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Rapsherbizide zur Saison 2022

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Die Preisentwicklung für Rohstoffe und Rapsöl und besonders die zunehmenden Lieferengpässe verändern die produktionstechnischen Entscheidungen für den Rapsanbau erheblich. Zusätzlich wird der Rapsanbau in den Regionen interessant wo bislang Stoppelweizen angebaut wurde und dies voraussichtlich zukünftig nicht mehr möglich sein wird. Raps gelangt so möglicherweise auch auf auf „jungfräulichen“ Standorten, also Standorte ohne einen bekämpfungswürdigen Unkrautbesatz mit rapsverwandten Unkräutern. Der nachfolgende Beitrag informiert Sie über die Möglichkeiten einer standortspezifisch angepassten Unkrautbekämpfung im Raps und notwendige Nachbehandlungen.

Es lohnt sich also gezielt auf den vorhandenen Unkrautbesatz im Nachauflauf der Unkräuter zu reagieren. Zu beobachten ist auch, dass sich das Unkrautspektrum in den letzten Jahren deutlich gewandelt hat. Die „rapsverwandten“ Unkräuter nehmen kontinuierlich zu, besonders Raukearten aber auch Kamille, Vogelmiere, Ehrenpreis, Stiefmütterchen, Ackerhellerkraut, Klatschmohn, Kornblume und regional auch Ochsenzunge bzw. Ackerkrummhals oder Doldenblütler, wie Hundskerbel werden immer häufiger angetroffen.

Abb. Häufigkeit des Auftretens diverser Unkrautarten in den Rapsversuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (2006-2020)

Die Abbildung zeigt die Häufigkeit an Unkrautarten, die in über 300 Herbizidversuchen der Jahre 2006-2020 auf Rapsflächen in Niedersachsen vorkommen, allerdings wurden in der Auswertung nur Versuche erfasst, bei denen ein Unkrautdeckungsgrad der einzelnen Unkrautarten von > 5 % in den Kontrollen vorlag.

Ein wesentlicher Baustein der Unkrautbekämpfung ist und bleibt ein möglichst zügig wachsender Rapsbestand. Gleichmäßig dichte, termingerecht und bei optimalen Saatbetteigenschaften bestellte Rapsbestände unterdrücken viele niederbleibende Unkrautarten. In Bezug auf mögliche Ertragsverluste und Ernteerschwernisse müssen aber nicht immer alle Unkräuter im Raps vollständig bekämpft werden, lediglich die Hochwachsenden, wie z.B. die Weg-Rauke und Kamille oder auch Doldenblütler.

Zur Auswahl der möglichen Herbizide (Tabelle 1) stehen in diesem Jahr interessante Kombinationen und Packs (Tabelle 2) zur Verfügung.

Tabelle1: Anwendungshinweise und Wirkungen der Rapsherbizide im Nachauflauf (auszugsweise, Stand: Juni 2022)

Tabelle2: Verfügbare Herbizidpacks im Herbst 2022, Stand: Juni 2022)

Die Rapsherbizide sind in dieser Saison durchschnittlich 10-15 % teuer geworden, Neueinführungen verzögern sich wegen Rohstoffengpässen und Lieferengpässe für begehrte Wirkstoffe wie zum Beispiel die propyzamidhaltigen Kerb flo, Cohort, Groove und Milestone scheinen zum Redaktionsschluß bereits ausverkauft.

Herbizidempfehlungen im Rapsanbau 2021

Die Entscheidung ob eine Herbizidmaßnahme im Vorauflauf mit metazachlor- oder clomazonehaltigen Herbiziden notwendig ist oder lieber im Nachauflauf bzw. in Spritzfolgen oder Mischungen gearbeitet wird, hängt vorrangig von dem zu erwarteten Unkrautspektrum ab. Als Entscheidungshilfe dient die Wirkungsbeschreibung für Mischungen, Spritzfolgen (Tabelle 3) und Nachbehandlungen (Tabelle 5). Beachten Sie bitte die produktspezifischen Anwendungsbestimmungen und Abstände zu Flächen der Allgemeinheit, Gewässern und Saumstrukturen. Zur Vermeidung von Metaboliten des Wirkstoffs Metazachlor in Vorfeldmessstellen der Wassereinzugsgebiete bzw. der Trinkwasserkörper wird vorbeugend eine freiwillige Mengenbegrenzung auf maximal 500 g/ha Metazachlor bei einer flächendeckenden Anwendung angestrebt. Eine Wirkstoffvielfalt aber ist für ein effektives Herbizidresistenzmanagement, also der Vermeidung von Herbizidresistenzen, dringend geboten! Aus Gründen eines vorbeugenden Grundwasserschutzes wird im Raps daher das „Rotationsprinzip“ empfohlen, hier soll bei einem erneuten Anbau von Raps auf der gleichen Fläche auf andere Wirkstoffgruppen ausgewichen werden. Durch eine Rotation von metazachlorhaltigen Herbiziden mit metazachlorfreien Herbiziden (z.B. Belkar Power Pack, Gajus, Runway oder Tanaris u.a.) wird also einem möglichen Verlust der Wirkstoffvielfalt vorgebeugt.

