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Teil 2: Ganzkörperanalysen für die Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen von langsam wachsenden Mastherkünften und Bruderhähnen

In zwei Projekten der LWK Niedersachsen zur Erfassung der Nährstoffausscheidungen von langsam wachsenden Mastherkünften und Bruderhähnen wurden die im Tierkörper eingelagerten Nährstoffe (Stickstoff [N] und Phosphor [P]) von den mit dem Futter aufgenommenen Nährstoffen abgezogen.

Die Differenz, verrechnet mit den Nährstoffeinträgen über die Eintagsküken, ergibt die Brutto-Nährstoffausscheidungen, von denen im Hinblick auf die Düngeverordnung die Stall- und Lagerverluste noch abgezogen werden müssen. Je kg Ganzkörper wurden zunächst 30 g N und 4,0 g P kalkuliert: Mit diesen Werten der DLG wurden die Nährstoffausscheidungen sämtlicher Hähnchenmastverfahren in der Düngeverordnung berechnet. Die Verfahren sind im DLG-Band 199 „Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere (2014) beschrieben. Da es für langsam wachsende Masttiere und Bruderhähne bisher keine anderen offiziellen Werte gibt, hat die LWK Niedersachsen Ganzkörperanalysen im Rahmen einer Masterarbeit (Kooperation: Institut für Tierernährung, Braunschweig) zur Aktualisierung dieser Werte durchgeführt. Bereits im Teil 1 des Berichtes wurde die Nährstoffbilanzierung langsam wachsender Mastlinien dargestellt.

Durchführung der Ganzkörperanalysen

Die am Tag der Schlachtung gefallenen oder während des Transports verendeten Tiere wurden von sämtlichen Federn (Nassrupfung) befreit. Der Kropf sowie der Magen-Darm-Trakt wurden aus dem Tierkörper entnommen und die Inhalte entfernt. Anschließend wurden dem gereinigten Tierkörper Kropf und Magen-Darm-Trakt wieder zugeführt und dieser eingefroren. Die gefrorenen Ganzkörper wurden mit einer Knochenmühle homogenisiert und anschließend gefriergetrocknet. Trockensubstanz und Restfeuchte wurden ermittelt und die Proben auf Rohasche-, Stickstoff-, Phosphor-, und Kaliumkonzentration untersucht (LUFA Nord-West).

Die Federn aus der Rupfung wurden als Poolprobe aller Tiere einer Linie zusammengefasst, nach Trocknung gemahlen und ebenfalls auf die o.g. Parameter analysiert und mit in die Berechnung der Nährstoffgehalte für den Ganzkörper (Tierkörper, inkl. entleerter Kropf, Magen-Darm-Trakt, Federn) einbezogen.

Ergebnisse

Wie in der praktischen Probenaufbereitung gezeigt werden konnte, weist ein Ganzkörper der Bruderhähne eine Federmasse von ca. 80 bis 140 g auf. In diesen Federn sind je nach Genetik 23 bis 33 % des N-Gehaltes des gesamten Ganzkörpers enthalten. Der N- und P-Gehalt der untersuchten Ganzkörper weicht erheblich von den pauschal kalkulierten Werten der DLG ab.

Tabelle 1: Ergebnisse der Ganzkörperanalysen von langsam wachsenden

                Masthähnchen und Bruderhähnen

 

Lebend-

masse, kg

N

g/kg OS

P

g/kg OS

Langsam wachsende Herkünfte (Hubbard ISA JA 757)

  • männlich (n=11, Schlachtalter 58 Tage)
  • weiblich (n =11, Schlachtalter 58 Tage)            

 

2,6

2,2

 

32,9

33,7

 

4,8

5,0

Bruderhähne (n=16, braune Linie, Bovan brown)*

Bruderhähne (n=15,weiße Linie, Dekalb white)*

1,5

1,3

40,0

37,9

6,5

7,0

OS=Originalsubstanz  *Schlachtalter 88 Tage

Welche Konsequenzen haben die Analysenergebnisse für das Düngerecht und die dafür erforderlichen Flächennachweise?

Nährstoffbilanzierung

Werden Verfahren wie aus der koventionellen Hähnchenmast mit Vergleichswerten aus der Düngeverordnung mit 30 g N und 4,0 g P je kg Zuwachs kalkuliert, ergeben sich beispielhaft für den hier dargestellten 2. Durchgang des untersuchten Mastbetriebes Nährstoff-ausscheidungen von 80,3 g N und 44,8 g P2O5 je Tier (Tabelle 2).

