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Landessortenversuche 2015: Ackerbohnen und Futtererbsen

Nachdem die Körnerleguminosen in den vergangenen Jahren eher ein Schattendasein führten und die Anbaufläche nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwand, ist zur Ernte 2015 eine Umkehr zu erkennen. Vor allem die mit Ackerbohnen bestellte Fläche ist im Vergleich mit den Vorjahren deutlich ausgeweitet worden. Die Ergebnisse der Landessortenversuche finden Sie hier.

Körnerleguminosen verfügen über einen hohen Vorfruchtwert. Sie unterbrechen den Entwicklungszyklus von Getreide- und Rapskrankheiten und tragen damit zu einem geringeren Krankheits- aber auch Schädlingsbefall sowie Ungrasdruck (Problemgräser Trespe und Ackerfuchsschwanz) bei. Darüber hinaus fördern sie die strukturverbessernde Bodengare des Oberbodens. Durch die Stickstofffixierung der Knöllchenbakterien ist eine standort- und witterungsabhängig bedingt unterschiedliche N-Einsparung in der Nachfrucht möglich. Der Leguminosenanbau ermöglicht insgesamt damit einen geringeren Aufwand an Produktionsmitteln in den Folgefrüchten.

Ackerbohnen benötigen tiefgründige, wassernachliefernde Böden mit hoher Speicher- und Pufferkapazität. Aufgrund des hohen Wasserbedarfs sollte die Aussaat möglichst früh ab Ende Februar mit einer Saatstärke von 35 - 40 Körner/m², wegen Ablagetiefe und Standfestigkeit möglichst mit Einzelkornsaat erfolgen. Als Saattiefe sind 6 - 8 cm auf schweren Böden und 8 - 10 cm auf leichten Böden anzustreben. Bei der Aussaat der Ackerbohnen ist ein möglichst früher Saattermin von großer Bedeutung. Eine spätere Aussaat kann zu Ertragseinbußen führen, da Tageslänge und Temperatur darauf hin wirken, dass das vegetative Wachstum im Vergleich zur Hülsen- und Samenbildung gefördert wird. Eine Spätsaat kann nicht durch höhere Saatmengen ausgeglichen werden. Ferner verfügen  die Pflanzen in früh ausgesäten Beständen aufgrund der geringeren Wuchshöhen über eine höhere Standfestigkeit. Der Anbau auf derselben Fläche darf sich nur alle 4 - 5 Jahre wiederholen. Ackerbohnen benötigen ausreichende Sommer-niederschläge. Bei Trockenheit kann es zu Blütenabwurf kommen.

Für den Anbau von Futtererbsen sind auch leichte oder flachgründige Böden und Standorte mit Sommertrockenheit geeignet. Diese dürfen aber keine Strukturschäden aufweisen. Für Futtererbsen ist eine Anbaupause 6 - 7 Jahre einzuhalten.  Die Aussaat mit einer Stärke von 70 Körnern/m² in Drillsaat erfolgt ab Mitte März bis Mitte April in trockene Böden 3-4 cm tief. Das Saatbett darf wegen Verschlämmungsgefahr nicht zu fein sein.

pH-Wert beachten
Ackerbohnen und Erbsen reagieren auf unzureichende pH-Werte mit Ertragseinbußen. Die Stickstoffbindung durch die Knöllchenbakterien der Leguminosen ist bei unzureichenden pH-Werten eingeschränkt. Bei pH-Werten unter 6,3 (lehmige, tonige Böden) bzw. 5,8 (sandige Böden) sollten auf jeden Fall vor der Aussaat entsprechende Kalkmengen ausgebracht und eingearbeitet werden. Branntkalk bietet sich vor allem auf mittleren und schweren Böden an, um eine schnelle Wirkung zu erzielen. Branntkalk muss aber unmittelbar nach der Ausbringung eingearbeitet werden. Wenn der Branntkalk nach der Ausbringung an der Bodenoberfläche abbindet, kann er nicht mehr schnell genug wirken. Wer Kalk bei Frost ausbringen möchte, sollte deshalb Carbokalk oder andere, schneller verfügbare Kalkformen einsetzen. Bodenreaktion sollte im neutralen Bereich (möglichst über pH 6,3 auf lehmigen Böden und über pH 6,0 auf sandigen Böden) liegen, ansonsten unbedingt vorher kalken.

