Um formstabile und qualitativ hochwertige Rundballen herzustellen, bedarf es Augenmerk und Sorgsamkeit. Worauf besonders zu achten ist, erfahren Sie nachfolgend.
Verschimmelte Partien in Rundballen sind ärgerlich und lösen in einigen Fällen sogar Streitfälle zwischen Landwirt und Lohnunternehmen aus. Doch ist die unzureichende Qualität wirklich nur eine Frage der Technik? Bei Mängeln in der Futterqualität von Rundballen wird viel zu wenig eine Gesamtbetrachtung vorgenommen. Eine umfassende Analyse setzt sich wie ein Puzzlebild aus vielen kleinen Bausteinen zusammen. Dieser Beitrag soll daher einige Bereiche dieses Silierverfahrens vertiefender betrachten.
Der wesentliche Unterschied zwischen der Silierung von Gras in Rundballen und in Horizontalsilo
Zwischen der Silierung von Gras in Horizontalsilos und dem Silierverfahren in Rund- oder Quaderballen gibt es drei wesentliche Unterschiede:
- Im Fahrsilo wird das Futter durch die Walzarbeit des Schleppers verdichtet. Hingegen erfolgt bei der Rundballenbereitung die Verdichtungsarbeit auf mechanische Art und Weise.
- Bei der Silagebereitung im Fahrsilo sollten die Trockenmassegehalte im Bereich zwischen 30 – 40 % liegen. Für Rund- oder Quaderballen sind deutlich höhere TM-Gehalte mit 40 bis 50 % bzw. 50 bis 55 % erforderlich, um eine gute Verdichtung zu gewährleisten.
- Die konservierende Wirkung in Rund- und Quaderballen beruht im Gegensatz zur Silierung im Fahrsilo nicht allein auf eine Milchsäuregärung, denn die Gäraktivitäten sind bei den hohen Trockenmassegehalten zu stark eingeschränkt. Die Haltbarmachung des Futters kommt bei den in Folie eingehüllten Ballen neben der gewissen Silierung und dem bereits vorhandenen Trocknungseffekt des Futters auch durch die Kohlendioxidbildung zustande. Dieses Gas entsteht durch Atmungs- und Gärprozesse und hat eine auf Mikroorganismen hemmende Wirkung.
Es sind demzufolge drei Effekte, welche zur Haltbarmachung beitragen: eine leichte Gärung, der Trockenmassegehalt und die Kohlendioxidbildung.
Damit sowohl die Gärung und die Kohlendioxidbildung in Gang kommen können und das Gas auch lange im Ballen verweilt, sind diese nach ausreichender Umwickelung mit Stretchfolie sorgsam zu behandeln. Es sollte keinen Beschädigungen des Ballens auf dem Weg bis zum Lagerplatz und während der Lagerung kommen.

Das Siliergut hat wesentlichen Einfluss auf die Futterqualität. Die Inhaltsstoffe der Silagen werden sowohl durch die Bestandeszusammensetzung des Grünlandbestandes als auch den Erntezeitpunkt beeinflusst. Die Silage kann aus Sicht der chemischen Zusammensetzung nie besser sein als der zuvor gemähte Grasbestand.
Der hohe Trockenmassegehalt, der für die Silierung in Rundballen gewünscht ist, wirkt sich im Allgemeinen positiv auf die Silierbarkeit des Pflanzenbestandes aus. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Gäraktivitäten infolge des hohen Trockenmassegehaltes normalerweise sehr gering ausfallen. Feuchte Partien im Rundballen können Ausgangspunkte des Verderbes sein. Sie fangen an zu stocken. Deshalb sind Feuchtenester durch ungleichmäßiges Anwelken zu vermeiden.
Das Risiko des Futterverderbes ist umso größer, wenn der Grasbestand als Langgut in die Rundballen gelangt. Kurz geschnittenes Siliergut lagert dichter. Hinzu kommt, dass mit jeder Schnittstelle Austrittspforten vorhanden sind, die den Pflanzenzucker für eine Silierung zugänglich machen. Somit kann der Gefahr des Vergammelns bei Vorhandensein von Feuchtenestern entgegengewirkt werden.
