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Maisreifeprüfung: Trockenheit setzt Maisbeständen zu - muss schon gehäckselt werden?

Webcode: 01040943 Stand: 25.08.2022

Die Maisreifeprüfung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat in diesem Jahr früher begonnen als üblich, trotzdem überraschen einzelne Standorte mit einer sehr weiten Entwicklung. Da die Testflächen der Reifeprüfung normal entwickelte Maisbestände aufweisen, kann das Reifemonitoring der LWK keine Auskunft über den Zustand von stark von Trockenheit betroffenen Beständen geben.

Beregnungsgasse im Mais
Beregnungsgasse im MaisCaroline Benecke
Besonders auf den leichten Böden in einem Gebiet vom südlichen Emsland über das mittlere Niedersachsen nördlich der Mittelgebirge bis zur Lüneburger Heide und dem Wendland sind die Maisbestände vielfach deutlich von Trockenschäden gezeichnet. Nicht beregnete Maisflächen haben zum Teil nicht einmal einen Kolben gebildet und haben sich kaum über den Reihenschluss hinaus entwickeln können. Für extrem in Mitleidenschaft gezogene Bestände stellt sich je nach weiterem Witterungsverlauf und Schädigungsgrad die Frage, ob und wann eine Notbeerntung erfolgen muss und welche Besonderheiten beachtet werden müssen. Antworten hierzu geben wir im Artikel „Maisabreife: Bestände genau beobachten und nicht vorschnell handeln“ unter dem Webcode 01040927 auf der Internetseite der LWK Niedersachsen.
Deutlich besser durch den sehr niederschlagsarmen Sommer sind die Maisbestände auf den schwereren Böden in Südniedersachsen gekommen; hier haben Bodenfeuchte und Regenmengen in der Regel ausgereicht, um dem Mais eine normale Entwicklung zu ermöglichen. Zwar zeigen die Maisbestände ebenfalls Trockenschäden, jedoch sind zumeist voll entwickelte Kolben vorhanden, bei denen die laufende Kornfüllung nicht durch Wassermangel abgebrochen wurde.

Im Norden weniger Trockenschäden

Die Maisreifeprüfung der LWK Niedersachsen wird an einer Vielzahl von Prüfstandorten durchgeführt (siehe Datei unten). Beprobt werden je Reifegruppe zwei Sorten, deren gemittelte TS-Gehalte für Kolben und Gesamtpflanze in einer Tabelle dargestellt werden. Darüber hinaus werden mehrere Standorte als Mittelwerte für die einzelnen Bodenklimaräume dargestellt.
Im nördlichen Niedersachsen haben die Niederschlagsmengen in den meisten Regionen ausgereicht, um auch auf leichten Böden voll entwickelte Maisbestände heranwachsen zu lassen, doch auch hier zeigen sich die Auswirkungen der Witterung durch vertrocknete Blätter in den unteren Blattetagen. Zum ersten Probenahmetermin wurde in den nördlichen Regionen allerdings noch auf eine Beprobung aller Standorte verzichtet.

Entwicklungsstand z.T. deutlich unterschiedlich

Der Entwicklungsstand der Maisbestände ist in diesem Jahr aufgrund der wüchsigen Bedingungen im Frühjahr stark vom Aussaattermin und den darauffolgenden Witterungsbedingungen abhängig. Daher sollte das Augenmerk nicht nur auf die Grafik gerichtet sein, sondern auch auf die dazugehörigen Einzelstandorte unter Berücksichtigung des Saattermins (siehe Tabelle) und der Reifegruppe. So lässt sich für normal entwickelte Praxisbestände der Abreifegrad gut abschätzen.

Ergebnisse des ersten Termins der Maisreifeprüfung
Ergebnisse des ersten Termins der MaisreifeprüfungKarl-Gerd Harms

Frühe Sorten werden schon reif

Die im Rahmen der Maisreifeprüfung ermittelten Daten zeigen für früh gesäte Bestände im südlichen und westlichen Niedersachsen bereits eine sehr weite Entwicklung. Am Standort Poppenburg, Hildesheimer Börde, haben zu Beginn der letzten Woche Sorten der frühen Reifegruppe bereits TS-Gehalte von über 45 % im Kolben erreicht, auch im Emsland sind frühe Sorten ähnlich weit entwickelt, so dass diese bereits in der kommenden Woche TS-Gehalte von 55 % im Kolben und damit die Silierreife erreichen werden. Bei Saatterminen ab Ende April sind die Bestände noch nicht so weit entwickelt und reifen entsprechend später ab.
Im östlichen Niedersachsen zeigen die beiden Reifeprüfungen deutliche Unterschiede. Diese ergeben sich aus den um zwei Wochen differierenden Saatterminen sowie den jeweiligen Standorteinflüssen. Die Reifeentwicklung zeigt einen Unterschied von rund drei Wochen, was verdeutlicht, wie groß der Einfluss des Aussaattermins und der Standortbedingungen ist.
Beide Standorte wurden über die Vegetationszeit hinweg mehrfach beregnet, so dass die Reifeprognose in der Region Ost nur für wenig von Trockenheit beeinflusste Bestände gelten kann.

Klare Reifeunterschiede bei den Gruppen

Die Entwicklungsunterschiede zwischen den Reifegruppen zeigen sich derzeit an allen Standorten gleichmäßig. Sie Silierreife wird von mittelfrühen Sorten ca. eine Woche später erreicht werden als von frühen - mittelspäte Genetik wird voraussichtlich noch eine weitere Woche benötigen, ehe gehäckselt werden kann.

Optimalen Erntezeitpunkt nicht verpassen

Derzeit sollten insbesondere Bestände mit frühen Sorten und frühen Saatterminen im Blick behalten werden, da die Silierreife deutlich früher erreicht wird als üblich. Es besteht eindeutig die Gefahr, dass Bestände zu spät geerntet werden.
Wer schon Erntetermine mit Lohnunternehmern vereinbart hat, sollte diese sowohl anhand der Reifeprognose (korrigiert um die Abweichung des Aussaattermins) als auch durch eine Begehung der eigenen Bestände überprüfen. Auch eine eigene TS-Untersuchung, die vielfach von Züchtern und auch anderen Organisationen und Firmen angeboten wird, kann Aufschluss über den Entwicklungsstand der eigenen Bestände geben. Die regionale Abreifeentwicklung kann dann über die Maisreifeprüfungen der LWK beobachtet und dem eignen Wert hinzugerechnet werden. Die Maisreifeprüfungen geben so einen Orientierungswert, der jedoch keinesfalls eigene Bestandesbeobachtungen ersetzen kann.


Die Ergebnisse der neuesten Maisreifeprüfung finden Sie hier.

Kontakte


Karl-Gerd Harms

Berater Silo- und Körnermais

0441 801-418

0174 2158 211

karl-gerd.harms~lwk-niedersachsen.de

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