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Stand:30.05.2022

Gute Qualität in Rundballen – nicht nur eine Frage der Technik

Den optimalen Schnittzeitpunkt je nach Reife des Gras- oder auch Leguminosenbestandes exakt zu treffen, lässt sich durch das Rundballenverfahren gut umsetzen. Es müssen aber auch die Anwelkbedingungen passen, denn formstabile Ballen sind auch für die Siliergüte maßgebend.  Worauf beim Silierverfahren des Weiteren zu achten ist, wird nachfolgend beschrieben. 

Im Allgemeinen wird das Verfahren der Silierung von Gras in Rundballen aufgrund der geringen Flächenleistung für geringe Erntemengen empfohlen. Der Einsatz ist aber auch speziell dort sinnvoll, wo es gilt, unterschiedlich heranwachsende Bestände exakt zum optimalen Schnittzeitpunkt zu ernten.

Die Einbindung von Leguminosen auf Acker- oder auch Grünlandflächen nimmt aktuell mit der Zielsetzung zu, mehr Protein aus dem Grundfutter zu erzeugen. Hierbei kommt es besonders auf die Einhaltung des optimalen Schnittzeitpunktes an. Viel Rohprotein ist durch die Leguminosen dann zu erwarten, wenn sie  sich als Hauptbestandesbildner in der Knospe bis Beginn der Blüte befinden. Damit ist der erste Grundstein für nährstoffreiches und gut verdauliches Futter gelegt. Für diese Fälle bietet sich die Rundballensilierung gleichfalls an, zumal das Futter sehr gezielt in die Futterration eingebunden werden kann.

2016 DLG Murten
2016 DLG MurtenDr. Christine Kalzendorf
Im Allgemeinen gelten bei der Rundballenbereitung die gleichen pflanzenbaulichen und siliertechnischen Anforderungen wie bei der Silierung im Fahrsilo:

Ein gut gepflegter und schmutzarm geernteter Pflanzenbestand ist neben dem richtigen Schnittzeitpunkt maßgebend für  den Nährstoff- und Energiegehalt des Futters sowie für die Gärqualität. Das rasche Anwelken, zügige Bergen und die sorgfältige, luftdichte Siloabdeckung gehören zu weiteren wesentlichen Maßnahmen, die den Siliererfolg bestimmen.

 

Konservierungsverfahren auf drei Säulen

Das Verfahren der Rundballenbereitung zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. So wird die Verdichtungsarbeit ausschließlich durch den Pressdruck bestimmt. Die Herstellung von kompakten und formstabilen Ballen gelingt bei Trockenmassegehalten von 40 bis 50 % am besten. In diesem  Anwelkbereich siliert das Futter nur noch schwach. Die Säurebildung allein wäre für die Konservierung unzureichend, denn der pH-Wert wird nicht ausreichend zur Keimunterdrückung gesenkt. Demzufolge muss es zur Haltbarmachung noch andere Wirkmechanismen geben. Das sind der Trockenmassegehalt und die Kohlendioxidatmosphäre. Ein wesentlicher Teil unerwünschter Gärkeime ist bereits durch den erhöhten Trockenmassegehalt des Futters inaktiviert. Dem gleichmäßigen  Anwelken des Futters ist deshalb entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Häufig sind für den Verderb von Rundballen jedoch Verschimmelungsprozesse verantwortlich. Um den Stoffwechsel von Hefe- und Schimmelpilzen  hinreichend zu unterbinden, hat auch die Kohlendioxidbildung im Ballen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Nach dem Einwickeln der Rundballen in Folie wird das Kohlendioxid vorrangig durch Atmungsprozesse gebildet. Je länger das Gas im Ballen verbleibt und kein Sauerstoff durch Beschädigungen eindringen kann, desto wirksamer lassen sich auch diese beiden Keimarten unterdrücken.

Insofern beruht die Konservierung des Grases im Rundballen auf drei Säulen: der Trocknung, der Kohlendioxidbildung und der Säuerung. Mit siliertechnischen Maßnahmen und dem entsprechenden Augenmerk bei der Lagerung ist es möglich, unterstützend auf eine möglichst verlustarme Rundballenbereitung einzuwirken.

Maschinenvorführung 2019
Maschinenvorführung 2019Dr. Christine Kalzendorf

Hohe Lagerungsdichte anstreben

Sind Rundballen kompakt und formstabil, so ist dies ein erster Hinweis für eine hohe Lagerungsdichte. Eine Lagerungsdichte zwischen 150 und 170 kg TM/m³ wird zum einen, wie oben beschrieben, durch das entsprechende Anwelken erreicht. Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, wirkt sich das  Erreichen des gewünschten Anwelkereiches von 40 bis 50 % nicht nur positiv auf die Lagerungsdichte aus, sondern auch auf den Folienverbrauch und die Anzahl der Ballen.

