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Mit Ackergras Futterlücken schließen

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Der mehrjährige Ackergrasanbau kann einen Beitrag zur Absicherung der Grundfutterproduktion leisten. Der erste Aufwuchs schöpft seinen Ertrag aus der Winterfeuchte. Aufgrund des frühen Schnittregimes ist in aller Regel auch der zweite Schnitt ertragsmäßig lohnenswert. Darüber hinaus liefert es hochwertiges Futter, es 
belebt die Fruchtfolge und reduziert Problemungräser.
Die Wahl der Mischungen ist von der speziellen Zielsetzung, insbesondere den Nutzungsjahren abhängig. Die Unterschiede der Mischungen werden nachfolgend erklärt.  
 

Ausreichend Grundfutter zu produzieren, musste in der Vergangenheit für Niedersachsen aufgrund hinreichender und gleichmäßig verteilter Niederschläge kaum thematisiert werden. Die letzten Jahre haben aber gezeigt, dass sich der Klimawandel auch in dieser Hinsicht auswirkt. Daher gilt es mehr denn je, den Anbau mehrjähriger Futterpflanzen auch auf geeigneten Ackerflächen zu nutzen. 

Zum Anbau von Klee- und Leguminosengras wurde bereits in der Ausgabe 30/2022 berichtet. Dieser Beitrag richtete den Fokus auf die über- und mehrjährigen Ackergrasmischungen. 

Ackergräser bereichern die Fruchtfolge als neutrales Fruchtfolgeglied. Darüber hinaus sind sie in der Lage, in hoher Menge qualitativ wertvolles Futter zu liefern, wenn eine gute Wasserversorgung gewährleistet ist. Grundsätzlich ist der Anbau auf allen ackerfähigen Standorten möglich. 

Ackergras
AckergrasDr. Christine Kalzendorf

Weitere Vorteile des Ackergrasanbau sind darüber hinaus im Kasten „Vorteile des mehrjährigen Ackergrasanbaus“ zusammenfassend dargestellt.
Lediglich die Mehrschnittnutzung könnte als Nachteil diskutiert werden, da damit ein entsprechender Kosten- und Zeitaufwand für Düngungs- und Erntemaßnahmen verbunden sind. Doch die einzelnen Futteraufwüchse bieten auch Vorteile. So lassen sich ungünstige Witterungs- und Ertragssituationen kompensieren. Hinzu kommt, dass mit dem mehrjährigen Ackergrasanbau auf die jährliche Aussaat, Saatbettvorbereitung und Saatgutbeschaffung verzichtet werden kann.
Vor- und Nachteile sind demzufolge stets einzelbetrieblich abzuwägen.

Nutzungsdauer und des Entwicklungsrhythmus beachten 
Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, stehen für die Saat bis zum Herbst fünf Ackergrasmischungen zur Auswahl. Hiervon können einige Mischungen nur für ein Jahr genutzt werden, andere hingegen bis zu mindestens zwei Hauptnutzungsjahren. Im Allgemeinen ist die Schnittreife für die  Ackergräser im Vergleich zu den Grünlandgräsern früher erreicht. Dieses Kriterium mag für einige Betriebe von Vorteil sein, um die Grünland- und Ackerflächen gestaffelt ernten zu können. Wo diese Situation als Nachteil empfunden wird, kann ein Kompromiss mit Ackergrasmischungen auf Basis des Deutschen Weidelgrases (QSM A5) gefunden werden.  
Bei der Wahl der geeigneten Ackergrasmischung ist die gewünschte Nutzungsdauer entscheidend. Spezielle Eigenschaften der Mischungen werden im Folgenden beschrieben.

