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Zwischenfrüchte und ihre Rolle bei der Minderung von Treibhausgasen

Webcode: 01041149 Stand: 28.10.2022

Pflanzenbau: Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellt bei Feldtag in Poppenburg Ergebnisse aus Verbundprojekt vor

LWK-Pflanzenbauexperte Dr. Ulrich Lehrke (r.) erläuterte den Besucher*innen des Zwischenfrucht-Feldtages unter anderem Details zum Einfluss des Aussaattermins auf die Entwicklung der Zwischenfrüchte.
LWK-Pflanzenbauexperte Dr. Ulrich Lehrke (r.) erläuterte den Besucher*innen des Zwischenfrucht-Feldtages unter anderem Details zum Einfluss des Aussaattermins auf die Entwicklung der Zwischenfrüchte.Annette Hoffmann
Poppenburg – Um Lösungen zur Minderung von Treibhausgasemissionen in der Pflanzenproduktion durch standortangepasst optimierte Zwischenfruchtanbausysteme geht es im Projekt THG-ZWIFRU, an dem die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) beteiligt ist. Einen detaillierten Einblick in die Arbeitsschwerpunkte des Projekts haben 150 Gäste des Zwischenfrucht-Feldtags in Burgstemmen/Poppenburg südlich von Hannover bekommen.

Der Anbau von Zwischenfrüchten ist eine wichtige Maßnahme zur Förderung der Artenvielfalt bei gleichzeitiger Vermeidung von Nährstoffverlusten. Zwischenfrüchte dienen unter anderem dem Erosionsschutz sowie dem Humusaufbau und helfen bei der Vorbeugung gegen Pflanzenkrankheiten.

Fähigkeit zur Stickstoffaufnahme

Gezielt ausgewählt und rechtzeitig etabliert, können Zwischenfrüchte im Herbst erhebliche Mengen Stickstoff (N) aufnehmen. Damit sind sie in der Lage, N-Auswaschungen deutlich zu reduzieren, insbesondere nach Kulturen, bei denen mit erhöhten Mengen mineralisierten Stickstoffs (Nmin) zum Beginn der Sickerwasserperiode zu rechnen ist.

Die Verringerung der Nitratverfügbarkeit im Winter kann dazu beitragen, wintertypische Emissionen von Lachgas zu vermeiden, dem ein hohes Treibhauspotenzial zugeschrieben wird. Allerdings zieht der Zwischenfruchtanbau selbst direkte Lachgasemissionen nach sich. Es ist daher besonders wichtig, dass die erneute Freisetzung des in den Zwischenfrüchten gebundenen Stickstoffs in den Folgekulturen gut abgeschätzt und in der Düngeempfehlung berücksichtigt werden kann. Gelingt dies, können durch angepasste Düngung weitere Treibhausgasemissionen eingespart werden.

Diese Zusammenhänge wurden im Zuge des Projektes THG-ZWIFRU untersucht. Erste Ergebnisse standen im Fokus des Poppenburger Zwischenfrucht-Feldtags.

Projektpartner stellen Ergebnisse vor

Referent*innen des Zwischenfrucht-Feldtages (v.l.): Dr. Insa Kühling (Uni Kiel), Prof. Klaus Dittert (Uni Göttingen), Marilena Reinhard-Kolempas (LWK), Michaela Schlathölter (Saatzucht Petersen), Annette Hoffmann (LWK), Dr. Heinz-Josef Koch (IfZ).
Referent*innen des Zwischenfrucht-Feldtages (v.l.): Dr. Insa Kühling (Uni Kiel), Prof. Klaus Dittert (Uni Göttingen), Marilena Reinhard-Kolempas (LWK), Michaela Schlathölter (Saatzucht Petersen), Annette Hoffmann (LWK), Dr. Heinz-Josef Koch (IfZ).Jörg Rath-Kampe/Deutscher Landwirtschaftsverlag
Zunächst berichteten die Projektpartner – dazu zählen neben der LWK das Thünen-Institut, das Institut für Zuckerrübenforschung, die Universitäten Göttingen, Hohenheim und Kiel sowie das Unternehmen P. H. Petersen Saatzucht Lundsgaard GmbH – in verschiedenen Vorträgen über die Projekt-Ergebnisse: Dr. Insa Kühling (Uni Kiel) führte zu Beginn in das Thema Treibhausgase im Pflanzenbau ein. Anschließend erläuterte Michaela Schlathölter (Saatzucht Petersen) den vielfältigen Nutzen beim Anbau von Zwischenfrüchten. 