Einen vergleichbaren Effekt hat das Zerkleinern des Futters. Damit lässt sich der Verdichtungsgrad nachweislich um 6 bis 12 % erhöhen. Demzufolge ist es immer ratsam, den vollen Messersatz der Pressen zu nutzen.

Für eine gute Arbeit der Rundballenpresse ist des Weiteren ein gleichmäßiger Gutstrom von der Pick-up bis zum Presskanal wichtig. Dies setzt Schwadgrößen voraus, welche gleichmäßig und in voller Breite von der Pick up aufgenommen werden können. Massereiche Schwade lassen sich durch den Einsatz der Großschwadertechnik trotz der ertragsschwachen Sommergrasbeständen herstellen. Zudem beeinflusst der Pressentyp selbst die Kompaktlagerung des Futters. Mit Vario-Pressen (Pressen mit veränderlicher Wickelraumgröße) wird das Futter durch umlaufende Bänder oder Stabketten kontinuierlich gepresst. Im Gegensatz zu den Konstantpressen (Pressen mit konstanter Wickelraumgröße)  zeichnet sich diese Pressmethode durch eine bessere Verdichtung im Ballenkern sowie durch eine gleichmäßigere Dichtlagerung des gesamten Ballens aus.

Das Bindungsverfahren beeinflusst gleichfalls die Pressleistung. Hierbei hat sich vor allem die Netzbindung aufgrund ihrer besseren Leistung gegenüber der Kunststoffgarnbindung bewährt. Mit der Folienbindung wird auf dem Markt eine weitere und interessante Methode des Bindungsverfahrens angeboten. Interessant vor dem Hintergrund, weil das Futter durch diese Folienumspannung mit einer ersten schützenden Schicht umhüllt wird. So wird zum einen das Risiko vermindert, dass Stängelteile später die Stretchfolie beschädigen. Zum anderen wird mit dieser Folienschicht der Gasaustausch weiter erschwert.

Als Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass es verschiedene Einflussmöglichkeiten zum Erreichen hoher Lagerungsdichte des Futters von Rundballen gibt. Sie beginnen auf dem Feld mit dem Anwelken und der Schwadbearbeitung und setzen sich durch technische Einstellungen der Presse fort. Hohe Lagerungsdichten wirken sich nicht nur positiv auf die Stabilität der Futterkonserve aus, sondern auch auf die Anzahl der Ballen, den Folienverbrauch und damit auf die Kosten.

Tipps für einen sicheren Luftabschluss

Ein sicherer Luftabschluß ist für das Einsetzen der Gärprozesse als auch für das hinreichende Ausschalten von Schimmelpilzen und anderen Störkeimen wichtig.

Rundballen dehnen sich nach dem Pressen und Binden in aller Regel wieder etwas aus. Dieser Vorgang ist mit einem erneuten Eindringen von Sauerstoff in tiefere Futterschichten verbunden. Deshalb sollte das Einwickeln der Ballen mit Folie so rasch wie möglich nach dem Bindevorgang erfolgen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erscheinen Press-Wickel-Kombinationen als optimale Technik, denn hierbei wird der Ballen sofort nach dem Pressen auch eingewickelt. Allerdings muss der Ballen anschließend noch zum Lagerplatz gebracht werden. Damit besteht sowohl beim Auf- als auch beim Abladen und Umsetzen des Ballens eine erhebliche Beschädigungsgefahr der Stretchfolie. Falls undichte Stellen (Löcher, Risse oder Striemen) festgestellt werden, sind diese sofort am Lagerplatz mit Stretchfolien-Klebeband zu verschließen.

Das separate Pressen und Wickeln als zweistufiges Verfahren hat demzufolge auch seine Vorteile, denn hier wird der Rundballen nach dem Wickeln nur noch wenig bewegt. Das Risiko von Schäden der Stretchfolie ist somit geringer. Keinesfalls sollte aber zwischen dem Pressen und Wickeln der Ballen ein Zeitraum von 2 Stunden überschritten werden. Je nach Lagerungsort der Ballen ist hierfür eine entsprechend durchdachte Logistik erforderlich. 

Für einen hinreichenden Luftabschluss ist erwartungsgemäß das Einstretchen selbst von Bedeutung.

Qualitativ hochwertige Stretchfolien zeichnen sich durch eine hohe UV-Stabilität, eine geringe Gasdurchlässigkeit sowie durch einen hohen Klebeeffekt aus. Vor dem Kauf sollte man sich über diese Eigenschaften gut informieren und auf DLG-geprüfte Ware  sowie auf eine vom Hersteller zugesicherte UV-Stabilität von mindestens 1 Jahr achten. Vorsicht ist vor dem Gebrauch von überlagerten Folien geboten, denn diese weisen meistens eine verminderte UV-Stabilität als auch reduzierte Klebeeigenschaften auf.

