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Silomais reift sehr schnell ab – das Erntefenster wird eng

Webcode: 01040961 Stand: 30.08.2022

Bedingt durch die sommerlichen Temperaturen und das Ausbleiben von Niederschlägen bei gleichzeitig sehr trockenen Böden kommt die Abreife des Maises vielerorts fast einem Verdorren gleich. Das Erntezeitfenster wird dadurch extrem kurz, denn die TS-Gehalte in den Pflanzen steigen rasant an. Niedrige Stärkegehalte und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Silierprobleme sind die Folge.

Viele Maisbestände zeigen deutliche Trockenschäden und müssen zeitnah geerntet werden.
Viele Maisbestände zeigen deutliche Trockenschäden und müssen zeitnah geerntet werden.Karl-Gerd Harms
Im Rahmen der Maisreifeprüfung der LWK Niedersachsen wurden am 23.08. an allen Teststandorten die sechs Prüfsorten beprobt. Im Vergleich zu den TS-Werten der Vorwoche ist es an vielen Standorten zu einer deutlichen Reifeentwicklung gekommen. Der genaue Blick in die Daten der Prüfsorten verrät, dass in diesem Jahr nicht nur eine zügige physiologische Abreife im Kolben stattfindet, sondern auch Wassermangel im Boden die Restpflanzen zum Teil regelrecht vertrocknen lässt. Auch in vielen Praxisbeständen ist dies zu beobachten und wird in den kommenden Tagen noch deutlicher in Erscheinung treten. Klar erkennbar ist die ungewöhnlich schnelle Abreife durch Wassermangel an den oft schon vollständig abgereiften und offenen Lieschblättern und nach unten hängenden Kolben. In solchen Beständen ist auch nach Niederschlägen keine weitere Stärkeeinlagerung in die Kolben mehr zu erwarten. Bei noch nicht ausreichender Kolbenreife mit TS-Gehalten von unter 45% und noch vitalen Blättern oberhalb des Kolbens ist nur bei gesicherter Wasserversorgung eine weitere Entwicklung und normale Abreife zu erwarten.

Die Maisreifeprüfungen der LWK zeigen in der Region Ost (Lage der Regionen siehe unten) aufgrund der Standorteigenschaften bzw. der Möglichkeit der Beregnung relativ normal abreifende Maisbestände. Auf anderen Standorten der Reifeprüfung zeigen sich, besonders im Westen und Süden Niedersachsens, bereits ungewöhnlich hohe TS-Gehalte im Siliergut, da die Restpflanzen nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt werden können. In Astrup, Werlte und Poppenburg wurden die anzustrebenden TS-Gehalte in der Gesamtpflanze bereits deutlich früher erreicht als in den Kolben, da den Beständen das Wasser ausging.

In den letztgenannten Regionen sind die früh gesäten Bestände besonders weit abgereift. So haben frühe und mittelfrühe Sorten in Südniedersachsen bereits die Silierreife erreicht, und auch im Westen und Osten des Landes wird dies im Laufe dieser Woche der Fall sein. Lediglich erst Anfang Mai gesäte Bestände mit ausreichender Wasserversorgung werden noch bis Anfang September brauchen, um die anzustrebenden TS-Gehalte zu erreichen (siehe Grafiken). Mittelspäte Sorten zeigen eine relativ normale Abreifeverzögerung gegenüber dem mittelfrühen Sortiment, sind in der Abreife aber ebenfalls schon weit fortgeschritten. Auch in dieser Reifegruppe wird deutlich, dass am Standort Poppenburg, wie vielerorts in Südniedersachsen, das Wasser für eine normale Abreife fehlt: hier haben selbst mittelspäte Sorten bereits Ende August das Erntefenster erreicht. In den westlichen Landesteilen zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab, jedoch mit gut einer Woche Verzögerung.

