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Welches Siliermittel für Silomais?

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Viele Maissilagen neigen aufgrund des hohen Potentials an leicht umsetzbaren Nährstoffen zur Nacherwärmung. Die Problematik kann sich durch den trockenheitsgestressten Mais verstärken.  An jeder Stellschraube ist nun zu drehen, Verluste bei der Silierung und der späteren Entnahme so gering wie möglich zu halten. In dem Zusammenhang kommt auch der Siliermittelzusatz ins Spiel. Die Auswahl der geeigneten Produkte chemischer oder biologischer Art sollte die Silier- und Entnahmebedingungen sowie das zu silierende Material hinsichtlich des Trockenmassegehaltes einbeziehen.

Mit Siliermitteln gezielt Nacherwärmung von Maissilagen verhindern  

Je nach Region steht der Mais unterschiedlich gut. Die Bandbreite geht von gut entwickelten Beständen bis zur Kolbenlosigkeit. Es gilt nun, die Silierung so zu gestalten, dass Verluste im Silo und während der Verfütterungsphase so gering wie möglich sind.

Silierzusätze stellen aus diesem Blickwinkel eine Möglichkeit dar, um Verderbprozesse der Maissilagen im Zaum zu halten. Sie geben einer guten Silierarbeit insofern eine gewisse Unterstützung, indem die Gärung gezielt in bestimmte Bahnen gelenkt wird. Es ist zu betonen: ein perfekter Ablauf des Silierverfahrens ist stets die Grundbasis für eine gute Silierung. Siliermittel haben das Potential, den Konservierungserfolg zu verstärken.

Silomais gehört zu den leicht silierbaren Futterpflanzen. Das Verhältnis zwischen Zucker und puffernd wirkenden Substanzen ist günstig, um im kurzen Zeitraum den pH-Wert so zu senken, dass wesentliche, unerwünschte Gärkeime zum Erliegen kommen. Lediglich die Hefen betrifft das nicht. Sie stellen unter Sauerstoffabwesenheit und im sauren Milieu ihren Stoffwechsel auf alkoholische Gärung um. Beim Öffnen des Silos sind Hefen die Wegbereiter für Nacherwärmungsvorgänge, die später durch Schimmelpilze und Acetobacter (Essigsäure bildende Bakterien) mit begleitet werden. 

Siliermittel Maissilierung 2022
Siliermittel Maissilierung 2022Dr. Christine Kalzendorf

Welches Siliermittel ist zu wählen
Prinzipiell stellt das Risiko von Nacherwärmungen das größte Problem von Maissilagen dar. Das gilt unabhängig davon, ob der Maisbestand gesund ist oder durch Trockenheit gestresst und damit unzureichend entwickelt.
Demzufolge ist es sinnvoll, DLG-geprüfte Siliermittel zur Verbesserung der aeroben Stabilität auszuwählen. Man spricht in dem Zusammenhang von der Wirkungsrichtung 2.
Doch welches Produkt passt exakt zum Betrieb und zu den Silierbedingungen?
Die Frage lässt sich relativ einfach auf Grundlage eines DLG-Anwendungslinks „https://siliermittel.dlg.org/“ beantworten. Die DLG-Internetplattform bietet eine Entscheidungshilfe zur Siliermittelauswahl an. Klickt man auf den Button „Mais“ ist zunächst zwischen mittleren und schlechten Silier- und Entnahmebedingungen zu unterscheiden. 
Müssen die Silier- und Entnahmebedingungen als unzureichend beurteilt werden, dann kommen für diesen Anwendungsfall vorrangig chemische Siliermittel und ein Kombinationsprodukt in Betracht (siehe Abbildung 1). Das Gleiche gilt für den Siliermittelzusatz bei zu stark abgereiftem bzw. vertrocknetem Mais mit TM-Gehalten oberhalb von 45 %. In diesem Fall hat auch die Güte der Silier- und Entnahmebedingungen keinen Einfluss auf die Siliermittelempfehlung. 
Eine größere Produktvielfalt steht dann zur Verfügung, wenn hinsichtlich des Maisbestandes, der Silierarbeit und den Entnahmebedingungen alles im grünen Bereich liegt. Für diese Fälle darf vorrangig auf biologische Silierzusätze zurückgegriffen werden, die u.a. heterofermentative Milchsäurebakterien enthalten. 