Für das Einhüllen der Rundballen mit Stretchfolie werden eine 50-ige Überlappung sowie eine 6-fache Folienlage empfohlen. Die Anzahl der Folienlagen hat Einfluss auf die Gasdurchlässigkeit und damit auf den Besatz an Störkeimen. Insofern sollte man hier nicht am falschen Ende sparen und notfalls bei sehr sperrigem, überständigem Futter eine 8-fache Umwickelung anstreben.

Weiße Folie hat gegenüber dunkler Folie den Vorteil, dass sie das Sonnenlicht reflektiert und sich somit die Randschichten nicht übermäßig erwärmen. Ein zu starkes Aufwärmen des Futters kann ansonsten zur Bildung von Verdunstungs- bzw. Kondensationswasser führen. In einigen Fällen ist dieser Vorgang Ursache für das Verpilzen der Außenschichten.

Tipps zur richtigen Lagerung

Die mit Stretchfolie eingewickelten Rundballen sind sehr beschädigungsempfindlich. So kann die Folienhülle beim Auf- und Abladen sowie bei jedem Umsetzen Schaden nehmen.  Auch die kleinsten Löcher und Risse in der Folie stellen Eintrittspforten für Luft dar und sind Ausgangspunkt für das Verschimmeln und Warmwerden des Futters.

Die Stirnseite der Rundballen enthält durch das Wickeln die meisten Folienschichten und bietet daher den größten Schutz. Insofern sind Rundballen wie Fässer aufzustellen. Schäden durch Nagetiere oder Vögel kann man begegnen, wenn man die Rundballen auf festen Untergrund stellt und diese zusätzlich mit einem Schutznetz abdeckt.

Die Sauerstoffdurchlässigkeit der Folie steigt im Allgemeinen mit der Temperatur.  Gewisse Austauschvorgänge sind hierbei normal und nicht beeinflussbar. Die Gasdurchlässigkeit kann dennoch bei hoher Anzahl der Folienschichten und qualitativ hochwertigen Folien gering gehalten werden. Es empfiehlt sich des Weiteren, die Rundballen an einem schattigen Ort zu lagern. 

Eine regelmäßige Kontrolle der Ballen und das sofortige Verschließen der festgestellten Löcher tragen zum Qualitätserhalt des Futters bei.

Die Herstellung von Ballensilagen für die Pferdefütterung erfordert häufig noch weitere, verderbschützende Maßnahmen, da das Futter meist sehr spät geschnitten wird. Die harten Stängel  durchstechen rasch die dünne Folienschicht, zumal Pferdehalter oftmals gänzlich auf den Messereinsatz der Pressen verzichten. Was es zu beachten gilt, um Verderbprozesse zu begrenzen und den notwendigen, hygienischen Ansprüchen gerecht zu werden, ist im Kasten zusammenfassend beschrieben.


 

Besonderheiten für die Bereitung von Rundballensilage (Heulage) für Pferde

Wenn das Silierverfahren perfekt gehandhabt wird, ist die in Rundballen gelagerte Heulage im Vergleich zum Heu ein relativ staubarmes Futter.

Folgende Besonderheiten gilt es zu beachten:

1. Das Erntegut ist in aller Regel überständig und lässt sich daher schwerer verdichten. Zudem ist der Keimbesatz von älterem        Futter oftmals ungünstig.

           Gegenmaßnahmen:

  • Extrem späten Schnitt und Rohfasergehalte über 27 % vermeiden.
  • Auf Schnitthöhen von mindestens 7 cm achten.
  • Siliergut zumindest so zerkleinern, dass Schnittlängen von unter 20 cm gesichert sind.
  • Rundballen mit mindestens 8-Folienlagen versehen.
  • Gegebenenfalls entsprechende Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 zusetzen.

 

2. Der Pflanzenbestand von Pferdewiesen und –weiden ist im Allgemeinen mit wenig hochwertigen Gräsern behaftet, was die      Silierbarkeit des Futters beeinträchtigt    

           Gegenmaßnahmen:

  • Durch jährliche Nachsaaten und regelmäßige Grünlandpflege Einfluss auf die Grünlandnarbe und ihre Grasartenzusammensetzung nehmen.

 

3. Durch den Tritt und Bewegungsdrang der Tiere ist die Grünlandnarbe häufig lückig. Das kann den Schmutzeintrag während     der Ernte fördern. 

           Gegenmaßnahmen:

  • Auf Schnitthöhen von mindestens 7 cm achten.
  • Für schonende Schwadbearbeitung sorgen und Zinkengeräte so einstellen, dass sie wenig Bodenberührung haben.

 


Kontakte


Dr. Christine Kalzendorf

Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung

0441 801-428

0152 5478 2428

christine.kalzendorf~lwk-niedersachsen.de

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