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Durchwachsene Silphie in Niedersachsen

In 2012 gab es wie in 2011 wieder ca. 40 Landwirte die den Neueinstieg in den Silphieanbau gewagt haben. Mittlerweile werden in Niedersachsen knapp 100 ha Silphie angebaut.  Einige wenige Betriebe haben größere Flächen mit bis zu 3 ha. Die Mehrheit der Betriebe hat deutlich kleinere Bestände. Die durchschnittliche Flächengröße liegt bei 0,95 ha.

Trotz des absolut betrachtet kleinen Anteils der Silphie an der Substratversorgung der niedersächsischen Biogasanlagen ist die Öffentlichkeitswirkung groß. Häufig wird von Betrieben mit Silphieanbau in der örtlichen Presse berichtet. Aber auch in überregionalen Zeitungen bzw. im Fernsehen war die Silphie ein Thema.

Insbesondere die Imker vor Ort begrüßen den Anbau der Silphie. Bislang war aus deren Reihen nur positive Resonanz zu vernehmen.

Die Versuche der Landwirtschaftskammer wurden in 2009 angelegt und somit schon zum dritten Mal in Folge beerntet. Eine Steigerung der Erträge wie in den ersten beiden Jahren war nicht mehr zu verzeichnen. Die Zahlen sind dem Diagramm „Versuchserträge der Durchwachsenen Silphie“ im Dateianhang zu entnehmen. Zum Vergleich wurden jeweils noch die mittleren Versuchserträge des Silomaises im mittelfrühen Sortiment am jeweiligen Standort dargestellt.

Auf den beiden Sandstandorten Werlte und Dasselsbruch zeigten sich im Versuch Probleme durch Lagerbildung. Die Zahl der Triebe war dort höher, und der Einzeltrieb weniger stark ausgebildet als das auf dem schweren Boden in Poppenburg der Fall war. Im Jahr 2013 soll hier durch ein anderes Düngungsregime versucht werden der Lagerbildung entgegenzuwirken.

Der Richtwert für die Biogasausbeute beim Mais liegt laut KTBL bei 338 l/kg Trockenmasse. Bei der Silphie gibt es bereits vereinzelt entsprechende Batchversuche zur Bestimmung der Biogasausbeute, hier wurden im Schnitt 270 l/kg Trockenmasse erzielt. Das entspricht 80 % des Biogasertrages beim Mais.

Ernte in der Praxis

Gängige Praxisempfehlung war bislang die gleichzeitige Ernte der Silphie mit dem Mais. Diese Empfehlung hat in erster Linie arbeitswirtschaftliche Gründe. Bei den häufig eher kleinen Silphieparzellen wäre ein um zwei bis drei Wochen vorgezogener Erntetermin wirtschaftlich nur vertretbar wenn gleichzeitig noch eine andere Kultur einsiliert werden kann, oder die Häckselkolonne gerade „unterwegs ist“. Die Erfahrungen der letzen Jahre haben gezeigt, dass das Optimum der Biogasausbeute pro kg Trockenmasse bei einem Erntetermin im August liegt. Der Massenertrag und der Trockensubstanzgehalt nehmen ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr weiter zu. Häufig ist das Gegenteil der Fall, einzelne Pflanzenteile sterben ab und das Erntegut wir überständig.

Bei einer frühzeitigen Ernte sollte vorher auf jeden Fall mit den Imkern gesprochen werden. Diese können sich dann darauf einstellen und ihre Kästen abholen. Da bei den meisten Betrieben der positive Effekt für die Öffentlichkeitsarbeit einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entscheidung zum Silphieanbau gehabt haben dürfte, sollte aus Rücksicht auf einen zu frühen Erntetermin verzichtet werden. Die etwas geringere Biogasausbeute wäre dann zu verkraften. Bei größeren Flächen bietet es sich an, einen Teil für die Bienen stehen zu lassen.