Bei der Silierung von Gras in Rundballen muss das Hauptaugenmerk im Allgemeinen auf eine nachhaltige Unterdrückung von Pilzen und Hefen gelegt werden. Wird überständiges Futter siliert, sind auf dem Pflanzenmaterial natürlicherweise bereits erhöhte Keimzahlen an Pilzen und Hefen vorhanden. Diese gilt es, durch die Aufbewahrung im Rundballen hinreichend abzutöten. Die meisten Pilze können bei Abwesenheit von Sauerstoff nicht überleben. Es gibt aber spezielle Pilze, welche unempfindlicher bei fast vollständigem Luftausschluss sind. Zu dieser Gruppe gehört auch der hartnäckige Blauschimmelpilz. Man spricht von aerotoleranten Pilzen. Aerotoleranten Pilze reagieren auf das im Ballen durch Umsetzungsprozesse gebildete Kohlendioxid empfindlich. Das setzt voraus, dass Kohlendioxid möglichst lange im Ballen erhalten bleibt und nicht entweichen kann.
Für die Praxis lässt sich folgendes Zwischenfazit ziehen:
Das Siliergut selbst beeinflusst die Qualität der Rundballen. Durch eine gute Erntetechnik bei Nutzung der Schneidwerke und durch eine sorgfältige Lagerung kann in vielen Fällen Einfluss auf die Futterqualität inklusiv dem hygienischen Status genommen werden. Wesentlich sind vor allem ein sorgsamer Luftabschluss, ein schonender Transport zum Lagerort und ein sofortiges Verschließen von Löchern.
Bei der Mahd beachten
Bereits mit der Schnitthöhe wird Einfluss auf den Keimbesatz im Futter genommen. Auch bei dichten Grasnarben und ebenen Flächen sind Schnitthöhen von 5 cm als unterste Grenze anzusehen. Sicherer ist es, von Anfang an, Schnitthöhen von etwa 7 cm zu wählen.
Ist ein Anwelken auf mindestens 35 % Trockenmasse bei einer Feldliegezeit von maximal 1,5 Tagen nicht möglich, wird das Silieren im Rundballen unsicher, denn die Ballen sacken bei feuchtem Erntegut in sich zusammen. Entsteht dann Sickersaft, gefährdet das die Qualität der Rundballen. In solchen Fällen ist für die Grassilagebereitung die Lagerung im Fahrsilo oder im Folienschlauch vorzuziehen.
Gleichmäßig geformte und massereiche Schwade sichern einen konstanten Gutstrom von der Pickup bis in den Presskanal. Der gleichmäßige Massestrom ist Voraussetzung für eine optimale Pressleistung. Demzufolge wirkt sich auch die Schwadbeschaffenheit auf die Qualität der Rundballen aus. Bei geringen Erträgen von Sommeraufwüchsen sollte vorzugsweise mit Großschwadertechnik für hinreichend voluminöse Futterschwade gesorgt werden.
Richtig Pressen und Wickeln sichert Futterqualität
Mit der Ballenpresse ist eine hohe Verdichtung zur Herstellung formstabiler Ballen anzustreben. Die Verdichtungsleistung wird u.a. vom TM- sowie vom Rohfasergehalt des Siliergutes aber auch von der Schnittlänge beeinflusst Bei Anwelkgraden von 40 bis 50 % wird in Rundballen ein Verdichtungsgrad von ungefähr 150 - 170 kg TM /m³ erreicht. Mit höheren Trockenmassegehalten sinkt die Lagerungsdichte und das Porenvolumen nimmt zu. Es besteht dann ein höheres Nacherwärmungsrisiko. Sowohl zu hoch angewelktes als auch überständiges Futter sollte nie als Langgut gepresst werden.
Es ist bekannt, dass Pferdehalter vorzugsweise Langgut wünschen. Der physiologisch ältere Grasbestand, der für die Heulagebereitung für Pferde gemäht wird, hat bereits Wuchshöhen von mindestens 50 cm. Ein Einkürzen auf Schnittlängen unterhalb von 15 cm ist auch für Heulagen zum Zwecke der Pferdefütterung vonnöten, wenn es darum geht, Pilzbefall und Staubbelastung zu vermeiden.
