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Alternative Einstreumaterialien in der Putenmast

Webcode: 01020341
Stand: 12.06.2012

Zielsetzung
In Niedersachsen wurde in den letzten Jahren infolge abnehmender Getreideanbauflächen weniger Stroh geerntet. In der Putenmast wird hochwertiges Gerstenstroh eingesetzt. Dies steht nicht mehr allen Betrieben in ausreichender Menge zur Verfügung. Zusätzlich lässt die mangelhafte Qualität des Strohs viele Landwirte zu alternativen Einstreumaterialien greifen. Ein weiterer Beweggrund ist der Bau von Biogasanlagen. Putenmist wird häufig dort verwertet. Die Landwirtschaftskammer prüfte deshalb die Eignung unterschiedlicher Einstreumaterialien für die Putenmast.
 

Material und Methoden
2010 wurden in einem Putenaufzuchtbetrieb im Landkreis Oldenburg Versuche zur Stroheinstreu durchgeführt. 2011 konnte die Landwirtschaftskammer in verschiedenen Betrieben alternative Einstreumaterialien im Praxiseinsatz beurteilen. Putenfüße wurden während der Aufzucht sowie am Schlachthof bonitiert.

Ergebnisse
Zwei baugleiche Aufzuchtställe wurden drei Tage vor Verteilung der Einstreu aufgeheizt, so dass die Bodenplattentemperatur 31°C betrug. In Stall 1 wurden anschließend 4 kg  Strohgranulat /m2, in Stall 2 je m2 8 kg Hobelspäne ausgebracht. Das Strohgranulat wurde in Big Bags auf Europaletten angeliefert. Die Ausbringung erfolgte grob aus den Big Bags mit dem Schlepper. Heute kann die Ware lose angeliefert werden. Der Rest wurde per Hand verteilt. Die Verteilung beider Einstreumaterialien war arbeitzeitmäßig gleich. Das Einstellen der Futter- und Tränkelinien war weniger zeitaufwändig in Stall 1, da die Einstreu gleichmäßiger verteilt werden konnte. Die Ausbringung des Strohgranulats wurde als etwas staubärmer empfunden. Wichtig beim Strohgranulat war eine genaue Verteilung, damit die Tränken nicht aufstoßen.

Am 28.01.2010 wurden die Eintagsküken eingestallt. Nach dem Umstallen der Hähne nach der 4. Lebenswoche (LW) wurde Stall 2 mit Gerstenstroh alle drei Tage nachgestreut. Feuchte Stellen unter der Tränkelinie wurden sogar täglich nachgestreut. Ab der 7. Woche wurden dann nochmals 1,4 t Pellets unter den Futter- und Tränkelinien verteilt. Ab der 8. Woche wurde auch hier mit Stroh weiter eingestreut. Da das Strohgranulat aber sehr saugfähig war und die Einstreu die anfallende Feuchtigkeit sehr gut absorbierte, wurde hier höchstens einmal pro Woche gestreut. Dies bedeutete eine erhebliche Arbeitsentlastung für den Landwirt.

Im zweiten Projekt wurden dann Strohgranulat (6 kg/m²) und Lignocellulose als Einstreu eingesetzt. Die Menge im vorangegangenen Durchgang musste zu schnell nachgestreut werden. Dies erwies sich als richtige Entscheidung, da hier erst nach der 6. LW mit Häckselstroh nachgestreut werden musste. Zwischenzeitlich wurde die Einstreu einmal pro Woche durchgearbeitet. Beim Nachstreuen reichte es dann vollkommen aus, dies nur wöchentlich bis zur 12. LW zu machen. Bei der Kontrolle der Einstreu konnte festgestellt werden, dass die Feuchtigkeit bis zwei Wochen vor Mastende nicht die Bodenplatte erreichte.

