Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!
Webcode:01040744

Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Winterweizen 2022

In Niedersachsen nimmt der Öko-Winterweizen unter den Getreidearten die höchste Anbaufläche ein. Im Anbaujahr 2021/22 wurden insgesamt 8023 ha Öko-Winterweizen angebaut. Spitzenreiter im Anbauumfang war dabei der Landkreis Göttingen mit 942 ha, gefolgt von Wolfenbüttel und der Region Hannover. Im Ökolandbau sind Back- und Futterweizen gefragt, was bislang mit stabilen Erlösen verbunden ist. Trotz der Trockenheit und den Hitzeperioden im Frühsommer fallen die Erträge auf dem überwiegenden Teil der Versuchsstandorte erfreulich aus.

Sortenwahlkriterien

Bei der Auswahl der geeigneten Öko-Weizensorten steht primär die Verwertungsrichtung im Raum. Soll gezielt Konsumweizen oder Futterweizen angebaut werden? Gute Backqualitäten zu erzielen ist im Ökolandbau immer wieder eine Herausforderung. Eine ganze Reihe von Parametern beeinflussen die Backqualitäten. Neben Sorte, Standort, Fruchtfolge und Erntezeitpunkt sind die Stickstoff- und letztlich die Wasserversorgung zentrale Faktoren. Der für gute Feuchtkleber- und Rohproteinwerte erforderliche Stickstoff kann nicht immer bedarfsgerecht und in ausreichender Höhe bereitgestellt werden. Das liegt daran, dass die N-Mineralisation organischen Materials wie beispielsweise von Leguminosenrückständen und auch die N-Versorgung über Wirtschaftsdünger in hohem Maße witterungsabhängig ist. Eine zentrale Stellung nimmt aber die Sortenwahl ein. Überwiegend kommen E-Sorten für den Öko-Backweizenanbau in Frage. Vereinzelt eignen sich auch Sorten aus dem A-Segment. Die für die Vermarktung entscheiden Parameter ist der Feuchtklebergehalt und die Fallzahl.

Beim Futterweizen kommt, neben der eigenen Verwertung im viehhaltenden Betrieb, die Nachfrage von Futtermischwerken, oder im Rahmen von Futter-Mist-Kooperationen. Auch Betriebe, die sich in der Umstellung auf Ökolandbau befinden, können in den ersten zwei Jahren nur Futtergetreide erzeugen. Hier bietet sich in Abhängigkeit der Bodengüte der Anbau von Futterweizen an. In den Öko-Landessortenversuchen werden dazu Sorten aus dem A-, B- bzw. C-Weizensegment geprüft.

Bei der Sortenwahl sind unabhängig von der Verwertungsrichtung verschiedene Parameter zu berücksichtigen. Wichtig ist eine ausgeprägte Blatt- und Ährengesundheit. Es ist besonders auf eine hohe Gelb- und Braunrosttoleranz zu achten, da diese Pilzkrankheiten zu hohen Ertragsausfällen führen können. Da neue Gelbrostrassen schnell eine Sortenresistenz durchbrechen können, sollte nicht nur auf eine Sorte gesetzt, sondern zur Risikostreuung mindestens zwei bis drei als gesund eingestufte Sorten für den Anbau gewählt werden. Besonders bei älteren Sorten ist häufig eine Abnahme der Resistenz zu beobachten.

Das Steinbrandrisiko hat in der Praxis zugenommen und kann, neben ackerbaulichen Maßnahmen sowie mit im Ökolandbau zulässigen Saatgutbehandlungen, auch über die Sortenwahl reduziert werden. Dazu stehen mittlerweile mehrere Sorten mit einer Steinbrandtoleranz zur Verfügung.

Daneben spielt ein hohes Beikrautunterdrückungsvermögen durch ausgeprägte Bodendeckung, Frohwüchsigkeit und Pflanzenlänge eine wichtige Rolle.

Nicht zu unterschätzen ist die Winterfestigkeit der Sorten. Da in den letzten Jahren kaum Auswinterungen in den bundesweiten Sortenversuchen und Wertprüfungen zu verzeichnen waren, fehlt eine verlässliche Einstufung der Sorten. 
Von den Länderdienststellen für das Sortenwesen der ostdeutschen Bundesländer ist 2020/2021 eine Einschätzung der Winterfestigkeit neuerer Weizen- und Triticalesorten herausgegeben worden.
Grundlage für die Einschätzung bildet die sogenannte „Weihenstephaner Kasten-Methode“ (Provokationsversuche) mit deren Hilfe eine Auswinterung simuliert wird. 


Die Ergebnisse und Sortenempfehlungen der Landessortenversuche Öko-Winterweizen 2022 können am Ende dieses Beitrages heruntergeladen werden.

Die Ergebnisse der Backqualitäten 2022 liegen noch nicht vollständig vor und werden in einem gesonderten Bericht veröffentlicht.

Beachten Sie bitte auch die Versuchsergebnisse zur Regulierung des Weizensteinbrands und zur möglichen Saatgutbehandlung  im Ökolandbau. Den Bericht finden Sie unter dem Webcode: 01037383

Ergebnisse zu weiteren Öko-Versuchen auch aus zurückliegenden Jahren finden Sie unter: ISIP

Achtung! Bei Winterweizen ist nur noch Saatgut aus ökologischer Erzeugung zulässig!

