf vielen Flächen ist der Mais bereits aufgelaufen, oder die Aussaat ist oder wird in nächster Zeit abgeschlossen. Im Ökolandbau sind der Zinkenstriegel und die Scharhacke zentrale Geräte zur mechanischen Beikrautregulierung. Sie kommen auch zunehmend im konventionellen Maisanbau zum Einsatz.
Was beim Einsatz dieser Technik zu beachten ist, erläutert der folgende Bericht.
 

Regelmäßige Schlagkontrollen 
Der Beikrautregulierungserfolg mechanischer Verfahren hängt im hohen Maß von Beikrautentwicklung, Beikrautarten, Bodenart, Bodenzustand und der Witterung ab. Elementar sind regelmäßige Schlagkontrollen und Beobachtung der Wetterentwicklung. Zudem darf der Zeitaufwand für die korrekte Einstellung von Hacke oder Striegel, sowie für die regelmäßige Kontrolle auf Regulierungserfolg und Kultur-pflanzenverluste während der Arbeit nicht unterschätzt werden.

Zinkenstriegel frühzeitig einsetzen
Der Mais ist aufgrund der weiten Reihenabstände grundsätzlich eine Hackfrucht. Nur allein mit der Scharhacke ist aber eine wirksame mechanische Beikrautregulierung nicht abzusichern. Flankierend unterstützt der Zinkenstriegel maßgeblich den Regulierungserfolg, da sich mit ihm schon frühzeitig nach der Saat und nach dem Aufgang der Beikrautbesatz deutlich reduzieren lässt. Die Hauptwirkung des Striegels ist das entwurzeln und Verschütten der kleinen Beikräuter. Trockenes, sonniges und windiges Wetter fördern die regulierende Wirkung. Den höchsten Wirkungsgrad erzielt der Striegel im frühen Fädchen- und Keimblattstadium der Beikräuter. Unter guten Bedingungen sind in diesen frühen Beikrautstadien Wirkungsgrade von etwa 80 Prozent je Striegeldurchgang möglich. Mit zunehmender Entwicklung der Beikräuter, nimmt die Wirkung des Striegels allerdings deutlich ab.

Blindstriegeln im Vorauflauf
Bereits wenige Tage nach der Aussaat kann ein erstes Blindstriegeln im Vorauflauf erforderlich sein. Da der Mais auf etwa 4 bis 6 cm Tiefe abgelegt wird, ist ein intensiveres Striegeln im Vorauflauf auch gut möglich. Mit jedem Striegeldurchgang wird erneut Boden bewegt, wodurch weitere Beikrautsamen zum Keimen angeregt wer-den. Deshalb sind weitere Striegeleinsätze an erneut keimenden Beikräutern auszurichten. 


Striegeleinsatz im Nachauflauf
Im Nachauflauf bleibt der Striegel ein zentrales Regulierungsgerät in Ergänzung zur Scharhacke. Auch hier gilt der gezielte Einsatz in den genannten frühen Bei-krautstadien. Es müssen beim Striegeln aber die Verträglichkeiten in den frühen Entwicklungsstadien der Maispflanzen beachtet werden. 
Der Mais ist striegelempfindlich wenn der Keimling kurz vor dem Durchstoßen der Bodenoberfläche ist, oder sich bereits im Aufgang befindet. Ein Striegeln sollte in dieser Phase besser unterbleiben. Die Striegelverträglichkeit verbessert sich ab dem 1. Laubblattstadium (BBCH 11) des Maises. In dieser Phase muss mit reduzierter Ar-beitsgeschwindigkeit (ca. 3 – 5 km/h) und ggf. geringerem Striegelzinkendruck, oder verringertem Anstellwinkel der Zinken gearbeitet werden. Grundsätzlich muss die Striegeleinstellung und Arbeitsgeschwindigkeit immer standort- und kulturspezifisch erfolgen. Striegeltechnik mit indirekter Federung, wo jeder Zinken einzeln über eine Zug- oder Druckfeder (herstellerabhängig) verbunden ist, haben besonders in den frühen Kulturstadien Vorteile. Die Zinken passen sich der Bodenoberfläche sehr gut an. Dadurch entsteht eine ganzflächige, gleichmäßige und kulturscho-nende Arbeitsweise der Zinken.

Erst ab Mittag striegeln
Das Striegeln sollte grundsätzlich frühestens erst ab dem Spätvormittag mit anstei-genden Temperaturen erfolgen. Dann nimmt der Zelldruck in den Pflanzen ab und die Maispflanzen sind elastischer. Sie brechen dann nicht so schnell ab, wenn die Striegelzinken sie berühren
Bei Striegeleinsätzen im Nachauflauf ist darauf zu achten, dass die Maispflanzen nicht durch eine zu hohe Arbeitsgeschwindigkeit verschüttet oder schräg gestellt werden. Sie richten sich nur sehr langsam wieder auf und bleiben in der weiteren Entwicklung zurück.

