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Statistische Auswertungsergebnisse verschiedener Linienkombinationen im Rahmen von GAK Maßnahmen zur Robustheit und Gesundheit

Die Vorgaben im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, GAK, haben sich seit 2014 geändert. Es werden nicht mehr Maßnahmen zur Verbesserung der genetischen Qualität landwirtschaftlicher Nutztiere gefördert, sondern der neue Förderungsgrundsatz heißt „Förderung der Gesundheit und Robustheit landwirtschaftlicher Nutztiere“.

Für diese Maßnahme haben landwirtschaftliche Betriebe umfangreiche biologische Daten in ihren Sauen- und Mastställen erfasst, ausgewertet und mit Hilfe der Beratungs- und Erzeugerringe  dem VIT Verden zu einer niedersachsenweiten Auswertung zukommen lassen. Ziel der neuen Förderung ist:

  • Die züchterische Verbesserung der Gesundheit und Robustheit landwirtschaftlicher Nutztiere zu erreichen. Dafür sollen relevante Merkmale erhoben, ausgewertet und für die Abschätzung der genetischen Qualität der Tiere zur Erreichung eines züchterischen Fortschrittes aufbereitet werden
  • Die Verbesserung der Datengrundlage für züchterische Beurteilungen und züchterische Entscheidungen bei Merkmalen der Gesundheit und Robustheit bei Selektionsentscheidungen zu erreichen
  • Die verbesserte Information von Zuchtprodukten über die Veranlagung im Bereich der Gesundheit und Robustheit auch im Rahmen von Stichproben oder Warentests zu erreichen
  • Die Beschleunigung des züchterischen Fortschritts in Bezug auf Gesundheits- und robustheitsrelevanten Merkmalen und damit eine Verbesserung der der Tiergesundheit und Robustheit in der Praxis und in geeigneten Fällen der Verlängerung der Nutzungsdauer der landwirtschaftlichen Nutztiere zu erreichen.

Gemäß dieser Vorgaben müssen bei den Sauen die Nutzungsdauer (Anzahl Würfe, Abgänge und Abgangsursachen) sowie die Fruchtbarkeitsdaten (Anzahl tot und lebend geborener Ferkel) erfasst und aufbereitet werden.

Bei den Mastschweinen müssen die Daten der Robustheit (vorzeitige Abgänge und Ursachen) sowie die Schlachtbefunddaten erfasst werden.

Insgesamt konnten für diese Auswertungen Daten von 285.163 Würfen aus 693 Betrieben und 460.415 gelieferten Mastschweinen, von denen 389.001 Datensätze  beim VIT ausgewertet wurden, berücksichtigt werden. Es wurden für die Auswertungen nur solche Datensätze berücksichtigt, bei denen die genetische Herkunft eindeutig war, d.h. die genetische Herkunft der Muttersau als auch des Ebers waren eindeutig zuzuordnen. Das gleiche war auch für die Auswertung in der Schweinemast Vorrausetzung.  Die Datengrundlage für die Sauenauswertungen stammen aus den EDV geführten Sauenplanern der Landwirte, für die Mastschweine aus Produktionsaufzeichnungen und den Schlachtprotokollen.

Für das Merkmal Langlebigkeit von Sauen wird die Anzahl erbrachter Würfe verwendet. Dafür liegen natürlich nur Daten von Sauen vor, die im Jahr 2015 abgegangen sind. Für noch lebende Sauen liegt als Datenmeldung nur der letzte Wurf vor, dieser Wert kann dann nur als zensierte Information (geringere Gewichtung in der statistischen Auswertung) in die Auswertung einfließen.

 

Tabelle 1:  Sauenabgänge und deren Gründe  (Daten über alle Linien)

Abgangsgrund

Anzahl

Prozent

Alter

17389

34,5%

Fruchtbarkeit

10103

20,0%

Wurfqualität

8528

16,9%

Verhalten

90

0,2%

Fundament

3068

6,1%

Konstitution

3701

7,3%

Sonstiges

7518

14,9%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über 70% aller Sauen scheiden aufgrund der drei Abgangsursachen Alter, Fruchtbarkeit und Wurfqualität aus.