A1-Mischung 
Die  Ackergrasmischung mit der Bezeichnung A1 enthält ausschließlich Welsches Weidelgras, welches vorzugsweise für ein Hauptnutzungsjahr angebaut wird und hierbei außerordentlich hohe Erträge erzielen kann. 
Welsches Weidelgras wird in unserer Region im Allgemeinen in der zweiten Septemberhälfte ausgesät. Es zeichnet sich bei günstigen Saatbedingungen durch eine rasche Anfangsentwicklung aus. Da in den zurückliegenden Jahren die Winter sehr mild waren, wird in aller Regel eine hinreichende Vorwinterentwicklung sicher erreicht. 
Das Welsche Weidelgras benötigt den Kältereiz des Winters, um im Folgejahr in die generative Phase zu gelangen. Die Bestände erreichen oft schon Ende April die Schnittreife. 
Das Ertragsniveau auf verschiedenen Standorten in Niedersachsen ist der Abbildung 1 zu entnehmen. Wie aus der Grafik hervorgeht, sind bei guten Bodenbedingungen durchaus Erträge oberhalb von 200 dt TM/ha möglich. 
Ein derart hohes Ertragsniveau erfordert entsprechende Nährstoffgaben an Stickstoff, Kalium und Phosphor. Vor dem Hintergrund lässt sich für das Ackergras auch Gülle sehr effizient verwerten. Hinweise zur möglichen N-Startgabe sind dem Kasten „Zur N-Düngung der Ansaaten“ zu entnehmen. 
Hin und wieder erfolgt eine Futternutzung vom Welschen Weidelgras auch noch in einem zweiten Jahr. Die Ertragsleistung des Vorjahres kann dann aber bedingt durch das Nachlassen der  Triebkraft und einer gewissen Auswinterung nicht mehr erzielt werden. Im Allgemeinen nimmt der Ertrag im Rahmen eines zweiten Nutzungsjahres um etwa 25 % ab. 

A1-WZ-Mischungen
In vielen Fällen wird das Welsche Weidelgras eher als Winterzwischenfrucht mit dem Ziel angebaut, nur einen ersten frühen Schnitt im Frühjahr des Folgejahres zu erzielen. 

LWK Siegel FMN
LWK Siegel FMNViola Dahnken
Für diese klassische Nutzung des Welschen Weidelgrases als Winterzwischenfrucht gibt es eine spezielle Mischung auf dem Markt mit der Bezeichnung „A1- WZ“ (WZ= Winterzwischenfrucht). Bei der Sortenempfehlung für diese Mischung wird besonderer Wert auf Genotypen mit einem sehr hohen Ertrag zum ersten Schnitt gelegt. Folgerichtig unterscheiden sich die Sortenempfehlungen für die A1- und die A1-WZ-Mischung. Die aktuelle Sortenempfehlung des Welschen Weidelgrases kann der Tabelle 2 entnommen werden. Sowohl in der A1- als auch in der A1-WZ-Mischung sind dem Anteil tetraploider Sorten keine Grenzen gesetzt. 

A3- Mischung    
Ackergrasmischungen mit der Bezeichnung „A3“ setzen sich aus drei Grasarten zusammen: dem Bastard-, Welschem - und  Deutschem Weidelgras. Die Saat kann bereits im August erfolgen. Prinzipiell sind nachfolgende Niederschläge stets von Vorteil für einen gleichmäßigen und zügigen Aufgang. Bei anhaltender Trockenheit empfiehlt es sich, den Saattermin in den Septemberzeitraum zu verschieben. Alles, was zu einer zügigen Anfangsentwicklung beiträgt, mindert zugleich das Unkrautaufkommen. Als mehrjährige Mischung sind mindestens 2 Nutzungsjahre, besser noch, darüber hinaus anzustreben. Da keine Aussaat im jährlichen Turnus erforderlich ist, lassen sich die Kosten geringgehalten. Die A3-Mischung ist zudem für die Beweidung geeignet, denn das in der Mischung enthaltene Deutsche Weidelgras führt im Gegensatz zur A1-Mischung zu einer deutlich dichteren und damit trittfesten Grasnarbe. Zudem beeinflusst das Deutsche Weidelgras als Untergras positiv die Nutzungselastizität des Aufwuchses. 