Die Erträge der  Sorten

Ackerbohnen

Die geringe Anbaubedeutung in der Vergangenheit hat dazu geführt, dass die züchterischen Aktivitäten stark zurückgefahren wurden. Nur noch wenige Züchterhäuser bearbeiten Futtererbsen und Ackerbohnen. Die Aufrechterhaltung der Zuchtprogramme macht nur dann Sinn, wenn zumindest eine gewisse Refinanzierung durch Saatgutverkäufe erfolgt. Der Züchtungsfortschritt ist somit stark eingeschränkt.
Die wenigen noch vorhandenen Zuchtprogramme haben zur Folge, dass, genau wie bei den Futtererbsen, auch das Sortiment der Ackerbohnen sehr überschaubar ist.

In  der Küstenregion positioniert sich Fuego an der Spitze des Sortiments und bestätigt damit erneut die hohe Leistungsfähigkeit. Ebenfalls überdurchschnittlich über die Jahre präsentiert sich Fanfare. Die übrigen mehrjährig geprüften Sorten Pyramid und Taifun fallen dagegen leistungsmäßig deutlicher zurück. Isabell ist deutlich abgeschlagen.
Im ersten Jahr der Prüfung liefert Boxer ein sehr erfreuliches Ergebnis. Tiffany erreicht einen durchschnittlichen Ertrag.

Auf den Lehmböden West liegt das Ertragsniveau zur aktuellen Ernte wieder höher als im schwachen Vorjahr. Fuego und Fanfare liegen hier unter den mehrjährig geprüften Sorten deutlich vorn. Pyramid positioniert sich in Höhe des Standardmittels. Die tanninfreie Sorte erreicht einen vergleichsweise schwächeren Ertrag und bestätigt damit die Leistungen aus der Vergangenheit. Tannine wirken sich negativ auf die Protein- bzw. Aminosäureverdaulichkeit bei Geflügel und Schweinen aus, so dass es unter Umständen dennoch Sinnmachen kann, diese Sorte anzubauen. Isabell enttäuscht.
Die erstmalig geprüfte vicin- und convicinfreie Sorte Tiffany liefert ein sehr erfreuliches Ergebnis und kann mit den Spitzensorten dieser Anbauregion mithalten. Auch Boxer erbringt im ersten Prüfjahr einen erfreulichen Ertrag.

Futtererbsen

Anders als im landesweiten Schnitt liegt das Ertragsniveau auf den Sand- und Lehmböden Nordwest in den Versuchen aktuell höher als zur Ernte 2014. Leider ist die Standortanzahl aufgrund von Versuchsausfällen recht gering.
Unter den mehrjährig geprüften Sorten kann Navarro erneut überzeugen. Nach guten bis sehr guten Vorjahren tendiert Alvesta in der vergangenen Ernte schwächer. Ertraglich deutlicher abgeschlagen liegt Respect.
Unter den neueren Sorten kann Astronaute die bereits im ersten Versuchsjahr gezeigte Leistungsfähigkeit bestätigen. Volt präsentiert sich in Höhe des Standardmittels. Inwieweit für diese Sorte überhaupt Saatgut zur Verfügung stehen wird, ist fraglich, da 2015 bundesweit hierfür keine Vermehrungsfläche angelegt wurde.  Mythic enttäuscht bereits zum zweiten Mal.

Kriterium Standfestigkeit
Mindestens genauso wichtig wie der Ertrag ist beim Anbau von Futtererbsen die Berücksichtigung der Standfestigkeit und der Pflanzenlänge. Bestände, die vor der Ernte stark zusammenbrechen, lassen sich nur erschwert beernten, was zwangsläufig zu Ernteverlusten bis hin zu Totalausfällen führt.

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ermittelt im Rahmen ihrer Landessortenversuche einen so genannten HBE-Index. Dieser errechnet sich aus der Bestandeshöhe bei Ernte dividiert durch die Bestandeshöhe nach Abschluss der Blüte und die Erbsen das Maximum ihrer Wuchshöhe erreicht haben. Er kann als Maß für die Beurteilung herangezogen werden, wie stark die jeweiligen Sorten bis zur Ernte in sich zusammengerutscht sind. Besonders positiv ist bezüglich dieses Kriteriums über die Jahre die Sorte Respect zu beurteilen.

 

 

 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 29.02.2016