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Einzelbetriebliche Beratung zur Reduzierung des Risikos von Schwanzbeißen

Im Rahmen eines neuen Projektes des BLE / BMELV zu dem Themengebiet Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich Tierschutz bietet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen einzelbetriebliche Intensivberatung von Schweine haltenden Betrieben zur Reduzierung des Risikos von Schwanzbeißen.

In den meisten europäischen Schweinehaltungen ist das Kupieren der Schwanzspitze beim Ferkel als wirksamste Vorbeugemaßnahme gegen Schwanzbeißen weit verbreitet. Gesetzlich ist dies nur in Ausnahmefällen zugelassen. Ziel des Projektes ist es, eine Optimierung und Stabilisierung der Haltungsbedingungen in der Ferkelaufzucht und / oder der Schweinemast der beteiligten Fokusbetriebe herbeizuführen und damit die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Schwanzbeißen sowie die Notwendigkeit des Kupierens der Schwanzspitzen zu reduzieren. Der Betriebsleiter wird hierbei durch eine intensive Beratung mit ganzheitlichem Ansatz unterstützt. Damit liefert dieses Projekt einen wesentlichen Beitrag zur direkten Verbesserung des Tierwohls.
Gleichzeitig wird eine Verbesserung der Tiergesundheit und damit indirekt eine Reduzierung des Medikamenteneinsatzes in diesem Projekt erwartet. Erfahrungen der Fokusbetriebe werden in einem Leitfaden zusammengefasst und am Ende des Projektes der breiten Praxis zur Verfügung gestellt.


Abbildung 1: Darstellung des Tierwohl-Beratungskonzeptes „Risikominimierung von Schwanzbeißen“

Die Abbildung zeigt den Aufbau und den Wissenstransfer des Projektkonzeptes auf.
Der Modell- und Demonstrationsberater (M & D- Berater) ist der Mittelpunkt der Beratungsinitiative. Kooperationspartner ist das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. (ISN).

Der Berater wird im Rahmen dieses Projektes die neuesten Erkenntnisse zu den Risikofaktoren für Schwanzbeißen und bewährte Haltungsbedingungen aufarbeiten und auf die teilnehmenden Fokusbetriebe einordnen. Eine spezielle betriebsindividuelle Beratungs- und Handlungsgrundlage wird geschaffen.
Im Rahmen des Projektes werden ca. 20 bis 30 Betriebe für die Intensivberatung akquiriert. Aufgrund der bestehenden Strukturen sollen unter den Betrieben sowohl geschlossene Systeme (Ferkelerzeugung und Mast in einem Betrieb) als auch reine Mastbetriebe (notwendigerweise mit bekannter Ferkelherkunft) ausgewählt werden.

Nach dem gemeinsamen Erstkontakt findet eine intensive Ersterfassung der Ausgangssituation des Betriebes statt. Eine einzelbetriebliche Analyse der Risikofaktoren für das Schwanzbeißen wird  erstellt. Hierbei wird das spezifische Risiko verschiedener Faktoren wie z.B. Genetik, Aufstallungsform, Gesundheitszustand, Stallklima u.a. individuell erfasst und bewertet.
Basierend auf diesen Daten werden durch den M&D-Berater nach Auswertung für jeden Betrieb individuelle Verbesserungsvorschläge erarbeitet und mit dem Betriebsleiter besprochen. Der Berater kann auf die Spezialberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als auch auf die Projektpartner zurückgreifen.

In regelmäßigen Abständen werden die teilnehmenden Betriebe besucht und betreut. Die umgesetzten Verbesserungsmaßnahmen werden auf Wirkung, Verbesserungspotential und Nachjustierung geprüft.
Durch die Dokumentation der Maßnahmen und Wirkung entsteht ein Betriebshandbuch. Eine  „Risikominimierende Betriebsanweisung“ für den Landwirt ist gleichzeitig eine laufende Erfolgskontrolle der empfohlenen und umgesetzten Maßnahmen.
In Problembetrieben oder akuten Ausbrüchen von Schwanzbeißen soll die Datenerfassung durch konkrete Messungen und Untersuchungen im Bereich des Stallklimas, der Futtermittel, der Tiergesundheit und des Tierverhaltens ergänzt werden.

Ein Arbeitskreis wird eingerichtet, um die Erfahrungen und Maßnahmen zu kommunizieren und den Wissenstransfer zu gewährleisten.

Am Ende des Projektes wird ein Leitfaden erstellt und eine Vortragsveranstaltung durchgeführt,  um das Wissen in die breite Praxis zu tragen.

Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Teilnehmende Betriebe werden kostenneutral beraten und können Ihre Tierhaltung den neuen Haltungsanforderungen anpassen. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die unten angeführten Kontaktpersonen oder senden gleich den unten angefügten Fragebogen an die Kontaktpersonen zu.

 Aktuelles:


Kontakt:
Dr. Heiko Janssen
Fachreferent Schweinezucht, Schweinehaltung
Telefon: 0441 801-637
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Stefan Sagkob
Tierhaltung, Versuchs- und Projektwesen Tier, Agrarsystemtechnik
Telefon: 0441 801-609
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 05.07.2016