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Silierung Mais – Herausforderungen 2022

Webcode: 01040992

Die Maisbestände haben 2022 einen sehr unterschiedlichen Stand, je nach Region, Standort und Ausprägung der Trockenschäden. Es kommt jetzt darauf an, für die Silierung die richtigen Stellschrauben zu setzen, um so verlustarm wie möglich zu ernten und zu silieren.

 

Eigentlich sollte die Silierung von Mais als leicht vergärbare Pflanze kein Problem darstellen. Doch was tun, wenn die Maisbestände in ihrer Entwicklung stark differenzieren? Je nach Standortbedingungen und Niederschlagssituationen kann eine Fläche normal entwickelt sein, die andere aber nicht. Um nicht noch mehr Verluste und Schäden in Kauf zu nehmen, muss nun viel Augenmerk auf den richtigen Erntezeitpunkt und die Silierung gelegt werden.

Auf regionaler Ebene erstrecken sich die Trockenschäden des Maises insbesondere auf den leichten Böden in einem Gebiet vom südlichen Emsland über das mittlere Niedersachsen, nördlich der Mittelgebirge bis zur Lüneburger Heide und dem Wendland. Der Entwicklungszustand der Maisbestände zeigt darüber hinaus aber auch kleinflächig eine große Bandbreite, wo beispielsweise Standortbedingungen inhomogen sind und die Niederschläge unterschiedlich ausfielen. All dieses sollte vor der Silierung entsprechende Berücksichtigung finden.

Maisbestand 2022
Maisbestand 2022Dr. Christine Kalzendorf

Szenario 1: Verdorrter Mais 
Ist die Gesamtpflanze fast vollständig vertrocknet, die Blätter sowie auch Stängel weitestgehend braun und die Kolbenbildung schwach bis gar nicht vorhanden, sollten Sie diese Bestände zuerst ernten und im Silo einlagern. Bei der Wringprobe der Stängel wird hier weder Saft austreten, noch eine Schaumbildung zu beobachten sein (siehe Kasten: Beurteilung des TS-Gehaltes über Wringprobe). Das Ausgangsmaterial ist bereits durch einen ungünstigen Keimbesatz belastet und lässt sich schwer verdichten. Auf eine sehr gute Häckselqualität mit Hacksellängen von 4 bis 6 mm muss besonders großer Wert gelegt werden, um das Porenvolumen im Silofutterstock so gering wie möglich zu halten. Achten Sie zudem auf eine gute und intensive Walzarbeit. Der obere Teil des Silos ist möglichst mit feuchterem Erntegut bzw. normal entwickeltem Mais zu befüllen. Hierbei sollte mindestens die letzte Schicht von 50 cm mit einem chemischen Siliermittelzusatz der Wirkungsrichtung 2 behandelt werden. Der Gärprozess dieser Bestände benötigt Zeit, da die Umsetzungen langsamer verlaufen! Eine Verschlusszeit des Silos von mindestens 8 Wochen bei einer sorgfältigen Siloabdeckung sorgt dafür, dass hartnäckige Schimmelpilze besser zum Erliegen kommen. 

Szenario 2: Kolbenarmer Grünmais
Bei schwach entwickelten Maisbeständen, wo die Blätter und Stängel noch eine grüne bis hellgrüne Farbe haben und die Kolbenentwicklung unterschiedlich ist, kann die Silierung relativ kräftig ausfallen. Das gilt vor allem bei geringer bis gar nicht vorhandener Kolbenbildung. Bei der Wringprobe der Stängel tritt Saft bzw. Schaum aus. Hierbei ist besonders auf die Sickersaftbildung und die Gärgashaube zu achten, vor allem, wenn der TM-Gehalt deutlich unter 28 % liegt.
Besonders viel Sickersaft ist für die noch grünen und gänzlich kolbenlosen Bestände zu erwarten. Es gilt, diesen ordnungsgemäß in Sickersaftgruben oder durch eine hinreichende absorbierende Häckselstrohmatte aufzufangen. Auch trockene und damit saugfähige Mais- oder Grassilage sowie Trockenschnitzel können als Absorptionsmaterial genutzt werden. Die Häcksellänge kann in den Fällen etwas gröber mit 8 bis 10 mm ausfallen.
Wenn es vor der Ernte noch einmal zu Niederschlägen kommt, kann trockenheitsgestresster, aber noch vitaler Mais erneut Wasser und auch Stickstoff aufnehmen. Der in der Pflanze vorhandene Nitratsticksoff wird bei der Silierung enzymatisch abgebaut. Stickstoff haltige Gase werden dabei frei, die dann einen Teil der Gärgashaube ausmachen. Damit die Silofolie diesem Gasdruck Stand halten kann, sind die Silokanten nach der Siloabdeckung mit einer engmaschigen Kette an Kiessäcken auszulegen. Eine weitere Beschwerung der gesamten Silooberfläche bewirkt ein Siloschutznetz, welches gleichfalls mit Kiessäcken an den Silokanten engmaschig zu arretieren ist. 
Nitrose Gase sind giftig! Vor der Öffnung des Silos sollte die Hauptgärphase abgeschlossen sein, d.h. die Gärgashaube hat sich zurückgebildet und ist als solchen nicht mehr vorhanden. In aller Regel bedarf es einer mindestens vier wöchigen Verschlusszeit. Lassen Sie der Gasentwicklung im Silo ihren natürlichen Lauf und halten Sie Abstand vom Silo. Das Einatmen der Gase kann zu schweren Verätzungen führen. 
Der Siliermittelzusatz ist für die noch grünen Bestände nicht zwingend. Allerdings werden hohe Restzuckergehalte in den Silagen erwartet. Vor dem Hintergrund stellt der Zusatz mit DLG-geprüften Produkten der Wirkungsrichtung 2 eine sinnvolle Ergänzung dar (siehe auch webcode 01040965). Das gilt insbesondere, wenn der wöchentliche Futtervorschub bei der Futterentnahme bekannterweise gering ist.
 

