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Getreide- und Ölsaatenmarkt: USDA-Bericht November 2022

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Am 9. November wurde der November-Bericht des US-Agrarministeriums veröffentlicht. Als erste Reaktion ging es moderat abwärts am Weizenmarkt. Damit hat sich der Trend der vergangenen Tage fortgesetzt. Dennoch befinden sich die Preise im Vergleich zu den Vorjahren weiterhin auf einem hohen Niveau. Doch der Markt bleibt volatil. Aktuell beherrscht der Ukraine-Krieg deutlicher das Marktgeschehen als die Anbauprognosen, zumindest kurzfristig. Die Marktbeteiligten blicken auf die anstehenden Verhandlungen bezüglich des Exportkorridors aus den ukrainischen Seehäfen. Darüber hinaus bleibt es jedoch wichtig, die Veränderungen der Anbauprognosen im Blick zu behalten.

Weizen: Globale Produktion nach oben korrigiert; Weltendbestände deutlich unter Vorjahr

Welt Weizenproduktion - WASDE Bericht
Welt Weizenproduktion - WASDE BerichtSabine Heinemann

Produktion: Die globale Produktion hat sich nach Einschätzung der US-Experten um ca. 1 Mio. t auf 782,68 Mio. t erhöht. Im Jahresvergleich ergibt sich daraus ein Plus von gut 3 Mio. t. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem die gestiegene Erntemenge für Australien. Diese wurde aufgrund der überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen und den guten Bedingungen zur Aussaat um 1,5 Mio. t auf 34,5 Mio. t nach oben korrigiert. Weitere Erhöhungen gab es auch für Kasachstan von 13 auf 14 Mio. t sowie für das Vereinigte Königreich von 14,6 auf 15,4 Mio. t. Für andere Länder gab es dagegen Abstriche. So wurden die Produktionsaussichten für Argentinien aufgrund der trockenen Witterungsbedingungen um 2,5 Mio. t auf 15,5 Mio. t gesenkt. Eine weitere Abwärtskorrektur wurde für die EU vorgenommen. Hier beläuft sich die Weizenernte auf 134,3 Mio. t nach 134,75 Mio. t im Vormonat.

Welt Weizen - WASDE Bericht
Welt Weizen - WASDE BerichtSabine Heinemann
Verbrauch, Endbestände: Der globale Verbrauch hat sich im Vergleich zum Vormonat um 1 Mio. t auf 791,17 Mio. t erhöht. Dennoch wird die Vorjahresmenge noch um ca. 2,6 Mio. t verfehlt. Die Handelsmenge erreicht mit 208,7 Mio. t einen neuen Rekordwert. Steigerungen gehen auf das Konto Australiens, Kasachstans und des Vereinigen Königreichs. Reduzierungen wurden für Argentinien verbucht. Unterm Strich ergibt sich daraus ein Weltendbestand in Höhe von 267,82 Mio. t nach 267,54 Mio. t im Vormonat. Noch deutlicher wird das Minus, wenn man einen Jahresvergleich vornimmt. In der Saison 21/22 lag der Endbestand bei 276,31 Mio. t und damit um ca. 9 Mio. t höher als in diesem Wirtschaftsjahr. Das Defizit zum Wirtschaftsjahr 20/21 beträgt sogar knapp 23 Mio. t.

Erwartungen für die Ukraine: Für die Ukraine erwartet das US-Agrarministerium wie im Vormonat eine Weizenernte von 20,5 Mio. t. Damit beläuft sich das Minus zum Vorjahr auf knapp 13 Mio. t. Die Exportmenge wird ebenfalls unverändert auf 11 Mio. t (Vorjahr 18,84 Mio. t) geschätzt und die Endbestände auf 4,71 Mio. t (Vorjahr 5,81 Mio. t).

Reaktionen an der Börse: Nach der Veröffentlichung des USDA-Berichtes gaben die Weizenkurse sowohl an der CBoT als auch an der Matif nach. Analysten vermuten, dass diese Reaktion eher durch Meldungen aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine als durch die aktuellen USDA-Zahlen hervorgerufen worden sind. Auch am Folgetag setzte sich die leicht schwächere Tendenz fort. Marktbeteiligte waren gespannt, ob der Exportkorridor auch nach dem 19.11.22 noch geöffnet bleibt.

 

Mais: US-Maisproduktion nach oben korrigiert; US-Endbestände ebenfalls leicht erhöht, Weltendbestände sinken.

Produktion: In den USA steigt die Maisproduktion höher als der Verbrauch. Damit erhöhen sich auch die Endbestände leicht auf 30,02 Mio. t (21/22: 34,98 Mio. t). Die globale Maisernte fällt im Vergleich zum Vormonat etwas niedriger aus. Die geringeren Erntemengen in der EU, Südafrika, den Philippinen und Nigeria werden nur zum Teil von höheren Erwartungen für Angola, Mali, Pakistan und der Türkei ausgeglichen. Für die EU beläuft sich die Schätzung der US-Experten auf nur noch 54,8 Mio. t nach 56,2 Mio. t im Vormonat. Hier schlägt insbesondere die geringere Maisernte in Ungarn zu Buche. Die Vorjahresmenge in Höhe von 70,98 Mio. t wird damit deutlich verfehlt. Die Importmenge bleibt dennoch unverändert bei 20 Mio. t.