Aufgrund des diesjährig starken Auftretens von Ackerfuchsschwanz sollte auch die Gräserbekämpfung im Focus stehen, wobei auch in diesem Jahr der Bedarf an dem Herbizid Kerb flo wegen Lieferengpässen nicht gedeckt werden kann.

 

 

 

Tabelle 3: Empfehlungen - Spritzfolgen und Mischungen

 Mit der Vorlage eines metazachlorhaltigen Herbizids, wie zum Beispiel Fuego oder Butisan, werden die meisten Standardverunkrautungen mit z.B. Kamille, Vogelmiere und Ehrenpreis und bei rechtzeitigem Einsatz mit ausreichend wirksamer Menge auch Kreuzblütler wie Hirtentäschelkraut, Vergissmeinnicht und schwacher Besatz von Ackerhellerkraut bekämpft - nicht aber z.B. die Weg-Rauke.

Wenn zusätzlich Klettenlabkraut bekämpft werden soll, unterstützt der Wirkstoff Quinmerac zielführend, enthalten in Fuego Top. Bei zusätzlichem Auftreten von Storchschnabelarten und stärkerem Unkrautbesatz sind Butisan Gold oder Butisan Kombi (im Vorauflauf) zu wählen, der frühe Anwendungstermin ist besonders bei Storchschnabel essentiell. Erfolgt die Behandlung nur eine Woche später, sinken die Wirkungsgrade erheblich. Fuego und Fuego Top sind im Vorauflauf zugelassen, Butisan, Butisan Top und Katamaran Plus nur im Nachauflauf. Ist eine Nachbehandlung gegen Kamille, Kornblume, Rauke, Storchschnabel und Stiefmütterchen notwendig, werden Spritzfolgen mit Runway 0,2 l/ha in Kombination mit Fox 0,6-0,8 l/ha (ab frühes 6-Blattstadium des Rapses) empfohlen. Gegen Mohn kann eine Nachlage von Stomp Aqua möglichst in BBCH 16 unter Beachtung der neuen Anwendungsbestimmungen zur Anwendung kommen.

Das metazachlor- und clomazonefreie Gajus enthält die Wirkstoffe Pethoxamid 400 g/l und Picloram 8 g/l als EC Formulierung. Gajus ist ausschließlich zum Einsatz im Nachauflauf (BBCH 10-14) zugelassen. Gajus kann bis zum 31.10. auch auf drainierten Flächen eingesetzt werden, dann allerdings greift die NW 800 (keine Anwendung auf drainierten Flächen zwischen dem 01.11.-15.03.). Gajus erfasst Windhalm, Kamille, Kornblume, Ackerhellerkraut, Ehrenpreis, Taubnessel, Vogelmiere, Storchschnabel und Kreuzkraut. In der Kombination mit Synero 30 SL oder Runway VA wird die Wirkung insbesondere gegen Stiefmütterchen und Doldenblütlern aber auch auf Klatschmohn und Kornblume verbessert. Gajus kann wirksam im Rahmen einer Spritzfolge eingesetzt werden, als Nachlagepartner bieten sich zum Beispiel Runway oder Fox oder Belkar an.  

Tanaris ist ein metazachlorfreies Herbizid und enthält die Wirkstoffe Dimethenamid (333 g/l) und Quinmerac (167 g/l). Tanaris ist als Suspo-Emulsion (SE) formuliert und kann ab dem Vorauflauf bis in den Nachauflauf (BBCH 00-18) gegen eine breite Mischverunkrautung (Kamille, Klettenlabkraut, Vogelmiere, Ehrenpreis, Taubnessel, Vergissmeinnicht und Storchschnabel) eingesetzt werden. Die Wirkungen sind bei Anwendungen im Vorauflauf etwas stärker zu bewerten als im Nachauflauf.

