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3. Maisreifeprüfung: Viele Maisbestände müssen dringend geerntet werden

Webcode: 01040977 Stand: 02.09.2022

Von der Wasserversorgung quasi abgeschnittene Bestände können vielerorts nicht termingerecht geerntet werden, weil nicht genügend Erntekapazität für eine so schnel vollzogene Abreife zur Verfügung steht. Auch die Maisanbauer werden nicht selten von der rasanten Entwicklung ihrer Bestände überrascht.

In weiten Teilen Niedersachsens steigen die TS-Gehalte der Maisbestände weiterhin ungewöhnlich schnell an. Zusätzlich zur witterungsbedingt zügig verlaufenden physiologischen Abreife kommt es durch Wassermangel zum Verdorren der Restpflanzen. Beides zusammen führte in den vergangenen Tagen zu einer weiter beschleunigten Abreife.

Weiterhin sehr schnelle Abreife

Die Maisernte ist vielerorts unter extrem trockenen Bedingungen gestartet.
Die Maisernte ist vielerorts unter extrem trockenen Bedingungen gestartet.Karl-Gerd Harms
Beim Vergleich der wöchentlich erhobenen TS-Gehalte, die im Rahmen der Maisreifeprüfungen der LWK Niedersachsen ermittelt werden, fällt an allen Standorten auf, dass die physiologische Abreife, zu erkennen an des TS-Zunahmen der Kolben, zügig voranschreitet. Dies gilt auch für noch mit Wasser ausreichend versorgte Bestände wie Borwede, Obershagen (beregnet), Borgholt und Ankelohe. Gerade diese noch nicht so weit abgereiften Bestände zeigen eine sehr schnelle Stärkeeinlagerung und damit Abreife der Kolben. Grund hierfür sind die hohen Temperaturen der letzten Wochen, denn diese kann der Mais effektiv in Wachstum und Entwicklung umsetzen. Die genannten Standorte zeigen mit ca. 10 % Trockensubstanzzunahme im Kolben innerhalb von nur einer Woche eine doppelt so schnelle physiologische Reifeentwicklung wie in normalen Jahren - dies allerdings auch zu einem zwei bis drei Wochen früheren Zeitpunkt im Jahr, was diese Entwicklung wiederum auch erst ermöglicht. Dementsprechend steigen auch die TS-Gehalte im gesamten Erntegut schneller an als üblich. Beschleunigt wird der Anstieg der Gesamt-TS-Werte vielerorts durch tiefgründig trockene Böden und ausbleibende Niederschläge, da durch dieses ungünstige Zusammenspiel die Restpflanzen schnell verdorren und z.T. schon deutlich erkennbar absterben.
Ergebnisse der ersten drei Termine der Maisreifeprüfung
Ergebnisse der ersten drei Termine der MaisreifeprüfungKarl-Gerd Harms
In der Reifegrafik (oben) und der Tabelle (siehe Dateien unten) sind diese Effekte daran zu erkennen, dass die TS-Gehalte der Kolben z.T. noch nicht im Bereich der optimalen Silierreife (gelb hinterlegt) sind, während die Gesamt-TS-Werte, bedingt durch den Einfluss der verdorrenden Restpflanzen, bereits das Erntefenster (grün hinterlegt) erreicht oder gar durchschritten haben.
Die Bestimmung des Häckseltermins ist somit eine Kompromisslösung:

  • Bei stark abgereiften Pflanzen mit nur noch sehr wenigen grünen Blättern an der Spitze, die auch bei der Wringprobe (siehe hier) kaum noch Pflanzensaft auspressen lassen, sollte daher zeitnah geerntet werden. Die Häcksellänge sollte bei eindeutig zu trockenem Erntegut deutlich reduziert werden, um eine ausreichende Verdichtbarkeit im Silo sicherzustellen. Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der Siliereigenschaften besteht im Einsatz von Siliermitteln; hierzu finden Sie hier entsprechende Informationen.
  • Bei noch überwiegend grünen Blättern oberhalb des Kolbens und noch nicht erreichter Teigreife des Kolbens (milchige Körner) ist zu erwarten, dass die angekündigten Niederschläge im Laufe der kommenden Woche den Beständen neue Vitalität bescheren. Sollten Niederschläge fallen, ist zu erwarten, dass sich die Stängel wieder mit Wasser vollsaugen und der noch intakte Teil des Blattapparats weiter Assimilate bildet. Somit haben diese Bestände gute Chancen, die Stärkeeinlagerung vollständig abzuschließen und weitgehend normal und harmonisch abzureifen. Eine zeitliche Entspannung der Maisernte wäre die Folge.

Ohne Regen nur sehr kleines Erntefenser

Bleiben die Niederschläge jedoch aus, so werden auch viele noch halbwegs vitale Bestände weiterhin sehr zügig abreifen und müssen bereits in Kürze geerntet werden. Die Reifeprognosen unterhalb der Grafiken können hierbei nur Hinweise für die Situation auf den Praxisschlägen sein.

Futterengpässe - wie reagieren?

In einigen Regionen führt der sehr trockene Sommer zu Futterengpässen, da neben geringeren anderen Grundfuttererträgen auch der Mais schlechtere Erträge und Qualitäten erwarten lässt. Um die Futterversorgung zu gewährleisten besteht einerseits die Möglichkeit, als Körnermais geplante Flächen zuzukaufen, andererseits kann auch auf der eigenen Fläche zusätzliches Grundfutter produziert werden. Durch die sehr frühe Maisernte besteht, zumindest bei ausreichender Wasserversorgung im Herbst und im kommenden Frühjahr, die Möglichkeit, jetzt Gras auszusäen und dieses gff. noch im Herbst und im Frühjahr zu ernten. So kann zusätzlicher Ertrag von den Flächen generiert werden. Besteht eine ausreichend etablierte Grasuntersaat, bietet sich die Herbstbeerntung geradezu an. Hierzu sollte jedoch ein mulchen oder zumindest Walzen der Maisstoppeln (dann in vorgesehener Mahdrichtung) erfolgen, um möglichst wenig Stoppeln mit ins Futter zu bekommen.

Eine andere Option bietet der Zukauf von Grundfutter aus anderen Teilen Norddeutschlands, denn im Unterschied zur Situation in 2018/19 gab es im nördlichen Niedersachsen eine relativ gute Grasernte sowie Futterreserven aus dem Vorjahr. Auch die aktuelle Maisernte verspricht hier derzeit gute Erträge.

Auch in Bezug auf die Fruchtfolgegestaltung bietet die außergewöhnlich frühe Ernte Möglichkeiten zur Umgestaltung; einige denken selbst über Raps nach Silomais nach. Allerdings reagiert der Raps sehr empflindlich auf vorher im Mais eingesetzte Sulfonylharnstoffe. Auch nach dem Einsatz von Mesotrione kann es bei zu wenig Bodenbearbeitung zu Schäden kommen. Gerade die geringen Niederschläge in den Sommermonaten lassen hier zu geringe Abbauraten im Boden erwarten, sodass das Gelingen des Rapses fragwürdig ist.


Detailliertere Informationen über die Maisreifeprüfung des 1. Termins finden Sie hier, solche über den 2. Termin hier.

Hinweise zum Überprüfen der Abreife der eigenen Bestände finden Sie hier.

Informationen zum Einsatz von Siliermitteln finden Sie hier.

Kontakte


Karl-Gerd Harms

Berater Silo- und Körnermais

0441 801-418

0174 2158 211

karl-gerd.harms~lwk-niedersachsen.de

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