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Förderung der Zucht und Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen

Das Land Niedersachsen fördert auch 2013 die Zucht seltener/ gefährdeter Nutztierrassen über eine Zuchterhaltungsprämie. Voraussetzung ist die Teilnahme am Erhaltungszuchtprogramm der Züchtervereinigung (Herdbuchzucht, Reinzucht) und eine fünfjährige Zuchtverpflichtung.

Folgende Rassen der Tierarten Pferd, Rind, Schaf, Ziege und Schwein sind förderfähig:

  • Tierart Pferd (1,0 GVE): Schweres Warmblut, Schleswiger Kaltblut, Rheinisch Dt. Kaltblut, Süddetsches Kaltblut, Schwarzwälder Kaltblut;
     
  • Tierart Rind (1,0 GVE): Dt. Schwarzbunte alter Zuchtrichtung mit weniger als 25 % HF-Genanteil, Rotvieh alter Angler Zuchtrichtung und Rotvieh Zuchtrichtung Höhenvieh;
     
  • Tierart Schaf (o,15 GVE):  Weiße Hornlose Heidschnucke, Weiße Gehörnte Heidschnucke, Graue Gehörnte Heidschnucke, Bentheimer Landschaf, Leineschaf, Coburger Fuchsschaf, Weißköpfiges Fleischschaf, Merinofleischschaf und Ostfriesisches Milchschaf;
     
  • Tierart Ziege (0,15 GVE): Weiße Dt. Edelziege;
     
  • Tierart Schwein (Zuchtschweine > 50 kg 0,5 GVE): Buntes Bentheimer Schwein;
     
  • Tierart Geflügel: Diepholzer Gans, Leinegans, Ostfriesische Möve und Vorwerkhuhn.

Gefördert werden können männliche Zuchttiere und weibliche Zuchttiere, die in den letzten 12 Monaten vor dem Stichtag (1. September) entweder in Reinzucht angepaart wurden oder Nachkommen geboren haben.
Die Förderhöhe beträgt bis zu 200 Euro je Großvieheinheit (GVE), also z.B. bis zu 30 Euro je Zuchtschaf oder Zuchtziege.
Interessierte, in Niedersachsen wohnende Herdbuchzüchter stellen innerhalb von 4 Wochen nach dem Stichtag einen Antrag bei der LWK Niedersachsen. Alle Anträge müssen vorher zur Bestätigung der aktiven Zucht (Abgabe der Geburtsmeldungen und der Decklisten, Einsatz gekörter Vatertiere usw.) an die zuständige Züchtervereinigung gesendet werden.

Im Jahr 2012 wurden im Rahmen dieser Förderung 280 niedersächsische Zuchttierhalter mit 10.561 weiblichen und 373 männlichen Zuchttieren (ohne Geflügel) unterstützt. Zuwendungszweck ist, das Genmaterial lokaler, vom Aussterben bedrohter Nutztierarten für die Zukunft zu erhalten und damit zur Erhaltung der genetischen Vielfalt in der Tierzucht beizutragen.
                                                                                                                 (Autor: Klaus Gerdes, LWK  Niedersachsen)

Weitere Informationen zum Föderprogramm und zu den einzelnen Rassen finden Sie auch in der Broschüre: Gefährdete einheimische Nutztierrassen in Niedersachsen.

Lesen Sie hier den Bericht über einen Züchter der gefährdeten Rasse Weiße Gehörnte Heidschnucke:

Bösel (pi) – Wenn früher ein Kaplan nach Bösel versetzt wurde, bedauerte man ihn hinlänglich: Er musste ins „Schaopsdonnerland“. Dahin, wo es „masse Gägend“ gab, Schäfer durch die Heide zogen und dabei Strümpfe „breidelten“, wie man sagte. 
Franz Rolfes von der Overlaher Straße ist der Letzte seiner Zunft in Bösel und er betreibt seine Schäferei als Hobby. Im Winter ist das gefrorene Gras „aohne Kritt“, sagte Franz Rolfes, da muss er den Schafen etwas zufüttern. Es gibt Heu und Runkelrüben: „Sie sind Kräuterfresser und ausgemachte Feinschmecker“, weiß er. Wenn er über seine 100 Schafe spricht, für die er warme und echte Gefühle hat, glänzen die Augen des 59jährigen, denn er liebt seine Tiere und darum verwöhnt er sie. Aber nicht nur deshalb. Kraftfutter kommt für ihn überhaupt nicht in Betracht: „Das tötet den Geschmack der Schafe“.

