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Fahrradtourismus: Radfahrer anziehen und Hofprodukte erfolgreich vermarkten

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Die Weltwirtschaft ist angespannt, Konsumentinnen und Konsumenten sind zurückhaltender bei ihren Ausgaben – das spüren auch landwirtschaftliche Direktvermarkter. Umsätze schwanken, Spontankäufe werden seltener, Kundenfrequenzen sind weniger leicht vorhersagbar. Doch mitten in diesen schwierig scheinenden Zeiten hat sich ein Markt über die letzten Jahre etabliert. Ein Markt, der nach regionalen Angeboten ruft: der Fahrradtourismus.

In Niedersachsen unternahmen im Jahr 2023 rund 3,7 Millionen Menschen einen Tagesausflug mit dem Fahrrad – Tendenz weiter steigend. Wer unterwegs ist, sucht einen Platz zum Verweilen, kleine Gaumenfreuden, authentische Erlebnisse. Und genau hier kommt ein Konzept ins Spiel, das für Höfe zur neuen Chance werden kann: der RastHOF. Ein Ort, an dem sich Landwirtschaft, Regionalität und Fahrradtourismus perfekt ergänzen. Ein Ort, der nicht nur Kundinnen und Kunden anzieht, sondern Erlebnisse schafft – und damit echtes Vermarktungspotenzial.

Fahrradtourismus – ein unterschätzter Wirtschaftsfaktor

Radreisen gelten längst nicht mehr als Nischenhobby. Sie sind ein dynamischer Wirtschaftsmotor: Wer per Rad unterwegs ist, gibt Geld aus – besonders für Verpflegung, kleine Snacks, Getränke und Mitbringsel. Die Zielgruppe besteht überwiegend aus Menschen mittleren Alters, aber auch Familien und ältere Radfahrer, die in kleinen Gruppen mit Tourenrädern oder E-Bikes unterwegs sind. Sie bleiben spontan stehen, folgen Empfehlungen, genießen regionale Spezialitäten und lassen sich, wenn Stimmung und Umgebung passen, gern zu Impulskäufen verleiten.

Für Höfe bedeutet das:
Radfahrer kommen nicht wegen Produktlisten – sie kommen wegen Erlebnissen.

Die Rechnung dahinter ist simpel:
Ein zufriedener Radgast bleibt länger, kauft mehr und erzählt weiter – ob im Bekanntenkreis oder über digitale Plattformen wie Komoot oder Google Maps. Und kaum eine Zielgruppe ist loyaler als Menschen, die auf ihren Radtouren „ihre Lieblingsstopps“ entwickeln.

Ein weißes Fahrrad steht im hohen Gras, der Korb ist mit bunten Blumen gefüllt, im Hintergrund blühende Büsche und Bäume.
Mit dem Fahrrad auf dem LandJill Wellington / pixabay.com

Beim RastHof darauf achten: Was Radfahrer wirklich brauchen

Wer einen RastHOF entwickeln möchte, sollte die Bedürfnisse der Zielgruppe genau kennen. Sie sind erstaunlich bodenständig – aber entscheidend:

  • Sitzgelegenheiten und Schatten: Ein Platz zum Durchatmen, der Hitze und Wind abschirmt.
  • Abstellmöglichkeiten fürs Fahrrad: Sicher, stabil und am besten mit Möglichkeit zum Abschließen des Fahrrads
  • Lademöglichkeiten: Besonders für E-Bike-Fahrer ein Pluspunkt
  • Reparaturstationen: Nicht täglich im Einsatz und trotzdem ein Mehrwert
  • Abfallbehälter: Für Mensch, Natur und Betrieb unerlässlich
  • Sanitärmöglichkeit: Einer der größten Pluspunkte – und Luxus für viele Radreisende.

Wer diese Grundbedürfnisse erfüllt, kann seinen Hof im Handumdrehen in einen attraktiven RastHOF verwandeln. Gepaart mit gastfreundlicher Atmosphäre, Regionalität und kleinem Gaumenschmaus wird der Stopp schnell zu einem kleinen Erlebnis!