Dr. René Dechow (Thünen-Institut) zeigte das Potenzial zur langfristigen Humusanreicherung durch den regelmäßigen Anbau von Zwischenfrüchten auf. Prof. Klaus Dittert (Uni Göttingen) stellte detailliert die Lachgasemissionen im Zwischenfruchtanbau vor. Die Versuchsergebnisse zur Stickstoffnachlieferung aus Zwischenfrüchten im Silomais- und Zuckerrübenanbau wurden von Dr. Heinz-Josef Koch (Institut für Zuckerrübenforschung) erläutert. THG-ZWIFRU-Projektmitarbeiterin Marilena Reinhard-Kolempas (LWK) führte die Ergebnisse in einer ökonomischen Betrachtung des Zwischenfruchtanbaus zusammen.

Angeregte Diskussion beim Feldrundgang

Bei einem anschließenden Rundgang auf der LWK-Versuchsstation Poppenburg setzten die Projektteilnehmenden und die Gäste aus Beratung, landwirtschaftlicher Praxis und Forschung die Diskussion zu Fruchtfolgen, Zwischenfruchtanbausystemen und Kulturführung intensiv fort. 

Michaela Schlathölter (Saatzucht Petersen) erklärte anhand von ausgegrabenen Zwischenfruchtpflanzen die unterschiedlichen Wurzelsysteme und ihre Funktionen.
Michaela Schlathölter (Saatzucht Petersen) erklärte anhand von ausgegrabenen Zwischenfruchtpflanzen die unterschiedlichen Wurzelsysteme und ihre Funktionen.Annette Hoffmann
LWK-Pflanzenbauexperte Dr. Ulrich Lehrke betrachtete unter anderem den Einfluss des Aussaattermins auf die Entwicklung der Zwischenfrüchte. Durch die Wahl der geeigneten Mischungspartner ließe sich die Entwicklung des Bestandes fördern, so Lehrke. Michaela Schlathölter (Saatzucht Petersen) erklärte anhand von ausgegrabenen Zwischenfruchtpflanzen die unterschiedlichen Wurzelsysteme und ihre Funktionen. Paul Mikuszies von der Uni Kiel stellte den Einfluss verschiedener Mulchtermine auf die Bodenstickstoffgehalte und Lachgasemissionen vor.

 Möglichkeiten und Grenzen von digitalen Bestandesbonituren

Für Technikinteressierte berichteten Dr. Insa Kühling von der Uni Kiel und Friedrich Bartels (LWK) über die Möglichkeiten und Grenzen von digitalen Bestandesbonituren mittels Drohnen. Ergänzt wurde diese Station durch einen Einblick in die Messtechnik für Lachgasemissionen, den Victoria Nasser (Uni Göttingen) gewährte. 

LWK-Fruchtfolgenexperte Kai-Hendrik Howind erläuterte anhand langjähriger Versuchsergebnisse die Nutzen vielfältiger Fruchtfolgen. Abgerundet wurde der gut besuchte Feldrundgang durch eine Versuchsanlage zu Beisaaten im Raps. Inwieweit die Arten, die aus dem Zwischenfruchtanbau bekannt sind, zur Stickstoffversorgung des Rapses beitragen und nebenbei Unkraut unterdrücken können, führte Jörg Schaper (LWK) aus.

Projekthintergrund

Victoria Nasser (Uni Göttingen) gewährte auf dem Zwischenfrucht-Feldtag Einblick in die Messtechnik für Lachgasemissionen.
Victoria Nasser (Uni Göttingen) gewährte auf dem Zwischenfrucht-Feldtag Einblick in die Messtechnik für Lachgasemissionen.Annette Hoffmann
Das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geförderte Verbundprojekt THG-ZWIFRU verfolgt das Ziel, die Kenntnisse zu Treibhausgasemissionen und Ertragseffekten durch N-Mineralisation im Zwischenfruchtanbau zu verbessern. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wurden an vier Standorten (Kiel, Uelzen, Göttingen, Hohenheim) Untersuchungen zur Wirkung von Zwischenfrüchten in zwei typischen Fruchtfolgesequenzen (Zwischenfrucht-Silomais-Winterweizen bzw. Zwischenfrucht-Zuckerrübe-Winterweizen) durchgeführt. 

Es wurden die vier Zwischenfruchtarten Ölrettich, Rauhafer, Sommerwicke und Winterroggen aus unterschiedlichen funktionalen Gruppen (Winterhärte, Stickstofffixierung, Wurzelarchitektur, Massenverhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff) betrachtet. Eine Brache ohne Bewuchs diente als Kontrollvariante.

In mehrstufigen N-Steigerungsversuchen ließ sich die ökonomisch optimale N-Düngung in beiden Folgekulturen nach den Zwischenfrüchten ermitteln. Zusätzlich wurden regelmäßig die Boden-Nmin-Gehalte sowie die direkten Lachgasemissionen gemessen, ergänzt um weitere Erhebungen wie Wurzelparameter oder Spektraldaten an einzelnen Standorten.
 


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