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Winterhaferanbau - Was zeigen zweijährige Versuchsergebnisse im Ökolandbau?

Die Klimaveränderung mit ihren vielfältigen Auswirkungen sind allgegenwärtig und gerade in diesem Jahr wieder einmal besonders extrem. Schon seit mehreren Jahren in Folge ist das Frühjahr überwiegend durch Trockenheit geprägt. Zusätzlich verschärfen Frühsommertrockenheiten sowie Dürre- und Hitzperioden im Hochsommer das Problem den Wasserbedarf der angebauten Kulturpflanzen zu decken. Die Anbaurisiken in der Landwirtschaft nehmen deutlich zu. Im Bereich der pflanzlichen Erzeugung müssen Lösungswege zur Klimaanpassung gesucht werden, welches auch beinhaltet bisher unbekannte Kulturformen im Anbau zu etablieren.

Der Sommerhafer ist eine betroffene Kultur bei der das Anbaurisiko durch die beschriebe Wasserknappheit zweifellos gestiegen ist, da die erforderlichen Qualitäten für die Haferflockenerzeugung, aber auch die Erträge erheblich beeinträchtigt werden können.

Hafer hat einen hohen Vorfruchtwert und gilt zudem als Gesundungsfrucht, da er für Halmbruch und Schwarzbeinigkeit keine Wirtspflanze ist. Aufgrund der vergleichsweise geringen Nährstoffansprüche ist der Hafer im Ökolandbau für den Anbau seit je her interessant und passt gut in die Fruchtfolge. Um gute Qualitäten zu erreichen, sind Standorte mit gesicherter Wasserversorgung zu bevorzugen. Die Aussaat von Sommerhafer sollte möglichst früh im März bis etwa Mitte April erfolgen, damit insbesondere noch die Bodenfeuchte im Frühjahr genutzt wird.

Hafer genießt als Lebensmittel mit seinen ernährungsphysiologischen Vorzügen derzeit eine echte Renaissance. Der Bedarf an Öko-Hafer für die menschliche Ernährung hat zugenommen. Hafer wird in erster Linie zu Konsumzwecken angebaut. Futterhafer spielt eine untergeordnete Rolle. Haferpartien mit einem hohen Hektolitergewicht (Hl-Gewicht) sind gefragt. Die Mindestanforderungen variieren je nach Abnehmer in der Regel zwischen 52 und 55 kg. Daran orientiert sich in der Regel auch die Preisbildung. Neben der Sorte haben auch die Standortbedingungen wie Bodengüte und insbesondere die Wasserverfügbarkeit einen wesentlichen Einfluss auf die Höhe des Hekolitergewichts, aber auch auf den Spelzanteil.

Schälmühlen fordern zudem leicht zu entspelzende Körner und einen geringen Spelzenanteil, also eine hohe Kernausbeute. Je nach Anforderungen der Verarbeiter sollten die Anteile nicht über einen Bereich von 26 bis 30 Prozent liegen.

Die mehrjährigen Ergebnisse der Sortenversuche Sommerhafer und auch Rückmeldungen aus der Praxis belegen, dass es keinesfalls sicher ist die geforderten Qualitäten zu erzeugen.

Versuche zum Winterhaferanbau

Das zunehmende Anbaurisiko bei Sommerhafer führte im Fachbereich Ökologischer Landbau der LWK Niedersachsen zu der Überlegung ob der Winterhafer im veränderten Klima mit milden, feuchten Wintern, trockenen Frühjahren und Frühsommertrockenheit eine Alternative mit sicheren Qualitäten und besserer Ertragsstabilität bieten kann.

Winterhafer kann im Vergleich zu Sommerhafer die Winterfeuchtigkeit durch sein früh gebildetes Wurzelsystem gut ausnutzen und hat im Frühjahr einen Entwicklungsvorsprung im Pflanzen- und Wurzelwachstum. Er leidet dadurch im Vergleich zu Sommerhafer weniger unter Vorsommertrockenheit und kann möglicherweise unter diesen Bedingungen stabilere Erträge und Qualitäten realisieren. Zu beachten ist allerdings die eingeschränkte Winterfestigkeit. Aufgrund dieser Tatsache konzentrierte sich der Anbau bisher vielfach in England und Frankreich.

Im Jahr 2020 hat der Fachbereich Ökolandbau der LWK Niedersachsen Versuche mit Winterhafer begonnen. Das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) ist an dem Vorhaben mit Demonstrations-Praxisflächen beteiligt. Die Versuche werden durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finanziell unterstützt.

In den Exaktversuchen der LWK Niedersachsen werden derzeit vier verfügbare Winterhafersorten unter niedersächsischen Anbauverhältnissen hinsichtlich Ertragsniveau, Winterhärte und Qualitätsparameter geprüft. Die Parzellenversuche stehen auf den langjährig umgestellten Öko-Versuchsstandorten Wiebrechtshausen (Lkr. Northeim) und Oldendorf II (Lkr. Uelzen). Im Herbst 2021 ist der Versuchsstandort Waldhof der Hochschule Osnabrück mit in die Versuche eingestiegen. Das KÖN vergleicht flankierend verschiedene Winterhafersorten im Praxisanbau.

Die zunehmenden Anfragen aus der Praxis zum Winterhaferanbau zeigen, dass die landwirtschaftlichen Betriebe nach Lösungswegen zur Klimaanpassung und letztlich zur Risikostreuung suchen. Um Antworten auf die Anbaufragen geben zu können, werden nachfolgend die zweijährigen Versuchsergebnisse auf Grundlage der Parzellenversuche der LWK Niedersachsen vorgestellt.

Die Ergebnisse der Sortenversuche Öko-Winterhafer 2021 bis 2022 können am Ende dieses Beitrages heruntergeladen werden.

Ergebnisse zu weiteren Öko-Versuchen auch aus zurückliegenden Jahren finden Sie unter: ISIP

Eine Übersicht zu den verfügbaren ökologisch vermehrten Sorten finden Sie unter: www.organicxseeds.de

 

Hafer
HaferAnne Schuchert

Kontakte

Markus Mücke
Dipl.-Ing. agr.
Markus Mücke

Berater Ökologischer Ackerbau, Mechanische Beikrautregulierung, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau

0511 3665-4378

markus.muecke~lwk-niedersachsen.de

Volker Graß

Volker Graß

Berater Ökologischer Landbau, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau

0511 3665-4294

volker.grass~lwk-niedersachsen.de

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