Eine weitere Auswertung (Tab.2) zeigt den Effekt der Wurfnummer auf die Anzahl lebend geborener Ferkel und tot geborener Ferkel. Mit steigender Wurfzahl  erhöht sich die Anzahl lebend geborener Ferkel. Mit dem 8. Wurf ist die Anzahl lebend geborener Ferkel niedriger als beim 1. Wurf. Die allgemeine Aussage, dass im Durchschnitt mit dem 3. bzw. 4. Wurf die höchste Anzahl lebend geborener Ferkel in der Sauenhaltung erreicht wird, kann  mit der Auswertung über die letzten 5 Jahre eindeutig belegt werden. Die Anzahl tot geborener Ferkel steigt mit jedem Wurf. Tendenziell ist die Anzahl tot geborener Ferkel in den letzten Jahren leicht gestiegen. Dieses ist aufgrund der über alle Genetiken hinweg deutlich gestiegenen Wurfgröße nicht verwunderlich. Die Wurfqualität beschreibt die Ausgeglichenheit der Würfe, wobei nicht zwingend die Wurfgröße mit Wurfqualität gleichzusetzen ist. Große Würfe können heute mit gutem Management (z.B. Wurfausgleich) gehändelt werden.

 

Tabelle 2: Effekt Wurfnummer auf Anzahl lebend geborener Ferkel und Anzahl tot geborener Ferkel

Wurf–Nr.

NlgF

NtgF

 

2011

2012

2013

2014

2015

2011

2012

2013

2014

2015

1

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

2

0,75

0,77

0,85

0,79

0,73

0,00

0,01

0,01

0,05

-0,02

3

1,26

1,29

1,38

1,38

1,38

0,18

0,19

0,21

0,25

0,21

4

1,24

1,30

1,32

1,43

1,36

0,35

0,40

0,41

0,45

0,41

5

1,03

1,00

1,05

1,17

1,06

0,51

0,58

0,55

0,65

0,57

6

0,70

0,66

0,67

0,75

0,67

0,65

0,71

0,71

0,78

0,72

7

0,34

0,22

0,27

0,23

0,20

0,72

0,77

0,83

0,89

0,85

8

0,01

-0,13

-0,09

-0,19

-0,26

0,78

0,86

0,89

0,98

0,92

9

-0,30

-0,46

-0,49

-0,66

-0,66

0,80

0,88

0,92

1,03

0,95

10

-0,57

-0,79

-083

-0,98

-0,99

0,82

0,88

0,90

1,03

0,89

11

-0,84

-1,03

-1,08

-1,25

-1,31

0,82

0,94

0,87

1,12

0,98

12

-1,00

-1,27

-1,25

-1,67

-1,73

0,80

0,91

0,85

1,03

0,97

13

-1,16

-1,36

-1,45

-1,94

-1,78

0,77

0,80

0,83

1,06

0,86

14+

-1,35

-1,47

-1,88

-1,96

-2,08

0,71

0,95

0,97

0,79

0,85

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mastschweineauswertung

Förderungsvoraussetzung in der Mastschweinehaltung sind die Merkmale Robustheit und Erfassung der Schlachtbefunde. Unter Robustheit sind die vorzeitigen Abgänge und deren Ursachen zu verstehen. Die Schlachtbefundauswertungen werden auf den Schlachthöfen vorgenommen und dann den genau definierten Mastgruppen zugeordnet.

Vorzeitige Abgänge oder Verluste während der Mast errechnen sich aus den eingestallten Mastschweinen und den Verlusten über den gesamten Mastzeitraum. Es ist schwierig, Verluste auf Linienkombinationen zurückzuführen, da Mäster häufig nur eine Linienkombination im Stall haben und Betriebseffekte die Aussage zu Linienkombinationen verzerren können. Hier sind mehrjährige Auswertungen notwendig, um sichere Aussagen tätigen zu können. Die Verlustprozente über alle Linienkombinationen betrugen für die Auswertungen im Jahr 2015 im Durchschnitt 1,9%, wobei die Streuungen zwischen einzelnen Betrieben beträchtlich waren. 1,9% Verluste während der Mast sind im Gegensatz zu Auswertungen aus Vorjahren eine deutliche Verbesserung. Häufigste Ausfallursachen waren Kannibalismus und Kümmerer. Für das Merkmal Kannibalismus wird vielfach die Genetik als Ursache benannt. Die erst geringe Anzahl ausgewerteter Schweine lässt (leider) noch keine sichere Bewertung dieser Aussage zu.