Ergebnisse des ersten und zweiten Termins der Maisreifeprüfung.
Ergebnisse des ersten und zweiten Termins der Maisreifeprüfung.Karl-Gerd Harms

Für die Höhenlagen liegen ab dieser Woche Daten vom Standort Eversen in NRW vor. Auch hier zeigen sich die Auswirkungen des hochsommerlichen Wetters der letzten Wochen und Monate: frühe Sorten erreichen aktuell bereits die Silierreife, während mittelfrühe Sorten mit einer Verzögerung von einer Woche erntereif werden. Somit wird auch in diesen Regionen die Ernte bereits ab Anfang September in vollem Gange sein.

Im nördlichen Niedersachsen wurde ebenfalls erst mit der Beprobung vom 23.08. mit der Reifeprüfung begonnen. Diese Regionen unterscheiden sich von der Abreifesituation im restlichen Land, da es insgesamt mehr und häufiger geregnet hat. An einzelnen Standorten ist die Wasserversorgung trotzdem knapp, so zum Beispiel in Wehnen. Je nach Standort und Saattermin wird jedoch auch im Norden Niedersachsens die Ernte deutlich früher beginnen als üblich, ab Anfang September werden erste Bestände mit frühen Sorten die Silierreife erreichen, ab 10. September werden auch mittelfrühe Sorten dieses Stadium erlangen. Selbst mittelspäte Sorten sind weit entwickelt und können in diesem Jahr voraussichtlich ab der dritten Septemberdekade siliert werden. 

In der nördlichsten Region entlang der Nordseeküste zeigen die Reifedaten (siehe Tabelle unten) ebenfalls eine relativ weite Entwicklung, jedoch traten hier bislang keine nennenswerten optischen Trockenheitserscheinungen auf. Die erste Reifeprognose zeigt für diese Region Erntetermine ab 15.09. für frühe Sorten. Voraussichtlich ab dem 20.09. können auch mittelfrühe Sorten geerntet werden.

Somit müssen sich die Maisanbauer auf eine deutlich frühere Ernte einstellen als in normalen Jahren. Da die Abreife, bedingt durch kleinste Bodenunterschiede auf den Flächen, sehr heterogen verläuft, ist es in diesem Jahr besonders wichtig, sich einen guten Überblick über die eigenen Bestände zu verschaffen. Die häufig kombiniert auftretende zügige Abreife und das Vertrocknen der Restpflanzen erschweren die Wahl des Häckseltermins; hinzukommt, dass die Häckselkapazitäten, meist gestellt durch Lohnunternehmer, kaum ausreichen können, um die fast zeitgleich abreifenden Bestände zum passenden Zeitpunkt ernten zu können. Auch haben sich viele Lohnunternehmer und Landwirte noch nicht auf eine so frühzeitige Ernte einstellen können. Auf keinen Fall darf aufgrund dieses Termindrucks jedoch gerade in bereits stark abgereiften Beständen die Häckselqualität vernachlässigt werden. Eine kurze Häcksellänge kann die vorherrschenden schwierigen Bedingungen für ein gut verdichtetes Silo zumindest leicht abmildern. Zuverlässig angeschlagene Körner sind darüber hinaus eine Voraussetzung für eine gute Energie- oder Gasausbeute.

Behalten Sie daher Ihre Bestände stetig im Blick. Hinweise zum Abschätzen des TS-Gehaltes durch die sog. Wringprobe finden Sie unter dem Webcode 01040927. Auch das Nutzen der aktuell vielerorts angebotenen TS-Messungen unterstützt beim Treffen des richtigen Häckseltermins.


Die Beschreibung zur ersten Maisreifeprüfung finden Sie hier.

Informationen zum Einsatz von Siliermitteln finden Sie in der nächsten Ausgabe derLand und Forst sowie zeitnah auf der Internetseite der LWK Niedersachsen.

Kontakte


Karl-Gerd Harms

Berater Silo- und Körnermais

0441 801-418

0174 2158 211

karl-gerd.harms~lwk-niedersachsen.de

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