Die Liebe zu seinen Tieren entspringt seinem umfassenden Wissen über sie. Im Alter von fünf Jahren hat ihn sein Vater, von dem er alles gelernt hat, bereits mit auf die Wanderungen durch Bösels Moor mitgenommen. Und der wusste alles über Schafe. Wie Franz heute. Ein Schäfer hat viele Berufe: Er muss ein Regiment führen, Krankheiten und Verletzungen heilen, Kräuter und Pflanzen identifizieren und das Wesen seiner Tiere verstehen. Immer ist er der einzige Mensch in der Nähe der Herde und verantwortlich für das Wohlergehen jedes einzelnen seiner Tiere. Zu tun ist genug; er schneidet die Klauen oder setzt die Tiere für das Schafscheren auf den Hintern. Und manchmal leistet er Geburtshilfe. Wenn im März die Lämmer geboren werden, stellt er den Wecker auf drei Uhr und sieht im Stall nach dem rechten. Dieses Maß der Bereitschaft, diese Schattenseiten in Kauf zu nehmen, ist bei Franz Rolfes auch ein Maß der Tierliebe. Harte Arbeit ist das auch: Mit Ponyhof-Romantik kann Franz Rolfes nichts anfangen: „Die Leute haben ja nicht einmal eine blasse Ahnung, wie das aussieht“.

Auch seine Hütehunde bildet er selbst aus. „Ohne die bin ich komplett aufgeschmissen“, zeigt er auf „Karo“ und „Prinz“. Der eine geht nun aufs Altenteil, der jüngere ist bereits ausgebildet. Justament werden die Schafe aus dem Stall gelassen, es riecht nach Stroh und Tier. Da trotten sie heraus, die weißen gehörnten Heidschnucken, kleine mischwollige Landschafe, die auf der Roten Liste alter und gefährdeter Haustierrassen stehen. Rolfes züchtet als einer von fünf Herdbuchbetrieben im Weser-Ems-Gebiet noch in einer genauen Zuchtlinie dieser Rasse: „Es ist schwierig, fremde Böcke für die Nachzucht zu bekommen, um Inzucht zu vermeiden“, sagt er. Die Erstzulassung der Jungschafe zum Deckbock erfolge in der Regel mit 18 Monaten. Die Weiße Gehörnte Heidschnucke sei streng saisonal: „sie nimmt nur im Herbst auf“. Nach fünf Monaten Tragzeit werden die Lämmer geboren. Sie trinken mindestens 100 Tage lang Muttermilch und wachsen sehr langsam bei Tageszunahmen von 100g bis 200g.

Franz Rolfes sieht die Zukunft der Schäferei ohne Illusionen: „Die Existenz der Schäfer wird bedroht von wachsender Bürokratie und fallenden Preisen. Die Wolle hat ihren Wert völlig verloren“. Damit nicht genug der Probleme: So verwandelt der Biogasboom selbst die kargsten Flächen, die Schafe seit je ernährten, in Maiswüsten. Die Folge: die Schäfer, die nur selten genügend eigenes Land besitzen, treffen kaum noch geeignete Weidegründe an. Ökonomisch interessantere Fleisch-Schafrassen, die viel schwerer sind, gemästet werden können und ganzjährig Fleisch liefern, verdrängen die schmackhaften Schnucken. Rolfes verkauft seine Lämmer privat. Aber auf den Profit kommt es ihm nicht an, er geht noch einer geregelten Arbeit nach. Die Schafe sind seine Passion nebenbei. Lächelnd genießt er den Anblick der gerade geborenen Lämmer, die putzmunter springen und toben, die pure Lebensfreude. Dennoch: Lieb sind sie ihm auch als rosa gebratenes Lammkarree mit Thymian in der Bratpfanne.   (Autor: Martin Pille)


Kontakt:
Klaus Gerdes
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-611
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 11.03.2016