Durch die Zerkleinerung nimmt der Verdichtungsgrad im Ballen um 5 bis 12 % zu. Dadurch mindert sich die Stückzahl der Ballen je Flächeneinheit. Es lohnt sich demzufolge, nicht auf den Einsatz der Messer zu verzichten und den Messersatz günstigenfalls vollständig zu verwenden. Wird zusätzlich Obacht auf die Verwendung scharfer Messer gelegt, zahlt sich das gleichfalls positiv auf den Leistungsbedarfes des Schneidwerkes aus, welcher sich um etwa 20 % reduzieren lässt.
Das Einhüllen der Rundballen mit Stretchfolie dient vor allem dem Luftabschluss. Ziel muss es sein, den Gasaustausch mit der Umgebung so weit wie möglich zu unterbinden und Kohlendioxid so lange wie möglich im Ballen zu halten. Nach dem Pressen verhindert die Folien- oder Netzgarnbindung das Wiederausdehnen des Futters.
Werden die Ballen separat am Lagerort mit Stretchfolie umwickelt, sollte das innerhalb von zwei Stunden nach dem Pressen geschehen.
Press-Wickel-Kombinationen vereinen die beiden Prozesse: Pressen und Einstretchen. Hierin ist auch der Vorteil von Press-Wickel-Kombinationen zu sehen. Der Nachteil dieses Verfahrens besteht allerdings darin, dass die Ballen vom Feld zum Lagerort transportiert werden müssen. Mit jeder Aufnahme der Ballen durch die Ballenzange kann es dabei zu Beschädigungen kommen. Risse oder Löcher der Stretchfolie sind unmittelbar mit Siloklebeband zu verschließen. Ansonsten droht der Verderb des Futters.
Die Anzahl der Folienlagen sollte mindestens 6 betragen und bei überständigem sowie hartstängeligem Futter auf 8 Lagen erhöht werden.
Verantwortlichkeit des Betriebsleiters, nicht erst bei Lagerung der Rundballen
Auf viele Prozesse der Rundballensilierung kann der Betriebsleiter steuernd einwirken. Dies betrifft nicht nur den Pflegezustand des Grasbestandes, sondern auch die Vorgaben gegenüber dem Lohnunternehmen zur Schnittlänge, zur Anzahl der Folienlagen sowie dem zusätzlichen Einsatz von Siliermitteln. Auch die Folienqualität kann der Betriebsleiter beim Lohnunternehmen hinterfragen. Hierbei ist insbesondere auf die UV-Stabilität zu achten. Seitens der Hersteller wird zur UV-Stabilität im Allgemeinen eine einjährige Garantie gegeben. Demzufolge sollten die Ballen auch in diesem Zeitraum verbraucht sein. Dies gilt insbesondere, wenn die Ballen ungeschützt unter sonnigen Bedingungen lagern.
Daraus wird deutlich, dass der Lagerort und die Lagerbedingungen sich gleichfalls auf die Qualität der Ballen und ihre Lagerdauer auswirken. Die Rundballen sind am Lagerungsort wie Fässer aufzustellen, denn die Stirnseite weist die meisten Folienschichten auf und bietet damit den größten Schutz (siehe auch Bild). Stellt man Rundballen auf festen Untergrund und deckt diese mit einem Schutznetz ab, so lassen sich Schäden durch Nagetiere oder Vögel reduzieren. Mit der Lagerung der Rundballen an einem schattigen Ort wird zum einem dem Gasaustausch – vor allem bei hohen Temperaturen – entgegengewirkt. Die Lagerung der Ballen an einem schattigen Platz wirkt sich zudem positiv auf die UV-Stabilität der Stretchfolie aus.
Auch bei optimalen Lagerungsbedingungen sind regelmäßige Kontrollen auf eventuelle Beschädigungen erforderlich. So wird möglichen Qualitätsmängeln frühzeitig begegnet.
Zusammenfassung
Die Güte von Grassilagen in Rundballen wird nicht nur durch die Press- und Wickeltechnik beeinflusst.
Der Ausgangsbestand ist entscheidend für die Inhaltsstoffe, den Energiegehalt und den Konservierungserfolg.
Für eine hohe Verdichtung sind massereiche, gleichmäßig geformte Schwade genauso wichtig wie ein gleichmäßiges Anwelken und kurze Schnittlängen.
Bei dem Einstretchen und der weiteren Behandlung der Ballen bis zum Lagerplatz Sorgfalt ist Sorgsamkeit walten zu lassen.