Endbestände: Das größere Angebot in den USA führt zu höheren US-Endbeständen. Auf globaler Ebene gehen sie jedoch weiter zurück und fallen auf 300,76 Mio. t. Das sind ca. 7 Mio. t weniger als im Vorjahr. Nimmt man China bei dieser Berechnung raus, verbleiben sogar nur noch 94,64 Mio. t. In der EU bleiben sie unverändert bei 7,4 Mio. t nach 9,7 Mio. t im Vorjahr.

Erwartungen für die Ukraine: Die Produktionserwartung für die Ukraine bleibt wie im Vormonat bei 31,5 Mio. t. (21/22: 42,13 Mio. t, 20/21: 30,3 Mio. t). Die ukrainischen Exporte werden auf 15,5 Mio. t geschätzt. Wie im Oktoberbericht werden die Endbestände mit 9,87 Mio. t prognostiziert. Im Vorjahr waren es 4,57 Mio. t.

Reaktionen an der Börse: Der Maiskontrakt an der Matif befindet sich bereits seit Monatsbeginn im Abwärtstrend. Dieser wurde durch die USDA-Zahlen weiter fortgesetzt. Der Frontmonat schloss nach der Veröffentlichung bei 323,50 EUR/t. Auch an der CBoT ging es weiter bergab. Hier wurde vor allem auf die größere US-Ernte und die höheren US-Endbestände reagiert. Am Freitag standen die Vorzeichen bereits wieder auf grün.

 

Ölsaaten: US-Ernte größer, Welternte geringer; Weltendbestände steigen

Soja: Im Vergleich zum Vormonat prognostizierte das USDA in seinem aktuellen Bericht eine Anhebung der US-Produktion um ca. 1 Mio. t auf 118,27 Mio. t. Insbesondere die höheren Erträge in den Anbaugebieten in Iowa und Missouri trugen zu dem besseren Ergebnis bei. Die US-Endbestände kletterten auf 220 Mio. bu und übertrafen damit die Erwartungen der Analysten. Dagegen wurde die globale Sojaproduktion von 390,99 Mio. t auf 390,53 Mio. t nach unten korrigiert. Ausschlaggebend waren hier Reduzierungen für Argentinien. Dennoch wird das Vorjahresergebnis deutlich um ca. 35 Mio. t überschritten. Die Weltendbestände erhöhten sich um knapp 2 Mio. t auf 102,17 Mio. t. Höhere Endbestandszahlen aus China machten sich hier bemerkbar. Die Importmenge Chinas blieb jedoch unverändert zum letzten Bericht bei 98 Mio. t.

Raps: Die globale Rapsproduktion 22/23 wurde noch einmal nach oben korrigiert. Mittlerweile liegen die Prognosen bei 84,816 Mio. t. Insbesondere für Australien wird eine gute Ernte prognostiziert. Diese wird mit einem Plus von 0,6 Mio. t auf 7,3 Mio. t geschätzt. Auch eine Anhebung der EU-Ernte auf 19,5 Mio. t trug zu dieser Aufwärtskorrektur auf globaler Ebene bei. Allerdings erreicht auch der Verbrauch mit 80,8 Mio. t einen neuen Rekord. Mit den guten Ernteergebnissen in vielen Ländern können sich die Weltendbestände wieder etwas erholen. Diese steigen von 4,359 Mio. t in der Saison 21/22 auf 7,163 Mio. t.

Reaktionen an der Börse: Nach der Veröffentlichung des Berichtes kletterte der Rapskurs an der Matif leicht auf 644 EUR/t nach oben. Tendierte am Folgetag bereits wieder schwächer. Auch die Sojabohnen gingen zunächst mit einem leichten Plus aus dem Handelstag, verbuchte am Folgetag jedoch deutliche Verluste.

 

USDA November 22

Erwartungen

USDA Oktober 22

Weizen

Weltendbestände 22/23 (Mio. t)

267,82 (+)

266,52

267,54

US-Endbestände 22/23 (bn bu)

0,571 (-)

0,578

0,576

Mais

Weltendbestände 22/23 (Mio. t)

300,76 (+)

300,63

301,19

US-Endbestände 22/23 (bn bu)

1,182 (-)

1,207

1,172

Soja

Weltendbestände 22/23 (Mio. t)

102,17 (+)

100,61

100,52

US-Endbestände 22/23 (bn bu)

0,220 (+)

0,212

0,200

(-) unter Erwartungen

(+) über Erwartungen

Quelle: USDA

Kontakte

Stephanie Stöver-Cordes
Dipl.-Ing. agr.
Stephanie Stöver-Cordes

Fachreferentin

0441 801-351

stephanie.stoever-cordes~lwk-niedersachsen.de

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