Runway (nicht zu verwechseln mit Synero 30 SL bzw. Runway VA) ist mit 240 g/l Clopyralid, 40 g/l Aminopyralid und 80 g/l Picloram mit 0,2 l/ha im Nachauflauf ab BBCH 10 des Winterrapses zugelassen und gegen Kamille-Arten, Kornblumen, Mohn und Disteln wirksam. Runway im Pack mit Butisan Kombi, genannt „Runway Kombi“, ermöglicht zum Beispiel eine clomazonefreie Herbizidlösung gegen Hirtentäschel. Im Folgejahr dürfen die Wirkstoffe Aminopyralid (NG 349) oder Clopyralid (NG 350) auf der mit Runway behandelten Fläche nicht erneut zum Einsatz kommen. Damit ist beispielsweise der Einsatz von Milestone, Lontrel oder Effigo auf derselben Fläche im Frühjahr ausgeschlossen. Gülle, Jauche, Mist oder Kompost von Tieren, deren Einstreu von behandelten Flächen stammt, darf nur im eigenen Betrieb verwendet werden und nur auf Grünland, Getreide oder Mais ausgebracht werden. Bei allen anderen Kulturen sind Schädigungen nicht auszuschließen.

Das Stomp Aqua (Pendimethalin 455 g/l) wirkt besonders gegen Mohn und Ackerkrummhals sowie Acker-Vergissmeinnicht, Ehrenpreis-Arten, Gemeine Ochsenzunge und Taubnesselarten. Die NT 145 bestimmt für Stomp Aqua, dass mindestens mit 300 l/ha Wasser und nur noch mit abdriftreduzierender Technik (90 %) appliziert werden darf. Die NT 146 fordert, dass die Fahrgeschwindigkeit von 7,5 km/h bei der Applikation nicht überschritten werden darf. Zusätzlich darf bei der Anwendung eine Windgeschwindigkeit von 3 m/sec. nicht überschritten werden (NT 170). Diese Anwendungsbestimmungen gehen somit über die üblichen Forderungen der „Guten fachlichen Praxis“ hinaus und sind unbedingt einzuhalten, bei Nichtbeachtung drohen empfindliche Bußgeldsanktionen!

Das Herbizid Belkar ermöglicht eine gezielte Behandlung im Nachauflauf der Kultur (ab BBCH 12 bis BBCH 18). Belkar kann zum Beispiel zur Anwendung kommen, wenn sehr lange mit einer Herbizidmaßnahme gewartet werden musste. Mit seinen beiden Wirkstoffen Halauxyfen-Methyl (10 g/l, auch Arylex genannt) und Picloram (48 g/l) wird eine gezielte Kontrolle von breitblättrigen Unkräutern im Nachauflauf ermöglicht, auch unabhängig von der Bodenfeuchte. Allerdings sind die Wirkungen in einer Spritzfolge wirksamer und besonders die Kombination mit Synero 30 SL rundet die Wirkung ab.

Synero 30 SL und Runway VA - zwei Namen aber ein Herbizid - enthält den Wirkstoff Aminopyralid 30 g/l aus der Wirkstoffgruppe O (nach HRAC) und bietet sich daher als Resistenzbaustein gegen die drei K´s (Kamille, Klatschmohn, Kornblume) an. Synero 30 SL bzw. Runway VA bietet sich als Partner im Rahmen von Metazachlor-Reduktionsstrategien an und ist mischbar mit allen Nachauflaufherbiziden wie z.B. Belkar oder Gajus. Im Gegensatz zu dem namensähnlichen Runway sind Synero 30 SL bzw. Runway VA im Vorauflauf und Nachauflauf bis BBCH 18 zugelassen. In den Versuchen der Vorjahre hat eine gute Wirkung gegen Kamille-Arten, Klatschmohn und Kornblume gezeigt und kann daher mögliche Wirkungslücken bei metazachlorreduzierten Kombinationen ausgleichen. Auch die Wirkungen gegen Ausfall-Leguminosen (Ackerbohnen, Erbsen) wurde ebenfalls in den aktuellen Versuchen bestätigt.

