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Hohe Sonnenblumenkuchenanteile im Öko-Mastversuch

Webcode: 01041218 Stand: 25.11.2022

In ökologisch wirtschaftenden Schweinebetrieben sind Ölkuchen, wie z.B. Sonnenblumenkuchen, als Eiweißfutter weit verbreitet. Bei höheren Anteilen steigt aber auch der Fettgehalt und der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren in der Mischung, was die Speckqualität negativ beeinflussen kann. Zudem gibt es in der Praxis die Befürchtung, dass größere Mengen an Sonnenblumenkuchen die Futteraufnahme senken. Wie sich höhere Anteile an Öko-Sonnenblumenkuchen auf die Leistung und die Futteraufnahme von Mastschweinen auswirken, hat die LWK Niedersachsen in einem Versuch geprüft.

Versuchsdurchführung in der LPA Quakenbrück

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden 112 Ferkel (Topigs Norsvin Tempo x TN 70) nach Gewicht auf zwei Futtergruppen verteilt und in Zweiergruppen ohne Einstreu gehalten.  Häckselstroh wurde als Beschäftigung auf die Liegefläche gestreut. Die Kontroll- und die Versuchsgruppe wurden dreiphasig gefüttert: Anfangsmastfutter bis 60 kg LG, Mittelmastfutter von 60 bis 90 kg und anschließend ein Endmastfutter bis 122 kg. Das Kontrollfutter enthielt keinen Sonnenblumenkuchen, im Versuchsfutter waren in der Anfangsmast 5 %, in der Mittelmast 8 % und in der Endmast 10 % ungeschälter Sonnenblumenkuchen enthalten. Darüber hinaus enthielten alle Rationen Sojakuchen als weiteren Ölkuchen. Dadurch unterschieden sich die Anteile an mehrfach ungesättigten Fettsäuren nur wenig, so dass auf eine Untersuchung der Speckproben verzichtet wurde.

Die Prüfung umfasste den Gewichtsbereich von 28 bis 122 kg. Zwischenwägungen wurden bei jedem Futterwechsel vorgenommen. Die Pelletfütterung erfolgte ad libitum. Die Ferkel stammten aus einem konventionellen Betrieb und wurden als Mastschweine konventionell gehalten.

Tabelle 1: Planungsdaten der beiden Öko-Futtergruppen

 

 

Kontrollgruppe
ohne Sonnenblumenkuchen

Versuchsgruppe
mit Sonnenblumenkuchen

 

Mastabschnitt

 

kg

AM

28-60

MM

60-90

EM

90-122

AM

28-60

MM

60-90

EM

90-122

Rohprotein

Lysin

Methionin

Methionin+Cystin                

Threonin

Rohfett

Rohfaser

Phosphor

ME

%

%

%

%

%

%

%

%

MJ/kg

18,2

1,00

0,28

0,58

0,75

5,7

4,7

0,53

13,2

16,8

0,93

0,24

0,52

0,66

5,0

4,7

0,48

13,0

16,0

0,83

0,22

0,48

0,61

3,5

5,5

0,46

12,5

17,5

1,00

0,29

0,58

0,71

5,7

5,8

0,53

13,0

17,5

0,93

0,26

0,54

0,68

5,5

5,7

0,48

12,9

16,2

0,83

0,25

0,52

0,62

4,3

6,5

0,42

12,3

Der Vergleich der Planungsdaten mit den Analysenergebnissen zeigt, dass folgende Werte nicht bestätigt werden konnten: Der Rohprotein- und Phosphorgehalt im Anfangsmast- sowie der Phosphorgehalt im Endmastfutter der Versuchsgruppe und der Phosphorgehalt im Endmastfutter der Kontrollgruppe. Der Energiegehalt beider Endmastfutter lag über der futtermittelrechtlichen Toleranz von 0,4 MJ/kg.

Tabelle 2: Futteranalysen

 

 

Kontrollgruppe
ohne Sonnenblumenkuchen

Versuchsgruppe
mit Sonnenblumenkuchen

 

 

AM

MM

EM

AM

MM

EM

Rohprotein

Lysin

Methionin+Cystin                

Threonin

Valin

Rohfett

Rohfaser

ADFom

aNDFom

Phosphor

ME

Lysin/ME

%

%

%

%

%

%

%

%

%

%

MJ/kg

g/MJ

18,2

1,08

0,56

0,70

0,89

5,7

5,5

7,9

14,4

0,59

13,1

0,82

16,6

0,94

0,53

0,61

0,77

5,1

4,9

6,2

13,8

0,52

13,3

0,71

16,0

0,88

0,49

0,60

0,78

4,0

5,4

7,1

14,8

0,54

13,0

0,68

19,3

1,06

0,64

0,74

0,97

6,0

6,2

9,0

15,4

0,60

13,0

0,82

17,4

0,96

0,56

0,64

0,81

5,7

5,9

7,1

13,5

0,52

13,2

0,73

16,2

0,89

0,54

0,62

0,78

5,1

6,0

7,6

14,9

0,51

13,1

0,68

Die Mischungen enthielten Futtermittel aus dem ökologischen Landbau und Umstellungserzeugnisse.