Im zweiten Aufzuchtstall wurden 12 kg Lignocellulose/ m² ausgebracht. Die gleichen guten Ergebnisse wie beim Strohgranulat spiegelten sich hier wider. Der Staubentwicklung in beiden Ställen wurden mit dem zeitweisen Einstellen der Sprühkühlung entgegen gesteuert.
Das Strohgranulat wurde mit einem eigens dafür gebauten Schieber alle drei Tage von Hand durchgearbeitet. Da die Einstreumenge ca. 2,5 cm hoch lag, war der Arbeitszeitaufwand mit Ø 30 Min./Durcharbeitung sehr gering und körperlich leicht. In den Folgewochen stellte sich heraus, dass die Arbeitszeit hinsichtlich der Einstreupflege in Stall 1 um 50% geringer war als in Stall 2. Es ist jedoch ein Trugschluss, dass geringerer Arbeitsaufwand gleichzeitig weniger Tierkontrolle bedeutet. Das „Auge und Ohr des Mästers“ ist und bleibt immer noch der wichtigste Managementfaktor.

Die Konzentration der Schadgase CO2 und NH3 wurde regelmäßig gemessen. Im Versuchsstall (Stall 1) waren die NH3-Werte um 2/3 geringer als im Kontrollstall (Stall 2). Die CO2-Werte waren bei beiden Ställen ähnlich. Nur beim Durcharbeiten stieg die Ammoniakkonzentration naturgemäß vorübergehend stark an. Durch eine rechtzeitige Lüftung konnte man diesem Problem sehr schnell begegnen.

Die Strohpellets nahmen im Gegensatz zu den Hobelspänen sehr viel mehr Feuchtigkeit auf. Sie wurde von den Tieren durchgearbeitet und konnte somit immer wieder abtrocknen.
Die Temperatur der Bodenplatte wurde in beiden Ställen gleich gut gehalten. Die Temperaturmessungen der Einstreu ergaben, dass diese ebenfalls beide gleich gut waren. Und das, obwohl die Strohpellets sehr viel dünner lagen. Die krümelige Struktur blieb so lange erhalten, bis sie feucht wurde. Dieses dauerte in der Stallmitte mehrere Wochen.
Das hohe Wasserbindevermögen der Strohpellets (bis zu 300%) erwies sich positiv, wenn die Tiere an den Tränken zuviel mit Wasser gespielt hatten oder eine Tränke leckte. Nach einer kurzen Durcharbeitung waren die Stellen innerhalb eines Tages wieder trocken.
Interessant war das Verhalten der Puten nicht nur nach dem Durcharbeiten der Einstreu. Sie fühlten sich sichtlich wohl, was man durch die gute Annahme des lockeren und trockenen Materials sehen konnte.

Im zweiten Projekt waren die Schadgasmessungen ebenfalls weit unter den üblichen Werten. Dies ist für das Tierwohl als sehr positiv zu bewerten.

In den Betrieben, die 2011 betreut wurden, waren ähnliche Versuchsaufbauten. Der einzige Unterschied war, dass es sich um Hahnenmast handelte. Die Tiere wurden 21 Lebenswochen aufgezogen und dann der Schlachtung zugeführt.

Fazit
Fußballenerkrankungen oder auch Poderdermatitis ist ein multifaktorielles Geschehen. Beeinflusst werden kann es durch Feuchtigkeit, Einstreu, Luftfeuchtigkeit, Lüftung, Fütterung, Tränketyp usw. Die Versuche haben gezeigt, dass es Einstreualternativen für den Landwirt gibt. „Die“ Einstreu für „den“ Aufzüchter gibt es nicht. Das Management des Mästers hat einen erheblichen Einfluss auf das Geschehen im Stall. Einmaleinstreu hat einen erheblichen arbeitswirtschaftlichen Vorteil. Sie sollte jedoch laufend durchgearbeitet und bei Bedarf nachgestreut werden. Die Zeitersparnis wurde von den teilnehmenden Betrieben in Tierkontrolle gesteckt. Wird der herkömmliche Weg beschritten hat, der Aufzüchter den Vorteil, evtl. auftretende Krankheiten über zu streuen.

Ein Universalmittel zu besserer Fußballengesundheit gibt es noch nicht. Stimmen alle Faktoren optimal überein, muss das nicht einhergehen mit optimaler Fußballengesundheit. Es gibt Verbesserungen zu verzeichnen, die aber noch verbesserungswürdig erscheinen. Das Tierwohl war sehr wohl positiv beeinflusst. Verhaltensweisen, die in Langstroh nicht möglich sind, konnten ausgeübt werden. Die bisherigen guten Schlachtkörperqualitäten wurden beibehalten. Die Aufzüchter waren positiv den neuen Einstreualternativen gegenüber eingestellt und verwenden sie weiterhin.