 

Tabelle 3: Mittlere Verlustursachen während der Mast (in%)

Fundament

Bruch

Kannibalismus

Kümmerer

Sonstige

Gesamt

0,1 %

0,0 %

0,2 %

0,3 %

1,4 %

1,9 %

 

 

 

 

Zu den aus den Schlachtprotokollen verfügbaren Schlachtkörperbefunddaten zählen Leber, Lunge, Herz, Brustfellentzündungen, Abszesse und Sonstige. Wie bei den Verlustursachen sind auch hier Aussagen zu Linienkombinationen schwierig, da Mäster häufig nur eine Linienkombination aufstallen. Die Unterschiede zwischen den Linienkombinationen sind auch hier vielfach Betriebseffekte  und daher nicht isoliert auf die Genetik zurückzuführen. Bei den Schlachtkörperbefunddaten ragen an 1. Stelle Lungenbefunde und an 2. Stelle Leberbefunde hervor. Im Vergleich zum Vorjahr haben die mittleren Anteile der Befundungen über alle Befunddaten zugenommen.

Fazit

Auch die Auswertungen im 2. Jahr nach den neuen Förderungsrichtlinien zeigen, dass nur aufgrund der begrenzten Datengrundlage gesicherte Aussagen bislang nicht in allen Merkmalen nach Linienkombinationen getätigt werden können. Eine hohe Anzahl von Sauen und Mastschweinen konnte mit den geforderten Merkmalen ausgewertet werden. Aufgrund der Vielfalt der möglichen Linienkombinationen sind Aussagen zu den einzelnen Genetiken schwierig. Besonders bei den Mastschweinen sind statistisch abgesicherte Auswertungen schwierig, da Mäster häufig nur eine Genetik im Stall haben und so der Betriebseffekt auf vielen Merkmalen überwiegt. Erst mehrjährige Auswertungen werden zeigen, ob sich zu beobachtende Tendenzen bestätigen.

 

 

Statistische Auswertungsergebnisse von biologischen Merkmalen verschiedener Linienkombinationen (Datengrundlage 2015)

Neben den Auswertungen zur Gesundheit und Robustheit landwirtschaftlicher Nutztiere wurden auch noch Auswertungen zur genetischen Qualität vorgenommen, um eine Bewertung verschiedener Zuchtprodukte im Hinblick auf die züchterische Veranlagung zu ermöglichen. Zusätzlich soll durch diese Auswertung die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Unternehmen durch züchterische Maßnahmen unterstützt werden.

 Auch bei dieser Auswertung wurden nur solche Datensätze berücksichtigt, bei denen die genetische Herkunft eindeutig zuzuordnen war. Das Gleiche war auch für die Auswertung in der Schweinemast Voraussetzung. Für die Kennzahlen „Anzahl lebend geborener Ferkel“ und „Anzahl tot geborener Ferkel“  konnten Ergebnisse mit hinreichender, statistischer Sicherheit herausgearbeitet (geschätzt)  werden.  In der Schweinemast waren die Kennzahlen „tägliche Zunahme“ und „Muskelfleischanteil“ (FOM) auswertbar.

Auch diese Auswertungen inklusive der Auswertungsmodelle wurden vom VIT (Verden) entwickelt und durchgeführt. Vor der Auswertung fanden intensive Plausibilitätsüberprüfungen der Datensätze statt. Für die Bewertung der biologischen Leistungsfähigkeit einer genetischen Schweineherkunft ist nur eine Gesamtbeurteilung der Leistungen auf den Stufen der Ferkelerzeugung sowie Mast- und Schlachtung sinnvoll. Aus diesem Grunde werden nur die Ergebnisse von Linienkombinationen dargestellt, die in allen Kennzahlen hinreichend gesicherte Ergebnisse aufweisen. Für das Jahr 2015 waren das die Linienkombinationen der Zuchtunternehmen DAN-Zucht, BHZP und TOPIGS.

 Die Ergebnisse sind in Tabelle 4 dargestellt. Dabei sind für jede Linienkombination für die Parameter Anzahl lebend geborener Ferkel (lgF), Anzahl tot geborener Ferkel (tgF), tägliche Lebendmassezunahme (tz) sowie Magerfleischanteil (MFA) die geschätzte, biologische Leistungsfähigkeit als Abweichung vom Mittelwert über alle auswertbaren Linienkombinationen dargestellt. Für die Rangierung wurden folgende Zeichen und Grenzwerte verwendet:

- 1,5 SD  < (g - MW)  < - 0,5 SD    →    - 

- 0,5 SD  < (g - MW)  < + 0,5 SD   →    o

+ 0,5 SD < (g - MW)  < + 1,5 SD   →    +

+1,5 SD  < (g - MW)                      →    ++

(g=geschätzter Mittelwert; MW=Mittelwert; SD=Standardabweichung)

