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Landessortenversuche 2016: Sommerbraugerste

Ergebnisse 2016

Der Braugerstenanbau in Niedersachsen, der sich vornehmlich auf die leichteren Standorte in den östlichen Landesteilen beschränkt, hat den sprunghaften Anstieg der Anbaufläche von 2014 auf 2015 nicht ganz halten können. Dennoch unterstreicht das gute Ergebnis der Anbauzahlen mit ca. 25.200 ha, dass der Großteil der Anbauer aus 2015 auch 2016 die Wertschöpfungsmöglichkeiten bei der Vermarktung nutzen wollten.

Die Erträge in den Landessortenversuchen lagen mit knapp 85 dt/ha Kornertrag auf einem hohen Niveau, konnten das Spitzenergebnis des Vorjahres jedoch nicht ganz wiederholen. Der bedarfsoptimierte Beregnungseinsatz hat hier in den letzten Jahren sehr gut funktioniert. Hinzugekommen ist die bei den Sortenversuchen für die Ertragserwartung angepasste Stickstoffdüngung. Trotz des angehobenen Stickstoffeinsatzes ergaben sich bei dem Qualitätsparameter Rohproteingehalt keine Probleme. Laut dem endgültigen Erntebericht für Braugerste in Deutschland ist für Niedersachsen eine Braugerstenmenge in Höhe von ca. 165.000 t an die Vermarkter bzw. Mälzer geliefert worden. Im Bundesdurchschnitt liegen die Praxiserträge je Hektar in Niedersachsen damit wiederum an der Spitze. Sie unterstreichen damit die günstigen Standortbedingungen u.a. dank der Möglichkeit der intensiven Feldberegnung. Auch die Qualitätsergebnisse bezogen auf die Parameter Rohproteingehalt und Vollgerstenanteil belegen, dass die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Braugerstenanbau gegeben sind.

Um Informationen für die richtige Sortenwahl zu liefern, führt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nach wie vor umfangreiche Prüfungen durch.

Erträge der Sorten

Von den vier mit Braugerstensorten angebauten Prüfstandorten konnten drei in die statistische Verrechnung einbezogen werden. Sie wurden alle im intensiven Anbaugebiet „Sandstandorte Nordwest“ angelegt.

Die Sorte Quench konnte 2016 wieder durch sehr gute Ertragsleistungen überzeugen und unterstreicht damit, dass sie zurecht seit vielen Jahren für den Braugerstenanbau in Niedersachsen empfohlen wird. Das wird auch durch den hohen Anteil an der Vermehrungsfläche vor allem in Niedersachsen aber auch bundesweit deutlich. Im vierjährigen Vergleich konnte sie die auf Höhe des Standardmittels erzielten Vorjahresergebnisse steigern. Die Sorte zeichnet sich bei den agronomischen Eigenschaften, wie z. B. im Bereich Halm- und Ährenknicken als auch in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Mehltau und Lagerneigung durch positive Einstufungen aus. Lediglich beim Zwergrost- und Netzfleckenbefall zeigt sie gewissen Schwächen.  Avalon, die Sorte mit der zweitstärkten Vermehrungsfläche in Niedersachsen als Braugerste, erreichte 2016 im Mittel über die drei Standorte ein leicht überdurchschnittliches Ergebnis. Zu beachten sind hier die etwas schwankenden Erträge zwischen den Standorten. Mehrjährig betrachtet zeichnet sie sich jedoch durch hohe und insgesamt konstante Leistungen aus. Besonders die gute Standfestigkeit ist bei den agronomischen Merkmalen hervorzuheben. Schwachpunkt ist die etwas höhere Anfälligkeit gegenüber Mehltau und die Gefahr des Ährenknickens. Die Resistenzen gegenüber Zwergrost und Netzflecken sind gut.

Die altbewährte und langjährig geprüfte Qualitätsbezugssorte Marthe konnte das sehr schwache Vorjahresergebnis etwas kompensieren, gehört mehrjährig betrachtet allerdings zu den ertragsschwächeren Sorten. Ihre Anbaubedeutung geht weiter zurück. Ein durchschnittliches Ergebnis erreichte die Sorte Overture. Im vierjährigen Mittel erreicht sie durchschnittliche Ertragsleistungen. Die Anbaubedeutung ist auch hier rückläufig.