 A5-Mischung
Die A5-Mischung besteht ausschließlich aus Sorten des Deutschen Weidelgrases. Zum Saattermin gilt gleiches wie für die A3-Mischung beschrieben.
Die Qualitätsstandardmischung A5 eignet sich sowohl für den zwei- bis mehrjährigen Ackerfutterbau als auch für das Wechselgrünland.
Von der Ackergrasmischung mit Deutschem Weidelgras gibt es zwei Varianten. Enthält die Mischung Sorten aus allen drei Reifegruppen, handelt es sich um die herkömmliche A5-Mischung.
Besteht die Mischung jedoch aus Sorten mit je 50 % der mittleren und der späten Reifegruppe, wird diese Mischung als „ A5 spät“ bezeichnet. 
Für den ersten Eindruck ähneln sich sowohl die  A5- als auch die A5-spät-Mischung in ihrer Zusammensetzung mit den beiden Grünland-Nachsaatmischung GV und GV-spät. Der prinzipielle Unterschied zwischen den Ackergras- und Grünlandmischungen wird erst dann deutlich, wenn man sich mit der Sortenzusammensetzung beschäftigt. Die A5-Mischung enthält nur ertragsstarke Sorten, denn in Ackerfuttermischungen spielt die Ausdauerleistung bei 3-jähriger Nutzung im Gegensatz zum Grünlandsektor eine eher untergeordnete Rolle. 

Standorte und Saatvorbereitung 
Der mehrjährige Ackerfutterbau gelingt am besten auf tiefgründigen Böden mit guter Wasserversorgung. Sehr leichte, zur Austrocknung neigende oder unter Vernässung leidende Flächen sind hingegen nicht geeignet. In Anbetracht der hohen Nährstoffentzüge ist gleichfalls eine gute Nährstoffversorgung der Pflanzen wesentlich für das Ausschöpfen des Ertragspotentials.
Für das gleichmäßige Auflaufen der Saat ist nicht nur eine gewisse Bodenfeuchte wichtig, sondern insbesondere ein gut vorbereitetes und feinkrümeliges Saatbett sowie eine flache Ablage der Feinsämereien. Die Keimungsphase wird darüber hinaus durch ein Walzen nach der Saat unterstützt.  

Wir fassen zusammen
Bei guten Standort- und Niederschlagsbedingungen lässt sich mit dem Ackergras nahezu vergleichbar viel Masse produzieren wie mit Silomais.
Die Mehrschnittnutzung des Futters bietet sowohl pflanzenbaulich als auch aus Sicht der Ertragssicherheit mehr Vor- als Nachteile.
Für die Auswahl stehen Ackergrasmischungen mit unterschiedlich langer Nutzungsdauer zur Verfügung.


Vorteile des Ackergrasanbaus
 - effiziente Nährstoffverwertung und hohe Ertragsleistung
 - gute Verwertung der Gülle im Verlaufe des Jahres
- belebt die Fruchtfolge 
 - fördert die Bodenfruchtbarkeit aufgrund des tiefen und gut ausgeprägten Wurzelsystems 


Zur N-Düngung der Ansaaten
In den nicht mit Nitrat belasteten Gebieten darf bei einer Aussaat bis 15. September bei Vorfrucht Getreide noch eine N-Düngung (max. 60/30-Regel) stattfinden. Die N-Gabe hat bis zum 01. Oktober zu erfolgen. Die N-Düngungsregel „max. 60/30-Regel“ bedeutet, dass eine Düngung mit maximal 60 kg Gesamt-N/ha und/oder maximal 30 kg NH4-N/ha (mineralisch + organisch) ausgebracht werden darf. Die N-Düngung ist in Höhe der N-Ausnutzung im Folgejahr anzurechnen.
In den mit Nitrat belasteten Gebieten (roten Gebiete) ist keine N-Düngung zur Saat zulässig.


Noch mehr Details im Faltblatt „Qualitätsstandardmischungen für den Ackerfutterbau 2021/2022“

Von den nordwestdeutschen Landwirtschaftskammern wird das Faltblatt für den Ackerfutterbau mit den Sortenempfehlungen für alle wesentlichen Ackergras- und Kleearten jährlich aktualisiert. Sie erhalten es in Ihrer Bezirksstelle. Darüber hinaus können Sie das Faltblatt aber auch auf dieser Homepage unter dem folgenden webcode 01039795 herunterladen.  

 

Kontakte


Dr. Christine Kalzendorf

Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung

0441 801-428

0152 5478 2428

christine.kalzendorf~lwk-niedersachsen.de

Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Fachreferentin Nährstoffmanagement

0441 801-0

0152 5478 2076

meike.backes~lwk-niedersachsen.de

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