Der Anzahl der effektiven Würfe und effektiven Mastschweine kommt bei der Interpretation der Auswertungsergebnisse eine besondere Bedeutung zu. Sie liegt in praxi immer unter der Anzahl der tatsächlich ausgewerteten Würfe und Mastschweine, bei Felddaten meist sogar deutlich. Die statistische Auswertung ist bestrebt, Einflüsse der Linienkombinationen auf die einzelnen Leistungsmerkmale von Betriebs- und Umwelteinflüssen zu trennen. Das funktioniert besonders gut in Betrieben, in denen mehrere Linienkombinationen zur gleichen Zeit aufgestallt sind. Solch ein Betrieb, auch wenn er nur klein ist, bringt dann mehr effektive Würfe und damit einen höheren Beitrag zur Auswertung als ein doppelt so großer Betrieb, der nur eine Linienkombination aufgestallt hat. Betriebe mit nur einer Herkunft (wie von der Beratung für optimale Produktionsbedingungen empfohlen) sind also für solche Auswertungen für eine Vergleichbarkeit ungeeigneter, jedoch sind sie zur Absicherung des Auswertungsmodells unverzichtbar und damit notwendig.

Die Auswertung (Tabelle 4) zeigt, dass auf der Eberseite nur der Pietrain Eber eingesetzt wurde. Der db. 77 Eber ist genetisch gesehen auch ein Pietrain Eber. Dies ist nicht verwunderlich, denn in der Praxis wird in der Mastferkelproduktion überwiegend der Pietrain Eber eingesetzt, um die Anforderungen der Abrechnungsmasken auf deutschen Schlachthöfen zu erfüllen. Dabei können die eingesetzten Pietrain Eber sowohl Top Genetik Eber als auch normal geprüfte Pietrain Eber sein.

Die Tabelle 4 zeigt weiter, dass die DAN Hybridsau eine statistische Überlegenheit im Merkmal lebend geborener Ferkel gegenüber allen anderen Sauenlinien aufweist. Bei dieser Sauenlinie ist eine mittlere Anzahl tot geborener Ferkel zu verzeichnen gewesen. Weiterhin zeigt sich bei dieser Auswertung, dass bei dem Merkmal Lebendmassezuwachs die Linien Pietrain x DAN Hybridsau und Pietrain x db. Viktoria statistisch abgesichert eine deutliche Überlegenheit aufweisen. Beim Merkmal Muskelfleischanteil zeigt die Linienkombination Pietrain x TOPIGS Linie 30 eine Überlegenheit.

Bei Einzelbetriebsberatungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit im Betriebszweig Schweinehaltung muss zwischen spezialisierten Ferkelerzeugern, spezialisierten Mästern sowie kombinierten Betrieben unterschieden werden. Dabei bestimmt die Summe der genetischen Leistungsfähigkeit einer Herkunft über die Ferkelerzeugung bis zum Schlachthaken die Höhe der möglichen Gesamterlöse, die überhaupt in der Produktionskette zu verteilen ist. Darüber hinaus ist darauf zu achten, welcher Aufwand betrieben werden muss, um die genetische Leistungsfähigkeit der Tiere auch ausschöpfen zu können. 

 

Tabelle 4: Ferkelerzeugung und Schweinemast: Schätzwerte für (E x S)-Linienkombinationen, 2015 (mit FOM [MFA])                                                                                              

Eberlinie Sauenlinie Anz. eff. Würfe Si.% FE Effekt (IgF) Effekt (tgF) Effekt (tz) Effekt (MFA) Anz. eff. Mastschw.
Si. % SM
Veröff.
Pietrain DAN Hybridsau Wechselkreuzung 423,6 94% + o + - 841,7 83% J
db.77 TOPIGS Linie 20 216,3 91% o - o o 1530,3 85% J
Pietrain TOPIGS Linie 30 102,9 84% - + - + 619,9 80% J
Pietrain db. Viktoria 1649 97% o - + - 1064,1 84% J

Kontakt:
Dr. Heiko Janssen
Fachreferent Schweinezucht, Schweinehaltung
Telefon: 0441 801-637
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Hartwig Fehrendt
Düngegesetz, Düngeverordnung und Richtwerte
Telefon: 0441 801-435
Telefax: 0441 801-440
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Stand: 06.01.2017