Belkar und Synero 30 SL werden gemeinsam als Belkar-Power-Pack angeboten und ermöglichen eine gute Wirkung gegen alle relevanten Unkräuter (u. a. Klettenlabkraut, Storchschnabel-Arten, Kornblume, Kamille-Arten, Hirtentäschelkraut, Besenrauke), einschließlich von in Wellen auflaufenden und schwer zu kontrollierenden Unkräutern.

Besonders wirksam ist der Einsatz von Belkar Power Pack in einer Spritzfolge. Hierzu wird zunächst Belkar 0,25 l/ha + Synero 0,25 (ab BBCH 12) vorgelegt und nach 14-21 Tagen erfolgt die Anwendung von Belkar 0,25 l/ha (ab BBCH 16). Aus Verträglichkeitsgründen sollte keine Anwendung von Belkar vor dem Stadium BBCH 12 erfolgen. Auch bei einem verzettelten Auflauf sollten sich die jüngsten Rapspflanzen in BBCH 12 befinden. BBCH 12 bedeutet: Zwei Laubblattpaare sind neben den bereits vorhandenen Keimblättern vollständig ausgebildet.

So wird erreicht, dass eine Vielzahl von Unkräutern aufgelaufen ist und bei der Behandlung getroffen werden, die Wirkung von Belkar Power Pack ist unabhängig von der Bodenfeuchtigkeit und Witterung auch bei größeren Unkräutern gegeben. Auch kann Belkar oder Belkar-Power-Pack mit der vollen Aufwandmenge von 0,5 (+ 0,25) l/ha als Einmalmaßnahme erfolgen, dafür muss der Raps das sechste Laubblatt gebildet haben, sonst kann es zu Verträglichkeitsproblemen der Kulturpflanze kommen. 

Tabelle 4: Einschränkungen für Mischungen und Spritzfolgen mit Belkar

Eine Mischung mit Insektiziden ist möglich, bei den Graminiziden sind aus Verträglichkeitsgründen nur Mischungen mit der halben Aufwandmenge von Belkar möglich, wobei nur Focus Ultra, Select bzw. VextaDim und Panarex mischbar sind. Andere Graminizide und weitere Pflanzenschutzanwendungen sowie die Ausbringung von Blattdüngern ist nur in einer Spritzfolge und einem Abstand von mindestens 7 Tagen möglich. Mischungen und Spritzfolgen mit metconazolhaltigen Fungiziden bzw. Wachstumsreglern sind zwar mit viel Fingerspitzengefühl und auf eigene Verantwortung möglich, werden aber seitens dem Zulassungsinhaber von Belkar aus Verträglichkeitsgründen weiterhin ausgeschlossen.

Es gibt mehrere neue clomazonehaltige Herbizide, die bereits in Wirkstoffmischung fertig formuliert sind und hinsichtlich der NT 154 maximal 20 m Abstand benötigen. Bei bisher üblichen Tankmischungen von Wirkstoffkombinationen mit clomazonehaltigen Mitteln war dies bislang nicht möglich, hier sind Abstände von mindestens 50 m zu Ortschaften, Haus- und Kleingärten, Öko-Flächen, Flächen mit „clomazonesensiblen“ Anbaukulturen und Flächen die für die Allgemeinheit bestimmt sind (Schulgelände, Spielplätze und Kindergärten) einzuhalten.

Das Tribeca SyncTec (150 g/l Metazachlor, 24 g/l Clomazone und 150 g/l Napropamid) ist mit 5 l/ha gegen Einjähriges Rispengras und zweikeimblättrige Unkräuter im Vorauflauf (Herbst) mit maximal einer Behandlung in der Kultur zugelassen. Mit dieser Aufwandmenge werden 750 g/ha Metazachlor und 750 g/ha Napropamid ausgebracht. SyncTec steht für „syncronized technoloy“, gemeint ist die gemeinsame Mikroverkapselung mehrerer Wirkstoffe, in diesem Fall von Clomazone, Napropamid und Metazachlor. Eine gemeinsame Mikroverkapselung bewirkt, dass die Wirkstoffe kontrolliert freigesetzt werden um so eine Wirkstoffverflüchtigung bei Clomazone, aber auch eine verbesserte Kulturverträglichkeit zu erreichen.