Wie wirken Siliermittel
Bei den biologischen Produkten, die für die Maissilierung in Betracht kommen, handelt es sich vorzugsweise um heterofermentative Milchsäurebakterien. Diese bilden bevorzugt Essigsäure, die das Wachstum der Hefen einschränken. In das Wirkungsspektrum der Essigsäure sind Schimmelpilze leider nicht mit einbezogen. Deshalb werden für schwierige Rahmenbedingungen der Silier- und Entnahmearbeit bevorzugt chemische Silierzusätze empfohlen. Einige Vertreter der heterofermentativen Milchsäurebakterien bauen einen Anteil der Milchsäure wieder zu Essigsäure um. Dieser Gärprozess läuft zeitlich verzögert ab. Es kann also zu einer zweiten Gärgashaube nach 14-tägiger oder späterer Silierdauer kommen. Vor dem Hintergrund ist es wichtig, dass das Silo mindestens acht Wochen gut unter Verschluss bleibt und keine vorzeitige Öffnung erfolgt.

Bei den chemischen Silierzusätzen handelt es sich in aller Regel um Neutralsalzlösungen auf der Basis von Sorbat, Benzoat oder auch Propionat. Die Wirkstoffe dissoziieren durch die pH-Wertabsenkung im Silofutterstock. Der undissoziierte Anteil dieser Wirkstoffe dringt in die Zellen der Störkeime wie Hefen und Schimmelpilze ein und blockiert Enzymsysteme. Auf diese Art und Weise wird die Nacherwärmungsflora recht umfassend unterdrückt. Auf Milchsäurebakterien haben diese Wirksubstanzen keinen Hemmeffekt. Die Arbeit der Milchsäurebakterien ist auch wichtig, denn mit ihrer Gärung muss eine hinreichende pH-Wertabsenkung erfolgen. Je tiefer der pH-Wert, desto höher der Anteil der undissoziierten Wirkstoffe und umso besser der Wirkeffekt.
Dieses Prinzip kommt in den Kombinationsprodukten von Milchsäurebakterien und dem chemischen Zusatz zum Tragen. Bewusst werden dann homofermentative Milchsäurebakterien genutzt, die das Vermögen einer raschen und effizienten Umsetzung von Zucker zu Milchsäure haben. Mit der raschen pH-Wertsenkung ist der Wirkmechanismus der chemischen Silierzusätze gesichert. 

Siliermittelapplikation
Siliermittel können nur dann hohe Wirksamkeit entfalten, wenn sie gleichmäßig in den Futterstrom eingebracht werden. Die geeignete Applikation durch entsprechende Dosiergeräte ist im Voraus mit dem Lohnunternehmer zu besprechen.
Ein am Häcksler angebrachtes Dosiergerät sollte zum Standard gehören. Die Anwendung von chemischen Siliermitteln mit mindestens 3 l/ t Siliergut setzt eine entsprechende Leistung der Dosierpumpe voraus.
Die empfohlene Aufwandmenge kann am besten eingestellt werden, wenn Wiegeeinrichtungen zur Verfügung stehen.  

Auch bei Siliermittelanwendung sind an die Güte einer guten Siliertechnik und Walzarbeit keine Abstriche zu machen. Der Wirkungsgrad der Siliermittel wird davon mit beeinflusst.  


Zusammenfassung

  • Maissilagen neigen vorrangig zur Nacherwärmung. Siliermittel zur Verbesserung der aeroben Stabilität haben das Vermögen, diese Verderbprozesse zu verzögen.
  • Wählen Sie ein geeignetes Produkt in Abhängigkeit der Silier- und Entnahmebedingungen sowie des Abreifegrades (TM-Gehalt) des Maisbestandes. 
  • Biologische Siliermittel auf Basis heterofermentativer Milchsäurebakterien (ggf. in Kombination mit homofermentativen      Milchsäurebakterien) haben stets dann ihre Einsatzberechtigung, wenn die Rahmenbedingungen der Silierung und Entnahme weitestgehend gut sind.
  • Bei ungünstigen Silier- und Entnahmebedingungen ist den chemischen Siliermitteln der Vorrang einzuräumen. 

 

Kontakte


Dr. Christine Kalzendorf

Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung

0441 801-428

0152 5478 2428

christine.kalzendorf~lwk-niedersachsen.de

Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Fachreferentin Nährstoffmanagement

0441 801-0

0152 5478 2076

meike.backes~lwk-niedersachsen.de

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