Zu beachten ist, dass der Winterweizen seit dem 01.04.2021 beim Saatgutbezug der Kategorie I unterliegt. Das bedeutet, dass für den Anbau von Winterweizen nur noch ökologisch vermehrtes Saatgut verwendet werden darf. Es wird grundsätzlich keine Ausnahmegenehmigungen zur Verwendung von konventionell, erzeugtem ungebeizten Saatgut gemäß Art. 45 (5) der VO (EG) 889/2008 oder eine allgemeine Genehmigung gemäß Art. 45 (8) der VO (EG) 889/2008 erteilt. 

Einen guten Überblick über das bundesdeutsche Gesamtangebot erhält man schnell und tagesaktuell im Internet. Unter http://www.organicxseeds.de/ sind alle ökologisch erzeugten, vertriebsberechtigten Saatgutpartien sortenspezifisch aufgelistet. Nur noch bei bestimmten Kulturen, die nicht in der sogenannten Kategorie I gelistet sind, kann bei nichtverfügbarkeit einer gewünschten Sorte nach Antrag bei der Kontrollstelle auch konventionell erzeugtes, ungebeiztes Saatgut zum Einsatz kommen.

Informationen zum Anbau von Sortenmischungen:

Um Krankheiten zu unterdrücken und Backqualitäten zu stabilisieren wird häufig der Anbau von Sortenmischungen empfohlen. Der Fachbereich Ökologischer Landbau der LWK Niedersachsen hat hierzu von 2016 bis 2019 einen Versuch durchgeführt. Informationen hierzu finden sie unter https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/346/article/35866.html.

Von den Länderdienststellen für das Sortenwesen der ostdeutschen Bundesländer ist aktuell eine Einschätzung der Winterfestigkeit neuerer Weizen- und Triticalesorten herausgegeben worden. Informationen hierzu finden sie unter: einschaetzung-winterfestigkeit-wiweizen-witriticale-data.pdf (isip.de)

 

 

Kontakte

Markus Mücke
Dipl.-Ing. agr.
Markus Mücke

Berater Ökologischer Ackerbau, Mechanische Beikrautregulierung, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau

0511 3665-4378

markus.muecke~lwk-niedersachsen.de

Volker Graß

Volker Graß

Berater Ökologischer Landbau, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau

0511 3665-4294

volker.grass~lwk-niedersachsen.de

Mehr zum Thema

Hafer

Winterhaferanbau - Was zeigen zweijährige Versuchsergebnisse im Ökolandbau?

Die Klimaveränderung mit ihren vielfältigen Auswirkungen sind allgegenwärtig und gerade in diesem Jahr wieder einmal besonders extrem. Schon seit mehreren Jahren in Folge ist das Frühjahr überwiegend durch Trockenheit gepr&…

Mehr lesen...
Öko-Wintertriticale

Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Wintertriticale 2022

Wintertriticale ist eine Futtergetreideart mit einem hohen Ertragspotential und vergleichsweise hohen Eiweißgehalten. Daneben besitzt diese Kreuzung aus Weizen und Roggen ein gutes Beikrautunterdrückungsvermögen. Zu achten ist bei der…

Mehr lesen...
Öko-Winterroggen

Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Winterroggen 2022

Die Erträge fallen beim Öko-Winterroggen in diesem Jahr an den meisten Versuchsstandorten trotz Frühsommertrockenheit und Hitzeperioden sehr erfreulich aus. Auch aus der Praxis wird von guten Erträgen berichtet. Zudem spielten …

Mehr lesen...
Öko-Wintergerste

Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Wintergerste 2022

Wiederholte Trockenheit und oftmals fehlende Niederschläge im Vergleich zu den langjährigen Niederschlagssummen im Monatsmittel trübten in diesem Jahr vielerorts die Ertragserwartungen. Nach Auswertung der Versuchsergebnisse und Rü…

Mehr lesen...
Sortenversuch Öko-Sojabohnen

Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Sojabohnen 2021

Die Sojabohnenfläche in Niedersachsen steigt sehr langsam aber sicher an. Im Jahr 2021 betrug die Anbaufläche 846 Hektar. Davon wurden 610 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Das entspricht einem Anteil von gut 72 Prozent. Im ö…

Mehr lesen...
Blaue Süßlupine

Ergebnisse Landessortenversuche Öko-Blaue und Weiße Lupine 2021

Die Blaue Lupine dominiert im Anbau Flächenmäßig dürfte die Schmalblättrige oder Blaue Lupine nach wie vor den größten Anteil am Lupinenanbau ausmachen, denn sie gilt als weitgehend anthraknosetolerant. …

Mehr lesen...

Veranstaltungen

Ökologischer Landbau

15. Niedersächsisches Fachforum Ökolandbau 2022

03.11.2022

Am Donnerstag, den 03.22.2022 ab 09:00 Uhr möchten wir Sie in Hannover zum 15. Niedersächsischen Fachforum Ökolandbau willkommen heißen.  Die steigenden Preise, der Klimawandel und immer strengere gesetzliche Vorgaben …

Mehr lesen...