Bei einem starken Besatz von Kreuzblütlern und Rauken sind die neu entwickelten kapsulierten clomazonehaltigen Präparaten wie z.B. Gamit 36 AMT, Centium 36 CS, Tribeca SyncTec nachgefragt. Clomazone neigt in dieser kapsulierten Formulierung weniger zur Thermik und die sonst üblichen Abstände von 50 m reduzieren sich bei Solo-Anwendungen der kapsulierten Clomazoneprodukten auf 20 m zu Ortschaften, Haus- und Kleingärten, Öko-Flächen, Flächen mit „clomazonesensiblen“ Anbaukulturen und Flächen die für die Allgemeinheit bestimmt sind (Schulgelände, Spielplätze und Kindergärten u.a.). Unter den clomazonehaltigen Herbiziden sollten daher nur die kapsulierten Produkte vorrangig eine Verwendung finden.

Abb. Übersicht der Abstände für clomazonehaltige Herbizide am Beispiel für Gamit 36 AMT, Centium 36 CS, Tribeca SyncTec

Um die Abdriftneigung weiterhin zu verbessern, müssen Anwender unbedingt die vorgeschriebenen Witterungsdaten (nicht über 25 °C Lufttemperatur, ab 20 °C nur zwischen 18.00-9.00 Uhr), mindestens 300 l/ha Wasseraufwand und nur mit verlustmindernden Geräten (mindestens     90 % Abdriftminderung) und Fahrgeschwindigkeit (< 7,5 km/ha) einhalten. Zur Einschätzung der aktuellen Witterungsdaten gibt es im Internet eine Hilfestellung des Deutschen Wetterdienstes oder die mobil einsetzbare Clomazone-App von FMC, letztere ist auch geeignet um die Dokumentationspflicht schnell und digital zu erledigen.

Tabelle 5: Nachbehandlungen  

Problemunkräuter wie Mohn, Kornblumen, Hundskerbel sowie Ochsenzunge und Ackerkrummhals lassen sich meist nur mit gezielten Spritzfolgen ausreichend bekämpfen, wenn im Vorauflauf clomazonefrei und in Wasserschutzgebieten metazachlorfrei oder -reduziert gearbeitet wurde. In unseren Versuchen dazu haben sich im Nachauflauf Kombinationen von Runway plus Fox oder Effigo plus Fox in Spritzfolge mit Milestone bewährt, letzteres bietet insgesamt eine gleichsam gute Absicherung gegen Kamille, Klatschmohn, Kornblume und Stiefmütterchen. Eine Kombination von Milestone plus Fox wäre ebenfalls denkbar und bietet sich an, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Spritzfolgen von Runway und Milestone sind zulassungsbedingt nicht möglich.

Graminizide wie z.B. Agil S, Fusilade Max, Panarex, Targa Super und Select 240 EC sowie Focus Ultra sind ausschließlich blattwirksam, so dass deren Einsatz frühestens ab dem 2-3 Blattstadium zur Nachbehandlung gegen Ungräser und Ausfallgetreide erfolgen kann. Bei Soloeinsätzen ist ein Additiv (z.B. Hasten) immer empfehlenswert, außer beim Focus Ultra bzw. Select 240 EC, wo die Additive Dash bzw. Radiamix im Pack automatisch mitgekauft werden. Ansonsten können die Graminizide verträglich mit Runway oder Effigo, Wachstumsreglern oder Insektiziden, nicht aber mit Fox kombiniert werden. Hat man noch keine FOP-Resistenz, ist eine Ackerfuchsschwanzbekämpfung mit Agil-S, Fusilade Max, Targa Super und Panarex möglich. Gegen Quecken werden die besten Erfolge meist nur mit den vollen zugelassenen Aufwandmengen erreicht. Die Anwendung sollte erfolgen, wenn die meisten Queckentriebe drei Blätter ausgebildet haben, aber noch bzw. im Frühjahr schon wieder aktives Wachstum herrscht.