Tabelle 3: Zusammensetzung der Futter (Hauptkomponenten)

 

Kontrollgruppe

Versuchsgruppe

 

AM

MM

EM

AM

MM

EM

Gerste

Hafer

Mais

Weizen

X

X

X

X

X

X

X

X

 

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

 

X

X

Sojabohnen

Sojakuchen

Ackerbohnen

Erbsen

Luzerne-Grünmehl

Sonnenblumenkuchen

X

X

X

X

 

X

X

X

X

 

 

X

X

 

X

X

X

X

X

 

X

X

X

X

X

 

X

 

X

X

X

X

X

1100 g Tageszunahmen

In der gesamten Mast erzielten die Tiere der Kontrollgruppe (ohne Sonnenblumenkuchen)

1092 g und die Tiere der Versuchsgruppe (mit Sonnenblumenkuchen) 1119 g Tageszunahmen, der Futteraufwand lag bei 2,33 bzw. 2,31 kg je kg Zuwachs. Die Tiere nahmen täglich 2,53 kg (Kontrollgruppe) bzw. 2,58 kg (Versuchsgruppe) auf. Die Unterschiede in der Mastleistung waren nicht signifikant. In der Mittelmast von 60 bis 90 kg LG lagen die Tageszunahmen der Versuchstiere mit 1150 g gesichert höher als die der Kontrolltiere (1094 g). In der Endmast wurden außerordentlich hohe Zunahmen von im Mittel 1250 g erreicht.

Die Schweine wurden nach AutoFOM klassifiziert. Die Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht lagen in der Kontrollgruppe bei 0,991 und in der Versuchsgruppe bei 0,983. Auch diese Differenz ließ sich nicht absichern. Hingegen erreichten die Versuchstiere eine signifikant höhere Schlachtausbeute.

Tabelle 4: Mastleistung und Schlachtkörperbewertung

 

 

Kontrollgruppe
ohne Sonnenblumenkuchen

Versuchsgruppe
mit Sonnenblumenkuchen

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

 

kg

kg

g

kg

kg

56

27,8

124,1

1092

2,33

2,53

56

27,8

123,9

1119

2,31

2,58

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

MFA Bauch

Speckmaß

Fleischmaß

Indexpunkte/kg SG

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

mm

mm

94,6

76,3a

18,2

7,1

9,1

13,8

58,4

13,4

61,4

0,991

95,3

76,8b

18,1

7,1

9,0

13,9

58,0

13,6

61,3

0,983

a,b: Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Differenzen (p<0,05).

Futterkosten

Die Berechnung der Futterkosten beruhte auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum (Juni bis September 2022). Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen in der Kontrollgruppe bei 160,95 € und in der Versuchsgruppe bei 160,01 €.

Fazit

In einem Mastversuch wurde der Einsatz steigender Anteile an Öko-Sonnenblumenkuchen geprüft. Das Futter der Versuchsgruppe enthielt 5 % Sonnenblumenkuchen in der Anfangsmast, 8 % in der Mittel- und 10 % in der Endmast. Im Kontrollfutter war dieser Ölkuchen nicht enthalten. Die Schweine in der LPA wurden konventionell gehalten.

Die mittleren Leistungen lagen mit mehr als 1100 g Tageszunahmen und einem Futteraufwand je kg Zuwachs von 2,32 kg auf einem sehr hohen Niveau. Unterschiede in der Mastleitung traten nicht auf. Höhere Anteile an Sonnenblumenkuchen beeinträchtigten die Futteraufnahme nicht: 2,53 kg (Kontrollgruppe) bzw. 2,58 kg pro Tag (Versuchsgruppe).

Die Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht lagen in der Kontrollgruppe bei 0,991 und in der Versuchsgruppe bei 0,983. Diese Differenz ließ sich nicht absichern, wohl aber die höhere Schlachtausbeute der Kontrolltiere.

In der Versuchsgruppe lagen die Futterkosten je 100 kg Zuwachs um fast 1 € niedriger.

Rationen mit höheren Anteilen an Sonnenblumenkuchen führten in diesem Versuch zu sehr hohen Leistungen.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Andrea Meyer

Rinderfütterung, Schweinefütterung, Futterberatungsdienst e.V.

0511 3665-4479

andrea.meyer~lwk-niedersachsen.de

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