Vom Hofladen bis zum Picknickkorb – was ein RastHOF bieten kann

Es braucht keinen großen Gastronomiebetrieb, um Radfahrer glücklich zu machen. Viele Höfe starten klein – und wachsen mit der Nachfrage. Betriebe mit bestehender Direktvermarktung können so von zusätzlichen Kunden profitieren.

Ganz egal ob Hofladen, Selbstbedienungsschrank oder Automat. Für jeden Betrieb und für jede Radgruppe gibt es das passende Angebot. Wichtig ist, dass die Öffnungszeiten des RastHOFes zu der Zielgruppe passen. Auch das Warenangebot sollte möglichst transportabel oder zum direkten Verzehr geeignet sein. Ideal sind Obst und Gemüse, Wurstwaren wie Bierbeißer oder Bockwurst, Backwaren, Eingelegtes wie Gewürzgurken oder hartgekochte Eier, Milchprodukte, die direkt verzehrt werden können wie Joghurt, Eis oder Milchreis oder Zukaufwaren wie Schokoriegel oder Erfrischungsgetränke. Snacks aus der hofeigenen Direktvermarktung geben dem Angebot ein besonderes Plus.

Ergänzt werden kann das Angebot durch buchbare Picknickkörbe. Sie halten das Gepäck der Radfahrer klein und der Zwischenstopp wird automatisch zum Erlebnis! Für Betriebe besteht eine gewisse Planbarkeit, da dieser Service nach vorheriger Anmeldung gebucht werden kann.

Bei der Überlegung, ob ich meinen Hof für Radfahrerinnen und Radfahrer öffnen möchte sollten ein paar wesentliche Entscheidungen getroffen werden:

  • Wo soll der Rastplatz entstehen?

Ideal ist eine Obstwiese oder bestehende Gebäude. Wichtig ist nur, dass das Baurecht beachtet wird und die betrieblichen Abläufe nicht gestört werden.

  • Wie viele Arbeitskräfte stehen zur Verfügung?

Der Betrieb kann überlegen, ob eine Selbstbedienungslösung ideal ist und wie viel Zeit die Pflege des Angebots in Anspruch nimmt.

  • Welche Produkte wollen wir vermarkten?

Möchte der Betrieb selbst Produkte herstellen oder wird Ware zugekauft. Je nach dem gelten verschiedene hygienische Vorschriften. Außerdem spielt die schon vorhandene Infrastruktur eine wichtige Rolle. Ist schon ein Automat vorhanden, kann dieser einfach um ein paar Produkte ergänzt werden.

Fahrräder stehen vor einem Café mit Sonnenschirmen und Gästen. Gebäude mit Solarpanelen und Kletterpflanzen im Hintergrund.
Urlauber bei Fahrradausflug vor einem HofcafeSabine Hoppe

Baurecht – was es zu beachten gilt

Soll eine neue Umhausung gebaut werden, so ist zu prüfen, ob sich der Betrieb im Innen- oder Außenbereich befindet. Im Außenbereich gelten strengere Regelungen. Die Anlage 1 der Niedersächsischen Bauordnung gibt Auskunft darüber, welche Vorhaben verfahrensfrei sind oder wofür eine Genehmigung benötigt wird. Im Innenbereich dürften viele Vorhaben verfahrensfrei zu realisieren sein. Im Außenbereich lohnt sich ein genauerer Blick. So ist das Aufstellen einer Bank i.d.R. verfahrensfrei gem. Punkt 9 Anlage 1 NBauO. Der Neubau einer Wetterschutzhütte zum Beispiel unterliegt jedoch einer Genehmigung. Landwirtschaftliche Betriebe und deren Vorhaben bezüglich der Einkommenskombinationen gelten meist als privilegiert, dennoch sind unter anderem Wasserrecht, Regelungen zu Brandschutz und Naturschutz einzuhalten.