Quer zur Särichtung striegeln
Beim Einsatz der Scharhacke werden die Beikräuter zwischen den Maisreihen vergleichsweise sicher reguliert. Dagegen kann sich innerhalb der Maisreihen schnell ein hoher Beikrautbesatz aufbauen. Ein Striegeln diagonal oder quer zur Särichtung kann diese Verkrautung vor allem nach einem Durchgang mit der Scharhacke besser erfassen als ein Striegeln in Särichtung und so den Regulierungserfolg wesentlich erhöhen. Im Nachauflauf sind Pflanzenschäden durch die Schlepperräder nicht auszuschließen. Der Beikrautregulierungserfolg dieser Maßnahme kann jedoch sehr hoch sein. 

Grundsätze zum Einsatz der Scharhacke
Beim Einsatz der Scharhacke sollte so flach wie möglich gehackt werden. Die Beikräuter ganzflächig abzuschneiden, muss jedoch stets gewährleistet sein. Eine zu tiefe Bearbeitung ist zu vermeiden, da verstärkt Samen in Keimstimmung gebracht werden können. Außerdem wird viel feuchter Boden an die Oberfläche geholt, was sich negativ auf den Bodenwasserhaushalt auswirkt. Auch die Erosionsgefahr kann durch ein zu tiefes Hacken und einer zu intensiven Lockerung des Bodens zunehmen. 
Für den Bereich zwischen den Kulturpflanzenreihen stehen eine Vielzahl verschiedener Hackwerkzeuge wie Gänsefußschare, Flachhackmesser oder Winkelmesser zur Verfügung. Sie müssen auf die regionalen Standortbedingungen abgestimmt sein. Arbeiten mehrere Schare zwischen den Reihen, ist auf ein Überlappen der Schare zu achten um ein vollflächiges Hacken zu garantieren. 
Ziel ist es die Schare so nahe wie möglich an der Kultur zu führen, ohne sie dabei zu verschütten oder zu schädigen. In kleinen Kulturstadien sind deshalb Schutzscheiben oder Schutzbleche an der Scharhacke erforderlich. Das gilt besonders bei kamerageführten Scharhacken. Mit ihnen lassen sich höhere Arbeitsgeschwindigkeiten realisieren. Dadurch erhöht sich auch der seitliche Erdwurf der Hackmesser, wodurch die Verschüttungsgefahr ansteigt.

Beikrautregulierung innerhalb der Maisreihen
Die entscheidende Frage ist, wie die Beikäuter innerhalb der Maisreihen reguliert werden können? Der Einsatz des Zinkenstriegels quer oder diagonal zur Särichtung ist als eine wirksame Möglichkeit schon erwähnt worden. Daneben stehen diverse Zusatzaggregate wie Fingerhacke, Torsionszinken oder Rollstriegel zur Verfügung, die sich mit der Scharhacke kombinieren lassen. Sie können den Regulierungserfolg wesentlich verbessern. Zur Unterdrückung von Spätverkrautung ist mit dem letzten Hackdurchgang die Einsaat einer Untersaat überlegenswert.

Hohe Wirkungsgrade durch Anhäufeln 
Werkzeuge mit häufelnder bzw. verschüttender Wirkung sind im Mais sehr gut einsetzbar. Sie sind preiswert und können einen guten Verschüttungseffekt bei den Beikräutern erzielen. Häufelnde Werkzeuge müssen präzise eingesetzt werden. Werden die Maispflanzen durch die häufelnde Erde zur Seite gedrückt oder sogar verschüttet, richten sie sich nur langsam wieder auf und bleiben im Wuchs deutlich zurück. Einsetzbar sind Flachhäuflerschare oder Häufelschare die an den Hackscharen montiert werden. Im Mais gut einsetzbar ist auch die Rollhacke. Sie kann je nach Werkzeugeinstellung sowohl von der Maisreihe „weghäufeln“ als auch zur Reihe häufeln. 

Kartoffelhäufeltechnik einsetzen
Ab etwa 30 bis 40 cm Wuchshöhe bis kurz vor dem Reihenschluss kann auch kostengünstige Häufeltechnik aus dem Kartoffelanbau als Abschlussmaßnahme zum Einsatz kommen. Diese Technik ist mit 75 cm Reihenabstand auch im Mais gut einsetzbar. Eigene Versuche haben gezeigt, dass sich beachtliche Regulierungserfolge erzielen lassen und der Mais das Häufeln auch gut verträgt. Zudem bewirkt das Häufeln eine schnellere Erwärmung des Bodens, was wiederum zur Nährstoffmobilisierung und somit auch das Maiswachstum verbessern kann. Zu beachten ist, dass die Beikräuter innerhalb der Maisreihen durch das Anhäufeln vollständig ver-schüttet werden müssen. Sie werden sonst auch durch das Häufeln im Wachstum begünstigt.

 

Einsatz des Zinkenstriegels im Mais
Einsatz des Zinkenstriegels im MaisMarkus Mücke

Striegeln von Mais im Ökolandbau
Striegeln von Mais im ÖkolandbauMarkus Mücke

Anhäufeln von Ökomais
Anhäufeln von ÖkomaisMarkus Mücke

Angehäufelter Öko-Mais
Angehäufelter Öko-MaisMarkus Mücke

 

Kontakte

Markus Mücke
Dipl.-Ing. agr.
Markus Mücke

Berater Ökologischer Ackerbau, Mechanische Beikrautregulierung, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau

0511 3665-4378

0511 3665-994378

  markus.muecke~lwk-niedersachsen.de


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