Bei der Anwendung von Select 240 EC plus Radiamix bzw. VextaDim + Vexzone ist zu beachten, dass Anwendungen nach Anfang Oktober und besonders nach Kältephasen nach der Anwendung das Verträglichkeitsrisiko erhöhen können. Es kann möglicherweise zu Blühverzögerungen und auch zu Ertragsdepressionen kommen. Wenden Sie daher Select 240 EC plus Radiamix ab Anfang Oktober nicht mehr in Mischungen mit Triazolen an und verzichten Sie gänzlich auf Anwendungen nach Mitte Oktober. Bei dem neuen Additiv „Radiamix“ scheint das Verträglichkeitsrisiko etwas geringer zu sein, allerdings wird zurzeit noch geprüft, ob das für alle gängigen Rapssorten gilt. Derzeit hat Select 240 EC plus Radiamix bzw. VextaDim + Vexzone auf den meisten Ackerfuchsschwanz-Extremstandorten gewisse Wirkungsvorteile gegenüber einem Focus Ultra + Dash. Gegenüber der Herbizidwirkstoffgruppe der ACCase-Hemmern aus dem Getreidebau (Axial 50 und Traxos) bestehen zunehmend Kreuzresistenzen zu den FOP-Graminiziden (z.B. Agil-S, Panarex und Targa Super), die in Blattfrüchten eingesetzt werden. Deswegen ist es wichtig, auf Standorten mit schwerer bekämpfbarem Ackerfuchsschwanz oder Axial-resistentem Windhalm möglichst mit einer Spritzfolge von Metazachlor und DIM-Präparaten (wie z.B. Select 240 EC plus Radiamix bzw. VextaDim + Vexzone oder Focus Aktiv) zu bekämpfen.

Propyzamid unterliegt, ebenfalls wie Metazachlor, bisher keiner Resistenzgefährdung bei Gräsern und ist in den Produkten Kerb flo, Cohort, Groove und Milestone enthalten. Der Einsatz in der Vegetationsruhe bei vorhandener Bodenfeuchte ist sehr wirksam gegen Ackerfuchsschwanz und auch Trespen, Windhalm, Einjährige Rispe, sowie teilwirksam auf Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Vogelmiere. Milestone bietet mit dem Zusatz von Aminopyralid mit 5,3 g/l zusätzlich eine Wirkung gegen Kamille, Mohn, Kornblume, Vergissmeinnicht und Stiefmütterchen. Der Wirkungsgrad dieser Maßnahme schwankt je nach Vorbehandlung. Bei ALS-resistenter Kamille steht nun eine neue Bekämpfungsmöglichkeit zur Verfügung. Nach vorheriger Anwendung von Runway oder Synero 30 SL bzw. Runway VA) ist eine Anwendung von Milestone nicht erlaubt. Ein Einsatz von Propyzamid ist bei Vegetationsruhe ab Spätherbst bis Ende Februar möglich (Bodentemperatur < 10 °C).

Für die Betriebe, die bisher noch keine Erfahrungen mit Milestone bzw. Kerb flo - Anwendungen haben, bedeutet diese Maßnahme eine gewisse Umstellung, weil das routinemäßige Einwintern der Pflanzenschutz-Spritze ca. Ende Oktober dann nicht mehr wie gewohnt erfolgen kann. Auf Standorten mit hohem Nachaufläuferpotential kann sogar ein späterer Termin im Januar gute Wirkungen ermöglichen.  Die besten Anwendungstermine werden jedoch meistens im November bis Dezember erreicht, aber nur unter der Voraussetzung, dass der Ackerfuchsschwanz noch nicht bestockt ist. Als rein bodenaktiver Wirkstoff wirkt Propyzamid in den oberen 5 cm des Bodens. Wenn die Ungräser also zu groß sind, besteht die Gefahr, dass sie aus diesem Horizont bereits herausgewachsen sind.

 Fazit

  • Herbizidmaßnahmen in Raps sind in der Intensität an das Unkrautspektrum anzupassen, Spritzfolgen helfen Kosten zu sparen und die Verträglichkeit zu verbessern.
  • Rapsherbizide sind in dieser Saison teurer und knapper
  • In Wasserschutzgebieten ist eine Unkrautbekämpfung mit metazachlorarmen oder metazachlorfreien Herbizidstrategien möglich und insbesondere dann nötig, wenn Metabolite von Metazachlor bereits in den Vorfeldmessstellen nachgewiesen wurden.

Herbizidresistenzen von Schadgräsern erfordern zunehmend intensivere Bodenbearbeitung und weitere pflanzenbauliche Maßnahmen, zusätzlich bietet sich in Raps der Einsatz von Kerb flo bzw. Milestone als Baustein zur „Resistenzvermeidung“ mit dem weniger resistenzgefährdetem Wirkstoff Propyzamid an.

Den ausführlichen Artikel mit Grafiken und Tabellen finden Sie im Anhang unter "Rapsherbizide zur Saison 2022"

Kontakte

Dr. Dirk Wolber

Dr. Dirk Wolber

Leiter Sachgebiet Herbologie

0511 4005-2169

dirk.wolber~lwk-niedersachsen.de

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