Ein frühzeitiges Gespräch mit der Gemeinde und die Einbindung von Tourismusstellen kann Unklarheiten beseitigen und die gemeinsamen Interessen herausstellen.

Sprechen wir über Geld

Je nach geplanter Größenordnung können auf den Betrieb unterschiedliche Investitionskosten zukommen. Soll das bestehende Angebot zunächst gezielt für Radfahrende erweitert werden, lassen sich bereits mit vergleichsweise überschaubaren Maßnahmen attraktive Serviceangebote schaffen. Für einen komfortablen Aufenthalt bietet sich beispielsweise die Anschaffung einer Sitzgruppe oder Picknickbank an, die ab etwa 1.000 Euro erhältlich ist. Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, etwa in Form von Fahrradständern oder Anlehnbügeln, sind bereits ab rund 80 Euro verfügbar. Wer zusätzlich auf die wachsende Zahl von E-Bike-Nutzern eingehen möchte, kann Lademöglichkeiten ab etwa 650 Euro installieren; hinzu kommen die Kosten für den erforderlichen Stromanschluss. Ein ergänzendes Serviceangebot wie eine gut ausgestattete Fahrrad-Reparaturstation ist ab etwa 800 Euro erhältlich und erhöht den Komfort für Gäste deutlich. Auch Abfallbehälter sollten bei der Planung berücksichtigt werden, sie sind ab rund 220 Euro erhältlich. Wichtig ist zu beachten, dass die Abfallbehälter für den Außenbereich geeignet sind und Wespen und Wildtiere nicht die Chance haben an den Müll zu gelangen. Natürlich lassen sich auch Dinge einfacher bzw. günstiger beschaffen. Ein Strandkorb aus Paletten oder ein Fahrradständer aus einem Baumstamm können tolle Highlights sein. Wichtig ist, dass die gewählten Materialien langlebig sind und in das Gesamtdesign passen.

 

Sichtbarkeit – ohne sie bleibt jeder RastHOF unsichtbar

Der schönste Rastplatz nützt nichts, wenn niemand von ihm weiß.
Deshalb gehört ein einfaches, aber wirkungsvolles Marketing dazu. Ein Eintrag bei GoogleMaps kann die Sichtbarkeit erhöhen. Ebenso ratsam ist es, den RastHOF als Rastplatz bei Komoot einzutragen. Außerdem ist es möglich eine ganze Route anzulegen und diese entsprechend zu benennen. Auch eine Listung bei www.servicevomhof.de ist sinnvoll. Radfahrerinnen und Radfahrer können so mittels Umkreissuche einen passenden Betrieb finden.

Ebenfalls ratsam kann eine Kooperation mit Tourismusverbänden, Kommunen und Radwegemanagement sein. Mit Veranstaltungen, Genussradtouren oder Hofaktionen kann auf das neugestaltete Angebot aufmerksam gemacht werden.

Der RastHOF ist Zukunftschance und Herzensprojekt zugleich

Regionalität, Direktvermarktung und Fahrradtourismus passen perfekt zusammen.
Der Markt wächst, die Zielgruppe ist kaufbereit und Höfe können ihre Stärken authentisch ausspielen.

Ein RastHOF ist nicht zwangsläufig ein großes Investitionsprojekt – er bietet Radfahrerinnen und Radfahrer die Möglichkeit ihre Umgebung neu kennenzulernen und das Gefühl der Landlust neu zu erfahren.

Am 30.09.2026 von 10:00-11:30Uhr findet im Rahmen der online Reihe HofImpuls ein Webinar zum Thema "RastHof - Fahrradtourismus als Chance" statt. Weitere Infos und Anmeldung dazu hier. 

Bei Fragen rund um die Einrichtung von RastHÖFEN und Bauernhofgastronomie im Allgemeinen steht Ihnen das Beratungsteam Einkommenskombinationen gerne zur Seite.