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Getreide- und Ölsaatenmarkt: USDA-Bericht Juni 2022

Die Nervosität an den Agrarmärkten steigt, denn die Sorgen um eine globale Nahrungsmittelkrise nehmen zu. Der Versuch, Wege zu finden, um die ukrainische Ernte doch noch über die Seewege auf den Weltmarkt zu bringen, führte bisher nicht zum Erfolg. Mit Spannung wurde daher kurz vor dem Beginn des neuen Wirtschaftsjahres die Einschätzung des US-Agrarministeriums zur globalen Versorgungslage erwartet. Hier interessierten insbesondere die Produktionsprognosen für den Weizen- und Maismarkt, ebenso wie die möglichen Exportzahlen für Russland und die Ukraine. Im folgenden Text haben wir die Ergebnisse zusammengefasst.

Prognosen des US-Agrarministeriums für die kommende Saison:

Getreideernte
GetreideernteWalter Hollweg

Weizen: In Indien weniger, in Russland mehr Weizen; Globale Endbestände fallen auf 6-Jahres-Tief

Welt 22/23: Im Vergleich zum Vormonat hat sich das globale Weizenangebot leicht verringert. Dabei wirkte sich die geringere Produktion Indiens stärker aus als die erhöhte Prognose für Russland. In Indien hat die Hitzewelle im April/Mai zu Produktionseinschränkungen in Höhe von 2,5 Mio. t auf 106 Mio. t geführt. In Russland begünstigte die Witterung dagegen das Wachstum und die Weizenproduktion wurde von den US-Experten um 1 Mio. t auf 81 Mio. t erhöht.

Verbrauch und Handel: Der globale Weizenverbrauch wurde um 1,5 Mio. t auf 786 Mio. t gesenkt. Ausschlaggebend waren dabei Abwärtskorrekturen für Indien, Sri Lanka und Argentinien. Auch für den Handel gingen die Prognosen leicht zurück. Wie bei der Produktion sind es wieder einmal Indien und Russland, die hier für Veränderungen sorgen. Für Indien wird eine um 2 Mio. t geringere Exportmenge auf nun 6,5 Mio. t geschätzt. Vor der Hitzewelle lagen die optimistischen Prognosen noch bei 10 Mio. t. Nun versucht die Regierung mit Exportbeschränkungen die heimische Versorgungslage zu sichern. Mit der hohen Ernteerwartung für Russland steigt auch die mögliche Exportmenge um 1 Mio. t auf 40 Mio. t und nähert sich damit einem Rekord-Hoch.

Endbestände: Die Weltendbestände 22/23 gehen im Vergleich zur letzten Schätzung um 0,2 Mio. t auf 266,9 Mio. t zurück und fallen damit auf ein 6-Jahres-Tief. Für 21/22 wurden sie auf 279,4 Mio. t geschätzt. Die Welt ohne China verfügt demnach zum Ende des neuen Wirtschaftsjahres nur noch über 125,33 Mio. t (Vorjahr 137,48 Mio. t).

Ein Blick auf die Ukraine:

Die Produktion wird auf 21,5 Mio. t geschätzt und bleibt damit unverändert zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich jedoch ein Defizit von ca. 12 Mio. t. Wie erwartet gehen auch die Exporte zurück. Diese belaufen sich auf nur noch 10 Mio. t (Vorjahr 19 Mio. t). Die Endbestände werden mit 6,01 Mio. t angegeben (Vorjahr 5,61 Mio. t).

Reaktionen an der Börse: Für den September-Kontrakt ging es an der Matif vor dem Wochenende bergauf. Ein geringeres Weizenangebot und sinkende Endbestände sorgten für Unterstützung. In Chicago erreichte der Juli-Kontrakt in Chicago 1.081,25 ct/bu, gab aber zum Handelsschluss auf 1.070,75 ct/bu nach.

Mais: Weltendbestände erreichen knapp das Vorjahresniveau; Prognosen für Ukraine erhöht

Welt 22/23: Die globale Maisproduktion 22/23 wurde im aktuellen USDA-Report um ca. 5 Mio. t nach oben korrigiert. Nun erwarten die US-Experten eine Menge von 1,186 Mrd. t. Optimistischer als noch im Vormonat fielen dabei die Prognosen für die Ukraine aus. Während im Mai die dortige Erntemenge auf nur noch 19,5 Mio. t geschätzt wurde, erhöhte sie sich nun auf 25 Mio. t. Keine Änderungen wurden für die südamerikanische Erntemenge vorgenommen. Wie im Vormonat wird die Ernte in Brasilien auf 126 Mio. t geschätzt (Vorjahr 116 Mio. t) und für Argentinien auf 55 Mio. t (Vorjahr 53 Mio. t).

