Der Anbau von Grünroggen bietet eine Reihe von Vorteilen. Gerade für Biogasbetriebe ermöglicht diese Kultur durch seine frühe Ernte, entstandene Futterlücken zu schließen und das Anbaurisiko insgesamt zu splitten und so zu minimieren.
Die Aussaat von Grünroggen ermöglicht den Zwischenfruchtanbau auch nach rel. spät räumenden Vorfrüchten. Der winterharte Roggen nutzt dabei die Winterfeuchte für sein Wachstum. Je nach Substratbedarf, Bestandsentwicklung, Niederschlagssituation und Bodenfeuchte im Frühjahr sowie der Wasserführung des Standorts wird im April über eine frühzeitige Einarbeitung oder eine Nutzung des Aufwuchses, i.d.R. Anfang Mai, entschieden. Insbesondere bei einer geplanten Nutzung des Aufwuchses ist die Aussaat speziell hierfür gezüchteter Sorten sinnvoll. Besonders unter den Bedingungen zunehmender Wetterextreme und damit schwankender Futtererträge und steigender Anforderungen an eine flexible Flächennutzung stellt Grünroggen eine interessante Ergänzung zu klassischen Futterpflanzen dar. Die LWK Niedersachsen prüft in einem kleinen Sortiment die Leistungsfähigkeit der Grünrogggensorten im Rahmen eines Landessortenversuchs (LSV). In diesem Jahr wurden neben einem Wertprüfungssortiment vier zugelassene Grünroggensorten geprüft.
LSV-Ergebnisse
Da der Grünroggenanbau eher eine ackerbauliche Nische darstellt, wird diese spezielle Nutzungsform züchterisch weniger bearbeitet. Deshalb ist es wichtig, den LSV Grünroggen in einer bundesweit abgestimmten Versuchsserie abzuprüfen, um aus dem kleinen Sortiment eine breite Aussage hinsichtlich der Sortenleistungen ableiten zu können. Eine entsprechende Auswertung der Versuche erfolgt mittels der auch in anderen Kulturen verwendeten Hohenheim-Gülzower Methode: Einem statistischen Rechenmodell, welches Versuchsergebnisse mehrjährig praxisrelevant auswertet.
Für die Region Nordwest, zu der u. A. Niedersachsen bei der bundesweiten Auswertung zählt, steht die Sorte Protector mit einem mehrjährigen Ergebnis von 102 Prozent an vorderster Stelle der Auswertung. Die einjährigen Ergebnisse zeigen hierbei über die Jahre nur geringe Schwankungen. Die Vermehrungsfläche dieser Sorte ist bereits seit Jahren die mit deutlichem Abstand größte für Grünroggen in Deutschland, so dass von einer guten Verfügbarkeit ausgegangen werden kann.
Anders ist dies bei der zweitplatzierten Sorte Turbogreen. Sie hat nur eine sehr überschaubare Vermehrungsfläche in Deutschland. Diese erreicht in der mehrjährigen Versuchsauswertung einen Trockenmasseertrag von relativ 99 Prozent.
Die beiden weiteren LSV-geprüften Sorten blieben in Ihren Erträgen mit 98 % (Higreen) und 97 % (Powergreen) knapp darunter. Allen drei Sorten ist gemein, dass sie eher schwankende Einzeljahresergebnisse erzielten.
„Für und Wider“
Ein wesentlicher Vorteil des Grünroggens liegt in seiner frühen Ernte. Als C3-Pflanze wächst er bereits bei geringen Temperaturen. Die Ernte der Grünmasse zum Zeitpunkt des Ährenschiebens stellt die Anbauflächen vergleichsweise früh für eine weitere Kultur zur Verfügung. Insbesondere die C4-Pflanze Mais passt als Folgekultur sehr gut, da bei ausreichender Wasserversorgung kaum mit Ertragseinbußen durch die Vornutzung gerechnet werden muss. Eine gesicherte Wasserversorgung des Standorts ist jedoch Voraussetzung für ein solches Zweikultursystem, da ansonsten die Hauptfrucht verstärkt unter Trockenheitseinflüssen leiden kann. Auf Flächen, die einen starken Ungrasbesatz aufweisen, kann durch die Ernte vor der Samenreife der Ungräser zur einer Verringerung des Samenpotentials in den Folgejahren beitragen.
Risikoverteilung
Ein Vorteil des Grünroggens besteht darin, dass er bereits früh im Jahr einen nutzbaren Futterertrag liefert. Dies kann insbesondere in bzw. nach Jahren mit schwierigen Witterungsbedingungen eine Absicherung der Futter- bzw. Substratversorgung darstellen. Die Ertragseinbußen in diesem Sommer machen somit einen Grünroggenanbau auf entsprechend geeigneten Flächen sinnvoll; so lässt sich die Abhängigkeit von einer einzelnen Kultur reduzieren. Um kein zu großes Risiko für die nachfolgende Hauptfrucht, i.d.R. Silomais, durch die Vornutzung des Roggens zu schaffen, sollte nicht unbedingt auf der gesamten für das Folgejahr geplante Maisanbaufläche Grünroggen geerntet werden. Auf diese Weise lässt sich das Anbaurisiko der Hauptfrucht weiter reduzieren, auch weil diese dann zu zwei Terminen ausgesät werden kann, was unterschiedliche Blühtermine des Maises nach sich zieht und somit auch das Trockenheitsrisiko zu diesem sensiblen Termin splittet.
Unabhängig von der Futternutzung sorgt der Grünroggen während der Wintermonate für eine möglichst lange Bodenbedeckung. Dadurch wird dieser vor Erosion geschützt und die Gefahr von Nährstoffverlusten kann reduziert werden. Um diese Ziele zu erreichen, empfiehlt sich eine Aussaat mit minimaler Bodenbearbeitung oder Direktsaat, wofür der Roggen gut geeignet ist.
Zusammenfassung
Der Grünroggenanbau kann einen Beitrag zur Risikostreuung im Futterbau leisten. Die frühe Ernte ermöglicht dabei ein ertragreiches Zweikultursystem.
Gleichzeitig bietet die Winterbegrünung Vorteile für den Boden- und Erosionsschutz und kann Nährstoffe binden und vor Auswaschung schützen.
Der Grünroggenanbau sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Sein wirtschaftlicher und agronomischer Nutzen hängt wesentlich vom Standort und der Wasserverfügbarkeit der geplanten Folgekultur und der betrieblichen Futterstrategie ab.
Mit den im LSV Grünroggen geprüften Sorten steht den Landwirten leistungsfähige Genetik für diese spezielle Produktionsnische zur Verfügung.
Eine Wertprüfung für diese Nutzungsrichtung des Winterroggens verspricht zukünftig weitere interessante Sorten.