Bestandesführung der Silphie

Die Bestandesführung der Durchwachsenen Silphie ist sehr extensiv. Das ist gerade auf kleinen oder unförmigen Schlägen ein großer Vorteil. Alles andere als arbeitsextensiv ist allerdings das Anlagejahr der Silphie. Die vielen Erfahrungen der letzten beiden Jahre auf den angelegten Beständen der Landwirte machten dies deutlich. Die langsame Jugendentwicklung bis zum Reihenschluss macht Pflanzenschutzbehandlungen unabdingbar. Eine gute Saatbettbereitung ist Voraussetzung. Optimal ist es schon einige Wochen vor der Pflanzung zu pflügen. So kann eine Unkrautbekämpfung vor dem Pflügen sowie noch mal unmittelbar vor dem Pflanzen mit der Egge erfolgen. Unmittelbar nach der Pflanzung muss mit bodenaktiven Mitteln der nächsten Unkrautwelle vorgebeugt werden. Dies muss dann je nach Bedarf ein bis zweimal wiederholt werden. Blattaktive Mittel sollten als letzte Möglichkeit eingesetzt werden, da deren Einsatz häufig mit Schäden am Blattapparat der Silphie verbunden ist. Grundsätzlich ist für jedes eingesetzte Mittel separat eine Ausnahmegenehmigung nach § 22 des Pflanzenschutzgesetzes einzuholen. Diese kann beim Pflanzenschutzamt beantragt werden; entsprechende Vordrucke gibt es im Internetangebot der LWK.

In der Praxis klappte das Pflanzen auf den Betrieben in der Regel sehr gut. Die Probleme lagen in Niedersachsen häufig im Bereich Pflanzenschutz. Ursache war oft die Vorgeschichte der gewählten Flächen. Die kleinen und unförmigen Schläge für die die Silphie beworben wurde, lagen zuvor meist brach, waren extensives Weideland oder wurden in einer Bauphase als Ablageplatz für Bodenaushub genutzt. Somit war von vornherein ein hohes Unkrautpotenzial gegeben. Bei unzureichender Saatbettvorbereitung bereitete es oft Schwierigkeiten das Unkrautproblem im Nachhinein zu lösen.

Viele Betriebe haben ein großes Interesse am Anbau der Silphie bekundet, möchten aber die Drillsaat und nicht die Pflanzung. Die Kosten für das Saatgut liegen bei unter 1.500 Euro je ha, die Gesamtkosten der Pflanzung können schnell das Dreifache hiervon übersteigen. Bei der lange erhofften Drillsaat der Silphie

stellt sich der Pflanzenschutz als wesentlich schwieriger im Vergleich zur Pflanzung dar. Auch bodenaktive Mittel können hier nur sehr eingeschränkt zum Einsatz kommen. Die Keimhemmung auf zweikeimblättrige Unkräuter wirkt häufig auch auf die Silphie. So ist es nicht möglich eine breite Unkrautwirkung zu erzielen. Hier ist eine gute Vorbereitung und eine geringe Vorbelastung der Fläche Voraussetzung für ein Gelingen der Saat. Dies sind Bedingungen die auf dem Versuchsfeld anzutreffen sind. Die Schläge die bislang in der Praxis mit Silphie bestellt wurden, weisen diese Voraussetzungen für die Aussaat der Silphie in der Regel nicht auf. Somit lässt sich die Drillsaat zurzeit nur sehr eingeschränkt empfehlen. Der Betriebsleiter muss die Silphiesaat sehr intensiv begleiten. Auch sind in der Beratung nicht genug Erfahrungen mit dem Pflanzenschutz bei der Drillsaat vorhanden. In Thüringen gibt es schon Versuche dazu, in 2013 werden diese Versuche auch in Niedersachsen ausgeweitet.

Ausblick

Rand- und Restflächen lassen sich mit der Durchwachsenen Silphie sehr gut nutzen. Dem vergleichsweise geringen Arbeits- und Betriebsmittelaufwand ab dem 2. Standjahr stehen gute Erträge gegenüber. Bei einer theoretischen Anbaufläche von 3,5 ha je Biogasanlage stünden allein in Niedersachsen 5.000 ha. Als echte Alternative zu bekannten Kulturen gilt die Silphie auf zu Trockenheit neigenden Grenzstandorten des Ackerbaus. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels wird das in einigen Regionen der Fall sein. Dies dürfte allerdings in Niedersachsen eher selten so sein, für ostdeutsche Sandstandorte mit Niederschlägen unter 550 mm pro Jahr ist dies eher zu erwarten. Da die Silphie im Herbst sehr niedrige Rest?Nmin?Werte im Boden aufweist, gibt es in einigen Wasserschutzgebieten im Rahmen der Freiwilligen Vereinbarungen finanzielle Unterstützung beim Anbau der Silphie. Das Verfahren der Drillsaat wird sich in den nächsten Jahren immer mehr in der Praxis etablieren. Die dadurch erreichte Kostenreduzierung gegenüber Pflanzung wird auch insgesamt die Bereitschaft zum Silphieanbau steigern.


Kontakt:
Frerich Wilken
Projektbetreuung Energiepflanzen
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Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
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Stand: 18.02.2013