Die nunmehr zweijährig geprüfte Sorte RGT Planet konnte mit sehr guten Erträgen auch 2016 wieder überzeugen. In beiden Jahren erzielte sie die höchsten Erträge und setzt sich damit gegenüber den anderen Sorten positiv ab.  

Sowohl in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Halm- und Ährenknicken als auch in der Robustheit gegenüber allen bedeutenden Krankheiten überzeugt diese Sorte. Leider hat diese Sorte in Niedersachsen noch keine offizielle Anbauempfehlung für den Vertragsanbau als Braugerste erhalten, da nach den umfangreichen Praxisuntersuchungen des Berliner Programms keine Verarbeitungsempfehlung ausgesprochen wurde. Damit hat sie in Niedersachsen bei der Vermehrungsfläche gegenüber dem Vorjahr an Umfang eingebüßt; bundesweit gesehen steht sie in der Vermehrungsfläche bei Sommergerste an zweiter Stelle.

Ebenfalls im zweiten Jahr wurde die Sorte Ventina geprüft. Sie erzielte 2016 mit schwankenden Einzelstandortergebnissen ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Zur besseren Leistungseinstufung sind hier weitere Ergebnisse notwendig. Als kleine Schwäche dieser ansonsten gesunden Sorte ist die etwas erhöhte Neigung zum Ährenknicken anzusprechen. Erstmalig in der landesweiten Braugerstenprüfung wurde die Sorte Cervinia aufgenommen. Sie konnte mit konstant überdurchschnittlichen Erträgen positiv überzeugen. Mit Ausnahme der sehr guten Einstufung gegenüber Mehltaubefall, ist sie in den weiteren Merkmalen, wie Lagerneigung, Halm- bzw. Ährenknicken sowie gegenüber den sonstigen Krankheiten vorerst als durchschnittlich eingestuft worden. Der Sorte Solist wurde 2016 noch einmal die Gelegenheit gegeben sich zu beweisen, nachdem die Ergebnisse 2015 nicht wertbar waren. Aufgrund der sehr schwachen Ertragsleistungen und der geringen hiesigen Anbaubedeutung wird die Sorte künftig in den Versuchen nicht weiter verfolgt.

Proteingehalte im Auge behalten

Braugerste darf bei der Vermarktung nur geringe Eiweißgehalte aufweisen, die sich in einem engen Rahmen bewegen. Der Eiweißgehalt sollte in einem Bereich zwischen 9,5 % und 11,5 % liegen. Weder ein Zuviel noch ein Zuwenig an Protein ist beim Prozess der Bierherstellung gut. Hohe Proteingehalte oberhalb 11,5 Prozent können die Gärung beeinträchtigen, die Filtration erschweren oder Ausflockungen im Bier verursachen. Zu geringe Gehalte unter 9 Prozent sind wiederum auch ungünstig, da der Geschmack des Bieres beeinträchtigt werden kann und die Stabilität des Schaumes herabgesetzt ist. Ferner benötigen die Hefen einen gewissen Anteil an Stickstoffverbindungen für ihre Ernährung.

Anhebung der N-Düngung

Nachdem 2014 sowohl in den Sortenversuchen als auch vielfach in der Praxis oftmals zu geringe Rohproteingehalte erzielt wurden, wurde die N-Düngung sukzessive bei hoher Ertragserwartung angepasst. Bekanntermaßen besteht eine generelle negative Beziehung zwischen der Höhe des Kornertrages und der Proteinkonzentration im Korn. Diesem Sachverhalt kann durch ein höheres Stickstoffangebot entgegengewirkt werden. 2015 und 2016 wurden ergänzend zu den Sortenversuchen N-Steigerungsversuche bei der in der Praxis überwiegend angebauten Sorte Quench durchgeführt. Durch eine Erhöhung der N-Sollwertdüngung (100 kg N/ha abzügl. Nmin) um 40 kg/ha konnten die Erträge noch um ca. 7 % gesteigert werden, gleichzeitig stieg der Rohproteingehalt auch um 1 % absolut an. Die Rohproteinwerte lagen bei gesteigerter N-Düngung und hohem Ertragsniveau (ca. 85 dt/ha) innerhalb des geforderten Bereiches, zum Teil konnte erst durch die zusätzliche N-Gabe der Mindestwert von 9,5 % Rohprotein erreicht werden. Waren die Erträge hingegen auf einem geringeren Ertragsniveau (minus 12 dt/ha), so wurde der Wert von 12,5 % Rohproteingehalt überschritten. Die angepasste N-Versorgung muss daher für die jeweiligen Standort- und Produktionsbedingungen angepasst werden. In der Praxis sollten auch die in der Vergangenheit erzielten Proteinwerte bei der Bemessung der Stickstoffversorgung mitberücksichtigt werden, um das Mineralisationsvermögen des Standortes entsprechend einzubeziehen.

