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Hitzestress - Fütterung der Kühe anpassen

Hohe Temperaturen insbesondere in Verbindung mit hoher Luftfeuchte verursachen Hitzestress bei Milchkühen. Durch die hohe Stoffwechselleistung produzieren die Tiere sehr viel Wärme und Wasser.

Die überschüssige Stoffwechselwärme kann aber wegen der begrenzten Thermoregulation nur schwer abgegeben werden. Die Kühe hecheln und schwitzen, die Atemfrequenz und Körpertemperatur steigen. Neben den Haltungsbedingungen (Lüftung, Kuhduschen, keine Überbelegung etc.) ist auch die Fütterung anzupassen, damit die Kühe weniger unter der Hitze leiden.

Kühe senken bei hohen Temperaturen zuerst die Futteraufnahme. Weniger Futter bedeutet aber nicht nur weniger Milchmenge. Bei einer Teil-TMR kann sich auch das Verhältnis von Grob- zu Kraftfutter verschieben, denn am Futtertisch wird weniger gefressen, das Kraftfutter an der Transponderstation aber vollständig abgerufen. Das erhöht das Risiko der Pansenübersäuerung.

Welche Fütterungsmaßnahmen können bei Hitze stressmindernd wirken?

  • Ration mehrmals am Tag bzw. in den kühlen Morgen- und Abendstunden vorlegen (Nacherwärmung vermeiden)
  • Tränkwasser: Ausreichende Versorgung und hohe Qualität sicherstellen (Kühe saufen > 150 l/Tag bei Hitze, ausreichende Wasserdurchflussrate)
  • Futtertisch täglich reinigen (keine Futterreste)
  • Nacherwärmung vermeiden (Einsatz organischer Säuren, Vorschub > 2 m/Woche)
  • Einsatz pansengeschützter Fette (Erhöhung des Energiegehaltes der Ration, geringere Wärmeproduktion gegenüber Zellulose)
  • Rohproteinüberschuss vermeiden (Ausscheidung von Stickstoff energieaufwändig)
  • Faseranteil senken (geringere Wärmeproduktion)

Hinsichtlich der Strukturversorgung besteht ein Spagat zwischen Wärmebildung und Wiederkäuergerechtheit. Letztere muss grundsätzlich gewährleistet sein. Die Vorgaben von mindestens 28 % aNDF aus dem Grobfutter und maximal 25 % leicht abbaubaren Kohlenhydraten in der Trockenmasse der Gesamtration müssen eingehalten werden. Vorteilhaft sind pektinreiche Futtermittel, wie z.B. Pressschnitzelsilage (viel Energie in Form leicht verdaulichen Zellwandbestandteilen=hohe NDF-Verdaulichkeit), und Komponenten mit einem hohen Gehalt an pansenstabiler Stärke (z.B. Körnermais).

Um den Elektrolytverlust infolge des hohen Flüssigkeitsverlustes auszugleichen, sollten die Menge an Viehsalz (Natriumbedarf decken) und Mineralfutter erhöht werden. Ggf. kann ein Mineralfutter mit erhöhten Gehalten an Vitamin E und Selen zur Minderung des oxidativen Stresses unterstützend wirken.

Der Einsatz von Pansenpuffern bietet sich bei begrenzter Faserversorgung an, um die Acidosegefahr zu reduzieren (geringere Rohfaseraufnahme→ abnehmende Wiederkautätigkeit→ weniger Speichelbildung→ sinkender pH-Wert). Diese Maßnahme dient aber nicht als Ausgleich unzureichender Strukturversorgung und sollte deshalb nicht dauerhaft erfolgen.

Auch Spezialfutter, wie. z.B. Lebendhefe, können dazu beitragen, Hitzestress zu mindern, indem sie durch die Förderung der zelluloseabbauenden Bakterien den Pansen stabilisieren.

Ziel aller Maßnahmen muss sein, die Futterration auch bei sehr hohen Temperaturen so zu stabilisieren, dass eine bedarfsgerechte Versorgung der Milchkühe mit Energie und Nährstoffen sichergestellt ist.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Andrea Meyer

Rinderfütterung, Schweinefütterung, Futterberatungsdienst e.V.

0511 3665-4479

andrea.meyer~lwk-niedersachsen.de

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