Silierung Silomais 2022
Silierung Silomais 2022Dr. Christine Kalzendorf

Szenario 3: Normal entwickelte Bestände
Für normal entwickelte Bestände gilt die allgemein bekannte Praxis einer sorgfältigen Silierarbeit. 
In Betrieben mit sowohl normal entwickelten als auch trockenheitsgeschädigten Maisbeständen gibt, sollten die gesunden Bestände möglichst immer zu den letzten Silierschichten gehören. 

Szenario 4: CCM silieren
Corn-Cob-Mix (CCM) ist ein wertvolles Kraftfutter. Es bedarf bei der Silierung höchster Aufmerksamkeit, damit es in gutem Zustand bis zum Futtertisch kommt. Jeglicher vermeidbarer Futterverderb bedeutet einen hohen monetären Verlust. 
Legen Sie das Silo schmal an, so dass später ein wöchentlicher Futtervorschub von mindestens 2,50 m sicher gewährleistet ist. Die gut verdichtete Ware ist unverzüglich und mit großer Sorgfalt zu verschließen. Die beste anaerobe Lagerung stellt der Siloschlauch dar. Hier ist das Futter ringsherum schmutzarm und sicher vor Luftzutritt eingehüllt. In annähernd vergleichbarer Güte sollte CCM im Fahrsilo abgedeckt werden. Ein Zusatz von chemischen Silierzusätzen auf Basis von Benzoat, Sorbat oder Propionat (2 – 3 l/t) bringt weitere Sicherheit zur Vermeidung der Schimmelbildung. 
Auf einigen Betrieben wird es sich in diesem Jahr aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen und der bereits fortgeschrittenen Abreife anbieten, gut entwickelte Maisbestände als Maissilage über eine CCM-Miete zu legen. Dann sollte der Silo mindestens vier bis sechs Wochen verschlossen bleiben. Je länger die Verschlusszeit, desto nachhaltiger werden dadurch Schimmelpilze unterdrückt.


Wir fassen zusammen
Sehr unterschiedliche Abreifesituationen des Silomaises erfordern in 2022 eine besondere Aufmerksamkeit für die Silierarbeit.
Je nach Trockenheitsstress und TM-Gehalt sollte die Reihenfolge der Ernte und das Einfahren in das Silo, aber auch die Einstellung der Häcksellänge erfolgen. 
CCM bedarf bei der Silierung besonderer Beachtung, um Verluste so gering wie möglich zu halten. Daher sind hier geeignete Siliermittel empfehlenswert.


Mittels Wringprobe den TM-Gehalt der Restpflanze schätzen
Mit der Wringprobe im unteren Stängelbereich lässt sich feststellen, ob die Pflanzen noch mit Wasser versorgt sind, oder ob das Mark der Stängel schon ausgetrocknet ist. 
Zum Selbsttest auf Ihren Flächen entnehmen Sie mindestens 5 bis 10 repräsentative Pflanzen aus dem Bestand (nicht aus den Randreihen) in Häckselhöhe, also ca. 15 bis 25 cm über dem Boden. Der abgeschnittene Stängel wird auf Höhe des unteren Drittels geknickt. Verdrehen Sie die beiden Enden entgegengesetzt, wie beim Auswringen eines Lappens. Läuft dabei Pflanzensaft aus, liegt der TM-Gehalt bei 18 bis 20 %. Tritt Saft nur noch schwach und schäumend aus, liegt der TM-Gehalt um circa 24 %. In aller Regel ist dann mit einer zügigen Verstrohung zu rechnen. Zeigt sich bei der Wringprobe kein Schaum mehr, kann von TS-Gehalten um 28 % und mehr ausgegangen werden. Bei diesem TM-Gehalt fällt kaum bzw. kein Sickersaft mehr an.
Erhöhte Wassergehalte im Erntegut, z.B. durch kurz vor der Ernte auftretende Niederschläge, führen zu einem hohen Sickersaftanfall, der vermieden werden sollte.
 


Mais in Etappen übereinander silieren
Für einige Bestände muss aufgrund der Schädigungen eine vorzeitige Ernte erfolgen. Es spricht nichts dagegen, wenn anschließend normal entwickelter Mais in ausreichender Menge darüber siliert wird. Falls noch eine Gärgashaube besteht, so öffnen Sie das Silo vorsichtig. Halten Sie möglichst Abstand beim ersten Entweichen der Gärgase. 
Die neu aufgebrachte Schicht auf dem Silo sollte deutlich mehr als 50 cm im verdichteten Zustand betragen. Es muss damit eine intensive Gärung und das Herstellen anaerober (Luft freier) Bedingungen wieder gewährleistet sein. Lassen Sie das Silo im Anschluss mindestens sechs, besser noch acht Wochen verschlossen. 
 


 

Kontakte


Dr. Christine Kalzendorf

Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung

0441 801-428

0152 5478 2428

christine.kalzendorf~lwk-niedersachsen.de

Meike Backes
Dipl.-Ing. agr.
Meike Backes

Fachreferentin Pflanzenbau

0511 3665-4453

0152 5478 2076

meike.backes~lwk-niedersachsen.de

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