Handel: Die globale Exportmenge ging leicht auf 182,67 Mio. t zurück. Für die EU gab es Erhöhungen bei den Importen um 1 Mio. t auf 16 Mio. t. Reduktionen wurden für Marokko, Jordanien und Peru vorgenommen. Die Importe Chinas blieben unverändert zum Vormonat bei 18 Mio. t. Damit fallen sie jedoch um 5 Mio. t geringer aus als im Vorjahr und um 11,5 Mio. t als in 21/21.

Endbestände: Wie die Produktion erhöhten sich auch die Weltendbestände beim Mais um ca. 5 Mio. t auf 310,45 Mio. t, damit wird das Vorjahresergebnis knapp wieder erreicht. Erhöhungen wurden für die Ukraine, die USA und auch Russland genannt.

Ein Blick auf die Ukraine:

Die Produktion 22/23 wurde im Vergleich zum Vormonat deutlich um 5,5 Mio. t erhöht. Dennoch spiegeln sich die schwierigen Umstände in den Zahlen wider. Denn die Produktionszahlen in den Vorjahren beliefen sich deutlich höher auf 30,3 Mio. t in 20/21 bzw. 42,13 Mio. t in 21/22. Gravierende Auswirkungen zeigen sich dabei auch bei den Exportzahlen. Diese fallen auf 9 Mio. t zurück nach 23 Mio. t im Vorjahr. Gleichzeitig erhöhen sich die Endbestände 22/23 auf 12,07 Mio. t (Vorjahr 21/22 6,77 Mio. t).

Reaktionen an der Börse: Trotz der höheren Endbestände schafften es die Börsenkurse im grünen Bereich zu schließen. Matif-Mais erreichte 334,75 EUR/t. An der US-Börse hangelte sich der Frontmonat auf 773,25 ct/bu.

Ölsaaten: Südamerikanische Produktion unverändert zum Vormonat; Weltrapsproduktion steigt

Welt 22/23: Die globale Ölsaatenproduktion wird nach Einschätzung des USDA im Vergleich zum Vormonat leicht um 0,3 Mio. t sinken. Dabei wurde die Senkung des Sonnenblumenanbaus teilweise ausgeglichen durch höhere Raps- und Sojabohnenmengen. Die Sonnenblumenproduktion wurde für die Ukraine gesenkt, Sojabohnen dagegen erhöht. In Australien wird mehr Raps erwartet. Hier schlägt eine größere Fläche zu Buche. Die Produktion für Südamerika blieb im Vergleich zur letzten Schätzung unverändert bei 51 Mio. t für Argentinien und 149 Mio. t für Brasilien.

Endbestände: Die globalen Endbestände 22/23 wurden um 0,9 Mio. t auf 100,5 Mio. t erhöht. Als Ursache wurden höhere Anfangsbestände für Argentinien und Brasilien genannt. Die Erntemengen 21/22 wurden für Argentinien aufgrund besserer Erträge um 1,4 Mio. t auf 43,4 Mio. t erhöht, für Brasilien wegen einer größeren Anbaufläche um 1 Mio. t auf 126 Mio. t. Die Differenz zu den Vorjahresendbeständen beläuft sich auf ca. 14 Mio. t.

Raps: Die globale Rapsproduktion 22/23 hat das US-Agrarministerium auf knapp 80,8 Mio. t geschätzt. Das entspricht einem Plus von 9,4 Mio. t zum Vorjahr. Deutliche Erhöhungen gab es dabei für Kanada (+7,4 Mio. t) und die EU (+1 Mio. t).

Reaktionen an der Börse: Nach einer sehr volatilen Kursentwicklung im Vorfeld des USDA-Berichtes schloss der Frontmonat an der Matif bei 785 EUR/t. Sojabohnen verloren angesichts der höheren Endbestände und rutschten an der US-Börse auf 1.745,50 ct/bu zurück.

 

 

USDA Juni 22

Erwartungen

USDA Mai 22

Weizen

Weltendbestände 22/23 (Mio. t)

266,85 (-)

267,18

267,02

US-Endbestände 22/23 (bn bu)

0,627 (+)

0,614

0,619

Mais

Weltendbestände 22/23 (Mio. t)

310,45 (+)

305,10

305,13

US-Endbestände 22/23 (bn bu)

1,400 (+)

1,340

1,360

Soja

Weltendbestände 22/23 (Mio. t)

100,46 (+)

99,77

99,6

US-Endbestände 22/23 (bn bu)

0,280 (-)

0,307

0,310

(-) unter Erwartungen

(+) über Erwartungen

Quelle: USDA/BQCI

Kontakte

Stephanie Stöver-Cordes
Dipl.-Ing. agr.
Stephanie Stöver-Cordes

Fachreferentin

0441 801-351

  stephanie.stoever-cordes~lwk-niedersachsen.de


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