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Käfer, Sturm und Freiflächen im Wiehengebirge

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Geht es um den Borkenkäfer und Trockenheitsschäden in Wäldern in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen, stehen oft die Region Südniedersachsen, der Harz oder das Sauerland im Fokus. Aber auch im Raum Osnabrück, wo große Waldgebiete das Wiehengebirge und den Teutoburger Wald prägen, haben die vergangenen Jahre ihre Spuren hinterlassen. Ein Besuch bei Jochen Schulze Pellengahr von der Bezirksförsterei Wittlage-Ost wirft einen Blick auf die Waldschäden und die Aufforstungen, die die nächsten Jahrzehnte prägen werden.

Im Wiehengebirge
Im Wiehengebirge sind trotz der großen Schadholzmenge nur selten so wie hier größere Freiflächen entstanden.Carl Hesebeck
Verbissene Fichte
Deutlich überhöhte Wilddichten machen selbst der Fichte zu schaffen und sind ein Problem für die Wiederbewaldung.Carl Hesebeck

 

 

 

 

 

 

„Im Bereich Osnabrück haben die Fichtenbestände etwa 15 bis 20 Prozent an Fläche eingebüßt. Das ist natürlich nicht mit der Situation etwa im Harz vergleichbar, macht sich aber auch hier stark bemerkbar“, berichtet Dr. Florian Stockmann, Leiter des Forstamtes Weser-Ems. Initialzündung für die Massenvermehrung von Buchdrucker und Kupferstecher war wie andernorts auch im Januar 2018 Orkantief Frederieke. „Der Boden war durch die nasse Witterung stark aufgeweicht, die Wurzeln der Bäume hatten so kaum noch Halt und dann kam der Sturm“, blickt Jochen Schulze Pellengahr zurück. Der Bezirksförster betreut rund 2.500 Hektar Privat- und Kommunalwald mit einer stetig wachsenden Zahl von Waldbesitzern. „Aktuell sind es etwa 600 bis 800, durch Erbschaften und Teilverkäufe lässt sich die Zahl mittlerweile aber nur noch schätzen“, ergänzt Schulze Pellengahr.

Fichte verjüngt sich
Fichte verjüngt sich – Adlerfarn als hartnäckige KonkurrenzvegetationCarl Hesebeck

Die Zahl der zu betreuenden forstlichen Zusammenschlüsse lässt sich dagegen gut zusammenfassen: Der Forstmann ist für die Waldschutzgenossenschaften Bad Essen und Lintorf-Barkhausen zuständig. In den Waldbeständen dominieren zu je einem Drittel im wesentlichen die Baumarten Buche und Fichte, in den übrigen Flächen sind es mit verschiedenen Anteilen Eiche, Douglasien, Kiefern und andere Laubhölzer mit hoher Lebensdauer wie etwa Bergahorn. Kennzeichnend im Hinblick auf die Waldbesitzerstruktur sind vor allem die vielen kleinen Parzellen, wie sie typisch sind für die Region Osnabrück. „Hier im Bezirk sind es Schnitt vier Hektar verteilt auf sechs bis acht Parzellen pro Besitzer. Meist in langen schmalen Streifen, die nur schwer zu bewirtschaften sind“, erklärt Schulze Pellengahr.

Nach dem Sturm 2018 gab es im selben Jahr ab Mai keinen Regen mehr – gute Voraussetzungen für den Borkenkäfer. Entsprechend fielen auch 19.000 Festmeter Schadholz an, 2020 waren es dann schon 43.000 Festmeter. „2022 waren es dann noch 30.000 Festmeter, vermehrt auch wieder durch Sturmschäden. Die Bestände waren ja durch die Vorjahre alle angerissen und boten dem Wind eine entsprechende Angriffsfläche“, erzählt der Bezirksförster. Zeitweilig waren bis zu drei Harvester und Forwarder gleichzeitig im Einsatz, fallenden Holzerlösen zum Trotz. „Viele Waldbesitzer sind angesichts der Lage frustriert. Der Wald hat nicht nur einen finanziellen Aspekt, sondern eben auch einen emotionalen Wert“, betont Schulze Pellengahr.

Weil große Holzmengen abtransportiert werden mussten, hat auch das Wegesystem gelitten – entsprechend waren laufend Instandsetzungsarbeiten erforderlich. Bis ins Frühjahr 2023 sind etwa 200 bis 300 Hektar Freifläche entstanden, in der Regel aber nur auf kleineren Parzellen. „Die Hauptarbeit kommt erst noch, denn diese Flächen müssen wieder in Bestockung gebracht werden. Nicht überall werden wir Naturverjüngung erfolgreichen arbeiten können“, meint der Forstmann. Drei Jahre nach der Kalamität lässt sich mittlerweile gut erkennen, wo mit dem Samenanflug von Lärche, Douglasie, Birke, Kiefer und anderen Baumarten eine neue Waldgeneration in den Startlöchern steht. Genau wie seine Kollegen geht Jochen Schulze Pellengahr diese Aufgabe gemeinsam mit seinen Waldbesitzern an, meist dient ein Flächenbegang als Auftakt.

Jochen Schulze Pellengahr
Die größte Aufgabe kommt erst noch: Jochen Schulze Pellengahr und seine Kollegen stehen nach etlichen Kalamitätshieben nun vor dem Mammutprojekt WiederaufforstungCarl Hesebeck
Einige Waldbesitzer innerhalb der beiden Waldschutzgenossenschaften haben schon mit der Wiederaufforstung begonnen, gepflanzt wurden bislang unter anderem Eiche, Douglasie, Küstentanne, Winterlinde sowie Spitz- und Bergahorn. Der Bezirksförster sieht Fichten und Buchen als Auslaufmodel.

 „Auf die Buche wollen wir nicht setzen, sie zählt nach der Fichte definitiv zu den Verlierern des Klimawandels. Das gilt insbesondere auf flachgründigen Kalkstandorten“, erklärt Schulze Pellengahr. Auch in den Buchenbeständen waren im Wiehengebirge in den vergangenen Jahren größere Mengen Schadholz angefallen, zumeist bedingt durch Trockenstress. Der Bezirksförster sieht Fichte und Buchen daher wie viele Berufskollegen auf vergleichbaren Standorten als Auslaufmodell. Aber auch die nun folgenden Neuanpflanzungen werden sich unter veränderten klimatischen Bedingungen beweisen müssen und gegen kräftige Begleitvegetation behaupten. Der Wald wird sein Gesicht weiter wandeln und im Wiehengebirge in Zukunft noch bunter und vielfältiger auftreten, als heute schon. „Dazu tragen auch die kleinen Besitzstrukturen bei, wie schon seit vielen Jahrhunderten“, ist sich Jochen Schulze Pellengahr sicher.