Bereits nach den ersten Auswertungen zur angepassten N-Düngung wurde die Empfehlung gegeben, die Stickstoffgabe beim Anbau der Sorte Quench moderat zu erhöhen, um möglicherweise hiermit Mehrerträge ohne negative Auswirkungen auf den Proteingehalt zu realisieren.

Den Empfehlungen zu einer moderat erhöhten N-Düngung scheint die Praxis zunehmend zu folgen. An dieser Strategie gilt es auch im kommenden Anbaujahr festzuhalten. Das belegen, wie beschrieben, auch die in 2015 und 2016 durchgeführten Versuche.

Zum Einsatz von Wachstumsreglern

Der Beirat der Bundes-Braugerstengemeinschaft einigte sich bereits im November 2014 darauf, dass Wachstumsregler nach Bedarf und in Abwägung des Landwirts im Rahmen der gesetzlichen Zulassung sowie in den Grenzen des Lebensmittelrechts beim Braugerstenanbau eingesetzt werden können.

Mit der Erhöhung der Stickstoffdüngung steigt entsprechend das Risiko von Lager in den Beständen. Zur Vermeidung dieses Problems ist der Einsatz eines Wachstumsreglers eine wirkungsvolle Maßnahme.

Um der Frage möglicher Rückstände im Erntegut nachzugehen, erfolgte in den Jahren 2014 bis 2016 die Untersuchung von Probenmaterial aus Wachstumsreglerversuchen in Sommergerste. Wie schon in den Vorjahren stellte sich auch in den aktuellen Untersuchungen heraus, dass beim Einsatz Trinexapac-ethyl haltiger Mittel (Moddus, Countdown) keine Rückstände im Erntegut nachgewiesen werden konnten.

Qualitätsergebnisse

Bei kaum einer Fruchtart werden bei der Anbauempfehlung für eine Sorte so viele Parameter betrachtet wie bei der Braugerste. Aus Sicht der Landwirtschaft sind vor allem Parameter wie Proteingehalt, Hektolitergewicht und die Siebsortierung von Interesse, da diese einen direkten Einfluss auf die Preisbildung haben. Im weiteren Malz- und Brauprozess spielen aber viele weitere Eigenschaften eine Rolle. Die Rohproteingehalte liegen im Schnitt über die Sorten in der Ernte 2016 innerhalb des geforderten Bereiches von 9,5 % bis 11,5 %. Die ertragsstärksten Sorten, wie RGT Planet, Quench, Cervinia und Overture erzielen mit 10,4 bis 10,5 % die niedrigsten Proteingehalte. Die in den Ernteproben der Landessortenversuche ermittelten Hektolitergewichte liegen aktuell in einem hohen Bereich. Die Schwankung zwischen den Sorten ist recht gering. Im Hinblick auf den Vollgerstenanteil tendieren Overture, Quench, und Cervinia etwas schwächer. Bei dem Anteil der Sortierung oberhalb 2,8 Millimeter zeigen sich deutlichere Unterschiede. Sehr gute Werte erreicht hier von allem Ventina, gefolgt von Avalon, Marthe und Solist. Etwas schwächere Werte finden sich bei den ertragsstarken Sorten RGT Planet, Cervinia und Quench. In diesem Merkmal scheinen Jahreseinflüsse stärkere Verschiebungen zwischen den Sortenrangierungen hervorzurufen.

Zusammenfassung

Die Ertragsleistungen der zurzeit im Markt befindlichen Braugerstensorten gewährleisten bei entsprechender Produktionstechnik - hier sei insbesondere die gesicherte Wasserversorgung und die angepasste Stickstoffversorgung erwähnt – einen lohnenswerten Braugerstenanbau, zumal die Preisaussichten eher günstig einzustufen sind. Aus Sicht der Anbauer wäre es wünschenswert, wenn künftig auch in Niedersachsen der züchterische Fortschritt genutzt werden könnte und die ertragsstärksten Sorten eine Braugerstenempfehlung bekämen.  


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
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Stand: 01.02.2017