Tabelle 2: Nährstoffbilanzierung von langsam wachsenden Mastherkünften auf Basis von aktuellen Ganzkörperanalysen und Werten der Düngeverordnung

 

N

P2O5

Langsam wachsende Mastherkünfte

  30 g N und 4 g P je kg Zuwachs (Dünge-VO)

  Nährstoffmenge im Futter                                                        kg

  - Ansatz im Tier                                                                         kg

 

 

730,6

348,9

 

 

319,7

106,5

  = Nährstoffanfall gesamt                                                           kg

  = Nährstoffanfall je Tier                                                               g

381,7

80,3

213,2

44,8

  33 g N und 4,9 g P je kg Zuwachs (aktuelle Werte)

  Nährstoffanfall je Tier                                                           g        

 

72,9

 

39,8

Aus den aktuellen Ganzkörperanalysen resultieren im Mittel der langsam wachsenden Mastherkünfte 33 g N und 4,9 g P je kg. Erfolgt die Nährstoffbilanzierung mit diesen Werten, sind die Ausscheidungen je Tier um 7,4 g N und 5 g P2O5 geringer.

Die untersuchten Bruderhähne der braunen (Bovan brown) und weißen Linie (Dekalb white) wiesen im Mittel 39 g N und 6,7 g P je kg Zuwachs auf.

Tabelle 3: Nährstoffausscheidungen von Bruderhähnen

 

N

P2O5

Bruderhahn, braun (40 g N und 6,5 g P je kg Zuwachs)

Nährstoffanfall je Tier                                                          g                                                     

 

70,3

 

20,8

Bruderhahn, weiß (38 g N und 7,0 g P je kg Zuwachs)

Nährstoffanfall je Tier                                                           g                                      

 

69,2

 

18,4

Zum Vergleich:

Konventionelle Hähnchenmast

(N-/P-red.2,6 kg Zuwachs/Tier)                                       g

 

 

55,0

 

 

25,2

Flächenbedarfsberechnung

Die Kalkulation des Flächenbedarfs für die langsam wachsenden Mastherkünfte wurde bereits in Teil 1 beschrieben, und die Daten sind in Tabelle 4 dargestellt. Werden die für die Dünge-VO verwendeten Zahlen zugrunde gelegt, ergibt sich für einen Stall mit 4800 Tieren und 10 Durchgängen/Jahr (Aufzucht und Mast parallel) ein Flächenbedarf von 13,6 ha nach N und 59,7 ha nach P. Die aktuellen Ganzkörperanalysen langsam wachsender Herkünfte führen zu einem geringeren Flächenbedarf (nach P) von 11 %!

Tabelle 4: Notwendiger Flächenbedarf für langsam wachsende Mastherkünfte und Bruderhähne auf Basis aktueller Ganzkörperanalysen und Daten der Düngeverordnung

 

N

ha

P2O5

ha

4800 Hähnchenplätze (langsam wachsende Herkünfte), Gehalte je kg Zuwachs:

30 g N und 4,0 g P (Dünge-VO) 

33 g N und 4,9 g P (aktuelle Daten)  

Differenz, kalkuliert                                

 

 

13,6

12,4

-9%

 

 

59,7*

53,1*

-11%

38.000 Bruderhahnplätze (braun)

Gehalte je kg Zuwachs:

30 g N und 4,0 g P (Dünge-VO) 

39 g N und 6,7 g P  (aktuelle Daten)**                 

Differenz, kalkuliert                                             

 

 

43,0

36,5

-15%

 

 

60,2

42,4

-30%

28.000 Bruderhähne (weiß)

Gehalte je kg Zuwachs:

30 g N und 4,0 g P (Dünge-VO) 

39 g N und 6,7 g P  (aktuelle Daten)**      

Differenz, kalkuliert                                                     

 

 

29,9

25,5

-15%

 

 

42,0

29,8

-30%

*Unterstellte Düngung in einem Beispiel-Ökobetrieb: 36 kg P2O5/ha

** Mittel aus beiden Linien

Wird für die Düngung in einem Betrieb mit konventioneller Bruderhahnmast die durchschnittliche P-Abfuhr in Niedersachsen von 69 kg P2O5 je ha (Nährstoffbericht 2020/21) unterstellt, ergibt sich bei 3,8 Umtrieben/Jahr der in Tabelle 4 dargestellte  Flächenbedarf. Unter Einbeziehung der aktuellen Analysenwerte resultiert ein Flächenbedarf von 36,5 ha (nach N) bzw. 42,4 ha (nach P) für einen Betrieb mit 38.000 Plätzen (braune Linie). Der Betrieb mit 28.000 weißen Bruderhähnen benötigt aktuell 25,5 ha (nach N) bzw. 29,8 ha (nach P). Das bedeutet eine Flächenersparnis von 15 % (N) bzw. 30 % (P) gegenüber den Werten nach Düngeverordnung!

Dr. Peter Hiller, Andrea Meyer, Karen Schemmann, LWK Niedersachsen;

Dr. Mareike Kölln, Dr. Jeannette Klüß, FLI Braunschweig


Weitere Informationen finden Sie auch unter:

Teil 1: Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen von Ökohähnchen

Kontakte


Dr. Peter Hiller

Fachreferent Tierzucht, Tierhaltung

0441 801-696

peter.hiller~lwk-niedersachsen.de

Dipl.-Ing. agr.
Andrea Meyer

Rinderfütterung, Schweinefütterung, Futterberatungsdienst e.V.

0511 3665-4479

andrea.meyer~lwk-niedersachsen.de

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